„Die Pandemie ist erst zu Ende, wenn die Regierung abgewählt wird“ – Christian Fiala (MFG) im Interview

18. März 2022von 5.2 Minuten Lesezeit

Am Samstag steht die Wiener Ärztekammer-Wahl ins Haus – erstmals kandidiert eine Liste der Partei für Menschen, Freiheit, Grundrechte (MFG). Parteigründer und Listenführer Christian Fiala, Maßnahmen-Kritiker seit der ersten Corona-Stunde, spricht im Interview über Beweggründe zur Kandidatur, über die Corona-Krise als politisch kreiertes Problem und über eine Ärztekammer, in der nicht ein Ärztekammerpräsident den Ärzten vorschreibt, „wie sie die Patienten regierungskonform zu behandeln hätten“, sondern die wieder alle Ärzte in ihrer Unterschiedlichkeit vertritt.

Larissa Breitenegger: Herr Fiala, Sie sind nicht nur Mitgründer und Parteiobmann-Stv. der Partei für Menschen, Freiheit, Grundrechte (MFG) sondern als Arzt auch Listenführer der MFG-Liste, die bei den ÄK-Wahlen erstmals kandidiert – in Wien, Niederösterreich und Burgenland. Wie ist die Idee für eine eigene MFG-Liste bei den Ärztekammer-Wahlen entstanden?

Christian Fiala: Als Arzt und Wissenschaftler ist es offensichtlich, dass es bei der Corona-Krise nicht um ein medizinisches Problem geht, sondern um ein politisches. Alle Daten zeigen übereinstimmend, dass das Corona-Virus in seiner Gefährlichkeit vergleichbar mit anderen Grippe-Viren ist und keine besondere Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung darstellt. Dies war von Beginn an klar. Eine Gefahr stellen allerdings die unzähligen Maßnahmen dar, welche die Politik beschlossen hat. Diese sind nicht nur willkürlich und wirkungslos gegen ein Virus, sondern vor allem schädlich für die Menschen auf allen Ebenen. Die Maßnahmen haben nicht nur eine negative Auswirkung auf die Gesundheit der Menschen, insbesondere von älteren Menschen, sondern auch auf das soziale Zusammenleben, die Bildung, die Wirtschaft und die Existenz vieler.

Da wir es also mit einem politischen Problem zu tun haben, kann dieses nur auf der politischen Ebene gelöst werden. Die Regierung wird die Krise endlos weiterführen. Deshalb ist die Pandemie erst zu Ende, wenn die Regierung abgewählt wird. Das ist das Ziel von MFG und gilt auch für die Ärztekammer. Deren Präsident hat sich in den letzen zwei Jahren ja als Handlanger der Regierungspolitik gezeigt – und Ärzte, die eine eigene andere Meinung haben, mit Disziplinarklagen bedroht. Anstatt Ärzte und deren Interessen zu vertreten.


Christian Fiala Arzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Diplom in Tropenmedizin, Diplom in Psychosomatischer Medizin
Berufserfahrung in Österreich, Frankreich, Asien (Thailand), Zentralamerika, Afrika (Uganda, Tansania, Malawi)
Beruflicher Schwerpunkt: Verbesserung der Reproduktiven Gesundheit durch Reduktion der Müttersterblichkeit (www.misoprostol.org), Prävention ungewollter Schwangerschaften und Betreuung von Frauen mit ungewollter Schwangerschaft (www.irhi.orgwww.anonyme-geburt.at)

Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen, Reviewer wissenschaftlicher Zeitschriften und Mitglied der internationalen Forschungsgruppe zu reproduktiver Gesundheit an der Karolinska Universitätsklinik in Schweden. www.scopus.com/authid/detail.uri?authorId=55883208100

Stellvertretender Vorsitzender der neuen Partei MFG, Menschen – Freiheit – Grundrechte, www.mfg-oe.at
Tätigkeit derzeit: Ärztlicher Leiter Gynmed Ambulatorium Wien und Gynmed Ambulanz am Uniklinikum Salzburg, www.gynmed.at


LB: Sie sind in Ärztekreisen gut vernetzt – welche Reaktionen haben Sie bisher auf Ihre Listengründung und -kandidatur erhalten?

CF: Die Reaktionen sind überwiegend sehr positiv. Die meisten Ärzte haben die Erfahrung gemacht, dass die Ärztekammer sie bevormunden möchte. Nicht nur finanziell: hier müssen Ärzte bis zu 18% ihres Einkommens, bzw. des Umsatzes ihrer Ordination in ein System der zwangsweisen Zusatzpension einzahlen, irreführend Wohlfahrtsfonds genannt – sondern auch was ihre Arbeit betrifft, wurde ihnen vom Ärztekammerpräsident vorgeschrieben, wie sie die Patienten regierungskonform zu behandeln hätten. 
Dieses Verhalten der Ärztekammer und ihres Präsidenten halten viele Ärzte für einen Missbrauch der Institution. Deshalb bekommen wir viel Unterstützung in unserem Bemühen, die Ärztekammer wieder ihrer eigentlichen Aufgabe zuzuführen, die Ärzte tatsächlich zu vertreten, anstatt sie zu bevormunden.
Kritik kommt im Wesentlichen nur von Ärzten, die im aktuellen System integriert sind.

LB: Die MFG legte bisher einen Wahlsieg nach dem anderen hin – welche Chancen räumen Sie sich für die ÄK-Wahlen ein?

CF: Das ist schwer zu sagen. In der Vergangenheit hat etwa die Hälfte aller Ärzte nicht gewählt, im Wesentlichen aus Frustration über die Arbeit der Ärztekammer. Entscheidend wird sein, wie viele dieser bisherigen Nichtwähler wir mobilisieren können.

LB: Die Inhalte und Ziele, die Sie verfolgen, sind auf der MFG-Ärztegruppe-Webseite „Ärzte-nicht-Kammer.at“ zu lesen. Sie fordern eine Kammer, die „wieder die Interessen ALLER Mitglieder vertritt“ – können Sie eine Bestandsaufnahme machen?

CF: Ärzte sind so divers wie die Bevölkerung. Diese Diversität muss mit gegenseitigem Respekt beibehalten werden. Es kann nicht sein, dass der Ärztekammerpräsident allen Ärzten vorschreibt, wie sie Medizin auszuüben hätten und dies versucht mit juristischen Drohungen durchzusetzen.

LB: Was unterscheidet Sie von den anderen Listen – was ist das Besondere an der MFG-Liste in Ihren Augen?

CF: Alle anderen Listen sind bereits in der ÄK vertreten. Wenn sie mit der Politik der ÄK und deren Präsident nicht einverstanden sind, hätten Sie 5 Jahre Zeit gehabt, dies auch zu äußern und Ärzte entsprechend zu informieren und zu mobilisieren. Sie haben jedoch nichts gemacht, wodurch sie die Entscheidungen und das autoritäre Verhalten der ÄK mitgetragen haben.
MFG ist die einzige echte Alternative zur bisherigen Politik der Ärztekammer.
Ausserdem sind wir die einzige ernstzunehmende Gruppierung, die fordert, das Zwangssystem der Zusatzpension in eine freiwillige Versicherung oder in die SVA zu überführen, siehe www.wohlfahrtsfonds.info

LB: Mir sind vor allem aufgefallen die Forderung, der Präventivmedizin mehr Raum einzuräumen sowie die Berücksichtigung einer alternativen Corona-Strategie. Das klingt stark nach einer „Neuen Medizin“, wie sie auch Ihr Kollege Christian Schubert propagiert, liege ich da richtig?

CF: Wir setzen uns für eine Medizin ein, welche den individuellen Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellt, sowie dessen autonome Entscheidung. Zwangsmaßnahmen sind eine Bevormundung und waren noch nie zielführend, um die Gesundheit zu verbessern. Deshalb ist u.a. auch die Impfpflicht abzulehnen. Stattdessen ist die Information zur Verbesserung der Gesundheit im Allgemeinen zu fördern.

LB: Vielen Dank für das Gespräch!


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5 Kommentare

  1. Becker 18. März 2022 at 14:43Antworten

    Die Pandemie wird nie zu Ende sein. Damit macht man viel Geld und wer will schon darauf verzichten. Es sei denn alle, aber auch alle Menschen tun endlich was sie längst hätten tun sollen.
    Und Ärzte sich nicht bevormunden lassen von der Regierung. Erst wenn alle, wirklich alle sich dagegen stemmen, ist die Pandemie vorbei. Und Augen auf bei der nächsten Wahl.

  2. Adam Rhau 18. März 2022 at 12:43Antworten

    Die Regierung ist eine absolute Zumutung, aber eine von Pemm geführte Koalition wäre gleich erstrebenswert wie eine mittlere Atomkatastrophe. Ich schwanke nur, ob Pemm eine gestörte Angstneurotikerin wie Klabauterbach oder eine opportunistische Angstpopulistin ist…

  3. Reinhard 18. März 2022 at 12:36Antworten

    Falsch. Erst zu Ende, wenn Nürnberg 2.0 im Gange ist. Solange die Mittäter nicht vor Gericht, läuft die Agenda.
    Und jede Wette – all die Staaten, die momentan wenig bis keine Maßnahmen haben, wie zB FRA, GBR, Israel, Dänemark, Schweiz, usw.: Im Herbst kommt es wieder. Nur Taktik – und die lief ja schon immer so. Wie kündigten zB Kurz und Merkel zB den 1. Shutdown sinngemäß an. Einmal kurz und heftig was tun und dann ist es vorbei. Nix ist vorbei.

  4. Elisabeth 18. März 2022 at 8:06Antworten

    Ich drücke die Daumen und hoffe, die Ärzte befreien sich … und so auch uns.

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