Rasche Schulöffnung vermeidet weitere Schäden für Kinder

Es gibt immer mehr Berichte über körperliche oder sexuelle Gewalt an Kindern als Folge der Quarantäne. In Österreich kann rund 1 Million der unter 12-Jährigen nicht in die Schule gehen und sich mit gleichaltrigen austauschen. Niemand weiß wie viele traumatisiert werden, Albträume haben oder körperliche Probleme durch das Eingesperrtsein entwickeln. Am stärksten betroffen sind Kinder von ärmeren Familien mit beengten Wohnverhältnissen und von Alleinerzieherinnen.

Schlimmer noch. In Italien sind nach einem Bericht in The  Lancet bereits vier Kinder gestorben. In 12 untersuchten Fällen war es die Angst der Eltern vor einer Infektion, die zu Verzögerungen in der Versorgung geführt hat. In fünf Fällen haben die Eltern telefonisch Gesundheitsdienstleister kontaktiert. Klinische Untersuchungen fanden aus Angst vor einer Infektion entweder nicht statt, oder das Krankenhaus äußerte sich ablehnend. Wie viele derartige Fälle gibt es in Österreich?

Die Bevölkerung hat ein Recht zu erfahren auf welchen wissenschaftlichen Grundlagen die Entscheidung der Regierung basiert, Schulen noch nicht zu öffnen.

Kinder werden kaum krank

Für die Wirksamkeit von Schulschließungen gibt es keine medizinische Evidenz, da Kinder im Allgemeinen weder ernsthaft am Virus erkranken noch zu den Überträgern des Virus gehören (im Unterschied zur Influenza).

Eine Metananalyse (Zhu et al, MedRxiv, 26.3.20) hat versucht, die Rolle der  Kinder für die Ausbreitung der Epidemie zu erfassen. Die Autoren haben insgesamt 31 publizierte kleine Krankheitsausbrüche in Familien untersucht. Sie entdeckten, dass bei weniger als 10% dieser Ausbrüche (3/31) ein Kind die Quelle der Covid-19 Übertragungen war.

Eine weitere wichtige Arbeit wurde von Davies et al auch im MedRxiv am 27.3.20 publiziert. Diese Autoren haben die Folge der deutlich reduzierten Symptomrate bei Kindern untersucht. Die Autoren vergleichen in mathematischen Modellen auch die Ausbreitung der beiden Infektionen Covid-19 und Influenza. Der Vergleich deckt einen wesentlichen Unterschied zwischen Covid-19 und Influenza auf: Während sich die Ausbreitung von Influenza durch das Schließen von Schulen deutlich verzögern lässt, ist ein solcher Effekt bei Covid-19 nur noch marginal nachweisbar. Warum also weitere Schulschließungen?

Ungenügende Datenlage

Die Daten auf Grund deren die bisherigen Maßnahmen gesetzt worden sind, sagen wenig aus. Insbesondere ist die Zahl der Infizierten mehr oder weniger eine Hausnummer. Ihre Größe hängt von der Zahl der Tests ab, je nach Land bewegt sie sich bei 5 bis 25 Prozent der Getesteten. Je mehr Tests, desto mehr Infizierte in der Statistik.

Die Darstellung in exponentiell ansteigenden Kurven der kumulativen Häufigkeit führt zu einer falschen Wahrnehmung. Die Addition der täglich neu diagnostizierten Fälle erweckt den Eindruck eines katastrophalen Anstiegs. Eine richtigere Aussage erhält man, wenn man den Neuinfektionen die Gesamtzahl der Infizierten ohne Symptome und genesenen Patienten gegenüber stellt. Dadurch wird klargestellt, dass die meisten – vermutlich 98% – der Infizierten keine bleibenden Schäden davontragen.

Die in Pressekonferenzen immer wieder erwähnte Verdopplungszeit hängt von der Zahl der Test ab und von dieser Maßzahl weitreichende Entscheidungen abhängig zu machen ist wenig intelligent. Zumindest jetzt sollte die Politik davon Abstand nehmen. Wesentlich aussagekräftiger ist die Zahl der Personen in stationärer bzw. intensivmedizinischer Behandlung.

Wir wissen jedenfalls von anderen Ländern, dass die Schulen erfolgreich sehr rasch wieder geöffnet wurden wie in Japan oder nur für höhere Altersstufen  geschlossen wurden wie in Schweden.

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Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

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