
Die Werkzeuge des langen Krieges gegen den Iran (Teil 3 – Sanktionen, Attentäter, CyberWar)
In Teil 1 berichteten wir über die Terrororganisationen, welche für die USA in der Causa Iran arbeiten, im zweiten Teil über die Denkfabriken und ihre Drehbücher und in diesem Teil nun über Sanktionen, Attentäter und Medien.
Die schärfsten Instrumente, um die Entwicklung des Irans zu unterdrücken, sind Wirtschaftssanktionen. Nicht nur Sanktionen gegen das Land direkt, sondern Sekundärsanktionen gegen jeden, der es wagt, mit dem Iran Geschäfte oder wissenschaftlichen oder anderen Austausch zu betreiben.
Die ersten Sanktionen wurden während der Islamischen Revolution 1979 verhängt: Der Angriff auf die US-Botschaft und die Geiselnahme von Amerikanern als Vergeltung für den US-Putsch von 1953 und Jahrzehnte der Unterstützung von Folter und Diktatur, führten zum Einfrieren iranischer Vermögen und einem Handelsverbot.
Die zweite Phase fiel in Reagans Amtszeit, der 1984 und 1987 im Kontext des ersten Golfkriegs vor allem das iranische Rüstungsgeschäft schwächen wollte, weil die USA auf der Seite des Iraks wichtige Hilfestellung leistete, praktisch Kriegspartei war. Clinton erließ 1995 weitere umfassendere Sanktionen, die sich erstmals direkt gegen die iranische Ölindustrie richteten. Zudem wurde der Iran auf die schwarze Liste der Terrorismus unterstützenden Länder gesetzt, weil das Land die antikolonialen Widerstandsbewegungen in Palästina, im Libanon und Jemen unterstützte. Die Situation verschlechterte sich ab 2005 unter Ahmadinedschad, als der Iran sein Atomprogramm zur friedlichen Nutzung von Atomenergie mit eigener Urananreicherung trotz UN-Aufforderung nicht einstellte. Der UN-Sicherheitsrat beschloss 2006 weitreichende Sanktionen, darunter ein Waffenembargo, und auch die EU führte Handelssanktionen ein. Im Jahr 2011 führte die EU zusätzlich Sanktionen wegen „schwerer Menschenrechtsverletzungen“ ein.
Die gefälschten Beweise
Am 9. Juni 2010 waren die Sanktionen mit der Sicherheitsratsresolution 1929 noch einmal verschärft worden. Damit sollte insbesondere der Verkauf von Waffen an den Iran unterbunden werden, damit das Land nicht die Möglichkeit bekam, sich gegen militärische Erpressungen zu wehren.
Die Resolution 1929 des UN-Sicherheitsrates basierte auf einer total falschen Annahme. Sie ging davon aus, dass der Iran nach Atomwaffen strebt und die globale Sicherheit bedroht, weshalb es kein Veto Russlands oder China gab. Der UN-Sicherheitsrat hatte damit die aus den USA, der NATO und Israel bestehenden Militärallianz zu einer Strafaktion ermächtigt und ihr grünes Licht für eine Bedrohung des Irans mit einem präemptiven Atomangriff gegeben.
Die Argumentation der USA im UN-Sicherheitsrat hat sich teilweise auf Geheimdienst-Dokumente gestützt, die angeblich „Beweise“ dafür liefern, dass der Iran ein Atomwaffen-Programm betreibt. Im November 2005 veröffentlichte die NEW YORK TIMES / NYT einen Bericht von William J. Breit und David E. Sanger mit dem Titel „Relying on Computer, U.S. Seeks to Prove Iran’s Nuclear Aims“ [Unter Berufung auf einen Computer versuchen die USA dem Iran das Streben nach Atomwaffen nachzuweisen.] Die in der NYT veröffentlichten Beschuldigungen Washingtons beruhten auf Dokumenten, „die angeblich von einem iranischen Computer stammen, den ein Unbekannter gestohlen und 2004 einem US-Geheimdienst übergeben haben soll„.
Die Echtheit dieser Dokumente wurde zwar schon früh angezweifelt, aber in einem Artikel des investigativen Journalisten Gareth Porter wurde dann zweifelsfrei nachgewiesen, dass die mysteriösen Laptop-Dokumente Fälschungen waren. Die in den Dokumenten enthaltenen Zeichnungen bezogen sich auf eine veraltete nordkoreanische Rakete, die der Iran (angekauft, aber) Mitte der 1990er Jahre ausgemustert hatte. Wie dumm, dass die vom US-Außenministerium präsentierten Zeichnungen den „falschen Raketensprengkopf“ abbildeten. (Mehr Informationen in dieser Quelle). Natürlich wurden die Sanktionen deshalb nicht aufgehoben.
Der JCPOA
Ein scheinbarer Wendepunkt kam 2015 mit dem Atomabkommen (JCPOA), das viele Sanktionen aufheben SOLLTE– doch Trump brach es 2018, indem er sich nicht an die festgelegten Ausstiegsprozeduren hielt, was trotzdem allgemein als „Ausstieg“ beschönigt wurde, und verhängte neue Sanktionen. Da Iran seinen Verpflichtungen aus dem JCPOA langsam abbaute, wie im Vertrag vorgesehen war, falls eine andere Partei sich nicht an den Vertrag hielt, wurden die EU-Sanktionen im September 2025 per „Snapback“-Mechanismus wiedereingeführt. Dies, obwohl eigentlich die USA und die EU-Staaten als erste gegen die JCPOA-Bestimmungen verstoßen hatten, während der Iran sauber den Ausstiegsprozeduren gefolgt war.
Attentäter im Dienste einer höheren Macht
Über die diversen verheerenden Attentate der MEK hatten wir schon im vorhergehenden Teil 1 berichtet. Aber neben den klassischen Terrorangriffen von Al Qaida und ISIS ist ein Täterkreis besonders hervorzuheben:
Israel (Mossad) gegen iranische Atomwissenschaftler
Vier Atomwissenschaftler wurden im Zeitraum von 2010 bis 2012 im Teheraner Berufsverkehr entweder durch Bomben oder durch Schüsse von vorbeifahrenden Motorrädern ermordet. Im November 2020 wurde Mohsen Fachrisadeh, der als „Vater des iranischen Atomprogramms“ gilt, bei einem KI-unterstützten Attentat ermordet – mittels einer ferngesteuerten Maschinenwaffe. Den vorläufigen Höhepunkt bildete der israelische Militärangriff im Juni 2025: Im sogenannten Zwölftagekrieg ermordete Israel nach eigenen Angaben 16 iranische Atomwissenschaftler gezielt, teilweise mit ihren Familien und auch mit ganzen Nachbarschaften. Darunter befanden sich der frühere Leiter des iranischen Atomprogramms Fereydun Abbasi sowie mehrere Professoren der Eliteuniversität Schahid Beheschti.
Gezielte Morde an Politikern und Militärs
Am 3. Januar 2020 wurde Qassem Soleimani, Kommandeur der Auslandseinheit der Iranischen Revolutionsgarden, durch einen US-Drohnenangriff bei Bagdad, gemeinsam mit ca. einem Dutzend anderer Menschen ermordet. Er war der im Iran beliebteste Soldat und zu seiner Trauerfeier erwschienen Millionen Menschen. Interessanterweise war er auf einer diplomatischen Reise nach Saudi-Arabien gewesen, um eine Aussöhnung der Länder vorzubereiten, was durch den Irak vermittelt worden war. Trump rühmte sich später dieser Tat, und ein ehemaliger Chef des israelischen Militärgeheimdienstes räumte eine Beteiligung Israels an diesem Angriff ein.
Im laufenden Angriffskrieg Israels und des Irans wurden dutzende hochrangige iranische Militärführer und Wissenschaftler gezielt getötet, darunter zu Kriegsbeginn am 28. Februar Irans Oberster Führer Ali Chamenei sowie Generalstabschef Abdolrahim Mousavi und Verteidigungsminister Nassirsadeh. Die Angreifer ließen die Verhandler ermorden, mit denen noch kurz vorher Vereinbarungen für nächste Gespräche getroffen worden waren.
Auch Cyberwar spielte eine Rolle
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Stuxnet (2009–2010) – der erste digitale Kriegsakt
Der Computerwurm Stuxnet zirkulierte auf tausenden Rechnern weltweit, richtete aber nur bei einer sehr spezifischen Konfiguration Schaden an: den Steuerungseinheiten der Uranzentrifugen in Natanz. Er manipulierte die Drehgeschwindigkeit der Motoren und zerstörte 2009 und 2010 schätzungsweise 1.000 der 9.000 vorhandenen Zentrifugen. Die Operation wurde während der Bush-Administration konzipiert und unter Obama eskaliert – mit dem Ziel, Irans Atomprogramm zu verzögern, ohne einen konventionellen Militärschlag zu riskieren.
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Duqu und Flame (2011–2012) – Spionage und Aufklärung
Ab 2010 wurde Irans Nuklearinfrastruktur wiederholt durch Schadsoftware angegriffen – darunter der Stars-Virus, Duqu und Flame. Alle werden demselben US-israelischen Cyberkriegs-Netzwerk zugeschrieben. Duqu diente der Geheimdienstarbeit gegen Hersteller industrieller Steuerungssysteme, um spätere Angriffe zu erleichtern. Der iranische Vizeminister für Kommunikation erklärte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA, dass iranische Experten ein Antivirenprogramm entwickelt hätten, das Flame als erstes weltweit erkennen und entfernen könne.
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Natanz-Explosionen und Sabotagewelle (2020–2021)
Im April 2021 zerstörte eine ferngesteuerte Sprengladung das unabhängige Stromsystem der Natanz-Anlage und verursachte einen massiven Stromausfall, der tausende Zentrifugen beschädigte. Der Angriff erfolgte während laufender Wiener diplomatischer Verhandlungen zur Wiederbelebung des Atomabkommens JCPOA. Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif bezeichnete den Angriff laut Wikipedia in einem Brief an UN-Generalsekretär Guterres als Kriegsverbrechen wegen des Risikos radioaktiver Freisetzung.
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Oktober 2024 – erneute Cyberangriffe
Im Oktober 2024 starteten israelische Cyber-Einheiten eine umfangreiche Offensive gegen die iranische Nuklearinfrastruktur. Der frühere Leiter der iranischen Cybersicherheitsbehörde, Abolhassan Firouzabadi, bestätigte messbare Störungen, betonte aber, dass sich der Iran schnell erholt habe.
Fazit
Der Krieg der USA, Großbritanniens und seiner Verbündetet gegen den Iran dauert genau genommen seit 1953 an. Damals wurde durch den ersten RegimeChange mit Hilfe von Schlägerbanden und Korruption der gewählte Präsident des Landes gestürzt und die Schah-Diktatur eingeführt. Während dieser ging der Krieg insofern weiter, als das Land gnadenlos ausgeplündert wurde, während gleichzeitig der Geheimdienst die schlimmsten Verbrechen beging. Was schließlich 1979 zu der Revolution führte, in der sich die gesamte Gesellschaft entschloss, die koloniale Vergangenheit abzuschütteln. Als dunkler Schatten auf dieser Revolution wird die Massentötung von ursprünglich verbündeten Linken durch die junge Regierung verbleiben, die bis heute nicht aufgearbeitet wurde. Aus Angst vor der Stabilität der noch unsicheren gesellschaftlichen Veränderung hatten die Strafverfolgungsbehörden in einer Grauzone offensichtlich überreagiert. Die Aufarbeitung wird wohl erst erfolgen können, wenn dem Land endlich erlaubt wird, in Frieden zu leben. Weil erst dann die Gesellschaft den Einfluss von Radikalen zurückdrängen wird. Bis dahin sind sie es, die mit ihrem Leben die Souveränität des Landes verteidigen.
Und genau dies ist seit Jahrzehnten die Fehlkalkulation der Feinde. Nicht Aggression, sondern Umarmung wäre die richtige Politik zur Öffnung und Liberalisierung der Gesellschaft. Bewiesen bei jedem der diversen RegimeChange-Versuche. Am deutlichsten zu sehen nach 2009, 2025 und eben in diesem Jahr.
Bild: Stuxnet Wikipedia
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