
Google als ID-Checkpoint für das europäische Internet?
Google positioniert sich gerade als zentraler Torwächter für das Internet in Europa. Der Konzern will mit seinem Google Wallet nicht weniger als die ID-Überprüfung für alltägliche Online-Aktivitäten übernehmen.
Die weltweiten Anstrengungen für die Zuordnung einer digitalen Identität für jeden Menschen – angeblich zum Schutz von Kindern – soll die Schaffung so genannter digitaler Zwillinge ermöglichen. Jede Information, jede Handlung, jeder Kauf, jeder Schritt aus dem Haus, jede Interaktion mit anderen Menschen soll digital erfasst und unter der digitalen ID gespeichert werden. Das macht nur Sinn, wenn es tatsächlich exakt einer Person zugeordnet werden kann. Es scheint so., als würde die äußerst umfangreiche Bauaktivität von Rechenzentren vorwiegend dafür dienen und nicht für KI. Die digitale ID ist in Wahrheit das perfekte Instrument einer neuen Überwachungsarchitektur. Wer künftig bestimmte Websites besuchen will, muss sich bei Google ausweisen. Das ist kein Zufall, sondern die logische Fortsetzung der EU-Politik von Digital Services Act und eIDAS.
Start der Google ID im Herbst 2026 in fünf Ländern
Wie Reclaim The Netberichtete, startet Google in diesem Sommer in ausgewählten EU-Ländern (Irland, Spanien, Frankreich, Italien, Estland) damit, staatliche digitale Ausweise in Google Wallet zu speichern. Britische Android-Nutzer sollen bald folgen. Der Prozess ist – wie üblich – ziemlich einfach: Kurzes Video des eigenen Gesichts aufnehmen, Personalausweis oder Reisepass scannen – fertig. Google verifiziert und speichert die Daten. Danach kann die Wallet „altersgerecht“ oder „identitätsgeprüft“ bestätigen, ohne dass die Website selbst Name, Adresse oder Geburtsdatum sieht. Nur Google weiß, wann, wo und bei welchem „Gate“ die Überprüfung stattfindet.
Hier ein Bild eines der vielen Google Rechenzentren zur Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten:
Die Technik klingt harmlos – kryptografische Tricks seit Anfang 2025 sollen nur „Ja/Nein“-Antworten liefern. In Kooperation mit der Sparkasse Bank als erstem nationalen Partner wird das Ganze als bequeme Lösung für Altersverifikation verkauft.
Doch genau hier liegt der Haken: Was als Kinderschutz getarnt wird, schafft die Infrastruktur für flächendeckende Identitätskontrolle. Age-Gating ist nur der Einstieg. Wer einmal die digitale ID im Wallet hat, dem stehen bald weitere „Dienste“ offen – und der Staat weiß genau, wer wann wo im Netz unterwegs war.
Google löst damit ein Problem, das es selbst mitgeschaffen hat. Der Konzern hat jahrelang für strengere Online-Safety-Gesetze lobbyiert – in Großbritannien der Online Safety Act, in den USA ähnliche Regelungen in Texas und anderswo. Jetzt tritt er als Retter auf und baut sich zum zentralen Broker der Identität auf. Reclaim The Net formuliert es treffend: „Es ist eine Infrastruktur-Maßnahme, die als Kinderschutz getarnt ist – und am Ende kontrolliert ein einzelnes Werbeunternehmen den Zugang zum Internet.“
Die Aussichten sind dystopisch
Die Implikationen sind dramatisch. In der EU sind digitale IDs derzeit noch auf Alterschecks beschränkt – offiziell. Der Impfpass flutscht gleich mit in die Wallet. Dafür lobbyieren die Pharmakonzerne und ihre EU-Kommission schon seit Jahren.
Sobald die Wallet-Infrastruktur steht, wird der nächste Schritt kommen: Zugang zu bestimmten Inhalten, Zahlungen, Foren oder Dienstleistungen nur noch mit verifizierter Identität. Ein Zweiklassen-Internet entsteht – jene mit Google-Wallet kommen durch, alle anderen werden ausgesperrt.
Anonymität? Geschichte. Datenschutz? Fehlanzeige. Google sieht sowohl den Inhalt der Seite – das ist ihr Basisgeschäft seit Jahrzehnten und mit Anschubfianzierung des US-Militärs und der CIA – sowie wann und bei welchem Anbieter jemand seine ID vorzeigen musste.
Das passt perfekt ins große Bild der EU-Überwachungspolitik. Mit den Plänen für den Digitalen Euro, den Digitalen Produktpass und die europäische Digitale Identität wird das Netz schrittweise in ein kontrolliertes System verwandelt.
Während Brüssel „digitale Souveränität“ predigt, baut es in Wahrheit ein gläsernes Europa, in dem Big Tech die technische Umsetzung liefert.
Wer noch zweifelt, sollte sich die Ankündigung von Google selbst ansehen: Secure Identity and Payment Tools. Dort wird das Ganze als praktische Innovation gefeiert.
Parallel testet Google biometrische Zahlungsbestätigungen ohne Passcodes – angeblich schneller und bequemer. In Großbritannien kooperiert man bereits mit der Rail Delivery Group für vergünstigte Bahntickets. Der Ausbau ist programmiert.
Es ist dieselbe Logik wie bei der Geräte-Kontrolle über reCAPTCHA, die Google gerade ausrollt – hier der TKP Bericht dazu.
Wer nicht mitspielt, bleibt draußen. Ein Zwei-Klassen-Internet wird Realität – mit Google als Schiedsrichter. Die Bürger sollen glauben, sie bekämen mehr Sicherheit. In Wahrheit wechseln sie nur den Überwacher: vom Staat direkt zu einem US-Konzern, der mit Brüssel Hand in Hand arbeitet.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Der größte Datensammler macht auch gleichzeitig noch Zugangskontrolle. Wir kommen der Dystopie näher.
Und wir bezahlen diese Hausierer noch mit nützlichem Landwirtschaftsgründen, mit erwärmten Flüssen (Enns – Donau), mit Strom, mehr als alle oberösterreichischen Haushalte zusammen, und nicht zuletzt dann höheren Strompreisen! Politik in OÖ! Wir haben‘s ja!
Google-Rechenzentrum in Kronstorf bei St. Florian.