Freiwild österreichisches Web?

28. Juli 2026von 3,2 Minuten Lesezeit

Das österreichische Web ist für Big Tech und seine KI-Programme fast vollständig offen. Damit ist man weltweit ganz vorne dabei. Das hat eine Auswertung ergeben. 98 Prozent der Websites lassen die KI widerspruchslos aus ihren Inhalten lernen.

Während Verlage weltweit gegen KI-Konzerne vor Gericht ziehen, steht das österreichische Web fast vollständig offen: Nur 1,8 Prozent der Websites sperren einen KI-Crawler — Platz 4 weltweit, nur Japan, China und Deutschland sind offener. Doch wer in Österreich blockiert, blockiert erstaunlich oft daneben: Fast jeder dritte Blocker hat sich versehentlich auch aus der ChatGPT-Suche entfernt. Das zeigt eine Auswertung von 41,8 Millionen Websites durch die Datenplattform Piperic.

Piperic hat die robots.txt-Dateien und KI-Richtlinien von 208 123 aktiven österreichischen Websites analysiert. Das Ergebnis: Nur 1,8 Prozent (3 788 Websites) sperren mindestens einen bekannten KI-Crawler aus — aus den Inhalten der übrigen 98,2 Prozent dürfen ChatGPT, Claude und Gemini frei lernen.

Die aufschlussreichste Zahl ist aber nicht die der Blocker: 93,9 Prozent der österreichischen Websites äußern sich überhaupt nicht zum KI-Zugriff — praktisch gleichauf mit Deutschland. Sie verbieten nichts, sie erlauben nichts; die Frage wurde schlicht nie beantwortet. Bewusst geöffnet — mit einer maschinenlesbaren llms.txt-Richtlinie — haben sich 4,3 Prozent.

Fast jeder dritte Blocker sperrt sich selbst aus

Bei einem Wert fällt Österreich negativ auf: Weltweit sperren 6 Prozent der GPTBot-Blocker versehentlich auch den Suchroboter von ChatGPT aus — geschützt vor dem KI-Training, aber verschwunden aus den Antworten der ChatGPT-Suche. In Österreich liegt diese Quote bei 30 Prozent: 944 von 3 142 blockierenden Websites, das Fünffache des Weltschnitts — nur die Schweiz (47,7 %), Dänemark (34,7 %) und Norwegen (30,4 %) liegen noch darüber. Das Muster deutet auf ungeprüft kopierte Sperrlisten hin: Offenheit ist in Österreich oft Zufall, Blockieren oft ein Unfall.

Die entspannteste Presse im DACH-Raum — und ein Tourismus-Reflex

Der Branchenvergleich zeigt eine österreichische Besonderheit: Die Medien, anderswo die Speerspitze der Defensive, sind hier die entspanntesten des DACH-Raums — nur 5,9 Prozent der 834 untersuchten Nachrichtenseiten blockieren KI-Crawler (Deutschland: 9,0 %, Schweiz: 8,8 %, Tschechien: 14,2 %). Am defensivsten sind stattdessen die Ausflugsziele (4,0 %) — der Tourismus-Reflex, wie in Italien und Spanien: Ausgerechnet die Branche versteckt sich, deren Gäste ihre Reisen zunehmend mit ChatGPT planen. Die knapp 37 000 österreichischen Onlineshops stehen fast vollständig offen: Nur 1,3 Prozent sperren — die Sortimente von mehr als 36 000 Shops sind schon heute für KI-Einkaufsassistenten lesbar.

„Österreich hat eines der offensten Webs der Welt — und zugleich eine der höchsten Fehlblockier-Quoten Europas: Fast jeder dritte GPTBot-Blocker hat sich versehentlich aus der ChatGPT-Suche ausgesperrt. Offenheit ist hier Zufall, Blockieren oft ein Unfall. Was fehlt, ist die bewusste Entscheidung — und die kostet nichts außer einem Blick in die eigene robots.txt“, — sagt Attila Rácz-Akácosi in einer Presseaussendung, Gründer von Piperic.com.

Der vollständige interaktive Österreich-Report — mit Branchenvergleich, Weltrangliste und Quartals-Aktualisierung — ist frei zugänglich: piperic.com/ai-report/at

ZAHLEN AUF EINEN BLICK

  • 208 123 aktive österreichische Websites analysiert · 41,8 Millionen weltweit
  • 98,2 % sperren keinen einzigen KI-Crawler · 1,8 % (3 788 Websites) blockieren
  • Platz 4 von 43 Ländern — nur Japan, China und Deutschland sind offener
  • 93,9 % äußern sich gar nicht — die „schweigende Mehrheit“
  • 30 % der österreichischen GPTBot-Blocker sperren sich versehentlich selbst aus der ChatGPT-Suche aus (Weltschnitt: 6 %; nur CH, DK, NO liegen höher)
  • Medien: 5,9 % blockieren — die entspannteste Presse im DACH-Raum (DE: 9,0 %, CH: 8,8 %)
  • Onlineshops: 1,3 % — mehr als 36 000 österreichische Shops sind für KI-Einkaufsassistenten lesbar

METHODIK Piperic wertet das öffentliche Web kontinuierlich aus; Grundlage dieser Zahlen ist eine Momentaufnahme vom 13. Juli 2026 über 41 818 678 aktive Websites, davon 208 123 österreichische. Aktiv = erreichbar (HTTP 2xx) und nicht geparkt. KI-Blockierung = die robots.txt sperrt mindestens einen bekannten KI-Crawler (GPTBot, ClaudeBot, Google-Extended, CCBot u. a.). Wichtig: Die Daten beziehen sich auf das GESAMTE österreichische Web, nicht nur auf die reichweitenstärksten Seiten — die international zitierten Sperrquoten von 19–25 Prozent gelten für die globalen Top-1000-Websites. Die Zahlen widersprechen sich nicht: Es sind verschiedene Grundgesamtheiten.

Bild pixabay / brianpenny 


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