Abstoßung von Hornhauttransplantaten nach COVID-19-Impfung

11. Mai 2022von 5.5 Minuten Lesezeit

Abstoßungsreaktionen von transplantierter Hornhaut sind normalerweise sehr selten. Nun aber häufen sich die Berichte in Fachzeitschriften und Nebenwirkungs-Meldesystemen über Abstoßungen von Hornhauttransplantaten nach COVID-19-Impfungen. Auch der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) beschäftigt sich mit dieser Komplikation.

Eine der häufigsten Organtransplantationen ist die Hornhauttransplantation durch eine Spenderhornhaut (Keratoplastik). Da in der Hornhaut keine Blutgefäße vorhanden sind, und somit kein Kontakt mit Immunzellen besteht, sind Abstoßungsreaktionen sehr selten („Immunprivileg“).

Trotzdem kann es im Einzelfall – auch Jahre nach der Operation – zu solchen Reaktionen kommen: Jede systemische Immundisregulation kann das Immunprivileg der Hornhaut des Auges beeinträchtigen. Die Hauptmediatoren für die Abstoßung sind in solchen Fällen die CD4+-Th1-Zellen, die vorzugsweise Interferon-gamma produzieren, sowie weitere Zytokine.

Viele Berichte in Fachzeitschriften über Abstoßung nach COVID-19-Impfungen

In jüngster Zeit wurden auffallend viele Berichte über Hornhauttransplantat-Abstoßungen nach COVID-19-Impfungen, mRNA- oder Vektor-Impfstoffe, veröffentlicht.

Auch wenn die Hornhaut des Auges durch das genannte Immunprivileg weitgehend geschützt ist, können doch starke Reizungen des Immunsystems – wie z.B. durch Impfungen – Hornhaut-Abstoßungsreaktionen nach Transplantation auslösen. Bei konventionellen Impfungen gibt es allerdings nur sehr wenige Berichte über solche Reaktionen: Im Zeitraum von 1988 bis 2021, also in 33 Jahren, wurde über 17 Fälle berichtet, die meisten davon nach Influenzaimpfung (9 Fälle). Daneben gab es einige Einzelfälle bei Tetanus- (1), Hepatitis B- (2), Gelbfieber-Impfung (1), Herpes-Zoster-Totimpfstoff bzw. der Kombination Zoster/Influenza-Impfung (3). [1]

Nach COVID-19-Impfungen allerdings wurden bereits 29 Fälle in der Fachliteratur seit Beginn der Impfkampagnen im Dezember 2020/Januar 2021 beschrieben. Vermutlich gibt es eine hohe Dunkelziffer, wie bei allen anderen Nebenwirkungen auch.

Vier Fälle nach Impfung mit der Moderna-Vakzine wurden beispielsweise in einer Studie aus Florida [2] geschildert. Keiner der Patienten hatte nach der Operation Komplikationen gehabt, es gab vor der Impfung keine Abstoßungsreaktionen, zudem war keine COVID-19 Erkrankung bekannt. In einem Fall handelte es sich um eine Patientin, die täglich mit lokalen Corticosteroiden behandelt wurde, also eigentlich ein sehr geringes Abstoßungsrisiko aufwies. Die Autoren vermuten einen Mechanismus der impfinduzierten Abstoßung.

Ein extrem seltener Fall einer beidseitigen Abstoßung [3] wurde nach BNT162b2-mRNA-COVID-19-Impfung (BioNTech) berichtet. Die Abstoßung begann kurz nach der ersten Impfdosis. Die Patientin wurde u.a. sechsmal täglich mit Dexamethason/Tobramycin in beiden Augen behandelt. In der Zwischenzeit erhielt sie wie geplant ihre zweite Impfdosis. Da die Patientin auf die medizinische Behandlung nicht ansprach, erhielt sie vier Monate später neue Transplantate in beiden Augen. Nach Ansicht der Autoren kann die Seltenheit einer gleichzeitigen bilateralen Transplantatabstoßung und die Chronologie der Ereignisse in diesem Fall stark auf eine Kausalität hindeuten.

Eine 28-jährige Frau erlitt eine Abstoßung zwei Wochen nach AstraZeneca-Impfung [4]. Die Transplantation war 2010 ohne Komplikationen durchgeführt worden, Risikofaktoren lagen keine vor, positive SARS-COV-2 Tests ebenfalls zu keinem Zeitpunkt. Die Patientin sprach auf die lokale und systemische Cortison-Behandlung an.

Weitere Fälle wurden berichtet, in denen das Transplantat abgestoßen wurde, in anderen Fällen war die Behandlung, in der Regel mit Steroiden, dagegen erfolgreich [5 – 16]. In einem Fall lag die Transplantation bereits 25 Jahre zurück. Auch hier deutete nach Ansicht der Autoren vieles auf eine Kausalität hin [17]. Ebenso im Fall einer weiteren bilateralen Abstoßung: „Obwohl es keinen Beweis für eine Kausalität gibt, umfassen die Faktoren, die auf einen möglichen kausalen Zusammenhang hindeuten, die zeitliche Assoziation nach der Impfung und insbesondere das Auftreten einer gleichzeitigen bilateralen Abstoßung, die in der klinischen Praxis selten beobachtet wird.“ [18]

Berichte in Nebenwirkungs-Datenbanken

Im US-Amerikanischen Meldesystem für Nebenwirkungen von Impfstoffen, das „Vaccine Adverse Event Reporting System“ (VAERS) [19] wurden seit Beginn der COVID-19-Impfkampagnen 44 Fälle von Abstoßungen von Hornhauttransplantaten nach COVID-19 Impfung beschrieben. In 2019 waren es beispielsweise 0 Fälle bei allen Impfstoffen, von 1988 bis 2019 (also in 31 Jahren) nur 4 Fälle.

In der Europäischen Datenbank gemeldeter Verdachtsfälle von Arzneimittelnebenwirkungen „EudraVigilance“ wurden bis jetzt [20] nach Impfung mit der BioNTech-Vakzine 26 Fälle, mit Moderna-Vakzine 12 Fälle und mit AstraZeneca-Vakzine 6 Fälle gemeldet. Im Vergleich dazu findet sich nur eine einzige Meldung nach Influenza-Impfung.

Mögliche Ursachen

In den Publikationen wird die starke immunreizende Wirkung der COVID-19 Impfungen hervorgehoben.

Rallis et al. (2021) argumentieren, dass erwiesenermaßen die COVID-19 Impfstoffe eine starke CD4+- Th1­-Antwort beim Menschen auslösen. Diese Helferzellen sind auch die Hauptmediatoren bei der Abstoßungsreaktion der Hornhaut.

Phylactou et al. (2021) vermuten die gleichen Mechanismen: Man wisse, dass der BNT162b2-Impfstoff beim Menschen erhöhte anti-Spike-neutralisierende Antikörpertiter, antigenspezifische CD4+- und  CD8+-T-Zellantworten und Spiegel von entzündungsfördernden Zytokinen wie Interferon-gamma (IFN-γ) hervorrufe. Die Interferon-gamma produzierenden CD4+-T-Helfer 1 (Th1)-Zellen seien ein Schlüsselzelltyp bei der Abstoßung von Hornhaut-Transplantaten.

Auch die verwendeten Lipid-Nanopartikel könnten bei Abstoßungsreaktionen relevant sein.

Fazit

Die signifikante Häufung von Fällen der seltenen Hornhautabstoßung nach COVID-19-Impfung und die von den Autoren angesprochene vermutete Kausalität zur Impfung sind ein Alarmsignal. Man kann nur hoffen, dass diese Fälle gründlich und unvoreingenommen untersucht werden.

Quellen

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34629440/ [2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34620770/ [3] https://www.dovepress.com/acute-bilateral-descemet-membrane-endothelial-keratoplasty-graft-rejec-peer-reviewed-fulltext-article-IMCRJ [4] https://journals.lww.com/ijo/Fulltext/2022/05000/A_case_of_acute_endothelial_corneal_transplant.80.aspx [5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34281760/ [6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34743101/ [7] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34825599/ [8] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34690266/ [9] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34827040/ [10] https://jhu.pure.elsevier.com/en/publications/bilateral-ek-rejection-after-covid-19-vaccine
[11] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34146066/ [12] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34907940/ [13] https://www.nature.com/articles/s41433-021-01671-2 [14] https://journals.lww.com/corneajrnl/Citation/2022/05000/Five_Cases_of_Corneal_Graft_Rejection_After_Recent.28.aspx [15] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8244807/ [16] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34937268/ [17] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34835205/ [18] https://bjo.bmj.com/content/105/7/893 [19] https://medalerts.org/vaersdb/index.php [20] https://www.adrreports.eu/de/search_subst.html#
Bild von Daniel Hannah auf Pixabay

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.

Dr. Franziska Tischler schreibt unter Pseudonym. Sie hat lange im Labor gearbeitet (mikrobiologisch und immunchemisch).


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6 Kommentare

  1. Vogelflug 12. Mai 2022 at 17:33Antworten

    Link
    scinexx.de/news/medizin/corona-geht-ins-auge/

    Eine Studie zeigt, dass SarsCoV2 die Nervenzellen im Auge schädigen kann. Bei Obduktionen wurde die RNA der Coronaviren in der Netzhaut des Auges nachgewiesen. Offensichtlich reicht schon das Spikeprotein, dessen Bauplan mit der Impfung in den Körper gespritzt wird, die Nervenzellen zu zerstören.

  2. Michael R 11. Mai 2022 at 14:11Antworten

    Welche Auswirkung dann auf andere Transplantate zu erwarten sind, kann man sich vorstellen.

  3. Pierre 11. Mai 2022 at 13:45Antworten

    Es kommt immer mehr zum Vorschein.

    Was hier durchgeführt wurde, entspricht einem globalen, staatlich und von Oligarchen geförderten bzw. erzwungenen medizinisch-soziologischen Menschenversuch, um mit geringst-möglichen Kosten und höchst-möglichem kurzfristigen Gewinn für die Hauptprofiteure eine neue in Zukunft noch mehr Rendite versprechende Technologie zu erproben.

    Die vielen Geschädigten werden damit ihren selbstlosen Beitrag für „wissenschaftlichen Fortschritt“ geleistet haben.

    • Vortex 11. Mai 2022 at 15:52Antworten

      Aktuelles Beispiel: hier ein inoffizieller tinyurl.com/2zrbjx9a Bericht aus Spanien. (Infoquelle: tinyurl.com/57krx473).
      Das wertvollste Gut ist nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch das Wissen darüber, was um uns herum vorgeht und wie wir uns in Zukunft vehement dagegen schützen können (auch) ein Opferlamm zu werden..

  4. Germann 11. Mai 2022 at 9:59Antworten

    Mit diesem Satz bin ich ganz bei Ihnen: Man kann nur hoffen, dass diese Fälle gründlich und unvoreingenommen untersucht werden.

    • Karsten Mitka 11. Mai 2022 at 14:50Antworten

      So wie die Millionen anderen Fälle von Nebenwirkungen?

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