Pirelli bringt „Cyber Reifen“: Ihr Auto als rollende Datenquelle

4. Juni 2026von 3,3 Minuten Lesezeit

Die italienische Reifenfirma Pirelli hat auf dem SelectUSA Investment Summit angekündigt, dass ihre KI-gestützten „Cyber Tires“ bald in Serie gehen.

Die Produktion startet im US-Werk in Rome, Georgia. Was als Fortschritt in Sicherheit und Komfort verkauft wird, ist in Wirklichkeit ein weiterer massiver Schritt in Richtung Totalüberwachung des Individualverkehrs. Die „Cyber Tire“-Technologie basiert auf in den Reifen eingebetteten Sensoren, darunter Beschleunigungssensoren (Accelerometer), die Kräfte, Straßenbeschaffenheit, Unebenheiten, Löcher und andere Bedingungen in Echtzeit erfassen. Diese Daten werden über proprietäre Software und Algorithmen von Pirelli verarbeitet und direkt an die Fahrzeugelektronik weitergeleitet. Künftig sollen sie sogar andere Fahrzeuge warnen – Vehicle-to-Everything (V2X). Die Reifen „sprechen“ miteinander und mit der Infrastruktur.

Piero Misani, CTO und Leiter des Cyber-Tire-Bereichs bei Pirelli, erklärte dazu sinngemäß, dass Autos nun miteinander kommunizieren können. Die Infrastruktur dafür sei vorhanden, vor allem bei autonomen Fahrzeugen seien die Möglichkeiten grenzenlos. Pirelli hat dafür sogar 30 Prozent an der schwedischen KI-Firma Univrses erworben.

Nicht nur Pirelli: Die ganze Branche macht mit

Pirelli ist keineswegs allein. Continental setzt auf RFID-Chips zur Reifendatenverwaltung, Michelin hat diese bereits in die Produktion und Logistik integriert. Was als effiziente Nachverfolgung von Herstellung, Auslieferung, Wartung und Entsorgung angepriesen wird, schafft neue Einfallstore für permanente digitale Identifikation und Tracking der Reifen – und damit des Fahrzeugs.

Die Reifen werden zu aktiven Datensammlern, die nicht nur Druck, Temperatur und Verschleiß messen, sondern Fahrverhalten, Straßenbedingungen und potenziell Rückschlüsse auf Routinen und Gewohnheiten des Fahrers liefern.

Datensicherheit? Datenschutz? Fehlanzeige

Kritiker und Datenschützer warnen: Jede neue vernetzte Komponente erhöht die Angriffsfläche für Hacker und die Möglichkeiten staatlicher oder kommerzieller Überwachung. Wer kontrolliert eigentlich diese Daten? Der Fahrer? Der Autohersteller? Pirelli? Versicherungen? Behörden? Die Erfahrung mit Connected Cars zeigt: Die Daten landen in Clouds, werden für „Sicherheit“, „Wartung“ oder „Verkehrsoptimierung“ genutzt – und irgendwann für ganz andere Zwecke.

Egal, wie „sicher“ etwas angeblich ist – wir haben von allen große Datenskandale gesehen. Die Versprechen klingen vertraut: Bessere Sicherheit, bessere Performance, vorausschauende Wartung. Doch der Preis ist die letzte Bastion der Privatsphäre im Straßenverkehr.

Der große Plan: Vom Auto zur rollenden Datenquelle

Dies passt perfekt in das Narrativ der „smarten“ und später autonomen Mobilität. Wer sein eigenes Auto fährt, soll zum Risikofaktor erklärt werden. Je mehr Sensoren, Kameras und vernetzte Komponenten, desto besser lässt sich das Verhalten steuern, versichern, besteuern oder – im Ernstfall – ferngesteuert einschränken.

Die Reifen sind nur die neueste Stufe. Zuvor kamen schon Smartphones, Assistenzsysteme, Telematikeinheiten und inzwischen KI in fast jedem Bauteil. Und auf  Wunsch der EU die Kamera hinter dem Lenkrad – natürlich nur zu Ihrer Sicherheit.

Für den Normalbürger bedeutet das: Bald weiß nicht nur das eigene Auto, wohin man fährt, wie man fährt und in welchem Zustand die Straße ist. Die Daten fließen in Echtzeit in Systeme, auf die man keinen Einfluss hat. Dateneigentum? Ein Fremdwort. Opt-out? Kaum möglich, wenn die Technik serienmäßig wird.

Wer noch ein „dummes“ Auto mit analogen Reifen fahren will, sollte sich eines zulegen, solange es noch geht. Die Preise für Gebrauchtwagen Baujahr 2022 und früher werden vermutlich bald ansteigen.

Die Zukunft gehört offenbar den rollenden Überwachungspaketen – im Namen von Sicherheit und Fortschritt. Die Mobilität der Zukunft wird „smart“ – aber vor allem smart für diejenigen, die die Daten sammeln und auswerten. Der rasante EU-geförderte Ausbau von 5G war Voraussetzung für die geplanten Überwachungsszenarien.

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Ein Kommentar

  1. Daisy 4. Juni 2026 um 18:25 Uhr - Antworten

    Ja, die sind so kreativ, weil sie wissen a) das Regime wünscht es sich und b) das Schlafschaf vertraut ihnen blind. Sie vertrauen ihnen so wie kleine Kinder Mama und Papa…

    Und bei mir aber geht sowas gar nicht, denn wenn ich Gummi geb, ist der Dreck wegradiert. Spaẞ ohne, bei mir stinks öfter mal nach Gummi, wenn ich ein „Hatzerl“ mach. :-) Abgesehen davon kommuniziert mein Auto nicht mit Reifen oder sonst was…es hat keine Kameras und kein WLAN. Meins ist Bj. 2022, Nov. Ich habs mir rasch gekauft, weil ich wusste, das ist das letzte, was noch halbwegs frei ist von dem Überwachungssch…

    Aber das ist wohl die Zukunft. Ich mach mir einen Oldtimer….
    Pirelli habe ich als Winterreifen. Heuer kaufe ich neue, nie wieder Pirelli. Michelin habe ich als Sommerreifen. gibts auch dann keine mehr.

    Wer macht nicht mit? Die kauf ich dann…Continental kauf ich sowieso nicht.

    Opt Outs werden nicht genützt. Ich habe meinen Mechaniker drangsaliert, mich unterschreiben zu lassen, dass meine Verbrauchsdaten nicht nach Brüssel gemeldet werden. Ich bekam den Wisch, aber ich war sicher die einzige. Man hat sehr gestaunt…egal, ich bin eine Frau, ich kann sowas. Beim Kauf habe ich extra unterschrieben, dass ich die Datenverwertung ablehne! Das macht wahrscheinlich auch keiner, denn die weisen dich nicht darauf hin, das musst du selbst fragen.

    So, also welche Reifen sind frei von diesem Chip-Schrott??

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