Wie der Widerstand im Libanon Israels Invasion teuer macht

26. April 2026von 7,1 Minuten Lesezeit

Wir hatten gesehen, wie auf dem Schlachtfeld der Ukraine Drohnentechnologie sich fast monatlich erweiterte, veränderte und den Krieg entscheidend beeinflusste. Und diese Drohnen tun das auch im Nahen Osten. Große, teure Armeen, auch mit Luftherrschaft, haben immer mehr Probleme, gegen entschlossene Widerstandskämpfer oder Rebellen die Oberhand zu gewinnen.

Anis Raiss schrieb über diesen Effekt im Libanon einen Artikel mit dem Titel „Schwächer als ein Spinnennetz: Hisbollahs Glasfaserfaden fängt den Merkava ein“. Und der Autor erklärt, dass dies kein tollkühner improvisierter Überraschungsangriff war, sondern die Entlarvung eines Systems, das für den Krieg der letzten Jahrzehnte entwickelt worden war. Und was dieses Milliardengeschäft als Köng ohne Kleider darstehen ließ war eine „Waffe im Mikrometerbereich“, meint der Autor. Es handele sich um eine Spule aus Glas, so dünn wie ein menschliches Haar, gewickelt in ein 3D-gedrucktes Gehäuse, das weniger wiegt als eine Tüte Zucker.

„Am 4. April zerstörte sie im Südlibanon einen Merkava Mk.4 Kampfpanzer. Die Drohne, die sie begleitete, kostete weniger als ein Abendessen für zwei in Tel Aviv. Sie kam auf keiner Frequenz an. Sie durchquerte einen Luftraum, den das Radar der Besatzungstruppen nicht erfassen konnte. Sie wurde von einem Piloten gesteuert, die von den Störsendern der Besatzungstruppen nicht zum Schweigen gebracht werden konnte. Zwei Jahrzehnte lang baute der Besatzungsstaat eine Industrie auf, um Signale zu unterdrücken. Die Hisbollah setzte eine Waffe ein, dünner als das Spinnennetz, mit dem der verstorbene Generalsekretär Hassan Nasrallah einst Israels Fragilität beschrieb – eine Waffe, die keinerlei Signale aussendet.

In der ersten Aprilwoche wurde im Südlibanon ein schwerer Schützenpanzer vom Typ Namer – eines der am stärksten gepanzerten Fahrzeuge der Besatzungsarmee, ausgestattet mit der 30-mm-Bushmaster-Kanone, einem Spike-Raketenwerfer und dem aktiven Schutzsystem Trophy zur Abwehr anfliegender Geschosse – von einer 500-Dollar-Drohne getroffen. Die Drohne trug einen sowjetischen RPG-Sprengkopf aus dem Jahr 1961, entrollte im Flug ein hauchdünnes Glasfaserkabel hinter sich und näherte sich einem Ziel, dessen gesamte Verteidigungslogik auf einer Frequenz basierte, auf der die Drohne nicht sendete. The War Zone berichtete über den Angriff sowie über bestätigte Treffer auf zwei Merkava Mk.4-Panzer und einen D9-Bulldozer im selben Zeitraum. Trophy, das System, das Rafael als Antwort auf den nächsten Krieg vermarktete, traf auf eine Waffe, die keine Signale aussendet.“

Die Jahre der Vorbereitung

Der Autor beschreib dann, dass all dies Jahre in Vorbereitung was. Die 7. Brigade der Besatzungsarmee sei keine gewöhnliche Panzereinheit, meint Anis Raiss. Sie habe 1973 im Tal der Tränen gekämpft und diene seit einem halben Jahrhundert als Israels wichtigste Panzerreserve an der Nordfront. Am 25. März schickten ihre Pioniere einen ferngesteuerten D9-Bulldozer von Muhaysibat nach Norden, um die Verteidigungslinien des Widerstands zwischen Taybeh und Qantara zu erkunden. Hisbollah-Kämpfer beobachteten, wie der Bulldozer durch ihre Feuerbereiche fuhr, und ließen ihn fahren. Sie warteten auf das, was als Nächstes kam.

Um 18:50 Uhr am Mittwoch, dem 26. März, rückte eine gepanzerte Kolonne in Einzelreihe auf derselben Route vor, die ausgekundschaftet worden war, berichtet der Artikel. Der Widerstand griff zuerst das mittlere Element an – vier Merkava Mk.4 Panzer und einen D9, die in einer koordinierten Salve mit Almas-Panzerabwehrraketen, die aus dem eigenen Besatzungs-Spike rekonstruiert wurden, zerstört wurden.

Der hintere Zug habe dann Nebelwerfer eingesetzt, aber das Feuer der Hisbollah habe die Panzer dann trotzdem getroffen. Das übrig gebliebene vordere Element rückte auf Qantaras Treibstoffdepot vor und wurde dort zerstört. Innerhalb von zwei Stunden brannten zehn Merkava-Panzer und zwei D9-Bulldozer.

Die überlebenden Soldaten verließen ihre Fahrzeuge und gingen zu Fuß hinaus. Das Military Watch Magazine beschrieb den Vorfall als den schwersten israelischen Panzerverlust seit über 40 Jahren.

Der Draht, den sie nicht stören können

Dann erklärt der Autor die Funktion der Glasfaserdrohne. Eine Glasfaser-Drohne ist ein Quadcopter mit First-Person-View-Funktion, der ein zwei bis drei Zehntel Millimeter dickes Glasfaserkabel von einer zwischen Rahmen und Nutzlast montierten Spule hinter sich herzieht. Steuersignale und Live-Video werden als Lichtimpulse durch die Faser übertragen.

Es gibt keine Funkübertragung, die empfangen werden könnte. Es gibt keine elektromagnetische Strahlung, die klassifiziert werden müsste. Es gibt keine Frequenz, auf der die Drohne angesprochen und somit auch keine, auf der ihr geantwortet werden könnte. Für jedes Instrument im Abwehrkatalog von Rafael und Elbit ist die Drohne eine Stille, die sich einem Ziel nähert.

Die Abwesenheit ist absolut. Systeme wie Drone Dome von Rafael – dem gleichen Unternehmen, das auch Iron Dome entwickelt hat – und ReDrone von Elbit sind darauf ausgelegt, Funksignale zu erkennen, zu klassifizieren und zu stören. Drone Guard von Israel Aerospace Industries basiert auf demselben Prinzip. Wenn das Signal durch einen Glasfaserstrang ersetzt wird, bleibt die Architektur zwar aktiv, ist aber irrelevant. Das Radar schwenkt. Der Störsender pulsiert. Nichts trifft die Drohne vor dem Aufprall.

Inzwischen, so erklärt der Autor, hat im Dezember 2025 der chinesische Hersteller PGI Technology Spulen mit einer Länge von bis zu 60 Kilometern beworben, die sowohl an russische als auch an ukrainische Hersteller geliefert wurden. 18 Monate lang beobachteten die Verteidigungsplaner des Besatzungsstaates die Verbreitung dieser Waffe im ukrainischen Einsatzgebiet, gegen die ihre gesamte Drohnenabwehrarchitektur machtlos war.

Wie Israel Häuser zerstört, zerstört Hisbollah Panzer

„In der ersten Aprilwoche 2026 setzten Hisbollah-Kämpfer diese Drohnen gegen einen mit Trophy-Drohnen ausgerüsteten schweren Schützenpanzer vom Typ Namer, zwei Kampfpanzer vom Typ Merkava Mk.4, einen Bulldozer vom Typ Caterpillar D9 und einen gepanzerten Mannschaftstransportwagen vom Typ Eitan ein. Die Drohnen trugen PG-7-Hohlladungssprengköpfe – jene sowjetische Raketengranate, die 1961 in Produktion ging und nun auf einem Kunststoffrahmen befestigt war. Ein Pilot, der in einem Keller im Südlibanon saß, steuerte sie durch die dünne Panzerung über dem Geschützturm.

Der Verteidigungsanalyst Shahryar Pasandideh stellte fest, dass die Übertragung selbst in geringer Höhe, durch Gebäude und dichtes Laubwerk hindurch, störungsfrei blieb – ein Merkmal einer Glasfaserverbindung, das keine Funkdrohne erreichen kann. Der Militärkorrespondent der israelischen Armee bei der Times of Israel räumte dies am 2. April ein: Die Glasfaserverbindung ‚erschwert die Versuche, ihr Signal elektronisch zu stören‘.“

Es sei das Eingeständnis gewesen, dass die teuerste Drohnenabwehrarchitektur der Welt an einem Kabel gescheitert war und verstummte.

Die Bedeutung des Schlachtfelds

Der Artikel fährt dann fort zu erklären, dass Sarit Zehavi, ein ehemaliger Oberstleutnant des israelischen Militärnachrichtendienstes und Leiter des Alma-Forschungszentrums, gegenüber dem Washington Examiner erklärte, dass sich dieser Krieg vom vorherigen sowohl im Umfang als auch im Ziel unterscheidet:

„Er ist schwieriger, weil das Ziel ein anderes ist. Das Ziel der Bodeninvasion 2024 – nicht der gesamten Kampagne – war die Beseitigung der Bedrohung durch eine Invasion der Hisbollah. Das bedeutet, dass die israelischen Streitkräfte nur sehr nah an der Grenze manövrierten.“ Das Ziel 2026 war es, Litani zu erreichen. Die Grenze selbst war der Ort, an dem der Widerstand kämpfte, und dort kamen die Panzerkolonnen zum Stehen.

Im selben Zeitraum zerstörte die israelische Armee zwei symbolträchtige Orte im Südlibanon.

Raiss berichtet, dass am 23. März Satellitenbilder den Abriss des berüchtigten Khiam-Gefängnisses – einst ein von der Südlibanesischen Armee (SLA) unter israelischer Besatzung betriebenes Gefängnis bestätigt hatten.

Israelische Medien behaupten, die 98. Division habe am 12. April das Stadion in Bint Jbeil dem Erdboden gleichgemacht, in dem Nasrallah im Jahr 2000 seine Rede vom „Spinnennetz“ gehalten hatte. Brigadegeneral Guy Levy erklärte inmitten der Trümmer: „Hier sprach jemand und prahlte mit Spinnweben und Spinnen. Heute existiert dieser Mann nicht mehr, das Stadion ist verschwunden, und seine Worte sind wertlos.

„Diese Aussage ist in sich widersprüchlich. Die Worte bezogen ihre Kraft aus der Realität, die sie beschrieben. Die Armee ist noch immer vor Ort. Das Stadion existiert nicht. Fünf Divisionen konnten Khiam nicht halten. Sie akzeptierten einen Waffenstillstand, während in Qantara Panzer brannten und Dörfer nicht eingenommen wurden. Im Mai 2000 stand Nasrallah in diesem Stadion und bezeichnete den Besatzungsstaat als schwächer als ein Spinnennetz. Ein Vierteljahrhundert später hat die Metapher Gestalt angenommen. Der Faden ist eine Faser, die keine Botschaft trägt und sich um eine Armee windet, die für einen anderen Kampf aufgestellt wurde.“

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7 Kommentare

  1. Hausmann_Alexander 26. April 2026 um 21:24 Uhr - Antworten

    Glasfaser

    Hier bei Dustcontrol wissen wir, dass die gesundheitlichen Risiken von GFK-Staub zahlreich sind und nicht unterschätzt werden sollten:

    Atemwegsprobleme: Die Inhalation von GFK-Staub ist eines der größten Risiken. Die feinen Glasfasern können tief in die Lunge eindringen und Atemwegserkrankungen wie Asthma, Bronchitis und Lungenfibrose verursachen. Langfristige Exposition kann zu chronischen Lungenerkrankungen führen, die schwer zu behandeln sind und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

    https://dustcontrol.at/news/die-gefahren-von-fiberglasstaub-gfk-und-wie-man-sich-schutzen-kann/

    • therMOnukular 26. April 2026 um 21:32 Uhr - Antworten

      Was Sie meinen betrifft aber eher Glasfasern von Dämmstoffen und dergleichen, die fragmentiert als Staubteilchen in die Atemluft gelangen können und somit in die Lunge. Diese Glasfaserkabel sind ja in einem Stück, glatt, sehr reißfest usw.
      Ich denke unterm Strich sind Kugeln und Granaten der IeDeEff die deutlich größere Gefahr für Hisbollah-Kämpfer oder andere Libanesen.

      • Hausmann_Alexander 27. April 2026 um 12:38 Uhr

        Im Krieg gibt es viele tödliche Teile die beschleunigt werden.
        Was aber auffällig ist, dass die Schädigung der Luft, Wasser und
        Böden immer weiter zugenommen haben.

        Die sekundäre Auswirkung
        ist enorm.

      • Fritz Madersbacher 27. April 2026 um 23:21 Uhr

        @Hausmann_Alexander
        27. April 2026 um 12:38 Uhr
        Der Abrieb der Rotorblätter (ab einer gewissen Lebensdauer) von Windrädern ist GFK- (fallweise CFK[Carbon]-)Staub bereichert mit Bisphenol A – hältigem Epoxidharz und den PFAS (dem Teflon / PTFE – Polytetrafluorethylen) der „windschlüpfrigen“ Beschichtung (des „coatings“). TKP hat das hier schon oft thematisiert. Dieser Abrieb wird von den rotierenden Rotorblättern in der Landschaft verteilt …

  2. therMOnukular 26. April 2026 um 21:12 Uhr - Antworten

    Keine Ahnung, wo die Leute das her haben, aber ich habe bislang keine einzige Glasfaser-Drohne im Libanon im Einsatz gesehen (ich schaue zB jede Folge von John Elmer vom e.i.-Podcast). Erstens wäre das Bild deutlich besser und zweitens sieht man den Kabelbehälter der Drohnen sehr gut, sofern vorhanden. Dadurch schauen diese Drohnen von außen aus wie eine Wespe mit 2 gleich dicken Körperteilen. In keiner der Aussenaufnahmen (also zB solche Aufnahmen einer Drohne, die die Drohne vor ihr beim Einschlag filmt) hätte ich bisher diesen „dicken Hintern“ an einer Drohne gesehen.

    Ist aber zum Glück nur ein Detail. Wichtig ist nur, dass diese Dinger ihren Zweck erfüllen und die IeDeEff bislang absolut hilflos ist, auch die USA stellt sich peinlich dumm an. An dem Luftabwehrradar der US-Botschaft im Irak hat man einen Maschendrahtzaun als „Drohnenschutz“ installiert.

    Nachdem nun über Jahrzehnte hinweg US-Drohnen wie die MQ9-Reaper über diversen (zivilen!) Köpfen schwebten und sie bombardierten, ist das die gerechte Antwort und Trendumkehr.

    • Varus 27. April 2026 um 4:29 Uhr - Antworten

      Wie auch immer die Drohnen konstruiert sind – es wäre schön, könnte man die IDF-Invasion zurückschlagen.

    • Jurgen 27. April 2026 um 13:03 Uhr - Antworten

      Die Rolle ist wohl nicht an der Drohne, weil zusätzliches Gewicht. Aber hätte wohl eh nur die Größe einer Nähmaschinenrolle für den Unterfaden, d.h. 2cm Durchmesser…

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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