WHO verteilt Noten für Länder – Schweden schlägt zurück

Die WHO hat Schweden wegen der stark erhöhten Zahl von Tests und damit einhergehend mehr bestätigter Fälle, in eine Liste von Ländern mit Wiederaufleben von Infektionen aufgenommen. Schweden weist diese Darstellung jedoch entschieden zurück.

30 Länder in der europäischen Region hätten im Laufe der vergangenen beiden Wochen wieder steigende Fallzahlen vermeldet, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag auf seiner wöchentlichen Online-Pressekonferenz in Kopenhagen. Dabei handle es sich um die ersten Anstiege wöchentlicher Neuinfektionen in Europa seit Monaten.

Die Benotung durch die WHO

Länder wie Deutschland, Spanien, Polen und Israel hätten jedoch schnell auf die gefährlichen Ausbrüche reagiert, die mit Schulen, Kohlebergwerken und Lebensmittelproduzenten zusammenhingen, sagte Kluge.

„Wo neue Cluster aufgetaucht sind, wurden diese durch schnelle und gezielte Eingriffe kontrolliert – das sind sehr gute Nachrichten”, so Kluge weiter. Ein Lob gehe an die beteiligten Behörden.

Die Antwort aus Schweden

Die WHO überschreitet damit ihre Befugnisse und ihre Rolle, die Organisation soll Ratschläge geben und Ländern helfen, aber nicht Noten verteilen. Schweden reagierte am Freitag. Das skandinavische Land bezeichnete den Schritt der UN-Organisation, es in eine Liste der Länder aufzunehmen, in denen das Wiederaufleben des Coronavirus zu beobachten ist, als „totalen Fehler“.

Die WHO habe eine „totale Fehlinterpretation“ schwedischer Daten begangen, sagte der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell.

„Wir haben eine Zunahme der Fälle, weil wir in der vergangenen Woche in Schweden viel mehr Tests durchgeführt haben“, sagte er und fügte hinzu, dass „alle anderen Parameter“ zeigten, dass die Anzahl schwerwiegender Fälle zurückging.

Die europäische Niederlassung der WHO hatte am Donnerstag behauptet, Schweden sei eines von elf Ländern, in denen eine „beschleunigte Übertragung“ zu verzeichnen sei, die „die Gesundheitssysteme erneut an den Rand drängen würde, wenn sie nicht aktiviert würde“.

Die anderen 10 Länder auf der Liste sind meist ärmere Nationen in Osteuropa und Zentralasien, die zur europäischen Region der WHO gehören.

„Die Zahl der Einweisungen auf die Intensivstation ist sehr gering, und auch die Zahl der Todesfälle nimmt stetig ab“, sagte Tegnell. „Wir sind jetzt auf einem Niveau, auf dem nicht mehr Menschen sterben als in den gleichen Wochen der vergangenen Jahre.“

WHO rudert zurück

Die europäische Niederlassung der WHO gab später zu, dass die schwedische Regierung „die Tests verstärkt hat und dies spiegelt sich in der Anzahl neuer Fälle wider, die seit Anfang Juni gemeldet wurden.“

In einer an AFP gesendeten E-Mail wurde darauf hingewiesen, dass „es in Schweden mehrere sehr positive Trends gibt“, insbesondere einen anhaltenden Rückgang neuer Fälle.

Im vergangenen Monat hat Schweden seine Covid-19-Tests mehr als verdoppelt und erst letzte Woche damit begonnen, der Öffentlichkeit Massentests anzubieten, eine Verzögerung, die stark kritisiert wurde.

Der Verlauf der Sterbefälle und der Einweisungen in Intensivstationen sind seit 13. April rückläufig wie an den Grafiken unten erkennbar.

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