
60. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon – VAE verlässt OPEC
Iran setzt auf Diplomatie und „strategische Abschreckung“. Israel ignoriert die Waffenruhe und setzt seine Operationen im Südlibanon unvermindert fort, zerstört Infrastruktur und erklärt offen, das Gebiet südlich des Litani-Flusses dauerhaft kontrollieren zu wollen. Gleichzeitig trifft Irans Außenminister Abbas Araghchi in Moskau mit Putin zusammen, um über ein dauerhaftes Kriegsende zu verhandeln. Knalleffekt des Tages: VAE Austritt aus OPEC.
Im Libanon eskaliert die Lage trotz der angeblichen Waffenruhe weiter. Israelische Luft- und Drohnenangriffe auf den Südlibanon haben in den letzten Tagen weitere Zivilisten getötet und Infrastruktur zerstört – darunter Strom- und Wasserversorgung sowie Solaranlagen in christlichen Dörfern wie Debel. Tausende Bewohner, die nach der angeblichen Waffenruhe zurückgekehrt waren, mussten erneut fliehen. Israel erklärt offen, Brücken und das Gebiet südlich des Litani-Flusses „kontrollieren“ zu wollen – ein klarer Schritt in Richtung permanenter Besatzung. Hezbollah antwortet mit gezielten Drohnen- und Raketenangriffen auf israelische Stellungen. Libanesische Politiker sprechen von Kriegsverbrechen und einem „US-gestützten Entwaffnungsplan“. (Al Jazeera; Haaretz)
Auf iranischer Seite bleibt die Haltung unverändert. Die Revolutionsgarde (IRGC) hat weitere Schiffe im Golf von Hormuz gekapert und hält die strategisch entscheidende Meerenge unter voller Kontrolle. Ghadir-U-Boote, Schnellboote und ballistische Raketen machen jede US-Blockade zum Risiko. Iran hat über 170 US-israelische Drohnen abgeschossen und damit die moderne Drohnenkriegsführung neu definiert.
Außenminister Araghchi hat bereits in Pakistan ein „workable framework“ für ein dauerhaftes Kriegsende vorgelegt und führte in Moskau Gespräche mit Präsident Wladimir Putin. Iran lehnt jede Verhandlung unter Druck und Blockade ab und fordert die sofortige Aufhebung der US-Blockade als Voraussetzung für echte Diplomatie. (PressTV; Fars News English)
Im Verlauf des Treffens mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi brachte Präsident Putin die Position Russlands zum Krieg der USA und Israels gegen den Iran deutlich zum Ausdruck und sprach dem Iran seine Unterstützung aus.
„Wir sehen, wie mutig und heldenhaft das iranische Volk für seine Unabhängigkeit und seine Souveränität kämpft. Und natürlich hoffen wir sehr, dass das iranische Volk, gestützt auf diesen Mut und dieses Streben nach Unabhängigkeit, unter der Führung seines neuen Oberhauptes diese schwierige Zeit der Prüfungen überstehen wird und Frieden einkehrt“, sagte Putin während des Treffens.
Die Opferzahlen sind weiter erschreckend hoch: Über 3.375 Tote allein in Iran, mehr als 2.294 im Libanon. Hunderte historische und kulturelle Stätten wurden beschädigt.
Auf X unter dem Hashtag #IranWar dominieren Berichte über anhaltende israelische Verstöße gegen die Waffenruhe, die Zerstörung libanesischer Dörfer und die Frage, ob der Krieg für die USA und Israel bereits strategisch verloren ist.
Die ökonomische Geiselhaft: Öl, Gas und die Straße von Hormus
Die ökonomischen Folgen sind längst in Europa angekommen, auch wenn die Politik versucht, sie als „vorübergehende Marktverwerfungen“ zu verkaufen. Die Blockade-Stimmung in der Straße von Hormus – jenem schmalen Nadelöhr, durch das ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Lieferungen fließt – hat den Brent-Rohölpreis auf über 107 Dollar getrieben.
Während Millionen Europäer unter steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen ächzen, verzeichnet die Rüstungs- und Ölindustrie Rekordgewinne. Global Witness berichtet, dass große Energiekonzerne allein im ersten Monat des Krieges über 30 Millionen Dollar pro Stunde verdient haben. Es ist das klassische Muster: Krieg als Umverteilungsmaschine von unten nach oben.
Das Doppelspiel der Diplomatie
Besonders aufschlussreich ist die Reaktion der Golf-Staaten. Während sie offiziell auf Distanz bleiben, wird hinter den Kulissen um das eigene Überleben gepokert. Die UAE haben überraschend ihren Ausstieg aus der OPEC+ angedeutet – ein Schock für die Marktstabilität, der das Versagen der bisherigen diplomatischen Vermittlungsversuche unterstreicht. Der Golf-Gipfel in Jeddah offenbarte eine „historisch schwache Position“ der GCC-Staaten, wie selbst hochrangige Beamte einräumen.
Unterdessen zeigt sich Deutschland – einmal mehr – desillusioniert. Kanzler Friedrich Merz äußerte öffentlich seine Enttäuschung über die US-israelische Strategie, die anfangs „in wenigen Tagen“ das Problem lösen wollte, nun aber in einem langwierigen Abnutzungskampf feststeckt. Der deutsche Versuch, „eigene europäische Ideen“ für eine Lösung zu entwickeln, wirkt dabei hilflos, während man gleichzeitig stramm an der Seite der USA marschiert.
Eine Welt im Umbruch
Was wir hier sehen, ist der Zusammenbruch der alten Ordnung. Der Iran, gestützt durch eine vertiefte Kooperation mit Russland, lässt sich nicht mehr durch die üblichen Sanktionen oder „Piraterie“-Vorwürfe – wie die Beschlagnahmung von Tankern – in die Knie zwingen. Eine jüngste Analyse bei Haaretz deutet auf die interne Zerrissenheit der israelischen Führung hin, die trotz der militärischen Offensive keinen klaren Weg zum Sieg sieht.
VAE treten aus der OPEC und der OPEC+ aus
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Dienstag bekannt gegeben, dass sie am 1. Mai aus den Ölkartellen OPEC und OPEC+ austreten werden, wie staatliche Medien berichten.
„Diese Entscheidung spiegelt die langfristige strategische und wirtschaftliche Vision der VAE sowie ihr sich wandelndes Energieprofil wider“, erklärte die offizielle Nachrichtenagentur WAM.
Die überraschende Ankündigung könnte für Unruhe in den Gruppen der großen Ölförderländer und bei ihrem de facto Anführer Saudi-Arabien sorgen, da die Auswirkungen des Krieges gegen den Iran und der Fehde zwischen den beiden Golfstaaten weiter andauern. Die OPEC-Produzenten am Golf haben bereits Schwierigkeiten, ihre Exporte durch die Straße von Hormus zu transportieren – die enge Meerenge zwischen dem Iran und Oman, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Rohöls und Flüssigerdgases (LNG) fließt –, da der Iran als Reaktion auf US-amerikanische und israelische Angriffe Drohungen und Angriffe gegen Schiffe ausgesprochen hat.
Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC stellt laut Reuters einen großen Erfolg für US-Präsident Donald Trump dar. Trump hat der Organisation vorgeworfen, den „Rest der Welt abzuzocken“, indem sie die Ölpreise in die Höhe treibe.
Trump hat zudem die militärische Unterstützung der USA für die Golfstaaten mit den Ölpreisen verknüpft und erklärt, dass die OPEC-Mitglieder, während die USA sie verteidigen, „dies ausnutzen, indem sie hohe Ölpreise durchsetzen“.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
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59. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon – Flughafen Teheran wieder offen (UPDATE)
58. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon (Ticker 21:00 Uhr)
57. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon- Verhandlungen oder Neustart des Krieges? (Ticker 17:00 Uhr)
56. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon – weder Krieg noch Frieden (Ticker 21:00 Uhr)
55. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon – See-Blockade und Zerstörung des Südlibanon (Ticker 17:30 Uhr)
54. Tag im Angriffskrieg von USA und Israel gegen den Iran und den Libanon – „Waffenstillstand“ eine Farce (Ticker 21:00 Uhr)
52./53. Tag im Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran – Tagesbericht
51. Tag im Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran und den Libanon – US-Blockade
50. Tag im Angriffskrieg gegen den Iran- Tageszusammenfassung
49. Tag im Angriffskrieg gegen den Iran und Libanon – Waffenstillstand
Links zu den weiteren Ticker-Artikel finden sich am Ende des 49. Tages.
„Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigen an, ihre Ölproduktion nach dem Austritt aus der OPEC deutlich zu erhöhen, um ,den Anforderungen der Welt gerecht zu werden‘. Durch den Austritt aus der OPEC sind die Vereinigten Arabischen Emirate nicht mehr an Produktionsquoten gebunden und können so viel Öl produzieren und exportieren, wie sie wollen.“ Un Cut News
Sehr gut!
Da gibt es noch eine weitere Front, die hier im Ticker sehr stiefmütterlich behandelt wird: Cyber.
Der Iran hat nun schon zum wiederholten Mal die Firewalls der IeDeEff und US-Army geknackt und Informationen gestohlen. Das geht mittlerweile von Forschungsdaten von Waffenproduzenten über interne Geheimdienst-/Militär-Kommunikation bis hin zu privaten Daten diverser Spione, Spezialeinheiten usw. Jüngster Coup: man hat die persönlichen Daten, private Fotos etc. von über 2.000 US-Marines gestohlen und veröffentlicht, die derzeit ihren Dienst beim Blockade-Versuch schieben – und sie sinngemäß wissen lassen „wir wissen wo ihr wohnt“.
Aber folgendes Funfact dürfte für die Iraner besonders süß schmecken:
es ist mittlerweile durch US-Army-Papiere bestätigt, dass eine iranische F-5 (Kampfflugzeug, 1959 in Dienst gestellt!) im Tiefflug ein spezielles Radar in Kuwait zerstört hat, indem es unter 50m Höhe direkt über die Basis hinwegflog, nach Weltkriegsmanier die (Gleitschirm-)Bomben direkt über dem Ziel auslöste und hernach weiterhin im Tiefflug 30m über dem Boden wieder in den Iran verschwand (damit das überhaupt geht wurde während dieses Angriffs die Basis mit Shaheds „geflutet“, sodass die Luftabwehr beschäftigt war).
Nicht nur, dass das (westliche) Piloten eine echte „Mission Impossible“ nennen, sie wurde auch mit einem saualten Flugzeug durchgeführt, das noch aus der Zeit des Schah’s stammt, ergo aus den USA geliefert wurde und einst dafür gedacht war, die Iraner selbst zu unterdrücken.
Das Denkmal für den Piloten dürfte in Bälde enthüllt werden….
Dieser Pilot verdient sein Denkmal aber auch.
„Was wir hier sehen, ist der Zusammenbruch der alten Ordnung“
„Die iranische Führung ist nach Ansicht von Kanzler Friedrich Merz dabei, die USA im Iran-Krieg zu „demütigen“. „Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie“, sagte er am Carolus-Magnus-Gymnasium im nordrhein-westfälischen Marsberg. „Ich erkenne im Augenblick nicht, welchen strategischen Exit die Amerikaner jetzt wählen, zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln – oder eben sehr geschickt nicht verhandeln.“ Da werde „eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung, vor allem durch diese sogenannten Revolutionsgarden … Der Krieg im Iran koste auch Deutschland „sehr viel Geld und Wirtschaftskraft“, sagt der Bundeskanzler. Für Merz ist eine Entspannung der Lage vorerst nicht in Sicht, da es den Amerikanern an einem Plan fehle“
(„ntv“, 27/04/2026)
„Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie.
Ich erkenne im Augenblick nicht, welchen strategischen Exit die Amerikaner jetzt wählen.“
Merzerl hat ja nicht Unrecht.
Aber so zu tun als würde er auch nur annähernd irgendwas von Strategie verstehen passt vorzüglich zu seiner Arroganz.
„Trump hat zudem die militärische Unterstützung der USA für die Golfstaaten mit den Ölpreisen verknüpft und erklärt, dass die OPEC-Mitglieder, während die USA sie verteidigen, „dies ausnutzen, indem sie hohe Ölpreise durchsetzen“.“
Die armen Amis. Sie helfen überall und ständig werden sie hintergangen. Hätten die USA den Iran nicht angegriffen, hätten sie die Golfstaaten erst gar nicht militärisch unterstützen zu brauchen. Wobei man sich fragt, von welcher Unterstützung Trump denn da eigentlich redet.
Welche Niederlage die USA auch immer werden einstecken müssen, Trump wird es als seinen Sieg vermarkten, und die meisten Amerikaner werden es glauben, weil sie es glauben wollen. Sie können sich einen Niedergang des USA-Imperiums in ihren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen, infolgedessen gibt es für sie diesen Niedergang auch nicht. Ich fürchte, in der EU ist es nicht anders.
Die Ungeschnittenen bringen heute den Artikel: „60-Tage-Ultimatum: Droht Trump jetzt das Ende des Iran-Kriegs – oder eine Verfassungskrise?“. Hier im Topic stehen bereits 60 Tage, doch Manche zählen erst ab Anfang März – spätestens zum 1. Mai müsste Trump die Kongress-Genehmigung einholen.
Im Artikel: „… Für Trump ergeben sich daraus drei Möglichkeiten: … Er kann den Einsatz beenden und damit innenpolitisch angreifbar werden. … Er kann versuchen, eine Zustimmung des Kongresses zu erhalten – mit ungewissem Ausgang. … Oder er könnte versuchen, die gesetzlichen Grenzen auszudehnen oder zu umgehen. … Keine dieser Optionen ist ohne Risiko. Jede Entscheidung hätte unmittelbare Auswirkungen auf seine politische Position …“ – Bei jeder der Optionen kann man ihm daraus innenpolitisch einen Strick drehen – das hat er sich aber mE mit diesem Krieg redlich verdient.
Wird TKP zum Thema berichten?
Böses Medium heute: „… US-Senatoren zum Auslaufen der 60-Tages-Frist: „Kongress muss handeln“ … Republikaner im US-Senat haben angekündigt, dass das Weiße Haus dem Kongress für den Iran-Krieg Rechenschaft ablegen muss, sobald die gesetzliche Frist für die Einholung der Zustimmung des Kongresses abläuft. …“
Nicht die Dems – sogar die Republikaner wollen Seine Trumpigkeit kontrollieren.
Das halte ich für voreilig geschlossen.
Jimmy D ist da ein wahrer Experte dafür, das Abstimmungsverhalten und die Agenda-Taktik (was steht da (noch) alles drin) vorherzusagen. Es läuft auch immer gleich ab:
Es gibt niemals EINE Stimmenabgabe zu EINEM Thema.
Dh die erste Bill, die in den Kongress gebracht wird, ist noch eine leichte Hürde und soll anzeigen, dass der Kongress arbeitet und versucht dem Thema X einen Riegel vorzuschieben (natürlich nur ein Alibi) – darin wird aber immer erst auf eine 2. Abstimmung verwiesen, mit der dann erst die konkreten Punkte zur Umsetzung formuliert werden. In dieser 2. Abstimmung sind dann (spätestens) noch weitere (themenfremde) Punkte enthalten, die für ausreichend Abgeordnete (Farbe egal) so ein NoGo sind, dass sie dem Antrag niemals zustimmen können.
Am Ende heißt es dann (mal von den Dems, mal den Reps) „so ein Schas, wir waren sooo knapp dran…..“
Bestes Beispiel aus der Biden-Zeit war der Eisenbahner-Streik, den die DEMS (!) auf genau diese Art und Weise gebrochen haben, nachdem sie die Forderungen der Eisenbahner in der ersten Bill noch voll unterstützt hatten. Die Umsetzung ist dann „leider nicht durchgegangen“, nachdem man mit der 2. Bill auch absurdeste Dinge mitbeschlossen hätte. Die Dems sagten erwartbar „die bösen Reps haben unseren Antrag abgelehnt“ (obwohl auch etliche Dems dem themenfremden Schas nicht zustimmen konnten, wie vom Antragsteller beabsichtigt)
So spielen die das seit Jahrzehnten. Beide Parteien, weil es in Wahrheit nur eine ist, da sie alle von denselben Leuten bezahlt werden. Den State lenken ohnedies die Dienste.
Es gibt sicher auch etliche Republikaner, die gegen Trumps furiosen Krieg sind, aber sie werden zusammenhalten, für Amerika. Ich denke, die „Demokraten“ lassen sich ihre Zustimmung bezahlen. Ein bisschen Theaterdonner wird es wohl geben analog der Shutdowns.
Sollte der Kongress Trump zur Aufgabe zwingen, könnte Iran das als „Sieg“ feiern.
Geht es weiter, hoffe ich, es gibt Verhandlungen. Letztes Angebot des Iran: Hormus wird geöffnet, wenn US die Blockade aufgibt. Ich finde das kein schlechtes Angebot.
Im Raum steht aber auch, dass nach Zustimmung des Kongresses die Bodentruppen losgeschickt werden. Sie sind ja schon bereit.
Dann können die Amis „Black Hawk Down“ im viel größeren Maßstab nachspielen. Vielleicht brauchen die es zur Ausnüchterung.
Jo, das ist absehbar…
Die einzige reale Lösung – nie mehr mit den USA und „Isr.“ marschieren. Irgendwann muss hier ankommen, dass die US-Weltherrschaft über Energie hier nur Kosten und Erpressungen bedeuten kann.