KI-Zentren übernehmen Strom und Wasser

9. Juni 2026von 3,5 Minuten Lesezeit

Es sind die Schatten des technokratischen Transhumanismus, der sich über das Land legt: Überall entstehen gigantische KI-Rechenzentren, die Energie und Wasser in einem bisher unbekannten Ausmaß verschlingen.

Weltweit explodiert der Bau von KI-Rechenzentren. Tech-Giganten wie Amazon, Microsoft, Google und Meta investieren Hunderte Milliarden Dollar in hyperskalige Anlagen, die KI-Modelle trainieren und betreiben sollen. Diese „KI-Fabriken“ versprechen Fortschritt, die Politik bejubelt sie. Unabhängig nun, ob dieser „Fortschritt“ erstrebenswert ist, verbrauchen die Zentren Strom und Wasser in Dimensionen, die ganze Städte oder Regionen belasten.

Kritiker sehen darin mehr als nur Infrastruktur: Eine nicht-menschliche Macht entsteht, die Menschenmassen überwachen und kontrollieren könnte, ein zentrales Motiv transhumanistischer Debatten. Man fühlt sich an den berühmten Satz von Walter Benjamin erinnert: „Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotive der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zuge reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.“

„Fortschritt“ – ob erstrebenswert oder nicht – ist eben auch immer eine politische Frage. Doch der Ressourcenverbrauch ist kalter Fakt.

Ein aktuelles Paradebeispiel ist Amazons Project Rainier im ländlichen New Carlisle, Indiana (bei South Bend). Auf etwa 500 Hektar ehemaligem Ackerland entstand in Rekordzeit eines der größten KI-Rechenzentrums-Komplexe der Welt. Das Projekt, das in Kooperation mit Anthropic (Entwickler des Claude-Modells) läuft, kostete zunächst 11 Milliarden US-Dollar. Es umfasst bis zu 30 Gebäude mit fast einer Million AWS-Trainium2-Chips – ohne Nvidia-Hardware.

Der Strombedarf liegt bei bis zu 2,2 Gigawatt – rechnerisch genug, um 1 bis 1,6 Millionen US-Haushalte zu versorgen. Zum Vergleich: Das entspricht dem Verbrauch mehrerer mittelgroßer Städte. In der Bauphase durfte Amazon laut lokalen Berichten und Genehmigungen bis zu 31 Millionen Gallonen (ca. 117 Millionen Liter) Wasser pro Tag aus dem Kankakee-Aquifer abpumpen („dewatering“ für die Baugrube). Das Wasser wurde in einen Graben geleitet und sorgte für Proteste von Anwohnern und Landwirten, deren Brunnen und Felder betroffen waren.

Rainier ist kein Einzelfall. Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren liegt derzeit bei ca. 415 TWh (ca. 1,5 % des globalen Stroms) und soll bis 2030 auf rund 945 TWh steigen – mehr als der aktuelle Verbrauch Japans. KI treibt das Wachstum: Hyperscale-Anlagen für Training und Inference verbrauchen bis zu 30-mal mehr Leistung als klassische Rechenzentren. Ein einzelnes großes KI-Zentrum kann so viel Strom ziehen wie 100.000 Haushalte.

Wasser ist der zweite Engpass. Rechenzentren kühlen Server mit Verdunstungskühlung oder indirekt über stromerzeugende Kraftwerke. Ein mittelgroßes Zentrum verbraucht täglich bis zu 20 Millionen Liter – so viel wie eine Kleinstadt. Global könnte der Wasserverbrauch von KI-Rechenzentren bis 2030 auf Werte steigen, die dem täglichen Bedarf von Hunderten Millionen Menschen entsprechen (UN-Bericht: bis zu 9,3 Billionen Liter). In den USA sind zwei Drittel der geplanten neuen Zentren in Dürregebieten angesiedelt. Hat dieser Wasserdurst etwas damit zu tun, dass uns WEF und UNO vor einem Wassermangel warnen? Darüber könnte man nachdenken.

Europa bleibt nicht außen vor. Mit rund 3.300–3.400 Rechenzentren ist der Kontinent ein Hotspot – Deutschland führt mit ca. 529 Anlagen, gefolgt von UK (523) und Frankreich (322). Der Fokus liegt auf den FLAP-D-Regionen (Frankfurt, London, Amsterdam, Paris, Dublin), doch der KI-Boom verlagert sich zunehmend in die Nordics (Norwegen, Schweden, Finnland) wegen günstiger erneuerbarer Energien und natürlicher Kühlung.

In Deutschland verbrauchen Rechenzentren derzeit ca. 4 % des Stroms (ca. 20–26 TWh), in Frankfurt sogar bis zu 40 % lokal. Die Bundesnetzagentur prognostiziert bis 2037 einen Anstieg auf 10 % (78–116 TWh). Neue Großprojekte entstehen in Brandenburg (z. B. 888 MW geplant) und Mecklenburg-Vorpommern. Genau in diesen Regionen warnt die Politik oft vor Wasserstress.

In Irland verbrauchen Rechenzentren bereits über 20 % des Stroms (2024 sogar 22 %), in manchen Regionen bis 80 %. Proteste gibt es auch in Spanien („Tu Nube Seca Mi Rio“ – Deine Cloud trocknet meinen Fluss aus) und der Schweiz. Microsoft, Google und andere bauen dort hyperskalige Anlagen, oft mit Fokus auf AI-Training. Die EU fördert zusätzliche KI-optimierte Zentren in Tschechien, Polen oder den Niederlanden, um Abhängigkeit von US-Clouds zu reduzieren – Energie- und Wasserfragen bleiben ungelöst, oder man schiebt sie auf die Bevölkerung ab.


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10 Kommentare

  1. Glass Steagall Act 9. Juni 2026 um 15:20 Uhr - Antworten

    Für den irren Spleen, dass sich ein paar wenige Milliardäre den verrückten Traum von Unsterblichkeit verwirklichen wollen und ihr Bewusstsein in die KI hochladen wollen (und das ist der wahre Grund der hinter der KI steckt), soll also der Rest der Menschheit leiden? Es wäre besser, diese Leute würden beim Psychotherapeuten aufschlagen und sich einweisen lassen!

    • Pusteblume 10. Juni 2026 um 10:22 Uhr - Antworten

      Schon die unsinnige Annahme dieser Verwirrten aus dem Silicon Valley, den Geist könne und werde mah auf der Festplatte eines Computers speichern, auf diesen auslagern und man werde sich unsterblich machen, muss doch zu denken geben. Früher hat man solche gesellschaftsgefährdenden Existenzen tatsächlich dem Psychiater und der Psychiatrie zugeführt. Diese Verwirrten aus dem Silicon Valley gefährden zur Durchsetzung ihrer nicht durchsetzbaren Vorstellungen vom zeitlich umbegrenzt langen Leben und von der Auslagerung des Bewusstseins auf eine elektronische Festplatte das Leben aller auf der Erde.

  2. local.man 9. Juni 2026 um 14:49 Uhr - Antworten

    Nun die geplante Obsoleszenz ist um längen schädlicher und das in zweifacher Hinscht Energie/Ressourcen und Müllberge was alles so nicht sein müsste. Obendrauf noch die dauerhafte Nötigung dafür pausenlos arbeiten zu rennen…, interessiert auch keinen, ist Teil dieses Wirtschaftsmodells seit ca. 100 Jahren und sichert den Herrschenden ihre Überlegenheit und Reichtum.

    Wir verkraften schon die KI Zentren, aber wir verkraften nicht die Idiotie des Betriebssystem der Gesellschaft, dieses Systemmodell..
    Denn darin liegt der wahre Kern dieser unserer Probleme.
    Und so wird dieses KI Ding auch wieder so gestaltet, dass es vorne und hinten Probleme erzeugt, die eine Seite gewinnt und die andere riesige Seite blutet..
    Vieles davon ist aber nicht nur Zufall und Kollateralschaden, sondern beabsichtigt…

  3. Jan 9. Juni 2026 um 14:32 Uhr - Antworten

    Religiöser Wahn ist immer schwierig. Das Christentum baute Kathedralen, um auf die Ankunft des Erlösers zu warten, der Transhumanismus baut Rechenzentren und wartet auf die Singularität.

    Wir brauchen mehr mRNA-Spritzen, eindeutig!

  4. VerarmterAdel 9. Juni 2026 um 14:25 Uhr - Antworten

    D. h. demnächst gigantische Energie- und Wasserrechnungen für die Sklaven im Internet von allem, damit es den Eliten gelingt, sie mit den Rechenzentren noch mehr überwachen, noch mehr plündern und wie Vieh zu benutzen und bei Bedarf abzuschalten.

  5. Archimedes 9. Juni 2026 um 13:57 Uhr - Antworten

    Allein in den USA benötigen die derzeit in Betrieb befindlichen Rechenzentren die Leistung von 7 Kernkraftwerken, etwa 7000 Megawatt. Wie schon die Kraftwerke mit Flusswasser gekühlt werden, so auch die Rechenzentren. Was bleibt übrig von der Rechnerei? Heiße Luft – ENTROPIE, sonst nichts.

  6. 1150 9. Juni 2026 um 13:48 Uhr - Antworten

    ja leute, verhungern, verdursten oder erfrieren, hoffentlich könnt ihr wählen ……

  7. Leontinger 9. Juni 2026 um 13:12 Uhr - Antworten

    Das ist leider nicht neu! Ich schrieb schon mal hier in tkp über den Bau eines Google-Rechenzentrums nahe St. Florian in Kronstorf. Dieser Bau verschlingt nicht nur wertvolles Ackerland, sondern auch viel Wasser der Enns, das erwärmt gleich weiter in die Donau fließt.
    Der Energiebedarf ist größer als alle Haushalte Oberösterreichs verbrauchen. Danke an Landeshauptmann Stelzer (ÖVP) und seinen Stellvertreter Haimbuchner (FPÖ)!

    • Daisy 9. Juni 2026 um 14:43 Uhr - Antworten

      Ich erinnere mich. Das ist wirklich krass. Sie lassen lieber Menschen frieren und hungern, als dass sie der KI (zwecks totaler Überwachung der Überlebenden…) nicht mehr füttern könnten.

      Ceterum censeo… ein sehr großer Blackout würde uns noch helfen. Den verursachen sie vermutlich selbst oder es kommt uns der längst fällige Polsprung zu Hilfe….

    • Pusteblume 10. Juni 2026 um 10:17 Uhr - Antworten

      Es müssen sich ebenso diejenigen an ihre eigene Nase fassen, die den erhöhten Strombedarf, der künstlich erzeugt wird, abfordern und hierbei wohl über Leichen gehen. Wer solches elektronisches Zeugs nur marginal nutzt, lebt daten(verarbeitungs)sparsam, aber solche Sparsamkeit soll wohl gar nicht erst aufkommen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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