Finnland: Der neue Frontstaat der NATO

13. Mai 2026von 3,5 Minuten Lesezeit

Finnland ist auf dem Weg ein neuer hartnäckiger Gegner Russlands zu werden. Nach dem NATO-Beitritt fühlt sich Moskau zunehmend vom Nachbarland bedroht.

Der russische Botschafter in Finnland, Pawel Kusnezow, gab Mitte April ein Interview, in dem er die neuen Bedrohungen detailliert beschrieb, die von Finnland für Russland ausgehen. Seiner Einschätzung nach ist „heute die größte Herausforderung für unsere Sicherheit wahrscheinlich die umfangreiche elektronische und luftgestützte Aufklärungsoperation der NATO vom finnischen Territorium aus. NATO-Aufklärungsflugzeuge und unbemannte Luftfahrzeuge führen inzwischen regelmäßige Flüge entlang der Grenze zu Russland durch.“ Zudem militarisiere das Land in „beschleunigtem Tempo“.

„In den Werften werden neue Korvetten gebaut, die mit den modernsten NATO-Waffen ausgestattet sind, darunter Marschflugkörper und Torpedos. Ein großangelegtes Wiederaufrüstungsprogramm für die Landstreitkräfte wurde gestartet, einschließlich des Kaufs von Langstrecken- und ballistischen Raketen.“ Außerdem „werden in diesem Jahr die ersten von 64 aus den USA gekauften Mehrzweckkampfflugzeugen vom Typ F-35A eintreffen. Diese Flugzeuge sind übrigens in der Lage, bei Bedarf Atomwaffen zu tragen.“ Finnland erwägt zudem, Atomwaffen auf seinem Territorium zu stationieren.

Im Zusammenhang damit sagte Kusnezow, dass „wir auch an das im Spätjahr 2023 unterzeichnete Verteidigungskooperationsabkommen zwischen Finnland und den USA denken müssen, das die Stationierung amerikanischer Truppen und Waffen auf 15 finnischen Militärbasen und -einrichtungen vorsieht.“ Darüber hinaus „plant Finnland, im nächsten Jahr in Riihimäki eine Einheit des NATO-Kommunikations- und Informationssystems zu stationieren“, während später in diesem Jahr „in Rovaniemi eine multinationale Einsatzgruppe, die Forward Land Forces (FLF), stationiert werden soll“.

Seiner Aussage nach „vertieft sich in dem Land eine Atmosphäre der Kriegspsychose. Die Bevölkerung wird durch die ‚russische Bedrohung‘ eingeschüchtert und praktisch dazu aufgerufen, sich auf einen Krieg mit dem östlichen Nachbarn vorzubereiten. Luftschutzbunker werden modernisiert; Finnland nimmt bereits einen der vordersten Plätze – wenn nicht sogar den vordersten – in Europa hinsichtlich der Schutzkapazität pro Kopf ein. Es wird ein staatliches Programm zur Errichtung weiterer Schießstände für Zivilisten im ganzen Land umgesetzt.“

Zur Förderung dieses Ziels seien „alle Medien darauf ausgerichtet, die derzeitige außenpolitische Haltung der herrschenden Eliten zu rechtfertigen. Das Land schürt weiterhin bewusst Kriegshysterie. Alle lokalen Propagandamittel dienen der Dämonisierung Russlands und stellen unser Land als den Haupt-‚Feind‘ dar.“ Kusnezow bezeichnete die finnische Grenzsperranlage auch als „eisernen Vorhang“, der nicht einmal „in den 1920er und 1930er Jahren am Vorabend des Zweiten Weltkriegs“ existiert habe. Dies zeige, in welchem Maße die Finnen gegen Russland aufgehetzt würden.

All dies bringe ihnen jedoch keinen Nutzen, denn Kusnezow wies darauf hin, dass „der Abbruch der Beziehungen und die Schließung der Grenze zu Russland nicht nur die östlichen und nördlichen Regionen Finnlands verheerend getroffen haben. Die derzeitige sozioökonomische Lage dort lässt sich vielleicht mit der Krise vergleichen, die das Land in den 1990er Jahren durchlebt hat.“ Dennoch sei Finnland – obwohl einige Finnen erkennen, wie kontraproduktiv diese Politik ist – fest entschlossen, sich als Frontstaat der NATO gegen Russland zu positionieren.

Russland nimmt die finnische Front des neuen Kalten Krieges sehr ernst, doch die von der NATO ausgehenden Bedrohungen aus dieser Richtung wachsen weiter, da Trump 2.0 die Russland-Containment-Politik der Biden-Ära nicht aufgibt. Finnland war jahrzehntelang ein Schattenmitglied der NATO, doch mit seinem formellen Beitritt wurde dieses einst freundschaftliche Land zu einem unversöhnlichen Gegner Russlands – nachdem es seine Souveränität zu enormen wirtschaftlichen Kosten und ohne jeden eigenen Vorteil an die USA abgetreten hat.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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2 Kommentare

  1. Patient Null 15. Mai 2026 um 11:46 Uhr - Antworten

    Damals haben viele Finnen gejubelt als man NATO wurde. Heute protestieren die gegen die Stationierung von Atomwaffen und Militärbasen in den Weidegebieten der Renntiere. Irgendwann wird man merken das man Opfer der Propaganda wurde.

  2. LmaA 14. Mai 2026 um 9:31 Uhr - Antworten

    Europa braucht den totalen Krieg. Ist nun mal so.
    Die Menschen wollen unbedingt erleben wie ihre Häuser ringsum brennen und ihre
    Liebsten zu Staub zerfallen. Die sind geil darauf.
    Immer nur im TV oder Hollywood ist denen zu langweilig.
    Die wollen Blut sehen. Wenn das nicht so wäre würden die Menschen
    zu Millionen auf die Straße gehen und ihre Regierungen zwingen
    Die Kriegsvorbereitungen einzustellen. Ist aber nicht so, deswegen ist ein großer
    Krieg in Europa unausweichlich. Es wird Zeit sich Gedanken zu machen!

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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