
An Werktagen sterben mehr Menschen als an Wochenenden: wahrscheinliche Hauptursache Chirurgie
An Wochenenden sterben weniger Menschen als an Werktagen, die meisten an Freitagen. Die Differenzen sind nicht besonders hoch, unter 5%, allerdings ziemlich signifikant.
Kürzlich stolperte ich bei der Untersuchung eines Datensatzes über Impfnebenwirkungen über eine seltsame Wochenperiodik. Um mir einen Überblick über die grundlegenden Zusammenhänge zu verschaffen, durchsuchte ich daraufhin tägliche Sterbedaten. Erstaunlicherweise ist ihre Verteilung auf die sieben Wochentage ungleichmäßig. Da das Sterben ein biologischer Prozess ist, und der Körper selbstverständlich nichts von Wochentagen weiß, würde man eine statistische Gleichverteilung erwarten, d. h. an allen Wochentagen müssten in etwa gleich viele Menschen sterben, wenn man über einen längeren Zeitraum zählt.
Eine solche Auswertung erweist sich als unerwartet schwierig, da kaum ein Land tägliche Sterbezahlen veröffentlicht. Ist ein Land zu klein oder der Zeitraum zu kurz, ist überdies die Streuung zu groß für den Nachweis signifikanter Muster. Das wahrscheinlich weltweit am besten geeignete Quellenmaterial stammt von Destatis, lückenlos bis in die Gegenwart seit dem 1.1.2000. Daraus wurde zunächst die jährliche Saisonalitätskomponente eliminiert (STL-Dekomposition) und sodann nach Wochentagen aggregiert. Für jeden Wochentag wurden die Sterbewahrscheinlichkeit und die Wahrscheinlichkeit seines Auftretens berechnet, der Quotient gebildet und die Abweichung von 1 mit einem t-Test ausgewertet. Die so gewonnenen Punktschätzer liefern relative Abweichungen von der Gleichverteilung nebst Konfidenzintervallen (Abb. 1).

Abb. 1: Häufigkeitsverteilung von Sterbezahlen je Wochentag in Deutschland.
Im Ergebnis zeigen sich Abweichungen zwischen ca. -3.5% und +1.5%, die bis auf den Montag signifikant sind. Die Werktage mit einem Peak am Freitag unterscheiden sich deutlich von den Wochenenden. Noch dazu wirken die Punktschätzer recht glatt, kaum verrauscht. Das sieht mehr nach einer unnatürlichen Systematik als nach Zufall aus. Letzteren kann man nach den Maßstäben der Statistik ausschließen. In einer früheren Arbeit, die auf der Auswertung von Todesanzeigen in Zeitungen basierte, hatte Jirí Wackermann ähnliche Unterschiede entdeckt. Aufgrund des geringeren Datenumfangs war die Signifikanz aber schwächer ausgeprägt.
Auch ein französischer Datensatz der Jahre 2019, 2022 und 2023 weist Ähnlichkeiten mit der deutschen Häufigkeitsverteilung auf. Angesichts des kurzen Zeitraums fallen aber die Konfidenzintervalle recht breit aus, und der Verlauf erscheint weniger regelmäßig (Abb. 2).

Abb. 2: Häufigkeitsverteilung von Sterbezahlen je Wochentag in Frankreich.
Das beschriebene Muster findet sich in allen Bundesländern und hat sich über die Zeit kaum geändert, wie weitere Detail-Auswertungen ergaben. Es scheint sich also um einen systematischen Prozess zu handeln, der an Werktagen anders als an Wochenenden wirkt. Eventuell müsste sich einen Unterschied zeigen, wenn man gezielt Zeiträume mit reduzierter Werktätigkeit auswählt. Tatsächlich ist während der Ferienzeit (Jul–Aug) das Niveau an den ersten drei Werktagen etwas niedriger. Die Beobachtung kann angesichts der großen Konfidenzintervalle aber nicht als stichhaltig angesehen werden (Abb. 3,4).

Abb. 3: Häufigkeitsverteilung von Sterbezahlen im Juli je Wochentag in Deutschland.

Abb. 4: Häufigkeitsverteilung von Sterbezahlen im Monat August je Wochentag in Deutschland.
Die Frage nach den Ursachen ist im Rahmen einer statistischen Zahlenauswertung selbstverständlich nicht abschließend zu beantworten, insbesondere, wenn mehrere zusammenwirken können. Gewisse Schlussfolgerungen können aber werden.
Bei der Suche nach Erklärungen wären zunächst Arbeitsunfälle naheliegend. Dem ist entgegenzuhalten, dass nach Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung die Anzahl der jährlichen, tödlichen Arbeitsfälle in Deutschland unter 1000 liegt. Im Jahr 2024 wurden 523 Arbeitsunfälle gezählt, davon 218 im Betrieb, der Rest Wegeunfälle. Wegeunfälle dürfen nicht gewertet werden, da sie ebenfalls und wahrscheinlich in stärkerem Maße während der Freizeit passieren. Jedenfalls sind bei ca. 1 Mio. Toten p. a. nur einige Zehntel Promille anzusetzen. Die Differenzen in der Wochentagsverteilung liegen ungefähr 2 Größenordnungen darüber, sind also durch Arbeitsunfälle nicht erklärbar.
Ein anderes Bild ergeben die Unfalltoten insgesamt. Nach Angaben von Destatis waren es 34.060 im Jahre 2024. Der Größenordnung nach könnten sie zwar eine Erklärung sein, aber nicht für die niedrigeren Sterbehäufigkeiten an Wochenenden.
Ein anderer Erklärungskandidat fügt sich besser ins Bild, nämlich chirurgische Eingriffe. Nach einer Untersuchung im Lancet enden sie in Deutschland zu einem Anteil von 2,5% tödlich, wobei Herzoperationen nicht mit enthalten waren. Sicherlich ist zu unterscheiden zwischen riskanten Notfalleingriffen, die zu allen Tagen passieren und geplanten Eingriffen, die sich auf die Werktage beschränken.
Der Verlauf in Abb. 1 ließe sich erklären, wenn man annimmt, dass die Sterbewahrscheinlichkeit am Tag der Operation am höchsten ist und an den Folgetagen rasch abklingt. Dadurch wäre sowohl das Ansteigen von montags bis freitags, wie auch das Absinken von samstags auf sonntags erklärt.
Für die Freitage ist außerdem anzunehmen, dass in gewissem Umfang dringende, d. h. auch gefährlichere Operationen vorgezogen werden. Interessant ist die stetig sinkende Tendenz Freitag-Samstag-Sonntag. Finden an Freitagen vermehrt gefährliche Operatoren statt, und sinkt die Sterbewahrscheinlichkeit über drei Tage stetig ab, entspricht die Beobachtung genau der Erwartung. Auch der leicht veränderte Wochenverlauf in Abb. 3 und 4 fügt sich gut in diesen Zusammenhang. Der Freitags-Peak bleibt, aber das Niveau zu Wochenbeginn ist während der Ferienzeit abgesenkt.
Bild von Catalina Rojas auf Pixabay
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Ulf Lorré ist Ingenieur für Biomedizinische Technik und schreibt unter Pseudonym.
Klingt logisch und wäre auch bei ärztlicher Anständigkeit, um auch mal an zu nehmen, dass es so etwas gibt, (Humor aus, aus, aber jetzt wirklich aus) (eine Erhebung ob Chirurgen nicht a priori anständiger sind als die Drogenhändler (Humor aus………..) nicht einfach zu vermeiden. Außer die Handwerker verdienen an den Wochenenden das doppelte. (H……..)
Nicht verhehlen will ich, daß mir mit dem Handwerk vertraute symphatischer sind als Elfenbeinturmgefilterte!
Hier halte ich es mit Konrad Lorenz (der verarschte Handwerker prinzipiell nicht…) oder mit Julian Nida Rümelin. Wissen wird mit über die Hälfte, nicht mittels Sprache erlernt, weitergegeben oder sonstwie repräsentiert! (Ernst aus, aus……)