Digitale Schule: Wie das Klassenzimmer zum Datensammel-Zentrum wird

23. April 2026von 4,3 Minuten Lesezeit

Es ist ein schleichender Prozess, den wir in den vergangenen Jahren mit beängstigender Konsequenz beobachten konnten: Die schrittweise Umwandlung des Bildungssystems von einem Ort des Wissenserwerbs in ein Laboratorium für Verhaltensanalyse Sammlung persönlicher Daten.

Unter dem Deckmantel der „Digitalisierung“ und der „Modernisierung“ wird eine Infrastruktur geschaffen, die nicht primär den Kindern dient, sondern den Datensammlern. Wie Martin Armstrong in einer aktuellen Analyse messerscharf darlegt, ist das, was wir in Schulen erleben, nichts weniger als eine massive, verpflichtende Daten-Erntemaschine. Die Zahlen sind erschreckend, aber wenig überraschend für denjenigen, der das Geschäftsmodell hinter den „kostenlosen“ Bildungstools durchschaut hat. Studien belegen, dass etwa 90 Prozent der gängigen Schul-Apps Tracking-Daten übertragen – und zwar kontinuierlich, auch im Hintergrund.

Was als harmloses Tool für Hausaufgaben, Tests und Kommunikation verkauft wird, baut in Wahrheit lebenslange Verhaltensprofile auf. Armstrong warnt seit Jahren: Regierungen und Institutionen fangen mit dem an, was die Leute akzeptieren – und erweitern dann schrittweise die Kontrolle. Hier geschieht das unter dem Vorwand „digitaler Bildung“.

Es geht hier nicht um Pädagogik. Es geht um die Erstellung eines lebenslangen Verhaltensprofils. Während wir in der Schule früher bestenfalls Noten bekamen, werden unsere Kinder heute „gematched“: Aufmerksamkeitsspannen, Interaktionsmuster, emotionale Reaktionen auf bestimmte Inhalte – all dies wird in Echtzeit erfasst, analysiert und monetarisiert. Es ist ein digitales Dossier, das nicht mehr verschwindet.

Auch in Europa: Die Normalisierung des Überwachungsstaates

Wer glaubt, dies sei ein rein amerikanisches Phänomen, der irrt gewaltig. Auch die Europäische Union ist längst ein Hotspot für diese Art der digitalen Entmündigung. Unter dem Vorwand des „Digitalen Bildungsaktionsplans“ treiben Brüssel und die Nationalstaaten die flächendeckende Einführung digitaler Endgeräte voran.

Während in den USA die EdTech-Konzerne (Google, Microsoft & Co.) das Feld anführen, treibt die EU dasselbe Spiel unter dem schönen Namen „Digital Education Action Plan 2021-2027“. Die EU-Kommission propagiert darin eine „hochwertige, inklusive und zugängliche digitale Bildung“ – mit massivem Einsatz von KI, Learning Analytics und datengestützten Plattformen.

In Österreich etwa fördert das Bildungsministerium mit „Digitale Schule“ und der „KI-Initiative“ genau diese Tools: Lernplattformen, die Schülerdaten in Echtzeit analysieren, Verhaltensmuster tracken und personalisierte Lernpfade erstellen. Der Nationale Bildungsbericht 2024 widmet ganze Kapitel „Datenbasiertem Handeln für Schule und Unterrichtsentwicklung“ und „Künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich“. Learning Analytics soll angeblich nur „fördern“ – in Wahrheit entsteht dasselbe gläserne Kind wie in den USA.

In Ländern wie Dänemark oder Estland ist die vollständige Digitalisierung des Unterrichts bereits Realität, und auch im deutschsprachigen Raum wird der Druck auf Schulen, „digitale Kompetenz“ durch den Einsatz von Plattformen großer US-Konzerne zu lehren, immer größer. Dabei wird geflissentlich ignoriert, dass der Einsatz dieser Systeme oft mit der Übermittlung sensibler Daten an Drittanbieter einhergeht – ein eklatanter Widerspruch zur viel gepriesenen DSGVO, der bei staatlich verordneten Systemen seltsamerweise kaum Gehör findet.

Die Apps sind mittlerweile verpflichtend: Ohne sie gibt es keine Noten, keine Aufgaben, keine Teilnahme. Eltern sehen nur „moderne Lernhilfe“, doch die Realität ist ein unsichtbares Netz aus Trackern. Daten werden an Dritte weitergegeben, monetarisiert und für Vorhersagen, Beeinflussung und langfristige Steuerung genutzt. „Data is the new currency“, schreibt Armstrong – und je früher man sie bei Kindern erntet, desto wertvoller wird sie.

Pokémon Go als Blaupause

Armstrong zieht einen treffenden Vergleich: Das Spiel Pokémon Go war nichts anderes als ein riesiger Testlauf für die Erfassung von Bewegungsdaten. Die Nutzer glaubten zu spielen, während sie in Wahrheit die Welt für die Algorithmen kartierten.

Im Klassenzimmer ist es noch perfider: Es ist kein Spiel. Es ist Pflicht. Eltern, die heute ihre Kinder in die Schule schicken, müssen akzeptieren, dass jedes Arbeitsblatt, jeder Test und jede Hausaufgabe durch eine App läuft, deren „Hintertüren“ weit offen stehen. Wir normalisieren eine Überwachung, der man sich nicht mehr entziehen kann, ohne sein Kind vom Bildungssystem auszuschließen.

Die Zukunft der Vorhersagbarkeit

Das Ziel dieser Entwicklung ist glasklar: Daten sind die neue Währung. Wer die Daten eines Menschen von der ersten Klasse bis zum Erwachsenenalter besitzt, kann nicht nur vorhersagen, wie dieser Mensch in Zukunft wählt oder konsumiert – man kann ihn beeinflussen und steuern.

Es ist genau diese Art von „Control Creep“, die wir auf tkp.at seit Jahren kritisieren: Es beginnt mit einer bequemen App für die Hausaufgaben und endet mit einem gläsernen Bürger, dessen gesamte Identität auf einem Algorithmus basiert. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Bildung unserer Kinder dazu missbraucht wird, die Grundlage für eine totale digitale Kontrolle zu schaffen. Der erste Schritt zur Abwehr ist die Erkenntnis, dass hinter dem süßen Versprechen der „Digitalen Tafel“ eine bittere, datenhungrige Realität steht.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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5 Kommentare

  1. lotus998dc2ac81f3 24. April 2026 um 4:23 Uhr - Antworten

    wer heute noch seine Kinder in eine normale Schule schickt, hat aber so gar nichts verstanden

    • Gabriele 24. April 2026 um 9:04 Uhr - Antworten

      Das ist leicht gesagt….. Kosten?? Soll sich die privaten Schulen wieder nur eine Elite leisten können?

  2. Gabriele 23. April 2026 um 19:54 Uhr - Antworten

    Was sollte man wohl tun, damit es nicht so kommt – wo bereits die meisten Eltern dieser Kinder komplett digital süchtig und verblödet sind… die finden das bestimmt „voll cool“, wenn ihre Kids diese Möglichkeiten haben und damit auch überwacht und kontrollierbar sind. Sicher ist sicher…
    Sicherheit und Kontrolle gegen Abgabe der Freiheit – so ist es seit Corona und es wird nur schlimmer. Und man kann auch schon die Kleinsten wunderbar instruieren und gegeneinander aufhetzen.
    Eigentlich braucht man doch nur Einblick in eine nordkoreanische Schule zu nehmen, gibt genügend Dokus – dort ist alles schon so, wie man es auch hier plant – ob mit oder ohne digitale Schultafel, ist egal.

    • David.K 23. April 2026 um 20:56 Uhr - Antworten

      Was kann man schon tun? Nicht viel, diese Entwicklung hat nicht mit Corona angefangen, das wurde alles schon vor langer Zeit vorbereitet. Und gerade die Schule war schon immer ein Ort, um diese Menschen heranzuziehen, die immer brav gehorchen und mit Freiheit nichts anfangen können.
      Was kann man schon erwarten, wenn es Menschen in Kauf nehmen, gläsern zu sein, nur weil es bequemer ist, z.B. mit Karte zu zahlen. Das ist der Fortschritt und den kann/soll man nicht aufhalten.
      In meiner Jugend hoffte ich, es nicht erleben zu müssen, in der totalen Überwachung zu leben, aber wir sind bereits in der Welt, die Orwell beschrieben hat.

    • local.man 24. April 2026 um 9:19 Uhr - Antworten

      Das alles passiert natürlich auch deswegen, weil A es jemand genau so anstrebt und herrschen zu können/wollen und B, weil auch das System der Aufklärung allen voran Medien kaputt sind.
      Würden diese alleine den Menschen die Wahrheit erzählen, würden wir niemals hier landen. Das System wäre komplett anders, da die Korruption ja nicht erst in der Schule beim Bildungssystem anfängt, sondern eher dies in der Spitze des Problems zu verorten ist, als Folge der Macht und des völlig falschen Systemaufbaus.

      Aber selbst wenn es jetzt so wäre.. Mal angenommen, die Medien würden jetzt beinhart ständig aufdecken, was in Wahrheit in der Schule passiert, wie die Daten gestohlen und schlussendlich gegen die Menschen eingesetzt, damit Profite gemacht und was sich daraus entwickeln wird, also den Vorhang beiseite ziehen, die Pläne, Gründe, Zusammenhänge zeigen, dann würden es die Leute verstehen und natürlich ablehnen. Die Frage stellt sich dann automatisch für die Menschen, wie geht es anders und der Druck auf diese gemachte Matrix würde zumindest an der Stelle maximiert.

      Das ist aber in jedem Bereich so, deswegen haben wir ja die Probleme. Ob Coronablödsinn, ob Kriegslügen, Migrationshintergründe, Klima und Energie“Politik“ und das ist nur ein Teil des aktuellen gemachten Schwindels um Ziele zu erreichen, im Kern geht es eh immer um die Macht von Wenigen gegenüber dem Rest.

      Hätte es also zu Corona schon Medien gegeben, die die Politiker, Pharma, sogenannten Experten bloß gestellt hätten, nicht die Realität und Wahrheit mindestens verschleiert bis knallhart gelogen hätten und das bis dato, dann hätte auch Corona nicht funktioniert.

      Wenn die Leute wirklich das System verstehen würden, wie das Geldsystem/Finanzssystem und wie wenige immer Gewinnen usw., hätten wir dieses System nicht.

      Die eigentliche Frage ist also viel tiefer zu suchen. Die generelle Struktur und der Systemaufbau ist das Kernproblem und darauf kommt man schlussendlich von ganz alleine, wenn man nur genug Wissen darüber angesammelt hat und erkennt, dass es so nur maximal zur organisierten Kriminalität kommen kann.

      Die Versprechen sind immer Lügen, dass es für alle ganz toll ist wird, das ist die Werbung, in der Realität ist das unmöglich, da dieses System sich gar nicht halten würde, gabe es nicht mind. 80% moderne Sklaven, sowie deren Niederhaltungsmethoden, die ihren Status nicht verstehenen, weil sie maximal tiefenindoktriniert sind und diese zugeilte Freiheit in einem Rahmen, wie Konsumfreiheit, oder Wahlen der immergleichen Machtsekte über vorausgewählte Vertreter, oder Arbeitsplatzwahl, also den Rahmen ihrer Existenz, mit ein wenig Individualität bei vor allem Ego/Eitelkeit-Entscheidungen als Freiheit fehlinterpretieren.
      Sobald es um echte Entscheidungen geht, bekommen wir nur top down Befehle, bzw. den Schein vorgetäucht, es wäre wie eine Naturgewalt eben einfach so und wer nicht gehorcht wird angegangen.

      Das fällt besonders jetzt auf, da der Druck auf uns steigt, weil die Macht einen Wandel braucht und wir eben alle in diese Zukunft mitmüssen, entweder einvernehmlich, oder durch Gewalt und warum können das so wenige Leute durchdrücken über eine total durchsumpftes System?
      Warum hinterfragt keiner den Kern der Probleme, die Verteilung, den Besitz ohne Grenzen, die Machtfrage durch Machtmittel, das Verhältnis zwischen denen die alles machen und denen die machen lassen und die Regeln für den Rest auch noch aufstellen usw.?
      Wie massiv gut funktioniert also die Manipulation der ganzen Menschheit, dieses System zu akzeptieren, was die ganze Zeit gegen ihre Interessen arbeitet, teils verborgen, teils aktuell vor allem zu sehen, offen mit finsteren Absichten?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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