Die „Wissenschaft“ im Dienste der Energiewende: Studie zu Null-Schäden durch Windräder

26. Juni 2026von 4,1 Minuten Lesezeit

Die Belege für Gesundheitsschäden durch Windräder häufen sich. Nun scheint eine clever designte, große Studie zu beweisen, dass es gar keine Schäden gibt. Die Methoden sind allerdings von Covid- und Impfstudien lange bekannt.

In der Debatte um die gesundheitlichen Auswirkungen von Windkraftanlagen scheint nun das „definitive“ Wort gefallen zu sein. Eine groß angelegte Studie, unter anderem unter Beteiligung der Universität Augsburg und veröffentlicht in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), will den Nachweis erbracht haben, dass von Windrädern keine moderaten bis großen gesundheitlichen Gefahren ausgehen. Die Medien, darunter Focus.de, greifen diese Ergebnisse begeistert auf und verkünden, dass damit „Windrad-Ängste“ widerlegt seien (Focus.de). Doch bei näherer Betrachtung der Methodik zeigt sich, wie durch „Big Data“ eine Realität konstruiert wird, die politisch erwünscht ist, aber an den Erfahrungen der Betroffenen vorbeigeht.

Die Macht der großen Zahlen als Schutzschild

Die Studie (PNAS, 2026) stützt sich auf einen longitudinalen Datensatz von 120.000 US-Haushalten, die über ein Jahrzehnt beobachtet wurden. Die Autoren verknüpften geografische Daten zu Windkraftanlagen mit Survey-Daten und – was besonders aufschlussreich ist – mit Konsumdaten für Medikamente wie Schlafmittel und Schmerzmittel.

Das Vorgehen ist methodisch geschickt: Indem man administrative Daten (wie Medikamentenkäufe) als Proxy für den Gesundheitszustand nutzt, entzieht man sich der Notwendigkeit, die komplexen, oft nicht durch Standarddiagnosen erfassbaren Symptome von Anwohnern klinisch zu untersuchen. Wenn ein Anwohner unter Schlafstörungen durch Infraschall leidet, aber keine rezeptpflichtigen Schlafmittel kauft oder den Gang zum Arzt scheut, bleibt er in dieser Statistik schlicht unsichtbar.

Die Studie der Universität Mainz vergleicht dagegen die Fallzahlen für Neuerkrankungen (ICD-Codes I50 Herzinsuffizienz und I49 bedrohliche Herzrhythmusstörungen) die bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe gemeldet wurden. Verglichen wurde eine Region mit Windrädern gegenüber einer ohne diese. Die Mainzer Daten sind also wesentlich härter als die aus den USA.

Methodische Blindheit

Die Studie weist bei der Betrachtung der Rohdaten entscheidende Schwachstellen auf, die man als systemische Bias-Effekte bezeichnen muss. Der Kern ist die methodische Diskrepanz zwischen einer reinen Schreibtisch-Statistik und der physikalisch-biologischen Realität:

1. Technische Variable: Die Skalierungs-Falle

  • Vergleichbarkeit der Anlagen: Die Studie von Vahl et al aus 2020 zeigte, dass Infraschall unter 90 dB nicht schädlich wirkt. Erst wenn die Pegel darüber liegen kommt es zu Schädigungen. Die PNAS-Studie (Rott et al., 2026) verwendet Daten aus den USA, die teils bis ins Jahr 1981 zurückreichen. Der Vergleich von alten, kleineren Anlagen mit modernen, hochleistungsfähigen Windkraftanlagen in Europa ist technisch irreführend. Moderne Anlagen erzeugen durch ihre schiere Größe und die Blattgeometrie Infraschall-Signaturen, die eine ganz andere physikalische Qualität haben.

2. Selektion der Messparameter: Die Abwesenheit klinischer Evidenz

Dieser Punkt identifiziert den vielleicht größten Bias der Studie: Die Substitution von klinischer Evidenz durch Behördendaten-Mining.

  • Krankenakten vs. Konsumdaten: Die Studie analysiert keine Krankenakten. Sie analysiert „Verhaltensproxys“ (Käufe von Medikamenten). Das ist eine massive Reduktion von Gesundheit. Eine chronische Schlafstörung oder ein durch Infraschall ausgelöster Tinnitus schlagen sich nicht zwingend in einer „Schlafmittel-Kaufstatistik“ nieder. Viele Betroffene passen ihr Verhalten an, ziehen um oder leiden still, weil sie von Ärzten aufgrund mangelnder diagnostischer Codes für „Wind-Turbine-Syndrom“ nicht ernst genommen werden.

  • Ausblendung der Kausalität: Zwar versucht die Studie, Vorher-Nachher-Vergleiche anzustellen, doch lässt sie die Dynamik der „forced migration“ außer Acht: Menschen, die besonders sensitiv auf die akustischen Stressoren reagieren, ziehen oft weg, lange bevor sie in einer solchen Langzeitstudie als „krank“ erfasst werden könnten. Übrig bleiben die Resilienten, was die Datenbasis von vornherein zugunsten der Akzeptanz verzerrt.

Politische Instrumentalisierung statt medizinisch-relevanter Aufklärung

Es ist auffällig, wie stark diese Studie in den Dienst der globalen Energiewende gestellt wird. Die Argumentation ist simpel: Da die „saubere“ Energie politisch alternativlos ist, müssen die Bedenken der Bürger – seien es Sorgen um Infraschall oder Lebensqualität – als irrational oder unbegründet abgetan werden.

Dass Focus.de und andere Medien die Ergebnisse als „Widerlegung“ von Ängsten feiern, zeigt, wie der wissenschaftliche Diskurs zunehmend durch politisch gerahmte Studien moderiert wird. Während man die psychologische Belastung durch „visuelle Intrusion“ oder „Lärm“ als subjektive Befindlichkeit abtut, wird die physiologische Wirkung von Druckschwankungen, die weit unter den klassischen Wahrnehmungsschwellen liegen, konsequent ignoriert.

Soweit eine erste Einschätzung wie aussagekräftig die Behauptungen der neuen Studie sind.

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3 Kommentare

  1. Dr. Rolf Lindner 26. Juni 2026 um 20:26 Uhr - Antworten

    Dann sollte man doch einfach erfassen, ob ungewöhnlich viele Menschen die Nähe zu Windrädern verlassen. Eine Marker wären auch Immobilienpreise. Wieviele der Studienbetreiber wohnen in Windradnähe? Man sollte sie dorthin zwangsumsiedeln.

    • Gabriele 27. Juni 2026 um 9:05 Uhr - Antworten

      Sie vergessen, dass die Mehrheit nicht einfach „umziehen“ kann oder will. Wie soll das gehen?
      Sie sind die wahren Opfer.
      Warum etwa soll jemand, der seit Generationen etwa einen Bauernhof dort betreibt, verschwinden, nur weil den Fanatikern das gefallen würde.
      Aber dass man Letztere genau dorthin zwangsumsiedeln sollte, stimmt. Samt denen, die Windräder „schön“ und „ökologisch“ finden.

  2. Gabriele 26. Juni 2026 um 17:16 Uhr - Antworten

    Natürlich müssen sie jetzt lügen, was das Zeug hält – sie kommen ja nicht heraus aus der Nummer.
    Und schlimmstenfalls geht es weiter wie beim Mobilfunk – eigentlich ist nichts bewiesen und bis dahin (was man nie zulassen wird) ist er eben „gesund“ bzw. harmlos.

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