Frankreich verhört Durov zum vierten Mal – der Krieg gegen verschlüsselte Kommunikation eskaliert

15. Juli 2026von 3,7 Minuten Lesezeit

Frankreichs und der EU Feldzug gegen Telegram und die Meinungsfreiheit ist weiter im vollem Gang. Fast zwei Jahre nach der Verhaftung des Telegram-Gründers sucht die französische Justiz immer noch nach stichhaltigen Beweisen. Ein Fall, der zeigt, wohin die EU mit ihrer Zensurpolitik steuert.

Die französischen Behörden geben nicht auf. Pavel Durov, der Gründer von Telegram, wurde in Paris erneut verhört – zum vierten Mal innerhalb von fast zwei Jahren. Die französischen Ermittler hielten ihn über sechs Stunden fest. Der Fall, der mit seiner spektakulären Verhaftung am Flughafen Le Bourget im August 2024 begann, zieht sich weiter hin. Und das, obwohl seine Anwälte betonen, dass es bis heute keine Beweise für die vorgeworfenen Straftaten gibt.

Durov steht unter einem Dutzend Anklagepunkten. Der schwerwiegendste Vorwurf lautet, er habe durch unzureichende Moderation und Weigerung, Nutzerdaten herauszugeben, Straftaten organisierter Gruppen auf seiner Plattform ermöglicht. Dafür drohen bis zu zehn Jahre Haft und eine halbe Million Euro Strafe. Nach der Verhaftung wurde eine Kaution von fünf Millionen Euro verhängt, wöchentliche Meldepflicht und ein Ausreiseverbot. Letzteres wurde erst im November 2025 vollständig aufgehoben.

Keine Beweise nach fast zwei Jahren

Die Anwälte Durovs machten nach der vierten Vernehmung deutlich: „Fast zwei Jahre nach der Anklageerhebung gegen Pavel Durov gibt es immer noch keine Beweise, die die Gültigkeit der Anklagepunkte belegen.“ Sie haben bereits Berufung in Frankreich und vor europäischen Gerichten eingelegt und werden den Fall weiter anfechten.

Durov selbst hat die Anklage und die Art der Verhaftung wiederholt als „absurd“ bezeichnet und als Angriff auf die Meinungsfreiheit gewertet. In einem Statement im Mai 2026 unterstützte er Elon Musk und die Plattform X, die ebenfalls unter französischer Beobachtung stehen. Er warf den französischen Behörden Heuchelei vor und prophezeite eine „große politische Verschiebung im Jahr 2027“, die ihre Machenschaften ans Licht bringen werde.

Telegram selbst betont, dass man europäische Gesetze einhalte und auf gültige rechtliche Anfragen reagiere. Seit der Verhaftung Durovs hätten die französischen Behörden ihre Anfragen sogar deutlich verbessert.

Ein Muster wird sichtbar

Was hier geschieht, ist kein Einzelfall. Frankreich und die EU gehen zunehmend gegen Betreiber verschlüsselter oder datenschutzfreundlicher Plattformen vor. Statt einzelne Straftäter zu verfolgen, wird der Plattformbetreiber persönlich haftbar gemacht – für Inhalte, die er selbst nicht geschrieben hat. Das ist eine fundamentale Verschiebung: Weg von der Verantwortung des Einzelnen hin zur Kollektivhaftung des Technologieanbieters.

Das ist übrigens sehr ähnlich dem, was die US-Behörden im Auftrag der Contentindustrie gegen Kim Dotcom und seine Plattform Megaupload gemacht haben, Der Verfolgung zieht sich mittlerweile schon 14 Jahre hin. Er wir für Verletzungen von Urheberrechten durch die Nutzer seiner Services verantwortlich gemacht.

Der Fall Durov reiht sich ein in eine ganze Serie von Maßnahmen, mit denen Brüssel und Paris versuchen, die Kontrolle über digitale Kommunikation zu gewinnen. Ob durch den Digital Services Act, Forderungen nach Altersverifikation oder Angriffe auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – das Muster ist immer dasselbe: Unter dem Deckmantel des Kinderschutzes oder der Kriminalitätsbekämpfung wird die private Kommunikation und die Meinungsfreiheit weiter eingeschränkt.

Dass ein Plattformgründer fast zwei Jahre nach seiner Verhaftung immer noch verhört wird, ohne dass handfeste Beweise vorliegen, sagt mehr über den politischen Willen aus als über tatsächliche Straftaten. Es geht darum, ein Exempel zu statuieren und andere Betreiber einzuschüchtern.

Die Botschaft ist klar

Wer eine Plattform betreibt, die echte Privatsphäre und Verschlüsselung ermöglicht, muss damit rechnen, persönlich zur Verantwortung gezogen zu werden – auch ohne eigene Straftat. Das ist nicht mehr die Verfolgung von Kriminellen, sondern die Kriminalisierung von Technologie, die dem Staat die totale Überwachung erschwert.

Durovs Fall zeigt, wohin die Reise geht. Nicht die Kriminellen stehen im Zentrum, sondern diejenigen, die Werkzeuge für private Kommunikation bereitstellen. Und solange keine echten Beweise vorliegen, bleibt die Vernehmung nach Vernehmung – ein Verfahren, das mehr nach Einschüchterung als nach Rechtsstaatlichkeit aussieht. Bei Durov und Dotcom.

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3 Kommentare

  1. Andreas_Sch. 16. Juli 2026 um 19:59 Uhr - Antworten

    Ich hätte nie darauf spekuliert, dass Frankreich – einst bekannt für „La Grande Armée“ – einmal das Schoßhunderl, mit kupiertem Schwänzchen, einer teutonischen Mittelstandstrulla mit gebleichter Helmfrisur wird.
    Brunhilde s’est réveillée et attend l’hommage de ses fidèles ! Alors : Schnell! Schnell!

  2. Jurgen 15. Juli 2026 um 14:48 Uhr - Antworten

    Frankreich hatte in Europa als Erster die SMS-Überwachung (Keywords-Scan) eingeführt im letzten Jahrtausend…

  3. Glass Steagall Act 15. Juli 2026 um 11:47 Uhr - Antworten

    An Durovs Stelle würde ich den französischen Pass in den Müll werfen und das Land nie wieder betreten! Gleiches gilt für ganz Europa! Ein Land, welches einen Neubürger so behandelt, sollte unbedingt gemieden werden!

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