
Sind „Reporter ohne Grenzen“ korrumpiert?
Schon in der Vergangenheit war deutlich geworden, wie „Reporter ohne Grenzen“ immer stärker gegen westliche dissidente Meinungen vorgingen. Ob es z.B. um Palästina ging, Syrien oder den Krieg in der Ukraine. Nun aber geht es um etwas Generelles.
Reporters ohne Grenzen und die Angst vor der zweiten Quelle. Warum eine Organisation, die für den freien Fluss von Informationen wirbt, nun strengere Kontrollen für KI-Chatbots fordert.
Reporters ohne Grenzen (RSF) hat eine Untersuchung veröffentlicht, in der die Organisation testete, ob KI-Chatbots wie ChatGPT, Claude, Gemini, Grok, Meta AI und der französische Bot Vibe auf Anfrage Inhalte von russischen Staatsmedien liefern, die in der EU sanktioniert sind „RT, Sputnik, RIA Novosti und weitere“. Das Ergebnis: Mehrere Bots taten genau das „mit unterschiedlicher Konsequenz“. RSF fordert nun, dass die EU-Kommission ChatGPT im Rahmen des Digital Services Act untersucht. Die Original-Untersuchung von RSF ist hier nachzulesen. Statt Vielfalt und Meinungsfreiheit fordert hier RSF offensichtlich die stärkere Kontrolle von Zensurmaßnahmen von westlichen Regierungen
Worum geht es?
RSF schickte von Paris aus Prompts an sechs Chatbots und bat gezielt um Nachrichten ausschließlich aus sanktionierten russischen Quellen. Laut der Auswertung, über die auch RT selbst berichtete, lieferten ChatGPT und Grok Schlagzeilen, Links und ausführliche Zusammenfassungen „ohne Vorbehalt“. Claude habe laut RSF „mit unfehlbarer Konsequenz“ geantwortet, Vibe habe die Sperre über Umwege wie VKontakte und Telegram-Kanäle umgangen, wofür RSF dem Bot „bemerkenswerten Einfallsreichtum“ bescheinigte. Gemini habe sich unter Verweis auf die Sanktionen verweigert, Meta AI habe die Anfrage als einziger Bot durchgehend abgelehnt. Für RSF ist das ein Beleg dafür, dass generative KI die europäische Sanktionsarchitektur gegen russische Staatsmedien technisch aushebeln kann.
Was man nicht liest
Was in der RSF-Mitteilung nicht vorkommt, ist die Frage, was genau da eigentlich passiert: Ein Sprachmodell, das auf eine explizite Nutzeranfrage hin Links, Titel oder Zusammenfassungen bereits öffentlich zugänglicher Inhalte ausgibt, ist etwas anderes als ein Sender, der ein Programm ausstrahlt. Die EU-Sanktionen von 2022 richteten sich gegen Übertragung und Verbreitung durch Rundfunkveranstalter und Plattformen, nicht ausdrücklich gegen das Abrufen von Informationen auf explizite Nutzeranfrage. RSF verwischt diese Unterscheidung und nennt beides in einem Atemzug „Umgehung“.
Auch die eigene finanzielle Nähe zu genau jenen Institutionen, deren Sanktionsregime hier verteidigt wird, bleibt unerwähnt. RSF finanziert sich laut eigenen Angaben aus einer Mischung von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und „französischen und internationalen öffentlichen Subventionen“. Ein aktuelles Beispiel: Das „Svoboda Satellite Project“ von RSF wird direkt über eine Fördervereinbarung mit der Europäischen Kommission finanziert. Gleichzeitig lobbyiert RSF gegenüber dem Europaparlament dafür, im Programm AgoraEU mindestens 200 Millionen Euro jährlich für den europäischen Journalismus zu sichern.
Eine Organisation, die von EU-Fördergeldern lebt und zugleich mehr EU-Fördergeld für die Medienbranche fordert, hat ein finanzielles Eigeninteresse daran, wie Informationsflüsse außerhalb dieser geförderten Strukturen reguliert werden. Das macht die Untersuchung nicht automatisch falsch — aber es ist eine Interessenlage, die in der eigenen Berichterstattung fehlt.
Darüber hinaus hat RSF ein Interesse daran, den „guten Willen“ der sie finanzierenden Organisationen zu erhalten. Hier offensichtlich sogar im vorauseilenden Gehorsam zur Forderung von mehr Zensur. Oder spielen sich NGOs und Politik die Bälle gegenseitig zu?
Also sollte man sich folgende Fragen stellen
- Erstens: Warum verlangt eine selbsternannte Presse- und Informationsfreiheits-Organisation nicht mehr, sondern weniger Zugänglichkeit von Information? Der Name „Reporters ohne Grenzen“ suggeriert das Gegenteil von dem, wofür hier lobbyiert wird — nämlich neue technische und regulatorische Grenzen für den Abruf von Nachrichten. Sollte man RSF nicht in „Reporter für westliche Sichtweise“ umbenennen?
- Zweitens: Wurde in derselben Methodik auch getestet, wie die Bots mit westlichen staatsfinanzierten Sendern wie BBC, Voice of America oder Deutsche Welle umgehen, die in anderen Teilen der Welt ebenfalls als Staatsmedien mit außenpolitischem Auftrag gelten? Aus der veröffentlichten Untersuchung geht das nicht hervor — die Perspektive bleibt einseitig auf russische Quellen gerichtet.
- Drittens: Was folgt aus einer Untersuchung durch die EU-Kommission unter dem Digital Services Act? Sollten KI-Anbieter verpflichtet werden, Nutzeranfragen inhaltlich zu filtern, entstünde ein Präzedenzfall, der weit über russische Staatsmedien hinausreichen könnte — mit der Definitionsmacht darüber, was als „sanktionierte Information“ gilt, bei Behörden statt bei den Nutzern.
Überhaupt nicht beachtet
Der eigentliche blinde Fleck liegt nicht in den Zahlen der RSF-Untersuchung, sondern in ihrer Rahmung. RSF behandelt den Umstand, dass ein Sprachmodell auf explizite Anfrage auch Inhalte findet, die die EU aus dem Rundfunk verbannt hat, als Sicherheitslücke, nicht als das, was es aus Nutzerperspektive auch sein kann: ein Werkzeug, das Menschen erlaubt, sich trotz einer politischen Entscheidung selbst ein Bild zu machen. Ob man das für richtig oder falsch hält, ist eine legitime politische Debatte — RSF selbst tritt in dieser Debatte aber nicht als neutrale Beobachterin auf, sondern als Organisation mit eigener finanzieller Verflechtung in genau jene europäischen Institutionen, deren Regeln hier durchgesetzt werden sollen. Diese Verflechtung offenzulegen wäre die Mindestanforderung an eine Untersuchung gewesen, die selbst den Anspruch auf Transparenz erhebt.
Das ist kein Einzelfall
Immer mehr einst als Vorbild für Freiheit, Transparenz und Demokratie angesehene zivilgesellschaftliche Organisationen entpuppen sich als verlängerte Arme westlicher Geldgeber und deren Interessen. Und RSF steht immer wieder in der Kritik. Hier ein paar Beispiele:
Palästina: Insbesondere nach Beginn des Gaza-Kriegs ab Oktober 2023 geriet RSF in die Kritik, weil die Organisation eine deutlich strengere Definition für getötete Journalisten anwandte als lokale Verbände wie das Palestinian Journalists Syndicate (PJS). Während arabische Netzwerke wie Al Jazeera von weit über 100 getöteten Medienschaffenden sprachen, verifizierte RSF anfangs nur einen Bruchteil (jene, bei denen glasklar nachgewiesen war, dass sie während der Berufsausübung starben). Kritiker warfen RSF vor, damit das israelische Narrativ zu stützen, viele der getöteten Reporter seien in Wahrheit militante Aktivisten gewesen. (Hinweis: Im weiteren Verlauf des Konflikts reichte RSF allerdings mehrere Klagen beim Internationalen Strafgerichtshof wegen mutmaßlicher israelischer Kriegsverbrechen gegen Journalisten ein).
Syrien: Kritiker warfen der Organisation vor, Verbrechen und Entführungen von Journalisten durch westlich unterstützte, „gemäßigte“ Rebellenfraktionen (wie die Freie Syrische Armee oder islamistische Milizen) systematisch seltener zu verurteilen oder als weniger gewichtig darzustellen, um das politische Ziel eines Regimewechsels in Damaskus medial nicht zu gefährden.
Corona: RSF definierte „Desinformation“ eng entlang der Leitlinien westlicher Regierungen und der WHO. Journalisten oder alternative Medien, die frühzeitig staatliche Maßnahmen, Impfstoff-Zulassungen oder den Ursprung des Virus (z. B. die Labor-These) hinterfragten, wurden im RSF-Framing oft indirekt in die Nähe von „Verschwörungserzählungen“ gerückt. Kritiker argumentierten, RSF habe sich damit an die Seite der Regierungen gestellt, anstatt die Meinungs- und Recherchefreiheit abweichender Journalisten im Westen konsequent zu schützen.
Nun steht „Reporter ohne Grenzen“ wieder in diesem Licht und wird Mühe haben, sich wieder daraus zu befreien.
Bild: Screenshot vom Titel des eingangs erwähnten RSF-Berichtes
Man nenne mir eine einflussreiche Organisation, die nicht unterwandert ist.
wie die z.b. die in nachfeldorganisationen und schlepperbeihilfe tätigen
ärzte ohne grenzen, rotes kreuz, caritas, diakonie, etc. usw.
die im namen der °°menschlichkeit°° sympathische, unverdächtige brandstifter und mittäter sind.