
Konföderacja-Chef Bosak: Polen raus aus der EU – aber rein in den EWR
Krzysztof Bosak, einer der Anführer der libertär-nationalistischen Partei Konfederacja und stellvertretender Sejm-Marschall, hat öffentlich ausgesprochen, was in Polen lange als Tabu galt: Polen könnte die Europäische Union verlassen und stattdessen ein Arrangement wie Norwegen, Island oder die Schweiz anstreben – wirtschaftlich integriert, politisch aber außerhalb des Brüsseler „bürokratischen Kolosses“.
In einem Interview mit dem populären YouTube-Kanal Kanał Zero (veröffentlicht am 2. September 2026) und parallel auf X argumentierte Bosak, dass Island, Norwegen und die Schweiz nicht der EU angehören, aber am europäischen Wirtschaftsraum teilnehmen und Zugang zum Binnenmarkt haben. Eine solche Diskussion dürfe in Polen kein Tabu mehr sein.
Der konkrete Vorschlag
Bosak betont, dass Polen den Status eines EWR-Mitglieds (Europäischer Wirtschaftsraum) anstreben könnte. Damit bliebe der Zugang zum EU-Binnenmarkt erhalten, ohne dass Warschau weiterhin den vollen Brüsseler Regulierungsapparat, den Green Deal, die Migrationspolitik und die schleichende Kompetenzübertragung mitmachen müsste. Eine solche Lösung sei „wahrscheinlich vorteilhafter“ für Polen und werde in seinem politischen Lager schon länger diskutiert.
Bisher hatte die Konfederacja – im Gegensatz zur radikaleren Konfederacja Korony Polskiej (KKP) von Grzegorz Braun – keinen klaren Polexit-Plan vorgelegt. PiS und Präsident Karol Nawrocki wollen die EU reformieren und Kompetenzen zurückholen, die AfD in Deutschland strebt einen kompletten Ausstieg und eine Neugründung an. Bosak skizziert einen dritten Weg: einen geordneten, „samtenen“ Abschied bei Beibehaltung der wirtschaftlichen Vorteile.
Die Gegenreaktion aus dem Regierungslager
Außenminister Radosław Sikorski (Regierung Tusk) reagierte umgehend und scharf. Länder wie Norwegen, die Schweiz und Island müssten für den Marktzugang bezahlen und EU-Regeln übernehmen, ohne mitentscheiden zu dürfen. Regierungs-Sprecher Adam Szłapka warf Bosak vor, Polen solle zahlen, EU-Recht anwenden und gleichzeitig auf jeden Einfluss verzichten.
Sikorskis Darstellung ist allerdings unvollständig: Der EWR schließt die Zollunion, die Gemeinsame Agrarpolitik, die Fischereipolitik, die gemeinsame Handelspolitik und die Währungsunion aus. Norwegen übernimmt zwar einen großen Teil der Binnenmarktregeln, hat aber in wichtigen Bereichen deutlich mehr Spielraum als ein Vollmitglied.
Die Realitäten
Polen exportiert rund 75 Prozent seiner Waren in die EU (2025: 366 Milliarden Euro Gesamtausfuhren). Es ist ein großer Nettoempfänger von Agrar- und Kohäsionsmitteln und liegt an der EU-Außengrenze zu Russland, Belarus und der Ukraine. Gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit mit Green Deal, Migrationspakt und der schleichenden Entmachtung der Nationalstaaten. Umfragen zeigen zwar weiterhin eine Mehrheit für den EU-Verbleib, aber eine klar wachsende Skepsis gegenüber weiterer Integration und eine Ablehnung des Euro sowie der aktuellen Klima- und Migrationspolitik.
Bosaks Vorstoß ist der bisher konkretste Versuch der polnischen Rechten, nicht nur gegen Brüssel zu wettern, sondern eine realistische Alternative zu skizzieren. Während die EU den Ukraine-Krieg befeuert, ihren imperialistischen Kurs ausweitet und weiter zentralisieren will, mehren sich in immer mehr Mitgliedstaaten die Stimmen, die den Ausweg aus der antidemokratischen „Zentralmacht“ suchen. Polen könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
einer soll endlich den anfang machen, damit dieses korrupt-kriminelle gebilde schnell geschichte wird