65. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Libanon und Iran – was am 3. Mai geschah

3. Mai 2026von 6 Minuten Lesezeit

Während die Welt auf einen möglichen Waffenstillstand im US-Iran-Krieg wartet, zeigen die Ereignisse des 3. Mai 2026 ein klares Bild: Die asymmetrische Kriegsführung von Hisbollah und iranischen Kräften setzt der hochtechnisierten Übermacht Israels und der USA zu. Die Diplomatie wird mit einem 14-Punkte Plan des Iran fortgesetzt. Nun wird auf eine Antwort der USA gewartet.

Hier die wichtigsten Entwicklungen des Tages, gestützt auf Berichte aus der Region. Laut Berichten von Fars News Agency äußerte Russland seine Bereitschaft, bei der Beendigung des US-israelischen Krieges gegen Iran zu helfen. Der russische Außenminister Sergey Lavrov signalisierte, Moskau sei bereit, jede notwendige Unterstützung zu leisten, um den Frieden in Westasien wiederherzustellen. Gleichzeitig eskaliert Israel seine Operationen südlich des Litani-Flusses im Libanon – mit Vertreibungsanordnungen, Zerstörung christlicher Einrichtungen und hohen eigenen Verlusten durch billige Drohnen. Die „unbesiegbare“ Armee erweist sich einmal mehr als verwundbar. 

Irans 14 Punkt Plan

In ihrem Vorschlag hatten die USA einen zweimonatigen Waffenstillstand gefordert, doch der Iran betonte, dass die Streitfragen innerhalb von 30 Tagen gelöst werden müssten und dass der Schwerpunkt nicht mehr auf der Verlängerung des Waffenstillstands, sondern auf der „Beendigung des Krieges“ liegen sollte.
Themen wie Nichtangriffsgarantien, der Abzug der US-Streitkräfte aus den Gebieten rund um den Iran, die Aufhebung der Seeblockade, die Freigabe der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte, die Zahlung von Entschädigungen, die Aufhebung der Sanktionen und die Beendigung des Krieges an allen Fronten, einschließlich des Libanon, sowie ein neuer Mechanismus für die Straße von Hormus gehören zu den Themen, die in dem 14-Punkte-Vorschlag des Iran enthalten sind.
Der Iran wartet auf eine offizielle Antwort der USA auf die Vorschläge. (Tasnim News)

Iran kontert die US-Blockade – Supertanker durchbricht die Linien

Iranische Kräfte demonstrieren weiterhin Entschlossenheit gegen die US-Seeblockade. Wie die iranische Nachrichtenagentur Fars News berichtet, hat ein riesiger iranischer Supertanker die US-Überwachungslinie durchbrochen und ist mit einer Rohölladung im Wert von 220 Millionen Dollar auf dem Weg in den Fernen Osten. Parallel dazu hat Pakistan offiziell Transitgüter über seine Häfen Gwadar, Karachi und Qasim für den Iran freigegeben – ein neuer Transitkorridor, der die südlichen iranischen Häfen als Ausweichmöglichkeit bei einer Seeblockade dient. Ein Militärberater des iranischen Revolutionsführers drohte zudem, die Straße von Hormus zum „Friedhof“ US-amerikanischer Flugzeugträger und Truppen zu machen. Die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) warnte Washington: „Die Optionen der USA werden enger. Trump muss zwischen einer unmöglichen Militäroperation oder einem schlechten Deal wählen.“ (Fars News, aktuelle Berichte vom 3. Mai)

US-Präsident Donald Trump prüft derzeit Irans 14-Punkte-Friedensvorschlag, signalisiert aber Skepsis. Auf Truth Social schrieb er, er könne sich nicht vorstellen, dass Iran „einen hohen genug Preis für das gezahlt hat, was es der Menschheit und der Welt in den letzten 47 Jahren angetan hat“. Gleichzeitig kündigte er weitere Truppenabzüge aus Deutschland an. Eine ABC/Washington-Post-Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Amerikaner die USA in die falsche Richtung steuern sehen – maßgeblich wegen der Ölkrise und steigender Benzinpreise durch den Iran-Krieg. Die vorläufige Opferbilanz der US-israelischen Angriffe auf den Iran liegt bei 3.375 Toten. (Middle East Eye Live-Update und Al Jazeera-Berichterstattung).

Israel drängt im Libanon vor – Vertreibungen südlich des Litani und Zerstörung christlicher Stätten

Parallel zum Iran-Konflikt intensiviert Israel seine Operationen im Südlibanon. Das israelische Militär hat Vertreibungsanordnungen für elf Dörfer und Städte südlich des Litani-Flusses erlassen und fordert die Bewohner auf, sich mindestens 1.000 Meter in offenes Gelände zurückzuziehen. Betroffen sind Orte wie Al-Duwayr, Arab Salim, Jebchit und Kfar Sir. Artilleriebeschuss auf die Umgebung von Zawtar al-Sharqiya und Mayfadoun folgte unmittelbar. Israel begründet dies mit Verletzungen des Waffenstillstands vom 17. April durch Hisbollah. (Middle East Eye Iran-War-Live). 

Noch schwerwiegender: Israelische Truppen haben in Yaroun ein Kloster und eine Schule der Salvatorianer-Schwestern dem Erdboden gleichgemacht – Einrichtungen, die Tausende Schüler versorgten. Auch ein Konvent der griechisch-katholischen Salvatorianerinnen wurde zerstört. Die Organisation L’Oeuvre d’Orient verurteilte die Tat scharf als „systematische Zerstörung von zivilen Einrichtungen, um die Rückkehr der Bevölkerung zu verhindern“ und als Angriff auf das christliche Erbe im Libanon. Die libanesische Gesundheitsbehörde meldete zudem einen Angriff auf einen medizinischen Stützpunkt im Bezirk Tyre, bei dem vier Sanitäter und eine weitere Person verletzt wurden – ein klarer Verstoß gegen die Genfer Konvention. Die libanesische Todesbilanz durch israelische Angriffe liegt mittlerweile bei über 2.500 bis 2.679 Toten. (Middle East Eye und Al Jazeera).

Hisbollah-Drohnen dezimieren israelische Elite-Einheiten – Die Merkava-Legende bröckelt

Während Israel Bodenoperationen und Vertreibungen vorantreibt, schlägt Hisbollah mit kostengünstigen FPV-Drohnen zurück. Wie bereits in meinem Beitrag von heute Morgen detailliert beschrieben, erlitten israelische Elite-Einheiten hohe Verluste: Am 30. April trafen Drohnen ein Munitionstransportfahrzeug und töteten zwölf Soldaten. Die Drohnen umgehen moderne Abwehrsysteme wie „Trophy“, indem sie Schwachstellen (Kanonen, Luken) oder faseroptische Verbindungen angreifen. Historisch gesehen hat Hisbollah allein am 26. März 21 Merkava-Panzer in 24 Stunden ausgeschaltet. Die Taktik erinnert an den Ukraine-Konflikt: Billige Drohnen und Präzisionswaffen zermürben die Logistik und das Personal der „unbesiegbaren“ Armee. (Vergleiche meinen Artikel „Hohe Verluste israelischer Elite-Einheiten durch Hisbollah-Drohnen“ auf tkp.at).

Hisbollah meldete zudem weitere Drohnen- und Raketenangriffe auf israelische Stellungen im Südlibanon, während die IDF eigene Erfolge bei der Zerstörung von Raketenabschussrampen und Tunneln verkündet. Israel hat zudem die Beschaffung neuer F-35- und F-15IA-Kampfjets aus den USA genehmigt – ein weiteres Zeichen, dass High-Tech allein nicht reicht. (Haaretz und Al Jazeera).

Fazit: Asymmetrischer Krieg zeigt Grenzen der Übermacht

Die Ereignisse des 3. Mai machen deutlich: Weder die US-Blockade noch Israels Vorstoß im Libanon verlaufen nach Plan. Iran findet Wege, den Druck zu umgehen, und Hisbollah nutzt Gelände, Drohnen und asymmetrische Taktiken, um die israelische Überlegenheit in eine Abnutzungsschlacht zu verwandeln.

Die Zerstörung ziviler und religiöser Infrastruktur im Libanon – darunter christliche Einrichtungen – wirft zudem ein Schlaglicht auf die humanitären Kosten dieser Konflikte. Ob Trump einen Deal akzeptiert oder weitere Eskalation riskiert, wird die nächsten Tage entscheiden. Die „unbesiegbare“ Armee und die US-Seemacht wirken jedenfalls weniger unbesiegbar denn je.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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56. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon – weder Krieg noch Frieden (Ticker 21:00 Uhr)

55. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon – See-Blockade und Zerstörung des Südlibanon (Ticker 17:30 Uhr)

Links zu den weiteren Ticker-Artikel finden sich am Ende des 55. Tages.

 

8 Kommentare

  1. Daisy 4. Mai 2026 um 8:01 Uhr - Antworten

    Präsident Donald Trump kündigte am Sonntag das “Project Freedom“ an, bei dem das US-Militär ab Montag damit beginnen würde, Schiffe aus anderen Nationen sicher aus der Meerenge von Hormus zu führen.

    “Länder aus der ganzen Welt, die fast alle nicht so sichtbar und für alle sichtbar in den Nahoststreit verwickelt sind, haben die Vereinigten Staaten gefragt, ob wir bei der Befreiung ihrer eingespxrrten Schiffe helfen könnten die Straße von Hormus, auf etwas, mit dem sie überhaupt nichts zu tun haben — Sie sind lediglich neutrale und unschuldige Zuschauer!” sagte Trump in einem Beitrag auf Truth Social.

    Der Iran hat sich darüber schon sehr aufgepudelt und kündigte an, den Waffenstillstand zu brechen.

    Die USA wollen die Frachtschiffe eskortieren. Der Iran will auf sie schießen. Ist das ein Plan, dass nun der Iran den Krieg beginnt und die Amis sich bloß verteidigen?

      • Varus 4. Mai 2026 um 10:05 Uhr

        Ungeschnittene-Newsticker: „… 04. Mai 06:58 … Pepe Escobar: „Gulf of Tonkin reloaded“ – „Project Freedom“ sei kein humanitärer Einsatz, sondern ein Vorwand der USA („Empire of Piracy“), um über eine inszenierte Eskalation nahe der Straße von Hormus den nächsten Krieg zu rechtfertigen. …“

      • Daisy 4. Mai 2026 um 10:10 Uhr

        Ja, dachte ich auch…:-)

    • Varus 4. Mai 2026 um 10:03 Uhr - Antworten

      Der Iran hat sich darüber schon sehr aufgepudelt und kündigte an, den Waffenstillstand zu brechen.

      Streng genommen, eher würde der Piratenboss den Waffenstillstand brechen – egal, unter welchen Vorwänden der wieder loslegt.

  2. therMOnukular 3. Mai 2026 um 22:36 Uhr - Antworten

    Eine Anregung an die Öl-Experten, weil ich gerade Glenn Diessen im Gespräch mit einem fernöstlichen Analysten belausche. Hier die Sicht aus Asien:

    Selbst wenn die USA als größter Öl- & Gasproduzent auf diesem Planeten hervorgehen, von dem alle abhängig sind, nachdem die übrige Produktion zerstört wurde, hätten sie nichts davon. Zu viel dieser Produktion basiert auf teuren Technologien, zu schnell gehen solcherart Vorräte zur Neige und die weitere Produktion wird immer teurer und teurer. Die Reserven anderswo sind ungleich größer & billiger und würden so mit jedem Tag enorm an Wert gewinnen.

    Eines Tages wird also der Rest der Welt alles repariert haben und sich schlicht weigern, das teure Öl der USA zu beziehen (weil sie es nicht mehr bezahlen können). Der Druck auf die USA, billige Energie anzubieten, wird ebenso anwachsen wie das Bedürfnis der anderen, alternative Produktion wieder aufzunehmen. Solange, bis die USA auf ihrer teuren Energie sitzen bleiben und sich dieses böse Omen für jede Wirtschaft gegen sie selbst richtet. Europa wird wieder russische Energie beziehen (müssen) und die Golfstaaten werden sich ihren Profit nicht ewig verbieten (oder durch Bestechung „abkaufen“) lassen.

    Ein weiterer Aufschub, vielleicht. Aber dennoch Game Over

  3. Varus 3. Mai 2026 um 18:41 Uhr - Antworten

    Die Ungeschnittenen brachten einen Artikel mit einem Video, wie der Trumpigste mit Piraterie gegen iranische Schiffe prahlt. Dafür gab es sogar irgendwie Lob aus Russland: „… Zudem äußerte sich ein Moderator des russischen Senders {Böses Medium} wie folgt als Reaktion: „Das einzig Gute an Trump ist, dass er offen zugibt, dass die USA ein Schurkenstaat sind, dem das Völkerrecht völlig egal ist; er macht sich nicht die Mühe, die abscheulichen Taten der USA mit der falschen liberalen PR-Rhetorik zu verschleiern, die frühere Präsidenten verwendet haben.“ …“

    • therMOnukular 3. Mai 2026 um 22:23 Uhr - Antworten

      ;)) Ich finde das großartig! Das böse Medium hat völlig recht. Das war einer der Gründe, warum mich seine Wahl gefreut hat. Alle anderen Gründe hat er ja leider platzen lassen, aber da war die Hoffnung eh gering. Das Wesentliche hält er aber: sein Ego…;))

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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