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Politik

Anchorage wie Minsk: Der nächste westliche Trick zur Zeitgewinnung

1 Kommentare 28. Juli 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Ein Jahr nach dem Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin in Anchorage, Alaska, im August 2025 wächst in Moskau die Ernüchterung. Wieder einmal stellen sich Versprechen und Zusagen der US-Regierung als Schall und Rauch heraus.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow vergleicht das Alaska-Treffen inzwischen offen mit den Minsker Abkommen von 2014/2015: beides sei darauf angelegt gewesen, dem Kiewer Regime Zeit zum Aufrüsten zu verschaffen. Die parallelen Analysen von Roberto Iannuzzi auf seinem Substack und als Gastbeitrag bei Thomas Fazi zeichnen ein klares Bild des diplomatischen Scheiterns.

Die Parallele zu Minsk ist frappierend. Die damaligen Abkommen, vermittelt von Frankreich und Deutschland, sahen eine Autonomie für den Donbass unter ukrainischer Souveränität vor. Doch wie Angela Merkel, François Hollande und Petro Poroschenko später selbst einräumten, dienten sie vor allem dazu, der Ukraine Zeit zu geben, ihre Streitkräfte aufzubauen. Poroschenko erklärte, die Ukraine habe 2014 „überhaupt keine Streitkräfte“ gehabt; Minsk habe Russland von einem großangelegten Krieg ferngehalten, obwohl man wusste, dass die Vereinbarungen nie umgesetzt würden. Merkel bestätigte, dass die Abkommen der ukrainischen Armee genau diese Gelegenheit gaben.

Anchorage war laut russischer Sicht sogar noch schwächer. Die informelle Verständigung sah vor, dass Trump Selenskyj zum Rückzug aus dem Donbass bewegen und Putin im Gegenzug einen Waffenstillstand akzeptieren sollte. Trump brachte Kiew jedoch nicht dazu, und Moskau lehnte einen vorzeitigen Waffenstillstand ab – aus Furcht vor einem eingefrorenen Konflikt, der der Ukraine erneut Zeit zum Aufrüsten verschafft hätte.

Lawrow: Man habe nicht einmal denken wollen, dass Alaska „genau wie die Aktionen der Europäer darauf angelegt war, Zeit zu gewinnen, um das Kiewer Regime aufzurüsten. […] Aber in Wirklichkeit ist es genau so gekommen.“

Statt als unparteiischer Vermittler aufzutreten, agierten die USA weiter als Kriegsteilnehmer. US-Geheimdienste lieferten weiterhin Daten für ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien (194 Treffer in den ersten sechs Monaten 2026) und sogar auf die Schattenflotte. Trump lobte solche Angriffe öffentlich als Mittel, um „Verhandlungsmacht“ zu gewinnen, und sprach sich auf dem NATO-Gipfel in Ankara 2026 für die ukrainischen Langstreckenangriffe aus: Es sei eine Eskalation, „die aber auch zu einem Abschluss beitragen könnte“.

Ein Drohnenangriff auf Putins Residenz am Valdai-See Ende Dezember 2025 (91 Drohnen) wurde in Moskau als terroristischer Akt mit mutmaßlicher CIA-Beteiligung gewertet. Trump zeigte sich zwar „sehr verärgert“, doch die grundsätzliche Linie blieb: Zwangsdiplomatie durch Sanktionen (Rosneft, Lukoil), Druck auf Indien und Drohungen mit Tomahawk-Lieferungen.

In Moskau regt sich Kritik an Putin selbst: Er habe den Dialog zu lange fortgesetzt, ohne ausreichenden Druck auf Kiew auszuüben, und die „Spezialoperation“ trotz westlicher Mobilisierung nicht eskaliert. Gleichzeitig bestätigen parallele US-Aktionen gegen Venezuela (Festnahme Maduros) und den Iran (Tötung Khameneis mit CIA-Hilfe), dass Washington von Gegnern nur die Kapitulation akzeptiert – keine Koexistenz. Und das ist dem Krieg gegen China und danch dem Koreakrieg in den 1940er Jahren so. Oder die USA verlieren den Krieg.

Das Ergebnis ist ein diplomatischer Deadlock. Anchorage ist gescheitert wie Minsk zuvor. Der Westen hat erneut Zeit gewonnen, die Ukraine weiter aufgerüstet und gleichzeitig jede Grundlage für ernsthafte Verhandlungen untergraben. Moskau sieht den Verhandlungsweg als weitgehend verbaut.

Was bleibt, ist die Frage, wie man den anhaltenden Angriffen über ukrainisches Territorium begegnet. Die Lehre aus Anchorage und Minsk ist dieselbe: Solange der Westen den Konflikt als Mittel zur Schwächung Russlands betrachtet und nicht als zu beendenden Krieg, bleibt echter Frieden Illusion – und die Eskalationsspirale dreht sich weiter.

Ohne Worte:

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1 Kommentar

  1. 1150
    Antworten

    im handbuch zur terrorbekämpfung des bka steht, mit terroristen wird nicht verhandelt.
    haben die russen keinen zugang zu diesen schriften?
    was ich im leben lernte, kommuniziere in der sprache des gegenüber’s –
    so gibt es von vornherein eine klare, unmissverständliche linie,
    die ihm vertraut ist und er sich damit leichter zurechtfinden kann.
    hole dein gegenüber freundlich, vage und ohne vorauskompromiss dort ab, wo er sich befindet.

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