
Pharmalüge oder Placebo-Power: Wie wirken Antidepressiva?
Rund 5 Millionen Deutsche nehmen regelmäßig Antidepressiva, für die Pharmaindustrie sind die Pillen ein riesiges Geschäft. Die orthodoxe Erklärung zu ihrer Wirkung ist aber wissenschaftlich nicht haltbar.
Antidepressiva gleichen das chemische Ungleichgewicht, den Serotoninmangel, aus und lindern die quälenden Symptome bei einer Depression. In etwa so erklären Pharmaunternehmen und Psychiater seit Jahrzehnten das Krankheitsbild Depression und die Medikamente dagegen. Mit der Serotonin-Hypothese hat man Millionen von Patienten überzeugt und den Absatz von Medikamenten wie Prozac oder Sertralin enorm angekurbelt. Wissenschaftlich ist die These aber schon länger nicht mehr unumstritten.
Schon 2022 stellte eine große systematische Übersichtsarbeit diese Erklärung grundlegend infrage. Die 2022 in Molecular Psychiatry veröffentlichte Studie von Joanna Moncrieff (University College London) und Kollegen fasst Dutzende Meta-Analysen und Studien zusammen. Ergebnis: Es gibt keine überzeugenden Belege, dass Depressionen mit niedrigeren Serotoninspiegeln oder reduzierter Serotoninaktivität zusammenhängen. Kurzum: Misst man den Serotoninspiegel (und Abbauprodukte) bei depressiven und gesunden Personen zeigt sich kein klarer Unterschied.
Etwas genauer:
Weder Messungen von Serotonin und seinem Abbauprodukt 5-HIAA im Blut noch Bildgebungsstudien zu Serotoninrezeptoren und -transportern (SERT), noch Genanalysen zum Serotonintransporter-Gen zeigten konsistente Unterschiede zwischen Depressiven und Gesunden. Selbst Experimente, bei denen Serotonin künstlich abgesenkt wurde (Tryptophan-Depletion), lösten bei den meisten gesunden Probanden keine Depression aus.
Die Autoren schließen: „Die Hauptbereiche der Serotonin-Forschung liefern keinen konsistenten Beweis für einen Zusammenhang zwischen Serotonin und Depression und keine Unterstützung für die Hypothese, dass Depression durch erniedrigte Serotoninaktivität oder -konzentrationen verursacht wird.“ Langfristige Einnahme von Antidepressiva könnte sogar Serotoninspiegel senken – ein paradoxer Effekt.
Die Pharmazeutische Zeitung griff die Studie ebenfalls auf und titelte 2022: „Die Serotonin-Hypothese wackelt“. Viele Experten sehen darin ein Ende der vereinfachten „chemisches Ungleichgewicht“-Erzählung, die besonders in den 1990er Jahren von der Industrie popularisiert wurde.
Antidepressiva sind ein riesiges Geschäft. Jährlich wird mit den Pillen ein Umsatz von rund 20 Milliarden US-Dollar erzielt (Schätzungen für 2025 liegen bei ca. 20–22 Mrd. USD). Ihre Wirkung auf die Psyche ist gegeben, Kritiker sprechen davon, dass es sich um eine legale Art einer Droge handeln würde. Aber weil die Pillen kein Suchtpotenzial haben, werden sie nicht als Droge verstanden, auch wenn die Wirkung auf Stimmung, Schlaf und Appetit belegt ist. In Deutschland nehmen rund 5 Millionen Menschen Antidepressiva. Über die schädlichen Wirkungen der Pillen wird kaum aufgeklärt.
Auch die Studie wird kritisiert, man wirft ihr methodische Schwächen vor. Forscher aus London werfen den Autoren vor, sie hätten Daten falsch interpretiert, Qualitätskriterien subjektiv angewendet und neuere Erkenntnisse ignoriert. Sie sagen, dass Serotonin sehr wohl eine Rolle spiele – etwa bei vulnerablen Personen oder in komplexen Netzwerken mit anderen Neurotransmittern wie Noradrenalin, Glutamat oder Dopamin. Auch Entzündungsprozesse, Stressachse (HPA-Achse) und Neuroplastizität gelten heute als wichtiger.
Die Serotonin-Mangel-Theorie gilt trotzdem kaum noch als haltbar. Wie wirken Antidepressiva dann? Es muss andere Mechanismen geben, etwa neuroplastische Vorgänge im Gehirn, auch ein Placebo-Effekt ist nicht auszuschließen.
Damit bröckelt auch die Erklärung zu Depression, die nicht einfach nur ein chemisches Ungleichgewicht im Hormonhaushalt ist. Doch nuanciertere Erklärungen könnten den Absatzmarkt der Pharmaindustrie und ihren Marketing-Slogans behindern. Studien zeigen etwa deutlich, dass körperliche Bewegung wirksamer ist als die Pille, doch das lässt sich schwieriger verkaufen.
Bild „Antidepressiva“ by focal5 is licensed under CC BY-NC 2.0.
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Antidepressiva lähmen mehr als Depressionen und haben weitere schädliche Nebenwirkungen
Studie: Laufen bei Depression wirksam wie Pillen
Also, das geht doch nicht…. „die“ Medizin anzweifeln. Da ist immer alles in bester Ordnung und genau so, wie man es sich wünscht. Amen.
Nur in der „Paramedizin“, etwa bei den „Heilpilzen“, da ist alles nur Schwurbelei…. gell.
…um sachlich etwas beizutragen – man ist inzwischen der Ansicht, dass auch Depressionen & Co bis zu einem gewissen Grad „Entzündungskrankheiten“ sind, die sich mit so gut wie jedem Medikament, dass an diesen Schaltstellen ansetzt, womöglich bessern lässt – und da kann man natürlich alles Mögliche darunter subsumieren. Auch alles, was im Entferntesten das System „beruhigt“, wie die meisten Psychopharmaka das tun. Allerdings auch jede Menge Mittel aus der Naturheilkunde – von Heilpilzen bis zur weltweiten Ethnomedizin, die ja schon immer darüber Bescheid wusste – siehe Hildegardmedizin oder die konventionellen asiatischen Systeme – von TCM und Ayurveda bis zur Tibetischen Medizin. Besonders erfolgreich waren „seltsamerweise“ auch Schamanen in allen Zeiten und bis heute, was die Alkoholsucht angeht… aber das ist natürlich jetzt alles nur „Schwurbelei“… gell.