Palantir-Manifest enthüllt warum Regierungen die Software des US-Konzerns aus Behörden entfernen sollten

23. April 2026von 3,2 Minuten Lesezeit

Ein kürzlich veröffentlichtes Dokument des US-Technologie- und Rüstungskonzerns Palantir liest sich wie ein ideologisches Manifest für einen neuen globalen Zivilisationskrieg. Statt es als Warnsignal zu werten, präsentieren westliche Regierungen und Institutionen es offenbar stolz auf X/Twitter.

Der französische Analyst und Geopolitik-Experte Arnaud Bertrand hat in einem präzisen Substack-Beitrag genau das auf den Punkt gebracht: Wenn Regierungen ihren Job machen würden, wäre dieses Papier kein Grund zum Feiern, sondern ein klarer Beweis dafür, dass man Palantir-Software aus allen öffentlichen Institutionen, Geheimdiensten, Polizei und Wohlfahrtsbehörden verbannen müsste. Das Dokument, das Palantir-CEO Alex Karp und das Unternehmen selbst auf X verbreiten, propagiert ein Weltbild des unausweichlichen „Clash of Civilizations“. „Sie“ – also alle nicht-westlichen Kulturen, die als minderwertig oder bedrohlich kodiert werden – stehen gegen „wir“, die freien und demokratischen Gesellschaften des Westens.

Die zentrale These: Die Grenzen der „Soft Power“ (also bloßer Rhetorik und moralischer Appelle) seien nun endgültig aufgezeigt. Um zu „prevail“ – also zu siegen – brauche es „Hard Power“, und diese harte Macht des 21. Jahrhunderts werde auf Software aufgebaut. Palantir-Produkte natürlich an vorderster Front.

Friedliches Nebeneinander der Zivilisationen unmöglic?

Arnaud Bertrand fasst es treffend zusammen: Dieses Manifest geht davon aus, dass ein friedliches Nebeneinander der Zivilisationen unmöglich sei. Historisch gesehen habe es immer wieder Koexistenz gegeben – problematisch wurde es erst, wenn eine Seite die anderen als minderwertig einstufte und zur Expansion aufbrach. Genau dieses Denken feiere Palantir nun als unvermeidlich.

Besonders brisant ist Punkt 15 des Papiers: Dort wird offen für die Wiederaufrüstung Deutschlands und Japans, also der Achsenmächte des Zweiten Weltkriegs, plädiert und das Ende der japanischen Pazifismus-Politik gefordert. Das sind nicht nur geopolitische Forderungen – sie öffnen neue Märkte für Palantir-Technologie und passen perfekt in das Bild eines konsolidierten westlichen Blocks gegen den Rest der Welt.

Erschreckend ist, dass beide Staaten immer offener diesen Forderungen folgen. Die neu gewählte japanische Premierministerin Sanae Takaichi hat Medienberichten zufolge am Dienstag anlässlich des Frühlingsfestes eine rituelle Opfergabe an den berüchtigten Yasukuni-Schrein gesandt, der als Symbol für den japanischen Militarismus und die Aggressionen während des Krieges gilt. In Deutschland ist eine beschleunigte Militarisierung zu beobachten, seit der Ex-BlackRock-Mann Friedrich Merz Kanzler wurde.

Einbettung in westliche Geheimdienste

Palantir ist längst kein neutraler Software-Anbieter mehr. Der Konzern ist tief in die westlichen Geheimdienste, Militärs, Polizeibehörden, Grenzschutz- und Sozialsysteme eingebettet. Seine Tools definieren, wer als Bedrohung gilt – und das nicht neutral, sondern ideologisch gefärbt. In Frankreich etwa setzt die Inlandsgeheimdienst DGSI Palantir-Software ein, wobei der Fokus auffällig auf internen oder nicht-alliierten Themen liegt, während echte Spionageakte von Verbündeten (wie NSA-Abhöraktionen oder AUKUS-Manöver) offenbar keine Rolle spielen. Genau das passt zur Palantir-Agenda einer geeinten westlichen Front.

Bertrand bringt es auf den Punkt: „Unsere Tools sind nicht dazu da, Ihre Außenpolitik zu bedienen. Sie sind dazu da, unsere durchzusetzen.“

Indem Staaten die Bedrohungsanalyse an eine privatwirtschaftliche, ideologisch getriebene Firma auslagern, verwandeln sie ihren eigenen Geheimdienst in Propaganda-Instrument. Statt auf Fakten und nationale Interessen basiert Sicherheit dann auf der Agenda eines US-Tech-Oligarchen.

Das ist nicht Souveränität – das ist Unterwerfung unter ein privates Weltbild.

Westliche Regierungen, die Palantir-Software in sensiblen Bereichen einsetzen, handeln fahrlässig. Sie öffnen die Tür für einen ideologisch motivierten Kreuzzug, der nicht den Bürgern dient, sondern den Interessen eines Konzerns, der von Konflikt und Aufrüstung profitiert. Arnaud Bertrands Analyse sollte ein Weckruf sein: Zeit, die Palantir-Software aus den öffentlichen Institutionen zu werfen – bevor sie nicht mehr nur beobachtet, sondern aktiv die Politik diktiert.

Die wahren Bedrohungen kommen oft nicht von außen, sondern aus den eigenen Reihen – getarnt als „moderne Technologie“.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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9 Kommentare

  1. audiatur et altera pars 23. April 2026 um 10:14 Uhr - Antworten

    Der wichtigste Grund, warum man von Palantir seine Finger lassen sollte ist ein ganz einfacher. Es sind die öffentlichen Auftritte Alex Karps. Grandiosität, Zappel-Philipp-Syndrom (chemisch ernährungsbedingt? vgl. Thiel und Musk) und eine lineare Denkweise, die mehr an einen pubertierenden Kraftmeier erinnert, als einen akademisch gebildeten Philosophen, der noch dazu perfekt Deutsch spricht, also alles im Original gelesen hat.

    Zitat aus dem karpschen Manifesto (btw: an wen erinnert die Haartracht?):

    „Those who look to the political arena to nourish their soul and sense of self, who rely too heavily on their internal life finding expression in people they may never meet, will be left disappointed.“

    Macht „Hier kommt Alex“ (Die Toten Hosen) das nicht exakt selbst ;-?

    • audiatur et altera pars 23. April 2026 um 10:36 Uhr - Antworten

      PS: Laut Varoufakis (also mit Lautstärkevorbehalt, siehe sein „Econoclasts“ bei Unherd YT) sei es Palantir-Technik gewesen, die das Ziel der iranischen Schule „auswählte“. Allerdings sei kein LLM, sondern eine relativ alte Technologie im Einsatz gewesen. Alte Hüte als „neu“ zu verkaufen (vulgo: Gebrauchtwagenhandel, etwa born in Meidling) scheint neuerdings zur Kernkompetenz in Sachen künstlichen Wachstums geworden zu sein.

    • Pusteblume 23. April 2026 um 10:38 Uhr - Antworten

      Leider scheinen die von Ihnen Genannten (Karp und Thiel an mehreren Krankheiten des psychiatrischen Formenkreises zu leiden und keiner ist gewillt, diese zwei Genannten in ihrem Tun zu stoppen und denen das Handwerk und die Großmäuligkeit, die nichts anderes ist als das Verbreiten heißer Luft, unwiderruflich zu legen. Oder es sind einfach Verbrecher.

      • audiatur et altera pars 23. April 2026 um 11:11 Uhr

        Die Überschrift meines Zitats (die ich meiner Geschichte wegen etwas faul wegließ) heißt: „The psychologization of modern politics is leading us astray.“ Diesbezüglich mag ich dem Karp recht geben. Das ist nämlich das, was Sachs & Co gerade machen. Und möglicher Weise noch weit zerstörerischer im Effekt als das, was der Karp so alles anstellt.

  2. Pusteblume 23. April 2026 um 9:47 Uhr - Antworten

    Es müsste eher „Stopp Thiel, Karp und Consorten“ heißen. Verschwinden diese Verbrecher für ihre jeweilige Restlebenslaufzeit in Guantanamo oder im Gulag in Sibirien oder begegnen in Sibirien einem Bären (Bären sind immer hungrig), dann ist es ein Leichtes, Palantir unwiderbringlich zu zerstören.
    Die gesamte Gesellschaft der oberen Schichten der USA scheint total moralisch und charakterlich verrottet zu sein; kann weg.

    • Hausmann_Alexander 23. April 2026 um 9:54 Uhr - Antworten

      Man sollte diese Personen zu nicht „verfluchen“, es gilt die Unschuldsvermutung.

      Einfach kann jeder.

      • Pusteblume 23. April 2026 um 10:35 Uhr

        Die Zeiten der Unschuldsvermutung für diese Verbrecher sind vorbei; längst vorbei. Diese Verbrecher reden doch unablässig über die Verbrechen, die von ihnen (den Verbrechern) begangen wurden, aktuell begangen werden und zielgerichtet in der Zukunft begangen werden.

  3. Hausmann_Alexander 23. April 2026 um 9:26 Uhr - Antworten

    Nach dem 2.Weltkrieg gab es die Operation Paperclip, wo im geheimen ca. 1500 hochrangige eingesperrte Nazis aus den Gefängnissen geholt wurden und mit deutschen Wissenschaftlern
    in die USA gebracht wurden (damals streng geheim).
    Dann wurden noch Patente und Forschungen beschlagnahmt.

    Auch Hollywood und die Spieleindustrie haben das aufgegriffen:

    Siehe Film:
    The Return of the First Avenger

    https://de.wikipedia.org/wiki/
    The_Return_of_the_First_Avenger

    Spiele:
    Daymare 1994
    Resident Evil 1-9 (9–>Elpis)
    Nazi-Zombies, CoD
    Projekt Z: Beyond Order

    • Der Zivilist 24. April 2026 um 11:01 Uhr - Antworten

      Nach dem WW II wurden von den USA ZUERST die D Patente (Privateigentum) geplündert, wie schon nach WW I. Weil man sie nicht verstand, wurde Paperclip nötig, D Ingenieure aus den weiterbetriebenen KZs wurden weißgewaschen und nach USA gebracht.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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