Mitarbeiter-freies Post Paket-Zentrum Langenzersdorf erzeugt mehr Verkehr

Landes-ÖVP und Post treiben ein Spiel um den Widerstand der Bevölkerung und der Bürgerinitiative gegen ein Paketzentrum beim Kraftwerk Korneuburg zu umgehen. Und weil man schon dabei ist, wird offenbar das Vorhaben auf den neuesten Stand der Automatisierung gebracht. Damit sind dann (fast) keine Mitarbeiter mehr nötig und die Gemeinden fallen weitgehend um die Kommunalsteuern um.

Mitte September zog die Post unmittelbar nach Bekanntwerden des Gutachtens vom Thomas Hansmann, seines Zeichens NÖ Umweltanwalt, seinen Projektantrag wegen Umplanung zurück. Einer der Gründe für die Verschiebung war der Wunsch der Landesspitze Mikl-Leitner und Pernkopf die Landtagswahl nicht durch die Auseinandersetzungen mit den Projektgegner zu beeinträchtigen. Aber es gibt offenbar auch noch einen ganz handfesten Grund seitens der Post.

Die Konkurrenz am Markt für Paket-Zustellung ist hart. Die „E+1 Laufzeitquote“, also die Zeit zwischen Bestellung und Zustellung soll möglichst kurz gehalten werden. Insbesondere Amazon verspricht gerne die Lieferung schon am nächsten Tag.  Die Post hat da klare Vorteile gegenüber der Konkurrenz, der Ex-Monopolist braucht sich nicht an die Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr zu halten und seine Zusteller dürfen auch im Halteverbot straflos stehen bleiben.

Gleichzeitig geht es aber auch darum die Kosten zu senken und wie kann man das am besten tun? Automatisierung und Roboter heißen die Zauberworte. Im Paket-Zentrum in Wernberg wurde ein hypermodernes Verteilzentrum mit einer riesigen Sortieranlage hingestellt. Die Sortierleistung beträgt 5000 Pakete pro Stunde, das ist eine mehr als 100-prozentige Verbesserung gegenüber dem vorigen Zustand.

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Robot-Stapler transportiert Geräte in menschenleerem Paket-Sortierzentrum in China

Komplett unbemanntes Paket-Sortierzentrum

Doch Wernberg braucht noch 115 Mitarbeiter, denn die Manipulation der Pakete zwischen den LKWs und der Sortieranlage erfolgt (noch) durch Menschen und es sind auch sonst noch manuelle Eingriffe nötig. Einer der größten Online-Versandhändler und E-Commerce Unternehmen im weltgrößten Markt China ist JD. Der Versandhändler hat das weltweit erste komplett unbemannte Paket-Sortierzentrum heuer in Betrieb genommen. Die Roboter-Stapler fahren autonom, bekommen ihre Ziele von Computern zugewiesen und sind mit einem Kollisionswarnsystem ausgestattet.

Auch die Beladung der LKWs erfolgt komplett ohne menschliche Hilfe. Erst danach, wenn die LKWs wieder losfahren, kommen wieder Menschen zum Zug. Dieser Schritt der Automatisierung wird noch einige Jahre auf sich warten lassen.

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Erst wenn die Pakete auf Fahrzeuge verladen sind, werden wieder Menschen nötig

Was bedeutet das für das Paket-Zentrum Langenzersdorf?

Wie wir von Post-Insidern erfahren, waren Mitarbeiter bzw Manager der Post in China. Am 19. September hat die Post eine Umplanung des geplanten 10 Hektar großen Zentrums beim Kraftwerk Korneuburg angekündigt und um Aussetzung der bisherigen Einreichung bei der Landesregierung ersucht.

Laut dem Langenzersdorfer Bürgermeister Andreas Arbesser, wird das Vorliegen der neuen Planung für Ende Oktober oder Anfang November erwartet. Es soll das Gebäude mit den Andockstationen an die südliche Seite des Geländes verschoben und die Zufahrt verlegt werden.

Die alte Planung stammt noch aus dem Jahr 2016. In die neue Planung werden neue Erkenntnisse einfließen und wahrscheinlich auch das Know how und die Technik von JD. Damit könnte auch das Paket-Zentrum der Post beim Kraftwerk Korneuburg das erste komplett unbemannte Paket-Sortierzentrum in Europa werden.

Nur mehr 30 statt 300 Mitarbeiter?

In der ersten Planung hatte die Post 300 Mitarbeiter genannt. Und das war auch einer der Argumente des Bürgermeisters von Langenzersdorf. Mit der von der Mitarbeiteranzahl abhängigen Kommunalsteuer sollten Kindergärten, Spielplätze und ähnliches in der Gemeinde finanziert werden. Wenn sich die Zahl der Mitarbeiter durch die Vollautomatisierung aber drastisch reduziert, fallen natürlich auch die Abgaben für Langenzersdorf in den Keller.

Solange das neue Projekt der Post nicht vorliegt lässt sich schwer sagen, ob 200, 100 oder gar nur 30 Mitarbeiter übrig bleiben und damit die Steuereinnahmen  von 300.000 auf 200.000, 100.000 oder gar nur 30.000 Euro im Jahr abfallen.

Mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Feinstaub

Klar ist natürlich auch, dass die Vollautomatisierung die Leistungsfähigkeit des Paket-Zentrums erheblich steigern würde. Robot-Stapler brauchen keine Frühstückspause und sie arbeiten auch gerne die ganze Nacht, bis sie wieder zum Auftanken müssen.

Aber eines ist klar: Die Zahl der Fahrten, würde damit nochmals erheblich steigen. Aus den Verkehrszählungen in anderen österreichischen Verteilzentren erwarten die Experten der Bürgerinitiative bereits jetzt 3.000 Fahrten täglich, davon 1.000 LKWs. Wenn die Leistung der Anlage durch die Automatisierung verdoppelt werden kann, dann bringt das auch 1:1 eine Verdoppelung des Verkehrs. Und damit auch eine Verdoppelung der Erzeugung von Feinstaub und Abgasen, sowie noch mehr Lärm.

Unter dem Strich hat damit die ganze Region weitere enorme Nachteile. Langenzersdorf hat deutlich weniger bis fast nichts mehr davon, die gesamte Region aber mehr Belastungen.

Seht Euch dieses Video von dem Zentrum in China an – für Techniker ein Leckerbissen, für die Anrainer eine Horrorvision: http://www.t-online.de/tv/webclips/id_81818230/fortschrittliches-paketzentrum-in-china.html

Die SpezialistInnen unter den Kandidaten der Liste Pilz haben sich mit dem Thema Digitalisierung und ihren Folgen bereits intensiv auseinandergesetzt. Die vorläufigen Ergebnisse haben wir hier zusammengefasst.

Die Liste Pilz ist auch die einzige unter den für das Parlament kandidierenden Gruppierungen, die sich vorbehaltlos für die Forderungen der Bürgerinitiative einsetzt. Und als Kandidat der Liste Pilz in NÖ und im Wahlkreis Weinviertel bitte ich, Peter F. Mayer, um Ihre Vorzugsstimme.

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