Corona Fälle in Israel: 2. Welle oder politische Manöver?

Die Kronen Zeitung wusste kürzlich: „Die zweite Welle, in Israel ist sie angekommen.“ Die Zahlen scheinen das wirklich zu belegen, insbesondere wenn man die Zahl der täglichen Fälle betrachtet. Sieht man sich aber auch die Zahl der Tests (Grafik oben) an, so beginnt die Sache nach Politik auszusehen. Aber der frühe und strikte Lockdown kann durchaus eine weiterer Grund für die Rückkehr der Pandemie sein.

Israel gilt als Pionier bei der Verhängung  von strengen Maßnahmen. Das Land schloss seine Grenzen sehr früh und reduzierte das öffentliche Leben auf ein Minimum. Infektionen und Todesfälle konnten in engen Grenzen gehalten werden. Ein Telefonat mit Israels Premier Benjamin Netanyahu habe ihn wachgerüttelt, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz, der sich dann die israelische Strategie zum Vorbild nahm.

Diese Strategie scheint aber nun krachend gescheitert zu sein. Zumindest, wenn man nicht mehr das anfängliche „flach-halten-der-Kurve“ als Ziel hat um Spitäler nicht zu überlasten. In der Zwischenzeit sind die Ziele in allen Ländern, die einen Shutdown gemacht haben, sehr beweglich geworden.

Unklare Ziele staatlicher Corona- Maßnahmen

In den meisten Ländern scheint es das Ziel zu sein, die Zahl der mit dem PCR Test gefundenen Fälle unter einer bestimmten Zahl zu halten, zum Beispiel unter 10 Fällen pro Million Einwohnern und um letztlich das Virus ganz auszurotten. In Israel zeigt sich aber nun ein deutlicher Anstieg der „bestätigten Fälle“.

Israel_cases

In Schweden wird das als unrealistisch angesehen, so sagte der Staatsepidemiologe Anders Tegnell: „Wenn Sie sich vergleichbare Krankheiten wie die Grippe und andere Atemwegsviren ansehen, sind wir nicht einmal in der Nähe, sie auszurotten, obwohl wir einen Impfstoff haben. Ich persönlich glaube, dass dies eine Krankheit ist, mit der wir leben lernen müssen.“

Der Fall der Forschungsstation in der Antarktis scheint ihm recht zu geben, als nach 17 Wochen kompletter Isolation die Gruppe von einer Virus-Grippe erfasst wurde.

Die geringe Verbreitung des Virus in Israel durch die frühen und strengen Maßnahmen in Israel könnten sich jetzt in einem neuerlichen Anstieg der Infektionen auswirken. Die „bestätigten Fälle“ sind dafür allerdings kein Indiz, die leicht gestiegenen Todesfallzahlen allerdings schon. Immer mehr Studien gehen von einer Herdenimmunität bei 10-20% Durchseuchung aus, die ausreichen angesichts einer natürlichen Immunität sowie einer Kreuzimmunität dank anderer Coronaviren.

Die politische Komponente der Maßnahmen

In Israel überlagert die Pandemie für den Premier Benjamin Netanyahu noch ein zweites Problem, nämlich der bevorstehende Prozess wegen Korruption. Den ersten Prozesstermin konnte er dank des Lockdown umgehen.

Stefan Homburg, Professor und Director Institute of Public Economics Leibniz University Hannover, schreibt auf Twitter, dass Israel zuletzt im Schnitt ganze sieben „Coronatote“ pro Tag hatte bei über 9 Millionen Einwohnern. Regierungschef Netanyahu findet einen weiteren Lockdown ideal, um seinen Korruptionsprozess abermals zu verzögern. Corona wird politisch instrumentalisiert.

Israel_deaths

Durch Änderung der Testzahlen und der Richtlinien (es wird auf eine Gensequenz getestet oder auf mehrere) können Regierungen die gewünschten „Fälle“ in weiten Grenzen steuern. Gab es im Mai und Juni nur etwa 4000 bis 8000 Tests, so sind diese jetzt bereits in der Nähe von 30.000 pro Tag. Bei einer Fehlerquote von etwa 2 Prozent falsch-positive kann die Regierung durch Erhöhung der Zahl der täglichen Tests praktisch beliebig viele „Fälle“ produzieren. Und genau das scheint gerade zu geschehen. Ein neuerlicher Lockdown oder andere geeignete Beschränkungen können das Zusammentreten des Gerichts verhindern.

Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell im Interview: Warum in Schweden keine Masken getragen werden

Oxford Studie: niedrige Schwelle für Herdenimmunität wegen vorhandener Abwehr gegen Coronaviren

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