
Jeffrey Sachs: Globale Wirtschaftskatastrophe und die Selbstzerstörung Europas
In einem aktuellen Interview mit dem norwegischen Politikwissenschaftler Glenn Diesen zeichnet der renommierte Ökonom Professor Jeffrey Sachs ein düsteres Bild der Weltwirtschaft. Die USA versuchen mit Kriegen, Sanktionen und Piraterie ihre schwindende Vorherrschaft zu retten – und treiben dabei nicht nur sich selbst, sondern vor allem Europa in den Abgrund.
Sachs, der seit Jahrzehnten internationale Wirtschaftsbeziehungen analysiert, stellt klar: Die einst integrierte Weltwirtschaft ist zerbrochen – und das nicht nur vorübergehend. Das US-chinesische Handels- und Investitionsverhältnis wird nie mehr so sein wie vor zehn Jahren. Die Verbindungen zwischen Europa und Russland sind „vielleicht für eine Generation“ zerstört. Europa ist der große Verlierer dieser Entwicklung: Es hat seinen wichtigsten Energielieferanten und Rohstoffpartner verloren und steht nun allein da – abhängig von einem zunehmend desinteressierten und unberechenbaren Amerika.
„Europa ist wirtschaftlich völlig orientierungslos“, sagt Sachs. Während Asien sich weiter integriert und davon profitieren wird, hat Europa durch die Abkopplung von Russland und die blinde Unterwerfung unter US-Interessen massiven Selbstschaden angerichtet. Die Industrie schließt Fabriken, es gibt keine Lichtblicke. Die aktuelle politische Führung – von Ursula von der Leyen über Kaja Kallas, Friedrich Merz bis Keir Starmer – verkörpert für Sachs eine gescheiterte Elite, die Geografie und Realitäten ignoriert.
Besonders kritisch sieht Sachs die Rolle der USA. Unter dem Deckmantel der „nationalen Sicherheit“ wurde die Ökonomie zur Waffe umfunktioniert. Früher lehrten Ökonomen (von Adam Smith bis in die jüngere Zeit) die Vorteile offenen, wechselseitig vorteilhaften Handels. Heute dominieren Denker wie Elbridge Colby oder Jake Sullivan ein Nullsummen-Denken: Wirtschaft dient nicht mehr dem Wohlstand der Völker, sondern der Erhaltung amerikanischer Hegemonie. Sanktionen, Technologieblockaden, das Einfrieren russischer Reserven und die zunehmende Piraterie auf den Meeren (Trump prahlt offen damit, Schiffe zu kapern) sind Symptome dieses Wahns.
Sachs warnt eindringlich vor einer Eskalation in Westasien. Ein erneuter offener Krieg der USA gegen den Iran – er schätzt die Wahrscheinlichkeit auf über 50 Prozent – würde verheerende Folgen haben: Zerstörung der Infrastruktur am Golf, explodierende Energiepreise und eine dramatische Beschleunigung des globalen wirtschaftlichen Niedergangs. Die US-Regierung sei „völlig entinstitutionaliert“, Israel agiere als „Kriegstaat“ mit biblischen Größenwahnvorstellungen, der die amerikanischen Illusionen noch anheizt.
Selbstmord durch Geopolitik: NATO-Osterweiterung und Russland-Politik
Sachs kritisiert scharf die US-Politik, die Europa und Russland jahrzehntelang bewusst auseinandergehalten hat – gegen die Interessen Deutschlands und Europas. Nord Stream war kein Fehler, sondern ein logischer Schritt, den die USA aus hegemonialen Gründen gesprengt haben. Statt auf Geographie und wirtschaftliche Vernunft zu setzen, hat Europa eine neue Mauer errichtet.
Europa habe jahrzehntelang ignoriert, dass die USA bewusst enge Beziehungen zwischen Deutschland/Europa und Russland (z. B. Nord Stream) torpediert haben, um die eigene Vormacht in Europa zu sichern. Stattdessen habe man sich auf NATO-Erweiterung und Konfrontation eingelassen – mit fatalen Folgen. „Geografie ist Schicksal“, mahnt Sachs. Europa liege zwischen Russland und den atlantischen Mächten; die aktuelle Politik der Abkopplung und der bedingungslosen Anlehnung an Washington sei reiner Selbstmord.
Auch die öffentliche Meinung in Europa und den USA driftet immer weiter von der Politik der Eliten ab. Die Menschen spüren den sinkenden Lebensstandard, die steigenden Preise und die zerstörte Industrie. Trumps Zustimmungswerte sacken ab, in Europa wächst der Widerstand gegen weitere Milliarden für den Ukraine-Krieg (zuletzt 90 Milliarden als „Kredit“, der nie zurückgezahlt wird). Sachs sieht hier eine wachsende Kluft: Die politische Klasse ist in alten Denkmustern von Hegemonie und „Regime Change“ gefangen, während die Bevölkerung die Folgen ausbaden muss.
Piraterie auf hoher See und das Ende der Freiheit der Schifffahrt
Besonders alarmierend sind die Entwicklungen im maritimen Bereich. Trump brüstet sich offen damit, dass die USA nun „Piraten“ sind und Schiffe kapern. Blockaden gegen Venezuela, Kuba, Iran, Angriffe auf die russische Handelsflotte und Drohungen gegen iranische Tanker bis zur Straße von Malakka – das alles untergräbt die Grundprinzipien des internationalen Rechts und der Freiheit der Meere, die die USA einst selbst verteidigt haben.
Sachs warnt: In der westlichen Hemisphäre mag die US-Dominanz kurzfristig funktionieren, doch weiter entfernt scheitert sie. Europa, das sich auf einen direkten Konfrontationskurs mit Russland begibt, riskiert eine vollständige Zerstörung.
Asien als Gewinner – Der Westen im Niedergang
Asien hingegen werde der große Gewinner sein. Regionale Integration in Asien und Afrika nimmt zu. Die USA werden sich zunehmend auf ihr „Hinterhof“-Amerika konzentrieren müssen – mit Blockaden, Interventionen und Wahleinmischungen –, doch auch dort brodelt der Widerstand. Militärisch sei die US-Dominanz ohnehin überschätzt: Teure Waffensysteme taugen wenig in der modernen Kriegsführung, China baut rasch auf, und Kriegssimulationen zeigen regelmäßig die Grenzen amerikanischer Machtprojektion.
Sachs’ Fazit ist schonungslos: Die USA sind das gefährlichste Land der Welt, weil sie mit aller Macht etwas erzwingen wollen, das sie nicht mehr erreichen können – globale Dominanz. Europa, das sich an dieses sinkende Schiff klammert, riskiert nicht nur wirtschaftlichen Niedergang, sondern existenzielle Zerstörung. Eine Umkehr wäre möglich, wenn neue politische Kräfte die Realitäten von Geografie, Machtverschiebung und Technologie anerkennen würden. Doch bei der derzeitigen Führung in Brüssel, Berlin, Paris und London ist davon nichts zu sehen.
Das Interview eines der führenden US-Sachverständigen und Wissenschaftlers ist ein Muss für alle, die verstehen wollen, warum die westliche Politik in eine Sackgasse geraten ist. Hören Sie es selbst:
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Natürlich – nur weiter so. Wir schaffen das!
Der Gedanke, dass die westeuropäischen Politiker den europäischen Untergang gezielt anpeilen, lässt mich nicht los. Möglicherweise sind sie korrupt oder werden erpresst. Aber so s**blöd können sie nicht sein, dass sie nicht schon lange den Absturz erkennen.
„Europa ist wirtschaftlich völlig orientierungslos“
Merz und Leyen sitzen auf einem Ticket der Konservativen. Nicht, dass die Sozialdemokraten besser wären, mit ihren Bankenrettungen, Hartz4 und Zwangsspritzen!
Aber die Konservativen reklamieren für sich Wirtschaftskompetenz. Davon ist nicht viel zu sehen! Wer Selensky zum de facto Außen-, Kriegs- und Energieminister macht, hat entscheidene Zusammenhänge nicht begriffen.
Es ist Zeit, dass die Konservativen sagen: „So nicht!“ Brandmauer ist keine Kompetenz.
Die Prognosen für den Fall einer anzunehmenden längeren Hormussperre sind desaströs, bis zu minus 7%!
Es wäre Zeit, die Europäer zusammen zu bringen, anstelle sie von Zwinguschi demütigen zu lassen! Und ökonomisch ließe sich noch ein wenig verbessern.
Der Herr Sachs ist leider immer noch und wird es wohl immer sein in seinem Denken limitiert. Die Wirtschaft in kapitalistischen Ländern diente nie dem Wohlstand der Menschen.
Auch die westeuropäische Politikelite wird von ihm in einem entscheidenden Punkt falsch eingeschätzt. Diese ist so orientierungslos, weil sie komplett transatlantisch gesteuert wurde und wird. Diese Figuren agieren rein im Interesse des US-Finanzkapitals. Der Imperialismus kennt keinen kooperativen Handlungsansatz. Es geht immer nur um den Maximalprofit, selbst wenn dabei alles vor die Hunde geht.
Sehr gut!
Da kann ich mir ja meine Antwort sparen.
Wobei es den Herrschenden natürlich um ihre Macht geht und diese gegen den Rest zu verteidigen.
Die haben das System überall unterlaufen, die brauchen nicht reicher zu werden, nur dafür Sorge zu tragen, dass wir aus dieser Niederhaltungsnummer nicht raus kommen, sprich arm, abhängig, machtlos und gefügig, gerne auch dumm und gespalten.
Und natürlich muss man hier immer wieder trennen.
Es sind nicht die Menschen die dies verursachen. Sondern die Machtpyramide spielt hier ihr scheußliches Spielchen und erzwingt ihren Wandel und will es dabei nach Zufall/Schicksal aussehen lassen und sich noch als Retter darstellen.
Das System muss so gut wie überall vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Das hätte schon vor Ewigkeiten passieren müssen.
Mit immer mehr Machtmittel durch Fortschritt in den Händen dieser Machtsekte, wird es immer düsterer, bis man keine Angst mehr vor der Masse haben muss… und was dann?
Die Anntwort hören wir auf WEF Treffen, wir sehen es in Euthanasie-Projekten, in Kriegen, Giftspritzen, Turmsprengungen und die Folgen, oder wenn Politiker nicht auf Spur bei Unfällen/Anschlägen von einer Kugel aus zwei Richtungen getroffen werden.
Nicht das sich jemand da Hoffnung macht, wir hätten die „Guten“ Könige…
„Die Wirtschaft in kapitalistischen Ländern diente nie dem Wohlstand der Menschen.“
Sie sind schon öfter gefragt worden, wo denn der Sozialismus dem Wohlstand der Menschen gedient hätte.
Eine Antwort kam nie.
„Die Wirtschaft in kapitalistischen Ländern diente nie dem Wohlstand der Menschen.“
Klar gemeint ist_ aller Menschen! Punkt!!! Geht es den Menschen gut, geht es … stimmt nur in dieser Richtung.
Die Manchesterliberalen_ bitte nachlesen_ forderten selber Regeln da ihnen der ungezügelte Kapitalismus aus den Händen glitt.
Diese Regeln bestehen und korrelieren durchaus mit sozialistischen Ideen.
Und keine Kausalität ohne Korrelation, falls Sie an unseren schwer vermissten Troll anschließen wollen. Die Antwort ist eigentlich so einfach dass diese nie gegeben werden“ bräuchte“!
Aber ich schließe gerne an frühere Sitten und Bräuche an.
Ach was, im Sozialismus sind doch alle gleich. Bis auf die, die viel gleicher sind.
Einerseits wird man die US-Oligarchen entmachten müssen, andererseits gibt es inzwischen reichlich Erfahrung, dass der Sozialismus nur Murks erzeugt. China und Russland versuchen es gerade irgendwo dazwischen.
Sachs ist natürlich von Kopf bis Fuß auf neoliberale, unbeschränkte, globale „Marktwirtschaft“ (= Herrschaft des Großkapitals) eingestellt. Dass die Ideologie der uneingeschränkten Weltmärkte eine Waffe der entwickelten imperialistischen Länder ist, um die Industie in weniger entwickelten Ländern zu bekämpfen bzw. zu vernichten, ist gänzlich außerhalb seines Horizonts. Dabei hatten die heutigen Verfechter der freien Weltmärkte – insbesondere USA und GB – die Entwicklung ihrer Industrien mit protektionistischen Maßnahmen besonders geschützt. Indien war z.B. von den Briten gezwungen worden, keine Textilindustrie zu entwickeln, welche den britischen Textil-Industriellen Konkurrenz machen hätte können. Sie sollten letzteren einfach nur günstige Rohstoffe liefern und so ihre Profite sicherstellen.
Lustig ist auch, wenn ein US-Amerikaner Adam Smith hoch leben lässt. Smith dachte, dass jedes Land das produzieren sollte, was es am besten kann. Im Falle der USA war das nach Smith die Landwirtschaft. Eine Industrialisierung war aus seiner Sicht nicht vorgesehen.