Die Werkzeuge des langen Krieges gegen den Iran (Teil 1b – MEK)

3. Mai 2026von 10 Minuten Lesezeit

Im ersten Teil der Serie über die Protagonisten im Krieg gegen den Iran begannen wir die Hintergründe der Organisation „Nationaler Widerstandsrat Iran“ (NWRI/NCR) zu durchleuchten, und trafen auf den Terrorismus, der in diesem 2. Teil auch noch weiter erläutert werden soll.

Die rätselhaften Todesfälle unter iranischen Wissenschaftlern. Fakt ist aber auf jeden Fall, dass ausländische Geheimdienste seit Ende 2002 Kontakt zu den MEK haben, allen voran der israelische Mossad und später dann auch die amerikanische CIA. Im Sommer und Herbst 2002 geschah es, dass MEK-Angehörige dem Mossad Unterlagen über geheime Atomanlagen im Iran zuspielten und dieser sie an die Internationale Atombehörde in Wien, IAEA, übergab. Auf diese Weise entstanden die ersten westlichen Kontakte zu den MEK. Zusammen schmiedet man seither Pläne, wie man gemeinsam und koordiniert gegen den Iran vorgehen könnte.

Für die Rajavis zahlten sich diese Kontakte aus. Die Kriegstreiberei gegen den Irak von Ende 2002 und der anschließende Einmarsch 2003, müssen ihnen wie ein Geschenk Gottes vorgekommen sein. Einerseits befreite sie die Aussicht auf eine US-Intervention von den nicht zu leugnenden Fesseln, die Saddam Hussein ihnen im Laufe der Jahre angelegt hatte, andererseits gingen sie davon aus, dass Präsident George W. Bush am liebsten weiter in den Iran marschieren würde, was die absolute Krönung für die MEK bedeutet hätte.

Jedoch machten ihnen ausgerechnet die US-amerikanischen Geheimdienste einen Strich durch diese Rechnung, als diese in ihrer offiziellen Einschätzung „National Intelligence Estimate“ von 2007 einstimmig festhielten, dass der Iran das in Babyschuhen vorhandene militärische Atomprogramm bereits 2003 aufgegeben hatte. Also musste ein neuer Ansatz her und der Mossad wie auch die CIA entschieden sich dazu, einen verborgenen, unterschwelligen Krieg gegen den Iran zu führen. Die Mujahedeen e-Khalq sollte dabei die führende Rolle in der Ausführung vor Ort spielen.

Präsident Bush beantragte daher 2007 vom US-Kongress eine Finanzspritze von 400 Millionen US-Dollar, um diesen Geheimkrieg finanzieren zu können. An dieser Stelle sollte vielleicht noch Erwähnung finden, dass der Antrag des Präsidenten Billigung im Kongress fand, der damals in beiden Häusern (Repräsentantenhaus, Sensat) eine demokratische Mehrheit aufwies. Proteste gab es hauptsächlich aus den Reihen der Militärs und einiger Senatoren, die in diesem Schritt eine Verletzung von US-Gesetzen sahen, da ja die MEK immerhin auf der eigenen Liste ausländischer Terrororganisationen erschien.

Mit diesem enormen Budget ausgestattet, übernahmen die CIA und das Joint Special Operations Command, in Zusammenarbeit mit dem israelischen Mossad, die Ausbildung der MEK und den Ausbau von Netzwerken an den Grenzen zum Iran. Diese gingen von US-Basen in Afghanistan und im Irak aus. Es fanden Ausbildungsgänge für die MEK an Sprengstoffen statt, die keinen großen „Kollateralschaden“ anrichten würden, sondern nach Möglichkeit „nur“ das Ziel treffen sollten.

Bis zum Frühjahr 2026 wurden laut Berichten über 30 iranische Atomwissenschaftler und Forscher bei gezielten Anschlägen und Militäroperationen getötet. Hohe US-Regierungsbeamte haben dem Nachrichtensender NBC gegenüber zugegeben, dass es sich bei vielen der mutmaßlichen Mördern um MEK-Agenten handelte, die Israel für solche Aktionen ausgebildet hatte.

Mächtige Freunde in Kongress und Regierung

Nur um diesen Punkt noch mal zu verdeutlichen: Bis Ende 2012 galt die Mujahedeen-e Khalq für die USA offiziell als Terrororganisation. Noch im Jahr 2007 stufte das Außenministerium die Gruppe als gefährlich ein und attestierte ihr „den Willen und die Möglichkeit, Terroranschläge in Europa, dem Mittleren Osten, den Vereinigten Staaten, Kanada und anderen Ländern durchzuführen„.

Weiter berichteten die offiziellen Stellen einst von einer Indoktrination der MEK-Mitglieder, von Kindern, die Terroristen von ihren Eltern trennen, um auf diese Weise manipulierte und vollständig gefügige Soldaten und Agenten für die Ideologie der MEK zu gewinnen. Auch der Kultstatus um Marjam und Massoud Rajavi wird hervorgehoben. Das bedeutet also: Obwohl die MEK als Terrororganisation eingestuft war und es deshalb den amerikanischen Behörden unter Strafe verboten gewesen wäre, der Gruppe irgendwelche Unterstützung zuteilwerden zu lassen, ordnete die offizielle US-Politik an, diese Gesetze zu umgehen. Und das, obwohl jeder Politiker oder Militär, der Geld für seine Reden und Unterstützung in der Lobbykampagne erhielt, dem Gesetz zufolge strafrechtlich verurteilt und von seinem Posten abgesetzt werden müsste.

Und dennoch geschah nichts dergleichen. Selbst die Definition der MEK auf der Terrorliste von 2011 wurde bereits erheblich abgeschwächt, verglichen mit der Beschreibung von 2007. Hier findet man als Hinweis zu den Zielen der Gruppe mittlerweile nur noch folgenden Eintrag: „Die MEK ist eine marxistisch-islamische Organisation, die die Absetzung des iranischen Regimes sucht„.

Und genau DAS wiederum ist es, was die Organisation für die USA so interessant macht. Seymour Hersh nannte die MEK „unsere Männer im Iran„, in einem Artikel, in dem er die Ausbildung von MEK-Terroristen durch US-amerikanische Spezialkräfte in der Wüste von Nevada beschrieb.

Keiner will die Volksmodschahedin

Wie zynisch aber das Vorgehen der USA in dieser Hinsicht ist, zeigt die Tatsache, dass niemand ernsthaft daran glaubt, dass die MEK bzw. deren politische Seite, das National Council of Resistance of Iran (NCRI), auch tatsächlich eine Alternative im Iran sein könnten. Trotz Beteuerungen des NCRI − der von der gewählten Präsidentin Marjam Rajavi spricht − und eines Zehn-Punkte-Planes, der auf dem Papier eine Demokratie in Aussicht stellt, zeigt eine Untersuchung des Kongresses aus dem Jahr 1994, zu welchem Ergebnis man hinsichtlich der Erfolgschancen der Volksmodschahedin tatsächlich gekommen ist: „Gemieden von den meisten Iranern und fundamental undemokratisch, sind die Mujahedeen-e Khalq keine lebensfähige Alternative zur gegenwärtigen Regierung im Iran“.

Im Gegensatz zu der Beschreibung der MEK auf der Terrorliste des Außenministeriums von 2011 listet das Dokument von 2007 eine ganze Reihe von Verbrechen auf und beschreibt ebenfalls den vorherrschenden Kult um die Führung der Rajavis. An Aktualität hat dieses Dokument in all den Jahren auf jeden Fall nichts eingebüßt. Selbst der NCRI, der sich selbst als Dachorganisation verschiedener Oppositionsgruppierungen im Ausland beschreibt und von den Medien auch als solcher proklamiert wird, tut dies, um möglichst eine allzu nahe Bindung an den militärischen Flügel der MEK zu kaschieren. Eine FBI-Untersuchung ergab allerdings, dass der NCRI „keine separate Organisation ist, sondern zu jeglicher relevanten Zeit ein integraler Bestandteil des MEK war und ist„.

Nun muss sich niemand mehr Gedanken machen, ob US-Gesetze gebrochen werden, wenn jemand die MEK, in welcher Art und Weise auch immer, öffentlich unterstützt.

Maryam Rajavi, die Chefin des politischen Arms NCRI der Terrororganisation MEK, veröffentlichte auf ihrer Internetseite einen 10-Punkte-Plan für einen „freien und demokratischen“ Iran ohne Kernwaffen, in „Frieden und Harmonie“ mit ihren Nachbarn und dem Rest der Welt, usw. Derweil hat die MEK genügend Geld, um einen eigenen TV-Satelliten-Sender zu betreiben, über den die eingesandten Videos von den Demonstrationen 24 Stunden am Tag ausgestrahlt wurden.

Tatsache ist, dass die dpa und damit auch deutsche Medien, regelmäßig als Quellen „MEK-Netz im Iran“ angaben. Ähnlich wie in der Ukraine Material aus der Rechtsradikalenszene und im Syrienkonflikt Material aus islamistischem Propagandamaterial verwandt wurde, setzten Medien unkommentiert die Propaganda der Terrororganisation MEK ein.

Wiederholt und unterstützt wird die Medienaktivität der MEK durch Al-Arabiya in Dubai, einem Sender, der auch schon effektiv den Terrorismus in Syrien unterstützte. Während Al-Jazeera, der in Syrien die mediale Hauptrolle zur Unterstützung des Krieges gegen die Regierung gespielt hatte, offensichtlich nach dem Streit von Katar mit Saudi-Arabien den Klub verlassen hatte. Seitdem war Al Jazeera wieder eher neutral im Krieg gegen den Iran. Der am 2. Januar 2018 erschienene Basisartikel erscheint ausgewogen, wenn nicht der letzte Satz mit dem Zitieren eines iranischen Journalisten, eine Einschätzung weitergeben würde, die aufgrund der weit verbreiteten Ablehnung der Proteste in der Bevölkerung kaum haltbar war:

„Aber es scheint, als ob der Dissens innerhalb der iranischen Bevölkerung so viel weitergeht, als bis zum Präsidenten, und hoch bis zum obersten Führer [Ajatollah Ali Khamenei], was für alle Fraktionen des Establishments Grund zur Sorge ist.“

Es erschien unverständlich, wie man angesichts der beschränkten Teilnehmerzahlen zu einer solchen Analyse kam, insbesondere wenn man diese Proteste mit denen nach den Wahlen von 2009 verglich, bei denen Hundertausende, manche sprechen von mehr als einer Million Menschen, auf die Straßen gingen.

Deutschland beim Krieg gegen den Iran immer dabei

Anfang Juli 2018 fand in Paris die jährliche Versammlung der bereits vorgestellten Gruppe Mujahedin-e-Khalq (MEK) statt, die nach Wunsch der USA anscheinend die Macht im Iran übernehmen soll. Eingeladen hatte natürlich das National Council of Resistance of Iran (NCRI), das auch in Deutschland aktiv ist. Und so nahmen auch zwei hochrangige deutsche Politiker der CDU/CSU an dem Spektakel der Ankündigung des Regimechanges teil.

Es kann auch nicht überraschen, dass bei der Veranstaltung in Paris nur die Hälfte der Teilnehmer tatsächlich Iraner waren. Wie der Guardian schreibt, bestand die andere Hälfte aus einer Mischung „von gelangweilt aussehenden“ Polen, Tschechen, Slowaken, Deutschen und Syrern. Sie waren einem Aufruf auf Facebook gefolgt, bei dem freier Transport, Mahlzeiten und Unterkunft versprochen wurde, gegen eine Kostenbeteiligung von lediglich 25 Euro. Hunderte von syrischen Flüchtlingen, die in Deutschland lebten, nahmen auch teil. „Sie schlummerten unter den Bäumen während der Reden.

Der Artikel beschrieb dann auch, dass 33 hochrangige US-Politiker und Diplomaten an der Veranstaltung teilnahmen. Die Webseite der Terrororganisation berichtet über deutsche Beteiligung:

„Die deutsche Delegation, angeführt durch Eduard Lintner, bewunderte die Entschlossenheit des iranischen Widerstandes. Eduard Lintner, ehemaliger stellvertretender Innenminister Deutschlands und Martin Patzelt, Mitglied des deutschen Bundestages, vertraten die deutsche Delegation auf dem Iran-Konvent in Paris. Sie erwähnten die Unterstützung für den iranischen Kampf um Freiheit.“

Während sich also angeblich die Bundesregierung bemüht, den JCPOA mit dem Iran zu retten, und versprach, alles zu unternehmen, damit die Sanktionen der USA keine Auswirkungen auf deutsche Unternehmen haben, die Beziehungen zu dem Iran unterhalten, reisten zwei hohe deutsche Politiker nach Paris, um dort das Gegenteil zu verbreiten.

Und so war die Konferenz in den USA auch entsprechend vorbereitet und mit Maßnahmen flankiert worden, d. h., mit den üblichen Ankündigungen völkerrechtswidriger Maßnahmen.

„Die USA verlangen von allen Ländern einen Import-Stopp für iranisches Öl. Gegen Staaten, die dem nicht Folge leisteten, würden ab dem 4. November Sanktionen verhängt, sagte ein hochrangiger Vertreter des Außenministeriums am Dienstag in Washington.“

Die USA erklärten, dass es keine Ausnahmen geben würde, und dass diese Sanktionen, die den Ölverkauf des Iran verhindern sollen, eine der Top-Prioritäten „nationaler Sicherheit“ seien.

Rückblick auf die Unruhen 2026

Ein großer Teil der von Mossad, CIA und Mi6 beauftragten, ausgerüsteten und sogar bewaffneten Unruhestifter, welche den größten Teil der Opfer während der Unruhen Anfang 2026 verursachten, rekrutierten sich aus den Reihen der MEK. Sie verursachten die Opfer, welche dann den westlichen Bevölkerungen als „Opfer des mörderischen Regimes“ präsentiert wurden, um den Krieg gegen das Land politisch akzeptiert zu machen. Was nicht ganz gelang. Denn selbst im Westen glaubt nur eine Minderheit an die 40.000 bis 80.000 „Toten durch das Regime„. Aber auch dreitausend bis viertausend Tote und einige wackelige Videoaufnahmen reichten aus, um Medien zu füttern, die gerne auf solche Horrorgeschichten, welche dem eigenen Narrativ folgen, aufspringen.

Wie es weiter geht

Im nächsten Teil dieser Artikelserie werden wir die Politik der USA daraufhin untersuchen, wie sie den Vorgaben eines Dokumentes folgte, welche durch eine der wichtigsten Denkfabriken des Landes verfasst worden war. Solche Strategiedokumente sind offen für jeden einsehbar, und verraten die langfristige Strategie der USA, aber nur wenige nehmen Kenntnis davon.

Bild: Ausschnitt aus Wikipedia

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