Lockdown in Ländern wie Indien, Pakistan und Nigeria ohne epidemiologischen Grund

Noch immer tobt eine heftige Debatte, ob sich das neue Coronavirus wesentlich von den bekannten unterscheidet, die jedes Jahr mehr oder weniger heftige Grippewellen verursachen. Einige Virologen sagen ja, die WHO hat es zur Pandemie erklärt, die Politik folgt weltweit. Aber Ärzte, Mathematiker und Epidemiologen wie der führende Wissenschaftler John P. A. Ioannidis von der University of Stanford sehen das anders.

Covid-19: Wo ist die Evidenz?“, fragt ein Beitrag des Netzwerkes „Evidenzbasierte Medizin“ (EbM) unter Vorsitz von Andreas Sönnichsen, Vorstand der Allgemeinmedizin der MedUni Wien. Mit diesem Begriff wird die medizinische Versorgung gemeint, bei der die Erkrankung eines Patienten auf der Grundlage der besten zur Verfügung stehenden Wissensquellen bzw. Daten behandelt wird. Aber offenbar ist „die Suppe zu dünn“, wie der Text auf der EbM Seite erläutert.

Weltweite Maßnahmen

Verschiedene Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19 wurden in fast allen Ländern der Welt in unterschiedlichem Ausmaß umgesetzt. Eine Auswertung von mehr als 190 Ländern findet sich hier. Das ist die Anzahl an Ländern, die folgende Maßnahmen bis 8. Mai 2020 erlassen haben:

  • Ein- und Ausreisebeschränkungen: 186
  • Schulschließungen: 169
  • Quarantäne/Lockdown: 161
  • Verbot von Massenansammlungen: 159
  • Ausrufung des Notstands: 114
  • Ausgangssperren: 91

Darunter sind gerade bei den besonders bevölkerungsreichen Ländern einige, die offenbar völlig evidenzbefreit agieren. Die im Folgenden aufgeführten Zahlen zu Covid-19 wurden am 13. Juni 2020 von  Worldometers entnommen, die durchschnittlichen Sterberaten Länderdaten.

Indien

In Indien wurde am 24. März eine Ausgangssperre für 21 Tage erlassen. Die Zahl der Infizierten betrug an diesem Tag 536,  davon waren bereits 10 verstorben. Die Folgen dieser Maßnahmen waren katastrophal:

„Die Maßnahme löste eine Massenmigration von Dutzenden Millionen Menschen — Tagelöhnern und Saisonarbeitern — aus, die teilweise über Hunderte von Kilometern zu großen Teilen zu Fuß in ihre Heimatorte zurückkehrten, da sie arbeitslos geworden waren und wirtschaftlich sonst nicht überleben konnten.“

Am 19. März gab Premierminister Narendra Modi 1,44 Milliarden Indern zwei Tage Zeit, sich auf eine zweitägige „freiwillige“ Ausgangssperre vorzubereiten, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen. Als er am 24. März eine 21-tägige Ausgangssperre aussprach, waren es vier Stunden, um sich darauf einzustellen. „Modi scheint auch im sechsten Amtsjahr nicht verstanden zu haben, welches Land er da regiert“, sagt Gopal Krishna von Toxicwatch.

Bis zum 13. Juni wurden in Indien 5.507.182 Tests durchgeführt und dabei 309.603 Infizierte ermittelt, von denen 8.890 verstarben. Indien hat circa 1,44 Milliarden Einwohner, durchschnittlich sterben circa 27.500 Menschen pro Tag und circa 826.000 pro Monat.

Nigeria

In Nigeria wurden in den einzelnen Bundesstaaten ab Anfang März Reisebeschränkungen, dann Schulschließungen und schließlich Ausgangssperren verfügt. Am 30. März gab es 131 bestätigte Infizierte, der erste Todesfall wurde am 23., der zweite am 30. März gemeldet. Bis 13. Juni wurden 88.432 Tests durchgeführt und dabei 15.181 Infizierte ermittelt, von denen 399 verstarben. Nigeria hat circa 205 Millionen Einwohner, durchschnittlich sterben in Nigeria circa 5.100 Menschen pro Tag und 153.000 pro Monat.

Pakistan

In Pakistan wurde am 24. März in großen Teilen des Landes ein Lockdown verfügt und mit Einsatz des Militärs durchgesetzt. Am 25. März war die Zahl der Infizierten auf 1057 gestiegen und der achte Verstorbene wurde verzeichnet. Bis 13. Juni wurden 839.019 Tests durchgeführt und dabei 132.405 Infizierte ermittelt, von denen 2.551 verstarben. Pakistan hat circa 220 Millionen Einwohner, durchschnittlich sterben circa 3.700 Menschen pro Tag und 111.000 pro Monat.

Grundlose Maßnahmen

Zur Zeit der Verhängung der Sperren gab es offenbar in allen drei Ländern keinerlei Evidenz dafür. Die weitere Entwicklung bietet auch keinen Beweis für die Wirksamkeit oder dafür, dass etwas anders verlaufen ist, als ohne die Vorschriften.

Eindeutige Evidenz gibt es in Indien, dass die Maßnahmen erheblich mehr Opfer gefordert haben als das Virus. Neben den gesundheitlichen Kollateralschäden läuft es in allen Ländern auf massive Zerstörung von Kleinst- und Kleinbetrieben hinaus, zugunsten der multinationalen Konzerne, der Online Händler wie Amazon, und allen Digitalfirmen wie Microsoft, deren Angebote in der Cloud und digitaler Kommunikation einen Boom erleben.

Gezielte Vorgehensweise

Im Gegensatz zu diesen Ländern sind etwa Japan, Südkorea und auch Teile von China ganz anders vorgegangen. Einzelne Maßnahmen wurden nur ganz gezielt und meist auch regional begrenzt vorgenommen. In Südkorea etwa blieben Nachtclubs fast die ganze Zeit offen.

In Japan wurde nur recht wenig getestet, aber auch asymptomatisch Infizierte wurden im Spital in Quarantäne genommen. Die Todesfälle sind mit derzeit 926 bei 127 Millionen Einwohnern sehr gering, obwohl 29% oder 37 Millionenn Menschen über 65 Jahre alt sind.

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Bild von Murthy SN auf Pixabay

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