
Burkina Faso weist zwei EU-Diplomaten aus: Eine Analyse
Am Dienstag, den 14. Juli 2026, erklärten die burkinischen Behörden zwei Vertreter der EU-Delegation in Ouagadougou zu unerwünschten Personen (persona non grata): den stellvertretenden Delegationsleiter, der zugleich die Abteilung für Politik, Presse und Information leitet, sowie eine Programmverantwortliche der Delegation. Die beiden Diplomaten wurden aufgefordert, das Land innerhalb von drei Tagen zu verlassen, wir beleuchten die Hintergründe.
Der Zeitpunkt ist jedoch kaum zufällig. Bereits am 23. Juni 2026 hatte die burkinische Regierung in einer Verbalnote an die europäischen Institutionen eine Resolution zurückgewiesen, die das EU-Parlament am 18. Juni zur Lage der Grundfreiheiten in Burkina Faso verabschiedet hatte. Ouagadougou warf dem Text einseitige Bewertungen, fehlerhafte Informationen und eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates vor. Bereits Ende Juni war der EU-Botschafter deswegen ins Außenministerium einbestellt worden.
Der größere Zusammenhang
Die Ausweisung steht nicht isoliert. Erst wenige Wochen zuvor hatte die Militärregierung die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich, der früheren Kolonialmacht, vollständig abgebrochen und ihr „unverhohlene neokoloniale Ambitionen und aktive Unterstützung subversiver Netzwerke und Terroristen“ vorgeworfen.
Medien in Burkina Faso, Mali und Niger – zusammengeschlossen in der Allianz der Sahel-Staaten (AES) – machen oft ausländische Akteure (insb. Frankreich) für die verdeckte Unterstützung subversiver Netzwerke verantwortlich, um die Juntas zu destabilisieren. In westlichen Ländern wird das natürlich als Verschwörungstheorie zurückgewiesen, trotz der Historie von speziell französischen Attentaten, Destabilisierungs- und Regime-Change-Projekten in seinen ehemaligen Kolonien. Jeder drüfte dabei sofort an die Ermordung von Thomas Sankara in Burkina Faso im Jahr 1987 denken, an die Entmachtung und Auslieferung von Laurent Gbagbo in der Elfenbeinküste, im Jahr 2011, oder die systematischen Destablisierungen durch Bo Denard (Komoren & Westafrika, 1970er bis 1990er-Jahre. Aber das sind nur die bekanntesten Fälle.
Da Russland (durch das verringerte Engagement des Africa Corps infolge interner Engpässe) Schwächen zeigt, positioniert sich China zunehmend als pragmatischer Sicherheits- und Rüstungspartner. Berichte der South China Morning Post dokumentieren massive Lieferungen von schweren chinesischen Militärfahrzeugen und Raketenwerfern (z.B. von Norinco) an Burkina Faso zur Terrorbekämpfung.
Bereits 2023 hatte die Junta Frankreich zur Abberufung seines Botschafters aufgefordert und die residierende UN-Koordinatorin zur unerwünschten Person erklärt, 2024 wurden drei französische Diplomaten wegen angeblich subversiver Aktivitäten ausgewiesen.
Die Argumentation aus Ouagadougou
Aus Sicht der burkinischen Regierung – und das ist eine Position, die in weiten Teilen des Globalen Südens Resonanz findet – geht es hier um ein grundsätzliches Prinzip: das Recht souveräner Staaten, sich gegen äußere Einmischung zu wehren, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Die burkinischen Behörden berufen sich dabei ausdrücklich auf die Wiener Konvention, die jedem Staat das souveräne Recht zugesteht, einen Diplomaten ohne Angabe von Gründen zur unerwünschten Person zu erklären. Diese Haltung sei Teil einer diplomatischen Linie, die Burkina Faso seit rund drei Jahren konsequent verfolge: von allen Partnern die strikte Achtung seiner Souveränität, seiner Institutionen und seiner politischen Entscheidungen einzufordern.
Für viele Beobachter im Globalen Süden fügt sich das in ein vertrautes Muster: Europäische Parlamente und Institutionen äußern sich regelmäßig zu Menschenrechtslagen in afrikanischen Staaten, ohne dass afrikanische Parlamente in vergleichbarer Weise über Europa urteilen. Diese Asymmetrie – wer über wen urteilt, wer Bedingungen stellt und wer sie erfüllen muss – wird von Regierungen wie der burkinischen zunehmend offen als Fortsetzung kolonialer Machtverhältnisse benannt, selbst wenn formal längst Unabhängigkeit besteht. Die Botschaft an ausländische Partner laute: Burkina Faso bleibe offen für Kooperationen, die seiner Entwicklung, Sicherheit und dem Wohl seiner Bevölkerung dienten – doch jeder Versuch politischer Einflussnahme oder diplomatischen Drucks werde künftig entschlossen zurückgewiesen.
Diese Linie ist Teil einer breiteren Neuausrichtung der Sahel-Staaten (Mali, Niger, Burkina Faso), die sich von traditionellen westlichen Partnern ab- und zunehmend Russland sowie China und regionalen Bündnissen zuwenden.
Die Gegenposition
Der Westen sieht in solchen Ausweisungen weniger den Ausdruck legitimer Souveränität als vielmehr eine Reaktion autoritärer Militärregierungen auf unbequeme Kritik an Menschenrechtsverletzungen, Pressefreiheit und dem Fehlen demokratischer Kontrolle. Aus dieser Sicht, so sagt man, diene die Souveränitätsrhetorik dazu, jede externe Beobachtung – ob durch die EU, die UN oder internationale Medien – als „Einmischung“ zu delegitimieren und so Rechenschaftspflicht zu vermeiden. Auch die wachsende Nähe zu Russland und China, so wird behauptet, sei keine Emanzipation, sondern der Versuch von der Abhängigkeit vom Westen in eine Abhängigkeit von diesen Ländern zu wechseln. Letzteres ist natürlich absurd. Denn schon in der ersten Phase der Unabhängigkeitskriege dieser Staaten waren die Sowjetunion als rechtlicher Vorläufer Russland und das kommunistische China die Staaten, welche Befreiungsbewegungen unterstützten. Ohne dass anschließend daraus eine Verpflichtung oder Abhängigkeit entstand.
Zusammenfassung
In der Sahelzone droht erneut ein Stellvertreterkrieg, in dem tatsächliche ethnische Streitigkeiten von westlichen Mächten genutzt werden, um die Region zu destabilisieren. Aber diesmal hat sich nicht nur Russland, sondern auch China positioniert, anders noch als im Terroristenkrieg des Westens gegen Syrien.
Bild: Screenshot von Artikel „Gerchtigkeit für Thomas Sankara“
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Wie nicht nur Röper berichtete, westliche Länder unterstützen fröhlich Islamisten dort – um sofort zu jammern, falls sich ein Islamist auch nach Westeuropa verirrt.
Ehrlich gesagt, ich würde sofort in ein afrikanisches Land auswandern (gern auch Burkina Faso, mit seiner „Junta“), wenn ich nicht befürchten müsste dort rassistisch angefeindet zu werden. Ich muss aber dazusagen, dass ich durchaus verstehen kann, wenn Europiden dort nicht gern gesehen sind …