Massives Datenleck bei Frankreichs zentraler Ausweisbehörde

24. April 2026von 2,1 Minuten Lesezeit

Frankreichs zentrale Behörde für Ausweise und Dokumente wurde gehackt, die sensibelsten Daten von rund 19 Millionen Bürger sind gefährdet.

Die Agence Nationale des Titres Sécurisés (ANTS), die seit Kurzem unter dem Namen France Titres firmiert, bestätigte am 20. April 2026 einen Sicherheitsvorfall am Portal ants.gouv.fr. Dort laufen Anträge für Pässe, Personalausweise, Führerscheine, Aufenthaltstitel und Fahrzeugzulassungen zusammen. Der Hack könnte Daten von bis zu 19 Millionen Bürgern betreffen – etwa ein Drittel der französischen Bevölkerung.

Hacker mit den Pseudonymen „breach3d“ und „ExtaseHunters“ boten die Datensätze bereits am 16. April auf kriminellen Foren zum Verkauf an. Betroffen sind laut Behörde und Medienberichten Login-IDs, vollständige Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Geburtsorte, Postadressen, Telefonnummern und einzigartige Kontenkennungen. Biometrische Daten, Passwörter oder Anhänge wie Fotos waren nach Angaben des Innenministeriums nicht kompromittiert. Vor allem der Hack biometrischer Daten wäre der Supergau. Passwörter kann man ändern, die eigene Iris schwieriger. Dennoch reicht die Kombination aus, um Identitätsdiebstahl, gezielte Phishing-Attacken oder synthetische Identitäten zu ermöglichen.

Die genaue Zahl der Betroffenen bleibt unklar. Die Regierung sprach zunächst von „einzelnen und beruflichen Konten“, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Französische Medien wie Le Figaro berichteten zunächst von rund 12 Millionen, Hacker behaupten bis zu 19 Millionen. „Einzelne Konten“ wie es die Regierung behauptet hatte, dürften es jedenfalls nicht sein.

Der Vorfall wirft ein grelles Licht auf die Risiken zentraler digitaler Identitätssysteme. France Titres ist kein reines Verwaltungsportal, sondern der Dreh- und Angelpunkt der französischen digitalen Identitätsinfrastruktur. Wie alle anderen Regierungen fordert auch Frankreich den Umstieg auf verpflichtende digitale Ausweise. Mit dem Hack zeigt sich wieder mal eine Achillesferse: Ein einziger Einbruchspunkt gefährdet Millionen. Experten warnen seit Jahren, dass die Konzentration sensibler Daten in einer zentralen Datenbank den Wert für Kriminelle enorm steigert.

Erst kürzlich wurden in Frankreich Schülerdaten bei ÉduConnect, Bankkontendaten und Millionen medizinischer Unterlagen gestohlen. In allen Fällen handelte es sich um zentral gespeicherte, staatlich verwaltete Informationen, auf die Bürger kaum Einfluss haben.

Für Millionen Franzosen bedeutet der Vorfall vor allem eines: Ihre persönlichsten Daten sind nun auf dem Schwarzmarkt verfügbar. Frankreich wird aber ebenso wie andere Staaten weiter damit werben, dass digitale Identitäten nützlich, praktisch und uneingeschränkt besser sind.


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