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Wirtschaft

Milliarden Vergleich für Johnson & Johnson im Babypuder-Prozess

0 Kommentare 28. Juli 2026 3 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Der Pharmariese Johnson & Johnson hat sich im der Sammelklage, aufgrund seines krebserregenden Babypuders verglichen. Damit dürfte ein jahrzehntelanger Rechtsstreit zu Ende gehen. Bis zu 7 Milliarden könnte J&J zahlen. 

Johnson & Johnson (J&J) hat einen geschätzten Vergleich in Höhe von 5,5 Milliarden US-Dollar angekündigt, um Zehntausende Klagen beizulegen, die dem Unternehmen vorwerfen, dass sein Babypuder und andere Talkum-Produkte Eierstockkrebs verursacht hätten.

Der Pharmariese erklärte am Montag, der Vergleich decke rund 76.000 Ansprüche ab. Dazu gehören Verfahren, die am Bundesgericht in New Jersey gebündelt sind, sowie verwandte Fälle vor einzelstaatlichen Gerichten. Damit sind nahezu alle verbleibenden Talkum-Klagen gegen J&J abgedeckt. Zuvor hatte das Unternehmen bereits die meisten Klagen beigelegt, in denen Asbest in den Produkten und daraus resultierendes Mesotheliom behauptet worden war.

Damit der Vergleich endgültig wird, müssen mindestens 95 Prozent der Klägerinnen und Kläger mit Eierstockkrebs-Ansprüchen in staatlichen oder bundesstaatlichen Verfahren zustimmen. J&J rechnet mit einer ersten Zahlung von drei Milliarden Dollar im Jahr 2027; weitere Zahlungen sollen 2028 folgen. Je nach Beteiligung könnte die Gesamtsumme auf sieben Milliarden Dollar oder mehr steigen, erklärte der Anwalt Chris Seeger, der etwa 2.500 Mandanten vertritt und an den Verhandlungen beteiligt war. „Wir haben einen fairen Vergleich erzielt, und unsere Mandanten werden damit zufrieden sein“, sagte Seeger.

J&J weist die Vorwürfe weiterhin als unbegründet zurück. Erik Haas, Vizepräsident für Rechtsstreitigkeiten. Das Unternehmen sei aber bereit, den Vergleich einzugehen, um Abschluss zu finden, ein bekannter Weg eines Unternehmensriesen: „Obwohl wir zuversichtlich sind, dass das Unternehmen in weiterer Prozessführung letztlich obsiegt hätte – wie in der überwiegenden Mehrheit der bisher verhandelten Fälle –, ermöglicht diese Lösung, die Angelegenheit hinter uns zu lassen und uns auf unsere Mission zu konzentrieren, Medikamente und Geräte zu entwickeln, die Leben retten.“

Der Rechtsstreit hatte J&J über ein Jahrzehnt belastet. Das Unternehmen stellte den Verkauf von talkumbasiertem Babypuder in den USA 2020 ein und wechselte zu Maisstärke-Produkten. Nach gescheiterten Versuchen, die Klagen über eine sogenannte „Texas Two-Step“-Strategie mit Tochtergesellschaften in die Insolvenz zu bringen (drei Verfahren wurden abgewiesen), wurden die Prozesse im März 2025 wieder aufgenommen.

J&J hatte in Einzelverfahren gemischte Ergebnisse erzielt – darunter hohe Urteile zugunsten von Klägerinnen, aber auch Freisprüche und reduzierte Schadensersatzsummen. Kürzlich hatte ein Bundesrichter Zweifel an der Fähigkeit einzelner Klägerinnen geäußert, einen spezifischen Kausalzusammenhang zwischen Talkum und ihrem Krebs nachzuweisen.

Im Gegensatz zu früheren Insolvenzvorschlägen gilt der neue Vergleich nur für bestehende Ansprüche und schließt künftige Klagen aus. Das beschleunigt die Auszahlungen: Alle berechtigten Forderungen sollen innerhalb von 18 Monaten beglichen werden. Klägeranwälte bestätigten den Deal als gute Lösung nach langem Kampf. Ob der Vergleich endgültig zustande kommt, hängt nun von der Annahmequote der Betroffenen ab.

Bild „Johnson & Johnson“ by Open Grid Scheduler / Grid Engine is marked with CC0 1.0.

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