Erdgas für Energie und Nahrungsmittel oder „Liberale Weltordnung“

2. Juli 2022von 4,5 Minuten Lesezeit

Bekanntlich versuchen die USA seit Jahren die Nordstream Pipeline aus Russland nach Europa und insbesondere nach Deutschland zu verhindern. Mit dem Sanktionsregime, das von Washington gefordert wird und von Brüssel freudig mitgetragen wird, scheint der Erfolg nahe. Die Auswirkung auf die Arbeitsplätze, Wirtschaft und vor allem auf die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln werden katastrophal sein.

Gas wird fälschlich häufig nur als Energielieferant gesehen. Tatsächlich ist es aber aus vielen Produktionsprozessen nicht wegdenkbar. In der chemischen und pharmazeutischen Industrie dient es als Rohstoff für viele Produkte inklusive Medikamenten und Düngemittel. Das Handelsblatt hat vorgestern über die 10 Industrien berichtet, die am meisten betroffen sind – es sind so ziemlich alle.
Wird Erdgas als Rohstoff eingesetzt, so ist es auch nicht so einfach durch Erdgas aus einer anderen Quelle ersetzbar. Dient es als Rohstoff zum Beispiel für ein Medikament, so muss der gesamte Prozess überarbeitet werden um ihn auf veränderte Inhaltsstoffe umzustellen. Im Gaskraftwerk wird das jedoch kein Problem sein, in einem Ölkraftwerk dagegen sehr wohl.
Besonders kritisch wird es, wenn Nahrungsmittel betroffen sind. Ohne Düngemittel, die man entweder aus Gas produziert oder aus Russland importiert, sowie die diversen Herbizide, Pestizide etc, fällt die Produktion in den Nicht-Bio-Betrieben in den Keller. Eine Umstellung auf Bio dauert mindestens zwei bis drei Jahre, denn die Böden sind tot, dort erst wieder Bodenleben zu schaffen, dauert.


In Österreich gibt es einen wachsenden Anteil von Biobauern wie in der Statistik von Statista zu sehen. Derzeit sind es etwa 24.500 Biobauern, rund einer von 6,5 produziert biologisch. Die Zahl der Bauern fällt jedoch insgesamt, die „Chemie-Bauern“ werden weniger teils wegen Übernahme durch Industriekonzerne, teils durch Abwanderung in die Industrie. Aber auch Biobauern sind besorgt. Ein Biobauer beschrieb seine Situation kürzlich so:

Das bedeutet weiter steigende Energiepreise auf allen Sektoren welche in meinen Betrieb bereits vor dem Blödsinn den höchsten Kostenaufwand darstellten. Auch sämtliche Produktionskapazitäten von Zulieferern, bei mir überwiegend Futter für meine Tiere, werden enorm leiden. Vielleicht an der Zeit produktionskritische Artikel einzulagern. Ich bevorrate Futter und Treibstoff. Futter für zwei Jahre, Treibstoff so viel wie geht.“

Man stelle sich die Katastrophe vor, wenn das Futter für die Tiere ausgeht. Der Großteil der Bauern wird gar nicht ausreichend Platz für so lange Vorsorge haben, oder es fehlt schlicht das Geld.


In Deutschland sieht die Situation etwas schlechter aus, die Zahl der Bauern nimmt sogar stark ab. In Summe sind es jetzt über 35.000 Bio-Höfe, jeder achte Betrieb. Die Bio-Fläche hat aktuell einen Anteil von 10,8 % an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche – das sind 1,78 Mio. Hektar.

Die Rolle der USA

Der oberste Wirtschaftsberater von Präsident Joe Biden erklärte am Donnerstag gegenüber CNN, dass die hohen Benzinpreise Teil des Preises sind, den die Amerikaner für die „liberale Weltordnung“ zahlen müssen.

Was sagen Sie den Familien, die sagen: „Wir können es uns nicht leisten, monatelang, wenn nicht sogar jahrelang, 4,85 Dollar pro Gallone zu zahlen, das ist nicht tragbar„, fragte Victor Blackwell von CNN Brian Deese, den Leiter von Bidens Nationalem Wirtschaftsrat.

Die Frage stand im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges auf die Wirtschaft. Das Interview begann mit einem Ausschnitt aus Bidens Rede auf einem NATO-Gipfel, in der er sagte, die Amerikaner sollten die hohen Benzinpreise in Kauf nehmen, „so lange es dauert„, um Wladimir Putin zu besiegen.

Hier geht es um die Zukunft der liberalen Weltordnung, und wir müssen standhaft bleiben„, sagte Deese gegenüber CNN.

Aber gleichzeitig möchte ich dieser Familie und den Amerikanern im ganzen Land sagen, dass Sie einen Präsidenten und eine Regierung haben, die alles in ihrer Macht Stehende tun werden, um diese Preiserhöhungen zu stoppen und die Preise zu senken„, fügte Deese hinzu.

CNN: „Was sagen Sie den Familien, die sagen: ‚Hören Sie, wir können es uns nicht leisten, monatelang, wenn nicht jahrelang, 4,85 Dollar pro Gallone zu zahlen?’“

BIDEN-BERATER BRIAN DEESE: „Hier geht es um die Zukunft der liberalen Weltordnung und wir müssen standhaft bleiben.“

Er sagte, Biden wolle eine „vorübergehende Befreiung von der Benzinsteuer“ und eine Begrenzung der Preise für Öl nach Russland. Er sagte auch, die Regierung wolle, dass die Ölgesellschaften mehr produzieren.

„Liberale Weltordnung“ heißt, die USA können unbegrenzt Kriege führen – wie Korea, Vietnam, Afghanistan, Syrien, Libyen, Serbien, Irak, Somalia, Sudan und …. Regierungen durch Putsche stürzen, wie die erste demokratisch gewählte im Iran (Mossadeq), Chile und zig andere.


Auf die Arbeitsplätze in Europa kann natürlich dabei keine Rücksicht genommen werden. Auch nicht auf Hungersnöte in vielen Teilen der Welt. Denn betroffen von Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit und Nahrungsmangel sind sicher nicht die Top-Beamten der US-Bürokratie, des US-Militärs und die ständige wachsende Zahl an Milliardären und deren Gefolgschaft.

Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

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6 Kommentare

  1. Hans im Glück 2. Juli 2022 at 18:11Antworten

    Bei der, aus meiner Sicht selbstzerstörerischen und falschen Embargopolitik, wie wir sie derzeit erleben, ist vielen nicht bekannt, oder man hat es vergessen, dass dieses Tool der amerikanischen Werkzeugkiste nicht neu ist. Und sie hat schon einmal in einen gewaltigen Krieg der USA geführt, aus dem sie als neue Weltmacht hervorgingen.
    Ich zitiere aus aus älteren Bericht der „SZ“. Damals war das noch eine Zeitung und kein Regierungspropaganda Blatt.

    „2. Weltkrieg: Japan und die USA
    Pearl Harbor und die Rolle Roosevelts

    Nahm US-Präsident Roosevelt den Angriff auf Pearl Harbor in Kauf, um einen Kriegsgrund zu erhalten? Ein japanischer Journalist untermauert diese These…..

    Washington hatte 1940 ein Handelsembargo gegen Japan verhängt, im Sommer 1941 wurde dieses um ein Öl-Embargo verschärft. Damit rechtfertigt Japans radikale Rechte Pearl Harbor bis heute: als Akt präventiver Notwehr.“

    Auch Russland geht mit seinen jüngsten Aussagen zu „Casus Belli“ in eine ähnliche Tonlage wie „Akt präventiver Notwehr.“

    Aber vielleicht erwachen ja noch einige Mitbürger aus Ihrer Kriegseuphorie, wenn im Herbst/Winter der Ofen kalt bleibt.
    Ich würde mir wünschen, dass sich die Verantwortlichen auf Ihren Amtseid besinnen. Und der hat die Interessen Deutschlands zum Gegenstand und nicht die amerikanischer Außenpolitik und amerikanischer Energiekonzerne und Ölbarone.
    Aber ich habe wenig Hoffnung. Das beste Deutschland aller Zeiten hat die höchste Armutsrate aller Zeiten mit viel Luft nach oben. Aber 100 Milliarden für militärische Großmanns Träume sind da. Einfach nur noch abartig.

  2. rudi & Maria fluegl 2. Juli 2022 at 14:37Antworten

    Es gab oder gibt eine Liste von Bauern in Österreich auf der steht was, wie lange und mit welchen Methoden angebaut wird .Wo ersichtlich ist wie lange die Böden schon geschont wurden.
    Die mehr oder weniger gut geschützte Marke „Bio“ ist nicht Grundvoraussetzung.
    Bei der „Mutter Erde“ in Traun und sonst wo (?) wurden auch Produkte aus dem Hausgarten mit Namen und Adresse angeboten,
    Man denke an Polen mit deren Kleingarten-Tradition und dem (Sprichworte sind immer blöd) Spruch-Kleinvieh macht auch Mist! Und wenn wir uns so manche Hallen für Bioprodukte ansehen und die Methoden der übrig bleibenden Supermärkte, haben wir Zweifel.
    Herausgegeben hat die Liste der ORF. Falls der die noch hat ist er auch wieder zu etwas gut!

  3. Elisabeth 2. Juli 2022 at 10:02Antworten

    Auch unser GM hat das Recht, so ein System á la China einzuführen, denn er kann auch nach Lust und Laune Menschen einsperren. Man darf zB nun gegen eine Quaratäne keinen Einspruch mehr erheben. Wodurch jemand „ansteckungsverdächtig“ wird, entscheidet allein der GM. Immer öfter wird der Gesundheitscode in China einfach auf rot gestellt, zB wenn die Menschen zur Bank wollen, um sich ihr Geld zu holen. Sie werden mit ROT total blockiert und sofort weggesperrt. Sie können sich nicht einmal mehr nach Hause begeben. Nur mit Gelb dürfen sie sich zu Hause in Quarantäne begeben. Um den Code zu erhalten, muss man sich dauernd testen lassen. Aber wer „positiv“ ist, bestimmt die Politik.

    „Der Gesundheitscode gilt in China als Corona-Ausweis, der mit der persönlichen Identität verknüpft ist. Jeder Bürger muss eine Corona-App auf seinem Smartphone installieren.“

    Bald auch bei uns? Bitte, stoppt diese Satanisten endlich!

    epochtimes.de/china/bank-run-verhindert-der-gesundheitscode-als-elektronische-fussfessel-a3877233.html

  4. Jan 2. Juli 2022 at 9:35Antworten

    Die „Liberale Weltordnung“ meint, sich die ganze Welt zum Gegner machen zu können. Wenn der Hunger kommt, werden selbst die größten Coronajünger merken, dass sie betrogen worden sind.

    • Al 2. Juli 2022 at 11:46Antworten

      Dafür hat man doch Feinde: damit man dem alles Schlechte und Böse zuweisen kann. Die Hungernden werden froh sein, gegen den Feind ins Feld ziehen zu dürfen (bei der Armee gibt es immer Brot. Und wenn man es sich stiehlt und zusammenplündert.).

  5. Alfons Zitterbacke 2. Juli 2022 at 8:59Antworten

    „This is about the future of the Liberal World Order and we have to stand firm.“ – Der Satz sagt alles. „WE“ sind die Sklavenhalter. „LWO“ bezeichnet das System aus Sklaverei und Schuldknectschaft aka Bakensystem. „THEY“ sind die, die zahlen dürfen, und das sind nicht „WE“. Und wenn LWO untergeht, gehen die Sklavehalter unter. Fragt sich nur, ob „WE“ einen Weg finden, „THEY“ mit in den Untergang zu reißen.

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