Irans Öl-Export trotzt dem Krieg: Weniger Barrel, mehr Dollars – ein „Erfolg“ des US-Angriffs

5. Mai 2026von 3,6 Minuten Lesezeit

Es ist eine der Ironien dieses Jahres 2026: Während die USA und Israel mit Luftangriffen, Sanktionen und einer Seeblockade versuchten, die iranische Wirtschaft in die Knie zu zwingen, hat der iranische Öl-Handel nicht nur überlebt – er hat in den ersten Kriegsmonaten sogar kräftig zugelegt.

Weniger Volumen, aber deutlich höhere Preise durch die selbst erzeugten Marktstörungen haben Teheran mehr Devisen in die Kasse gespült als vor dem Konflikt. Ein klassischer Fall von kontraproduktiver westlicher Energie-Politik. Wie der aktuelle Bericht auf OilPrice.com detailliert darlegt, liefert der 2026er US-israelische Krieg gegen den Iran eine der schärfsten Ironien der modernen Energie-Geopolitik. Während die Infrastruktur unter Beschuss stand, hat Teheran die chaotische Lage genutzt, um pro Barrel deutlich mehr zu verdienen. Die bereits unter Sanktionen gestählte iranische Ölindustrie hat frische Strafmaßnahmen und die US-Marineblockade nicht nur überstanden, sondern zeitweise davon profitiert.

Vor Beginn der massiven Luftangriffe Ende Februar 2026 exportierte der Iran etwa 1,1 bis 1,9 Millionen Barrel pro Tag, hauptsächlich nach China über eine hochentwickelte „Schattenflotte“. Die Tanker fuhren mit ausgeschalteten Transpondern, führten Schiff-zu-Schiff-Transfers durch und nutzten graue Finanzierungskanäle. Iranisches Rohöl wurde mit einem Abschlag von 10 bis 20 Dollar gegenüber Brent gehandelt. Die täglichen Einnahmen lagen bei rund 115 Millionen Dollar im Februar. 

Dann kam die Eskalation. Der Iran nutzte seine geographische Trumpfkarte – den Strait of Hormuz – und löste durch Drohungen und Aktionen die größte Ölversorgungskrise seit langem aus. Bis zu 10 Millionen Barrel pro Tag fielen vorübergehend aus, Brent kletterte von Mitte 70 auf über 120, später sogar bis 126 Dollar pro Barrel. Plötzlich war iranisches Öl nicht mehr das billige Discount-Produkt, sondern ein knappes Gut.

Das Ergebnis? Volumen runter, Umsatz rauf. Im März sanken die physischen Exporte laut UANI-Tracking auf durchschnittlich 1,136 Millionen Barrel pro Tag – ein Rückgang von 45 Prozent. Dennoch erreichte der geschätzte Wert der Lieferungen 3,63 Milliarden Dollar, nur 15 Prozent weniger als im Vormonat. Die täglichen Einnahmen stiegen auf etwa 139 Millionen Dollar. Manche Quellen sprechen sogar von zeitweise fast verdoppelten Erlösen, wenn man Kondensate und andere Produkte mit einrechnet. Der Großteil ging weiterhin nach China.

Der Iran hat seine jahrelange Erfahrung mit westlichen Sanktionen in einen strategischen Vorteil verwandelt: eine eigene „zweite Marine“ aus robusten Tankern, Versicherern und Finanznetzwerken innerhalb der IRGC, die westlichem Druck weitgehend standhalten. China, das über 90 Prozent der iranischen Exporte aufnimmt, hat eigene Systeme entwickelt, um das Öl sicher und profitabel zu transportieren. Peking profitiert dabei doppelt – günstiges Öl und gestiegene geopolitische Abhängigkeit Teherans.

Während die Iraner weiter unter Inflation, Kriegsschäden und wirtschaftlichem Druck leiden, sichert der Ölstrom dem Staat und der Kriegswirtschaft die notwendigen Devisen. Der Krieg hat Teheran nicht nur nicht wirtschaftlich stranguliert, sondern in mancher Hinsicht sogar handlungsfähiger gemacht. Die Geduld und die Fähigkeit, Schmerzen auszuhalten, zahlen sich aus – eine Lektion, die man im Westen offenbar nur schwer lernen will.

Die westliche Strategie, den Iran durch maximale Sanktionen und militärischen Druck in die Knie zu zwingen, produziert einmal mehr das Gegenteil: höhere Weltmarktpreise, die nicht nur dem Iran, sondern auch Russland und anderen Akteuren zugutekommen, und eine noch engere Achse zwischen Teheran und Peking. Der Traum vom schnellen Regime-Change durch Wirtschaftskrieg ist erneut geplatzt.

Ob dieser Vorteil langfristig hält, wird sich zeigen – die Blockade wird enger, Lagertanks füllen sich, und weitere Eskalationen sind möglich. Doch eines ist schon jetzt klar: Der Iran ist trotz allem nicht das leichte Opfer, als das er von manchen Think-Tanks in Washington dargestellt wird.

Unterschätzt wurde vermutlich auch die Unterstützung durch Russland, die Putin laut offiziellen Readouts im jüngsten Telefonat mit Trump unmissverständlich klargemacht hat, sowie die von China die Peking vor Trumps geplanten Besuch auf die übliche höfliche chinesische Art, aber dennoch offenbar unmissverständlich an Washington klargemacht hat.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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Ein Kommentar

  1. Kybernetic2 5. Mai 2026 um 10:15 Uhr - Antworten

    Aha, Iran hat die Marktstörungen selbst erzeugt?

    Indem sie sich selbst mit Raketen angegriffen haben?

    Bitte um Klarstellung.

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