Chloroquin als Mittel gegen Covid-19: Trump schluckt es, Deutschland schickt es zurück

US-Präsident Trump hat immer wieder versucht die Malariamittel Chloroquin bzw Hydroxychloroquin als Mittel gegen Covid-19 zu promoten. „Nehmt es einfach“, meinte er sehr zum Entsetzen der Ärzte. Und kürzlich überraschte er mit der Mitteilung, dass er täglich eine Tablette zur Vorbeugung nehme.

In Österreich wurde im Covid-19 Leit-Spital, dem Kaiser franz Josef Krankenhaus, schon vor Wochen die testweise Verwendung abgebrochen, nachdem sich herausstellte, dass das Malariamittel den Verlauf der Krankheit negativ beeinflusste. Bayer hatte Österreich kostenlos Tabletten für Tests zur Verfügung gestellt.

Menschen mit sogenannten Glukose-6-Dehydrogenase-Mangel, oder „G6PD-Mangel“, sind durch die Malariamedikamente Chloroquin oder Hydroxychloroquin gefährdet. Erwähnt werden meistens nur die kardialen Komplikationen von Chloroquin oder Hydroxychloroquin, die in Brasilien zum Abbruch einer Studie mit 11 Todesopfern von 81 Probanden geführt hatte. Wird in einer Laboruntersuchung ein niedriger G6DP-Spiegel festgestellt, wird in einem erklärendem Text auch gleich vor diesen Malariamitteln gewarnt. Vermutet wird, dass in Italien und anderen südlichen Ländern, in denen der als Favismus bekannte  G6DP-Mangel weit verbreitet ist, viele Todesfälle dadurch verursacht wurden.

Deutschland retourniert Tabletten an Bayer

Das Pharmaunternehmen hatte der deutschen Bundesregierung Mitte April acht Millionen Tabletten des Medikaments zur Verfügung gestellt, da Chloroquin und das eng verwandte Präparat Hydroxychloroquin zu Beginn der Krise noch als vielversprechendes Mittel gegen Covid-19 galten. Inzwischen wird das Medikament allerdings radikal anders bewertet.

Das Gesundheitsministerium teilte mit, man beobachte die Entwicklung und Risikoeinschätzung zur Anwendung chloroquin- und hydroxychloroquinhaltiger Arzneimittel bei Covid-19-Erkrankten sehr genau und stehe hierzu in engem Kontakt mit der zuständigen Bundesoberbehörde.

Schwere Nebenwirkungen

Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt inzwischen vor einem „Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen bei Anwendung zur Behandlung von Covid-19“.

Frankreich geht noch weiter. Man hat Ärzten inzwischen verboten, Covid-19-Patienten mit Hydroxychloroquin zu behandeln. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat unterdessen alle Tests mit dem Präparat gestoppt.

Chloroquin wurde bereits vor über 80 Jahren entwickelt und seitdem vorbeugend gegen Malaria verschrieben. Inzwischen zeigten wissenschaftliche Studien jedoch, dass das Mittel die Sterblichkeitsrate erhöhen und zu Herzrhythmusstörungen führen kann, wenn es bei Covid-19-Patienten eingesetzt wird.

Das Schweizer Heilmittelinstitut Swissmedic — die Zulassungs- und Kontrollbehörde für Heilmittel in der Schweiz — schreibt, dass diese Wirkstoffe die Leber, die Nieren oder die Nerven schädigen und zu tiefen Blutzuckerspiegeln führen sowie dass sie schwere Herzrhythmusstörungen verursachen können, die manchmal tödlich verlaufen, vor allem, wenn sie in höheren Dosierungen oder in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin eingesetzt werden.

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