China wagt es, dem Imperium zu widersprechen

1. August 2026von 4,3 Minuten Lesezeit

Während die europäischen Staaten mehrheitlich den Völkermord in Gaza sogar unterstützten, und auch nichts gegen die Ausweitung auf den Rest Palästinas unternehmen, zeigt China seine Führerschaft im Globalen Süden und beweist damit, dass Indien diese Rolle nicht verdient. Was war passiert?

China unterstützt offiziell die Aufnahme Palästinas in die BRICS-Gruppe. Nachdem die palästinensische Autonomiebehörde im September 2025 einen formellen Antrag auf Vollmitgliedschaft eingereicht hatte, erklärte das chinesische Außenministerium, dass es den Beitritt „gleichgesinnter Partner“ ausdrücklich begrüßt, um eine gerechtere internationale Ordnung zu schaffen. Da innerhalb von BRICS Einstimmigkeit für neue Mitglieder erforderlich ist, gilt zunächst eine Gast- oder Beobachterrolle Palästinas als wahrscheinlichster erster Schritt.

Geopolitische und strategische Folgen

Eine Einbindung Palästinas in das BRICS-Bündnis (dem neben China, Russland und Indien auch wichtige Regionalmächte wie Ägypten, Iran und die VAE angehören) zieht erhebliche Konsequenzen nach sich:

  • Diplomatische Aufwertung: Der Beitritt – selbst im Beobachterstatus – verleiht Palästina neue moralische und politische Legitimität auf globaler Ebene. Es hebt das Territorium in den Augen des Globalen Südens von einer bloß humanitären Krise zu einem anerkannten geopolitischen Akteur.
  • Machtausbau für China im Nahen Osten: Für Peking ist die Unterstützung ein strategischer Hebel. China baut damit seine Rolle als diplomatisches Gegengewicht zu den USA im Nahen Osten aus und festigt seine Partnerschaften mit arabischen und muslimischen Staaten.
  • Herausforderung der westlichen Hegemonie: Die BRICS-Staaten fordern zunehmend die traditionell US-dominierte Vermittlerrolle im Nahostkonflikt heraus. Eine Aufnahme signalisiert die geschlossene Ablehnung der westlichen Nahostpolitik durch den Block. Aber dürfte vorerst an Indien und den VAE scheitern. (Was langfristig durchaus zu einem „Bereinigungsprozess“ innerhalb von BRICS führen könnte.)
  • Wirtschaftliche Perspektiven und Wiederaufbau: Langfristig erhofft sich Palästina über BRICS-Institutionen wie die New Development Bank Zugang zu alternativen Finanzierungskanälen, um den Wiederaufbau in den palästinensischen Gebieten unabhängig von westlichen Bedingungen voranzutreiben.

Interne Hürden und Konfliktpotenzial

Trotz der klaren Fürsprache Chinas und Russlands birgt die palästinensische Personalie auch Sprengkraft innerhalb der Allianz:

  • Zersplitterung statt Konsens: BRICS ist politisch extrem heterogen. Während Länder wie Iran eine radikal anti-israelische Haltung einnehmen, pflegt beispielsweise Indien enge wirtschaftliche und strategische Beziehungen zu Israel, was die Verhandlungen über eine Vollmitgliedschaft erschwert. Ähnliches gilt, wie angesprochen, für die VAE.
  • Gefahr von Sanktionen: Eine stärkere Integration Palästinas in anti-westlich geprägte Wirtschaftsinitiativen könnte scharfe Gegenreaktionen der USA und ihrer Verbündeten nach sich ziehen – wie etwa die Androhung von Strafzöllen gegen Staaten, die westliche Finanzsysteme umgehen wollen. Aber diese kommen sowieso, sobald BRICS stärker wird. Sollte die Staaten also eher nicht abschrecken.

Auswirkungen auf die Geopolitik

China will Palästina als Staat in die BRICS-Gemeinschaft aufnehmen und beweist damit eine Führungsrolle im Globalen Süden. Damit werden auch die Führungen von Länder unter Druck gesetzt, die bisher gegen die Meinung der Straße eine Israel wohlwollende Haltung eingenommen hatten. Kritiker im Westen erklären, es werde die Rolle Chinas schwächen, während Analysten im Globalen Süden davon ausgehen, dass es die Führungsrolle Chinas im größeren Teil der Welt deutlich verstärken wird. Insbesondere dürfte damit der Anspruch Indiens hinfällig geworden sein, eine Führungsrolle für den Globalen Süden zu übernehmen.

Schon die Ikone Mahatma Gandhi war kein Revolutionär, sondern wollte das Kastensystem erhalten und kämpfte für die Anerkennung der indischen Führung und des Mittelstandes als gleichberechtigter Partner des kolonialen Westens. Eine Rolle, die dem Land bis heute verwehrt wurde, ohne dass sich aber die Intention wesentlich verändert hätte. D.h. während Indien die Werkzeuge westlicher Ausbeutung der Massen übernahm, und als Legitimation „Wahlen“ einführte, um sich als „größte Demokratie der Welt“ zu beschreiben, hatte das Land die eigene Entwicklung, welche sich aus der Masse der Bevölkerung ergibt, verschlafen. Anders als China, ein Land, welches das volle Potential seiner Bevölkerung ausschöpft, indem es Chancen für Alle und Politik für die Massen, statt für eine Oberschicht realisierte. Nun zeigt sich in der Außenpolitik ein ähnliches Bild.

Während China immer stärker die Führung der nicht-westlichen Welt beansprucht, zeigt sich Indien in den Augen des Globalen Südens lediglich als „braver Kolonialstaat„, der versucht, seinen ehemaligen Herren möglichst nicht zu stark zu widersprechen. Die bisherige Verweigerung von Sanktionen gegen Russland waren geduldete Opposition. Was nun entlarvt wird.

Ob das wirklich der Fall ist, und ob Indien diese Rolle weiter spielen wird, ist schwer zu sagen. Unter einem im Prinzip rassistischen Modi, der Israel als Beispiel für Indien sieht, wie man mit aufsässigen Gebieten umgehen sollte, ist eine Veränderung der Politik eher unwahrscheinlich.

Bild: Screenshot aus x.com-Meldung

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10 Kommentare

  1. Hello 2. August 2026 um 9:53 Uhr - Antworten

    „Schon die Ikone Mahatma Gandhi war kein Revolutionär, sondern wollte das Kastensystem erhalten …“

    Das stimmt zwar, aber für Uninformierte klingt das so, als wäre er auch für die Unberührbarkeit eingetreten, obwohl das Gegenteil der Fall war. Das Kastensystem war für Gandhi eine Organisationsform für Arbeitsteilung, in die das Übel der Unberührbarkeit eingebrochen ist. Für die Verfassung des unabhängigen Indiens war die Idee der Unberührbarkeit infolgedessen ein Verbrechen.

  2. Charles M. 1. August 2026 um 12:24 Uhr - Antworten

    Die Brics ist auch nur eine unefktive Quaselbude.
    So kann man dem Hegemon nicht die Stirn bieten.
    Und solange Schwerverbrecher wie Lula und seine Spießgesellen mit von der Partie sind, ist das alles auch wenig vertrauenserweckend…

  3. Der Zivilist 1. August 2026 um 10:35 Uhr - Antworten

    ein ungewöhnlich kühner Schritt Chinas

  4. Lutz Herzer 1. August 2026 um 9:56 Uhr - Antworten

    China macht deutlich, dass es auf Einhaltung und Umsetzung der UN-Charta besteht. Diese Forderung kommt auch von Russland um dem Iran. Wer die völkerrechtlichen Prozesse bei den Sezessionen der Krim und den Ostrepubliken neutral betrachtet, kann nicht zu dem eindeutigen Schluss kommen, Russland würde gegen die UN-Charta verstoßen. Ein Monopol des Westens zu einer willkürlichen Auslegung der Regeln ist nicht vorgesehen. Jedenfalls setzen Regierungen von Ländern, die sich zur Verwirklichung eines New American Century über das Völkerrecht hinwegsetzen, ihre Legitimität aufs Spiel.

    Die UN-Charta lässt nur eine multipolare Weltordnung zu. Wie auf diesem Weg Interessenskonflikte gelöst werden, ist nicht gerade einfach, aber auch nicht unmöglich. Ein oberster Grundsatz müsste sein: Private Finanziers haben sich aus internationalen Organisationen und Behörden strikt herauszuhalten. Die Ausstattung mit Personal müsste vollkommen transparent erfolgen und Belohnungen mit Posten verboten sein.

  5. Jan 1. August 2026 um 9:52 Uhr - Antworten

    Logischerweise kann die Grenze zwischen zwei Blöcken nicht zwischen Israel und Gaza/Westbank verlaufen, das weiß auch China.

  6. Gabriele 1. August 2026 um 8:25 Uhr - Antworten

    China würde alsbald auch gern die „Führungsrolle“ in der westlichen Welt beanspruchen, aber das werden wir erst merken, wenn es soweit ist.
    Wie es selbst mit „aufsässigen Gebieten“ umgeht, dürfte schon anhand von Tibet ausreichend bekannt sein…
    China erobert offiziell nicht militärisch, sondern durch „gut gemeinte Hilfe“.
    Vielleicht aber wünschen wir uns ja eine Dystopie wie in Ruanda.

    • 1150 1. August 2026 um 9:16 Uhr - Antworten

      @,
      ja wir wissen, xinjiang und tibet sind bekanntlich die grössten konzentrationslager.
      aber ich bin mir sicher, dass es den insassen dieser konzentrationslager besser geht,
      als den für die freiheit blockierten und sanktionierten kubanern ….

      • 1150 1. August 2026 um 9:19 Uhr

        ach ja,
        die gut gemeinten hilfen des demokratischen westens und seiner marionettenvasallen bestehen hauptsächlich aus bomben und zerstörung. diese sollen ja viel besser wirken als infrastruktur

    • Daisy 1. August 2026 um 9:51 Uhr - Antworten

      Ja, China macht es still und leise über die internationalen Handelsbeziehungen. Auch Russland ist nunmehr schon sehr abhängig. China bezieht billig die russ. Rohstoffe analog wie von Venezuela oder Iran. Es hält diese Staaten grad mal über Wasser, aber dass sie wirklich aufkommen, ist nicht vorgesehen. Es hat offenbar auch kein Interesse an der Beendigung der Kriege in der Ukraine und im Iran. Die Weltwirtschaftskrise kommt China zu pass. Russland freut sich über die gestiegenen Rohölpreise.

      Chinas Partner sind so lange Partner, wie sie etwas nützen.

      Der Iran Krieg bringt China Vorteile im globalen Süden, wo man sich als verlässlicher Partner präsentiert. Es beobachtet sichtlich auch zufrieden, wie die USA sich abstrampeln und legt gerne da und dort ein Scheit nach, aber immer lächelnd und mit salbungsvollen Worten. Sie übernehmen schleichend durch Abhängigkeiten…

      Alle haben sich verausgabt, nur China hat seine Militärmacht noch kaum strapaziert.

      • 1150 1. August 2026 um 11:56 Uhr

        @,
        ….. china hat solange partner, wie sie etwas nützen ….
        ja, das ist genau das gegenteil von der selbsternannten zentrale der freiheit und demokratie.
        wer mit denen befreundet ist, hat schutzgeld zu berappen und braucht keine anderen feinde mehr.

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