Zweierlei Maß: Die „neue Normalität“ der Medien

23. August 2022von 10,1 Minuten Lesezeit

Beim Tod von Darya Dugina wurde die mediale Doppelmoral wieder besonders schmerzlich sichtbar. Dabei ist das damit verbundene zweierlei Maß überhaupt nichts Neues. Im Gegenteil. Es gibt das schon sehr lange, hat sich aber insbesondere in den vergangenen Jahren nochmals enorm gesteigert.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, doch manche Vergleiche sind unvermeidbar, selbst wenn es der Vergleich von Äpfeln mit Birnen ist. Die folgenden Vergleiche müssen mit der Brille eines durch die Mainstream-Medien geprägten Lesers interpretiert werden. Leichte Spuren von Zynismus oder satirischer Übertreibung sind der Tatsache geschuldet, die persönliche Betroffenheit über das zweierlei Maß nicht in Wut und Aggression ausufern zu lassen.

Zweierlei Maß bei Attentaten

In den vergangenen Tagen sind zwei bekannte Menschen Opfer von Attentaten geworden. Salman Rushdie hat den Messerangriff überlebt und die Medien überschlagen sich mit Wut ob dieser Bluttat und rufen zu Solidarität auf.

Der feige Bombenmord an Darya Dugina nahe Moskau führte beim ORF-Korrespondenten Langpaul auf Twitter zu der Bemerkung “Bekommt Alexander #Dugin jetzt einen weißen Lada?”  – ein bösartiger Hinweis darauf, dass Familien von im Krieg gefallenen Soldaten finanzielle Zuwendung bekommen haben. Hierzu hat auch TKP berichtet.

Zweierlei Maß bei inhaftierten Journalisten

Niemals käme ich auf die Idee, die Rolle bzw. die „Taten“ eines Nawalnys auch nur in den Schatten der Aktionen von Julian Assange zu stellen, aber in der Medien-Wahrnehmung des Westens ist Nawalny ein mutiger Kämpfer für Freiheit und Demokratie in Russland.

Julian Assange wurde zunächst nur als Wikileaks-Gründer und Vergewaltiger dargestellt, dem aufgrund unverantwortlicher – hochverräterischer Aktionen in den USA die Todesstrafe droht. Inzwischen ist diese mediale Haltung etwas gekippt, auch die Mainstream-Medien weisen darauf hin, dass eine Auslieferung Assanges ein etwas eigenartiges Licht auf die Pressefreiheit wirft. Das allerdings erst, nachdem er jahrelang in der Botschaft Ecuadors „vergammelte“ und im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh einsitzt und seine Auslieferung so gut wie beschlossen ist.

Zweierlei Maß bei Kindermord

„Kiew: Seit Kriegsbeginn 135 Kinder getötet“ titelte die Zeit Ende März 2022. Der Tod von Menschen – und insbesondere Kindern – ist eine Tragödie. Nur sterben im Donbass schon sehr lange Kinder und alte Menschen und junge Menschen und …

Im Osten nichts Neues: Die „Allee der Engel“ in Donezk, Ukraine, ist eine Gedenkstätte für Kinder des Donbass – also der Ost-Ukraine -, die während des Krieges im Donbass bis 2015 getötet wurden. Das kann man sogar der nicht der Russenfreundlichkeit verdächtigen Wikipedia entnehmen. Dort liest man auch, dass bereits 2018 die UNICEF Ukraine auf Twitter berichtete, dass während des Krieges über 140 Kinder durch Minen getötet oder verletzt wurden. Davon fand ich bis dato in der Zeit nichts.

Über die 500.000 toten irakischen Kinder, von denen die frühere US-Außenministerin, Madeleine Albright, meinte, ihr Tod sei ein Preis gewesen, den das Ziel wert war, habe ich dort auch keine weiteren Informationen gefunden. Ich habe allerdings auch nicht alle Archive durchforstet.

Zweierlei Maß bei Regierungs- pardon Regimekritikern

In China, Russland oder Venezuela – um nur einige der Schurkenstaaten zu nennen -, ist jeder Regimekritiker ein aufrechter Demokrat, der sich mutig und gesetzeskonform für Frieden, Freiheit und Demokratie einsetzt.

Wer dagegen mit Grundgesetz durch Deutschland läuft, in Holland seinem Beruf als Landwirt nachgehen möchte oder sich in Österreich gar öffentlich zur Neutralität bekennt, ist irgendwo zwischen Reichsbürger, Staatsverweigerer, Delegitimierer, Staatsfeind, Nazi oder Verschwörungstheoretiker angesiedelt.

Zweierlei Maß bei Millionären

Im Wertewesten hört man immer von Philanthropen wie Bill Gates oder den Rockefellers, die Brosamen ihrer steuerschonend in Stiftungen platzierten Geld-Unmengen gelegentlich auch einem – vordergründig – sozialen Zweck zukommen lassen.

In Russland ist jeder Superreiche fast naturgemäß ein Oligarch. Zumindest habe ich den Eindruck, denn die Eingabe von „russische Oligarchen“ liefert allein auf Google rund 558.000 Ergebnisse.

Zweierlei Maß bei Sezessionen

Kosovo erklärte sich am 17. Februar 2008 für unabhängig. Die von Serbien nicht anerkannte einseitige Unabhängigkeitserklärung wurde seitens des Internationalen Gerichtshofs als vereinbar mit dem internationalen Recht bewertet.  Mir ist nicht bekannt, dass vor der Unabhängigkeitserklärung eine Volksbefragung im Kosovo stattgefunden hätte.

Ein entsprechendes Referendum hat aber auf der Krim stattgefunden, bei dem sich unter der Beobachtung der OSZE lt. Tagesspiegel über 95% der Wähler für einen Beitritt zu Russland ausgesprochen haben. Vermutlich stand vor jedem Wahlberechtigten ein russischer Soldat, denn seitdem ist das Mantra der russischen Annexion aus sämtlichen westlichen Medien nicht mehr wegzudenken.

Zweierlei Maß in der Gesundheitsvorsorge bei Schwangeren

Rauchen, Medikamente, Alkohol und selbst Milch gilt als ungesund, wenn Frauen schwanger sind und es werden sehr emotionale Kampagnen gefahren, um die Gesundheit der Ungeborenen bestmöglich zu schützen. „Für werdende Mütter ist Qualmen aber besonders fatal: Die Giftstoffe schaden während der Schwangerschaft nicht nur der Mutter, sondern auch dem Baby. Als Schwangere sollten Sie sich deshalb Ihrer Verantwortung gegenüber Ihrem Kind bewusst sein und das Rauchen in der Schwangerschaft einstellen. Auch Passivrauch gilt es zu vermeiden. Die hysterischen Reaktionen mancher Frauen in offenen Gastgärten, wenn am Nachbartisch geraucht wird, belegen, dass derartige Kampagnen ihre Wirkung zeigen.

Die Nebenwirkungen eines Impfstoffes, der nur eine bedingte Zulassung bzw. Notfallzulassung erhalten hat und meines Wissens nie umfassend an Schwangeren getestet wurde, sind lt. offiziellen Stellen natürlich im Vergleich zu Nikotin völlig harmlos. Seit Oktober 2021 empfiehlt die Ständige Impfkommission die Corona-Schutzimpfung auch ab der 13. Schwangerschaftswoche, während der Stillzeit und für Frauen im gebärfähigen Alter, besonders mit Kinderwunsch. Entsprechende Medienkampagnen sind zunehmend wahrzunehmen.

Zweierlei Maß bei der Bewertung von Kriegen

Der Angriff Russlands auf die Ukraine am 24.2.22 ist nach einhelliger Meinung aller ein „völkerrechtswidriger Angriffskrieg“. Auch die meisten alternativen Medien stimmen in dieser Wahrnehmung bzw. Darstellung überein – wobei sich mir bei manchen der Eindruck aufdrängt, dass dies nur geschieht, weil man nicht ebenfalls der Zensur zum Opfer fallen möchte wie Sputnik oder RT.

Da ich kein Völkerrechtsexperte bin und mich auch nicht in die Untiefen dieses juristischen Fachgebietes einarbeiten kann, wäre ich dankbar, wenn mir jemand erklärt, warum dann die Kriege in Vietnam, Afghanistan, Irak, Jemen, Libyen, Syrien und anderen Orten in den Mainstreammedien meist als „humanitäre Intervention“ oder bestenfalls als „Krieg für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte“ dargestellt werden und es nie zu Sanktionen kam.

Zweierlei Maß bei der Nutzung von Bodenschätzen

Am 22.8.22 titelte der Stern: „Kampf um die Bodenschätze: Putin plündert die Ukraine aus“ und führt weiter aus: „Russland hat ein Fünftel der Ukraine besetzt, Kiew aber den Großteil der Rohstoffreserven genommen. Ein Raubzug mit einer milliardenschweren Beute.“ In Syrien klauen die US-Truppen 80% der täglichen Erdölproduktion. Jeden Tag und jetzt.

Der Westen „plündert“ vornehmer. Mit der Landreform, die am 1.7.2021 in Kraft trat und eine Vorbedingung für IWF-Kredite war, wurden die Grundlagen geschaffen, dass sich internationale Konzerne im Land einkaufen können.  Dazu kann man lesen: „The law “On Amendments to Certain Laws of Ukraine on the Conditions of Turnover of Agricultural Land” (Law 552-IX) is a crucial plank of the liberalizing agenda championed by President Volodymyr Zelensky and the Western international institutions that support his government. It was passed by the Verkhovna Rada, Ukraine’s unicameral legislature, in March 2020 as a condition for the financially imperiled government to receive a US$5 billion loan from the International Monetary Fund (IMF).“ Die „Gerüchteküche“ besagt, dass die üblichen Verdächtigen wie Monsanto, die Gates-Stiftung, Blackrock die Möglichkeiten dieser Gesetzesänderung bereits intensiv ausgeschöpft haben. Genaueres lässt sich wohl erst nach sorgfältiger Analyse der Bilanzen sagen.

Zweierlei Maß bei der Einschätzung politischer Flüchtlinge

Ob Chodorkowski, Weiwei oder die Skripals: Flüchtlinge aus Schurkenstaaten, aus Diktaturen wie China, Russland oder gar Nordkorea sind grundsätzlich Opfer ihrer Systeme und stellen die einzigen Guten ihres Landes dar.

Wer dagegen Deutschland oder Österreich verlässt, muss etwas auf dem Kerbholz haben, mindestens ein Steuerbetrüger, wenn nicht gar Nazi sein. Ken Jebsen, Stefan Hockertz, Boris Reitschuster oder Peer Eifler – um nur einige von inzwischen Dutzenden mir bekannten Exilanten namentlich zu erwähnen – haben gute Gründe dafür, die vom Mainstream aber nicht aufgegriffen werden.

Zweierlei Maß bei Diktaturen

Dass zwischen guten Diktaturen wie Saudi Arabien oder Katar und bösen Diktaturen wie die oben genannten – China, Russland oder Nordkorea – zu unterscheiden ist, kann man deren Darstellung in den Medien klar entnehmen. Erstere liefern Öl zu unseren Bedingungen und sind daher unsere Partner.

Die anderen – insbesondere Russland – liefern Rohstoffe zu ihren Bedingungen und das wollen wir natürlich nicht. Da lassen wir sie ihr Öl und Gas doch lieber nach Indien verkaufen, um es uns von dort zu vielfach höheren Preisen zu beschaffen.

Zweierlei Maß bei Homosexualität

Bei unseren o.g. „guten“ Partnern haben Menschenrechtsverletzungen wie beispielsweise die Hinrichtung von Homosexuellen nur eine sehr nachrangige Rolle in der medialen Präsentation.

Dass in Russland die Bewerbung homosexueller Handlungen insbesondere im Umfeld von Kindern und Jugendlichen gesetzlich verboten ist, wird als „massivste Unterdrückung der LGBT-Bewegung“, gesehen. Aber gut, wer das so einordnet, war wohl noch nicht in einem bayrischen oder österreichischen tiefkatholischen Dorf, wo erzkonservative Werte immer noch hochgehalten werden und Schwule niemals händchenhaltend über die Straße gehen. Etwas, was in Moskau oder St. Petersburg aber problemlos möglich ist, wie mir ein schwuler Aktivist und Journalist aus ganz praktischer Erfahrung berichtet hat. Er lebt seit kurzem nämlich dort, seine Community schwuler russischer Freunde kenne ich aus Facebook auch schon lange.

Zweierlei Maß bei Militärausgaben

Selbstverständlich dienen die westlichen Militärausgaben von NATO und USA ausschließlich unserer Verteidigung und sind mit insgesamt 1.175 Mrd. US-Dollar 2021 nachgrade als niedrig zu betrachten. Davon leisteten die USA 811 Mrd. US-Dollar, der Rest der Nato-Staaten 364 Mrd. US-Dollar.

Die russischen Kriegsinvestitionen sind mit 65,9 Mrd. US-Dollar dagegen eine offensichtliche Bedrohung des Westens, der durch höhere Investitionen in unserem Verteidigungsbündnis entgegengesteuert werden muss.

Zweierlei Maß bei Militärstützpunkten

Ähnlich dramatisch wie bei der finanziellen Ausstattung des Militärs sind die Unterschiede bei den weltweiten Militärstützpunkten. Eine aktuelle bzw. genaue Zahl der Militärbasen der USA oder der Nato konnte ich leider nicht in Mainstream-Quellen finden. Geschätzt gibt es zwischen 800 und über 1.000 Militärstützpunkte außerhalb der USA. US-Amerikanische Militärstützpunkte befinden sich in mehr als 80 Ländern und Gebieten. Quelle: https://www.overseasbases.net/ und https://www.nachdenkseiten.de/?p=37010. Diese Stützpunkte dienen natürlich samt und sonders ausschließlich der Verteidigung unserer westlichen Werte und Freiheiten.

Anders dagegen die russischen Stützpunkte, die nach medialer Darstellung eine dauerhafte Bedrohung für uns darstellen. Ebenfalls bei den Nachdenkseiten erfuhr ich, dass Russland 2017 in 10 Ländern mit insgesamt etwa 20 Stützpunkten verschiedener Formate vertreten war.  Wenn sich die Zahl der Stützpunkte seitdem vielleicht verdoppelt hat, sind das heute 40 Stützpunkte und mehr. Man sieht die Gefahren, die durch dieses Ungleichgewicht für uns im Westen ausgehen.

Zweierlei Maß bei Hassrede

Wenn man auf Facebook auf die typisch deutsche Untertanen-Mentalität hinweist, wird man wegen Hassrede gesperrt. 30 Tage wegen gruppenbezogener Menschen-Unfreundlichkeit, aber Tatsachen sind nun mal Tatsachen. Gesamtgesellschaftlich betrachtet habe ich kein Land bereist, in dem die Menschen so ordentlich, genau und gehorsam sind wie die Deutschen. Ich bin beruflich und privat doch ziemlich weit rum gekommen – mit Ausnahme Asiens – und maße mir diese kultur- und gesellschaftspolitische Aussage daher an, ohne natürlich Einzelpersonen beleidigen zu wollen.

Ruft jemand im gleichen asozialen Medium zur Diskriminierung, Diffamierung und auch zum Mord an Russen auf, kann man das bei Facebook melden wie man will. Es entspricht den Gemeinschaftsstandards dieser Plattform und hat keinerlei Konsequenzen – was uns zum ersten Beispiel von zweierlei Maß in diesem Artikel zurückführt.

Zweierlei Maß mit Folgen

Mordaufrufe gegen Russen sind legitim und die Opfer werden von wertewestlichen Medienvertretern verhöhnt.

Wie weit wollt Ihr noch gehen liebe Kollegen in den Mainstream-Medien? Wie viele Tote soll es noch geben?

Bildquelle


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Dokumente beweisen: US-Regierung nutzt Big Tech zur Zensur

11 Kommentare

  1. Uwe 24. August 2022 at 9:16Antworten

    Danke, mit gefällt dieser Artikel mit Beispielen aus allen Bereichen sehr gut. Ich möchte einen kaum bekannten Punkt zu den Beispielen Kosovo und Krim ergänzen. Als die DDR Volkskammer 1990 auf Antrag der CDU spontan einen Zusatzpunkt auf die Tagesordnung nahm und über den Antrag zum Beitritt zur BRD abstimmte, war sie zu dieser m.W. juristisch nicht legitimiert. Mit dieser Entscheidung wurde die in der DDR gültige Verfassung geändert bzw. aufgehoben. Im Gegensatz zu heutigen Änderungen des Grundgesetzes bedurfte Verfassungsänderung der DDR einer Volksabstimmung. Die gab es nie. Die Volkskammer war hierzu nicht legal befugt, ihr Beitrittsbeschluss ist daher rechtsfehlerhaft oder vielleicht sogar rechtlich ungültig. Auch zum Beitritt der DDR selbst gab es keine Volksabstimmung / Referendum. Niemand kann heute sagen wieviel % der wahlberechtigten DDR Bürger im Jahr 1990 für oder gegen den Beitritt waren. Viele Demonstranten waren auch für einen eigenständigen Weg, viele Altgenossen ohnehin kaum dafür. Gut möglich, dass eine große Mehrheit damals für den Beitritt gestimmt hätte, wieviel genau dafür oder dagegen waren, weiß man nicht. Auf der Krim gab es ein Referendum. Und eine Mehrheit war m.W. russischstämmig. Aber natürlich darf man so etwas nicht vergleichen.☺️ Wir sind die Guten.😇

  2. Andreas Schamanek 23. August 2022 at 22:34Antworten

    Zum Artikel passt ergänzend sehr gut die Dokumentation „The War You Don’t See“ von John Pilger von 2010: http://johnpilger.com/videos/the-war-you-dont-see
    Pilger wies erst gestern auf Twitter darauf hin: „Such is the gross mis-reporting of the Russia-Ukraine war (…) that I am posting my film, ‚The War You Don’t See‘ from 2010.“ https://twitter.com/johnpilger/status/1561638335176740864

  3. Pfeiffer C 23. August 2022 at 20:13Antworten

    Guter Artikel, gute, plakative Zusammenstellung. Was mich daran so erschüttert ist, wie sich im aktuellen Informationszeitalter die Majorität der Menschen von der Leitmedialen derartig leicht aufhetzen lassen: Vom Hilfsarbeiter bis zum Universitätsprofessor.

    Ich konnte mir z.B. nie vorstellen, daß aufgrund meiner jahrzehntelangen politischen Orientierung (und die wird schon lange in keiner institutionalisierten Partei gelebt, das wurde sie einmal, im vergangen Jahrhundert – #bitterlach) und meiner Geschichtskenntnisse mich dem Herabwürdigungs-Begriff „Lumpenpazifist“ als junger Wilder (Vietnamdemos Ende der 60er) bis heute – mit mittlerweile weißen Haaren – zum Ukrainekrieg* – was soll ich sagen – verfolgt?

    *Der Angriff Russlands auf die Ukraine ist ein klarer Verstoß gegen Artikel 2 der UNO Charta. Zur Wahrheit gehört aber auch, daß dieser Krieg nicht am 24.2.2022 begonnen hat. Die nähere Erläuterung dazu habe ich schon in anderen, zahlreichen posts zu anderen Artikeln hier hinterlassen.

    Um zum verhetzten Hilfsarbeiter bis zum verhetzten Universitätsprofessor zurückzukommen: Es gibt ein Interview der Verfassungsministerin Edtstadler, zwei Monate vor dem geplanten Impfzwanggesetze, in dem sie wörtlich für Ungeimpfte von dann durchzuführenden Arbeitsplatzkündigungen und Aufenthaltsverbote in der Republik Österreich spricht.

    „Wer schweigt stimmt zu“ – vonseiten des Hilsarbeiters bis zum Universitätsprofessor also. Situationsverschärfend: Die Staatsmacht verlangte 2015 „Solidarität mit den Flüchtlingen“, verlangt aktuell „Solidarität mit den Ukrainern“, beschwört aber für Teile der eigenen Bevölkerung einen innenpolitischen Corona Worst Case herauf, der alle denkbar roten Linien übertritt:

    Bis zur Entmenschlichung der Gehorsamsverweigerer (Tatsache, nicht übertrieben) – und dann? Nach diem dann und den Folgegeschehnissen (die nicht eintraten, Impfzwanggesetz auf Eisgelegt) gibt es DANN 75 Jahre später aufwändige, feierliche Symposien? Mit BP, weltlichen und geistlichen Würdenträgern, ja, vielen Universitätsprofessoren und Experten, ergreifenden Klassikmusikdarbietungen dazwischen, die das unvorstellbar Geschehene würdig darstellen und natürlich fragen, wie es so weit kommen konnte, warum damals nicht zumindest die akademische Bildungsschicht, die hohen Vertreter der Kirchen, der Gebietskörperschaften, der kritischen Wissenschaft usw wortgewaltig Einspruch erhoben haben…

    Ja, warum wohl? Wieder: „Ich habe nichts davon gewußt?“ – Wieder: „Das konnte ich mir nicht vorstellen?“-

    Genau: WIEDER!

  4. Taktgefühl 23. August 2022 at 17:27Antworten

    Die Überempfindlichkeit der anderen Seite ist unser Sensor. Man möchte uns vorschreiben, welche Vergleiche passend sind und welche unpassend. In Wahrheit sind die unpassenden abträglich, weil sie wie der Zahnarzt den Nerv treffen. Ich finde den Vergleich der SPD mit dem bösen Wolf passend, während die SPD Rotkäppchen passender fände. Da wäre dann nur die Frage, warum Rotkäppchen einen so großen Mund hat?

    Pussy Riot hatte eine vollbesetzte Kirche überfallen und besudelt, und die Jubelpresse sah darin Kämpferinnen für die Demokratie.
    Den Oligarchen Chodorkowsky hat uns die Jubelpresse als Freiheitskämpfer verkaufen wollen, in Russland gehörte er zur Mafia. Oligarchen als Freiheitskämpfer, das ist schon ein Ding.
    Das hatte natürlich ein Vorspiel, von dem immer wieder abgelenkt wird: Es ging um die Verstaatlichung der Ölindustrie. Jelzin hatte sie unter Vodka-Einfluß und im Privatisierungsdelir verschenkt.
    Wer die Hintergründe des Krieges verstehen will außerhalb der Osterweiterung, der schaue sich den Fall Chodorkowsky an. Meines Erachtens ist das Öl alle. Es geht den USA um das russische Öl.

    China kam als Big-Player dazu, Indien, die BRIX, je schneller man das Öl fördert, desto schneller ist das alle. Das ist die Ironie an der Sache.
    Umsonst fracken die USA nicht ihr Land kaputt und Kanada baut Ölsande ab. Das ist ein Gebiet so groß wie England. Man schaue mal nach Bildern. Das macht man nicht, wenn genug Sweet Cruide Oil vorhanden ist.
    Unsere besten Freunde ..

  5. Andreas I. 23. August 2022 at 14:54Antworten

    Hallo,
    „warum dann die Kriege in … Syrien … in den Mainstreammedien meist als „humanitäre Intervention“ oder … dargestellt werden und es nie zu Sanktionen kam.“

    Es kam zu Sanktionen – gegen Syrien.
    Und nicht nur das, Bundeswehrtornados flogen über Syrien und betrieben Zielaufklärung, d.h. sie haben der bewaffneten Opposition in Syrien die Koordinaten übermittelt, wo sich Stellungen von syrischer Armee und pro-syrischen Milizen befinden. Also Flugzeuge der Bundeswehr in syrischem Luftraum, wenn das mal nicht schon eine aktive Kriegsbeteiligung war.
    Außerdem Aufklärungsschiffe der Bundesmarine, die haben vor der syrischen Küste operiert und den Funk der syrischen Armee abgehört.
    Die BRD lieferte alte Sturmgewehre, Panzerfäuste u.ä. an die Kurden bzw. an die SDF und – Überraschung! – die SDF verbündete sich mit USA und zusammen besetzen sie seitdem syrisches Territorium östlich des Euphrat und „beschützen“ die dortigen Ölquellen.
    In Syrien sind die syrische Regierung und die Russen die Bösen, ganz klar.
    Die „Opposition“, die ihr Demokratieverständnis mit Granatwerfern und 20mm-Maschinengewehren auf Pickups kommuniziert, das sind die Guten, von den westlichen Medien „moderate Opposition“ genannt.

    Und übrigens; seit Jahren fliegt die Israelische Luftwaffe im Durchschnitt alle zwei Wochen Angriffe auf Ziele in Syrien, meistens Luft-Boden-Lenkwaffen, die sie vom libanesischen Luftraum aus starten, aber:
    Kritik an Israel verbietet sich wegen der deutschen Geschichte, das muss man verstehen, deswegen kann man Russland beliebig „kritisieren“, aber Israel nicht.

    Genau diese Verlogenheit fällt nun dem Westen selber auf die Füße, egal ob sich die Mehrheit im Westen noch von den westlichen Medien einlullen lässt, das spielt keine Rolle mehr, denn wenn der Westen will, dass der Kampf um seine Vorherrschaft mit allen Mitteln ausgetragen wird, von ökonomischen Sanktionen bis zu Marschflugkörpern, bitteschön, Russland und Iran und andere sagen dazu:
    Challenge akzeptiert.
    Und deswegen wird sich USA weder in Syrien noch im Irak langfristig halten können – und in der Ukraine (mit einer Marionetten-Regierung) auch nicht. Es kann doch niemand ernsthaft glauben, dass außer fanatischen Nationalisten (die es in der Ukraine ja durchaus gibt, aber wie viele oder wenige sind das wirklich), jemand der noch 1+1 zusammenzählen kann, den Eskalationskurs der Regierungen Jatzenjuk, Poroschenko und Zelensky befürworten kann. Der Rückhalt in der ukrainischen Bevölkerung dürfte überschaubar sein.
    Also egal was von der Ukraine nach möglichen weiteren Referenden in Charkiw und Saporoschje übrig bleibt, auch das wird langfristig nicht pro-westlich bleiben.

    • Taktgefühl 23. August 2022 at 18:06Antworten

      Der Westen wird nur noch künstlich durch Drohung, Staatsterror und Gewalt zusammen gehalten. Würde die Gewalt aufhören, bräche er auseinander.
      Möglicherweise trifft sogar Karl Marx: Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer anderen.

      Auffällig an der Gewaltspirale ist, sie ist mit der EU in Gang gekommen. Und sie wurde grundsätzlich einseitig interpretiert.
      Vor der EU war das überall in den europäischen Staaten friedlich. Man konnte bedenkenlos jedes Land besuchen.
      Heute wird das Strafrecht ganz offen dazu mißbraucht, die Opposition auszuschalten, alle diejenigen werden bedroht, die dem Regime kritisch gegenüber stehen. Dabei steht die „Bewegung“ außerhalb des Gesetzes, rechtsfreie Räume für die sozialdemokratischen Kader wurden geschaffen.
      Wir haben das mit einer „Bewegung“ zu tun. Der Begriff ist in mehrfacher Hinsicht interessant.
      Parteien sind aber nicht da, um die Gesellschaft in Abenteuer zu stürzen, Wandel einzuleiten, oder zu definieren, was „Zukunft“ ist, die haben dafür Sorge zu tragen, daß wir uns nicht die Köpfe einschlagen.
      Das Gegenteil tun sie. Das ist Sozialdarwinismus.

      Im Internet gibt es eine alte Verfilmung: „George Orwell „1984““ zum Download. Meine Empfehlung.

    • Tolstoi 23. August 2022 at 21:44Antworten

      Der russische FSB hat Dugina ermordet, um die Lage weiter eskalieren zu können. Putin ist verzweifelt. Sein imperialistischer Angriffskrieg schlägt fehl. Putin hat sich verkalkuliert und er kann den Krieg nur gewinnen, wenn er weiterhin Hass in Russland sät.

      Der FSB hat deshalb die für Putin lästige Dugina ermorden lassen, um zum einen das russische Volk zu einen und zum Anderen Putin-Kritikern in Russland deutlich zu verstehen zu geben, es mit der Kritik nicht zu übertreiben.

      Putin hasst die Demokratie und er spricht der Ukraine ihr Recht auf Existenz ab. Putin führt Russland in den Untergang.

      • Fritz Madersbacher 23. August 2022 at 23:31

        @Tolstoi
        23. August 2022 at 21:44
        Eine schöne Theorie, nur der Name des großen russischen Schriftstellers paßt nicht so gut dafür …

      • Thomas Melzer 24. August 2022 at 18:02

        „Potemkin“ wäre ein passenderer Nick gewesen.

  6. suedtiroler 23. August 2022 at 9:31Antworten

    „Zweierlei Maß bei Sezessionen“

    fragen Sie mal die Katalanen oder uns Süd-Tiroler

  7. Dr. Rolf Lindner 23. August 2022 at 9:07Antworten

    Ehrlose Journalisten

    Ich frage mich seit langem schon,
    für wie dumm die mich halten,
    die derzeit sitzen auf dem Thron,
    die verlogenen Gestalten?

    Doch leider bin ich nur ein Wicht,
    als Teil des Volkes offenbar,
    sonst säßen auf dem Thron die nicht,
    im Knast säßen die längst sogar.

    Wohin man schaut, es wird gelogen,
    Corona, Klima, Migration,
    Geschlechtsbewusstsein wird verbogen,
    ihr Ziel: Vernichtung der Nation.

    Fanatisiert oder für Geld,
    zu lügen Tatsachen hinweg,
    wofür sie haben sich bestellt,
    schmierigsten Journalistendreck.

    Wer mit dem Fleiß von Honigbienen
    tagein, tagaus Wahrheit verbiegt,
    um den Mächtigen zu dienen,
    der weiß genau, wie sehr er lügt.

    Müsst‘ ich wie die zusammenhäkeln
    Lügen, um Knecht der Macht zu sein,
    ich würd‘ mich vor mir selber ekeln,
    denken, was bist du für ein Schwein.

    Wer ihre Lügen demaskiert,
    ihre Ehrlosigkeit aufdeckt,
    der wird von ihnen diffamiert,
    zu gern in ein Gulag gesteckt.

    Dazu wird mehr und mehr bekannt,
    dass sie für ihr das Volk Verdummen
    ohne den geringsten Anstand
    kassieren unglaubliche Summen.

    Bleibt denen, die es täglich wagen,
    um Geld- und Machtgier bald zu dämpfen
    nicht nur unseren Dank zu sagen,
    zur Seite steh’n, die für uns kämpfen.

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