Darf das Ende des 2. Weltkriegs friedlich gefeiert werden?

4. Mai 2022von 9,5 Minuten Lesezeit

Die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum 9. Mai in Berlin lassen nichts Gutes erwarten. Die Gleichsetzung der  UdSSR mit Russland in den Köpfen vieler Menschen führt dazu, dass auch diese Feierlichkeiten – und damit eine wichtige antifaschistische Gedenkkulter –  der aktuellen geopolitischen Situation zum Opfer fällt.

Jeder Mensch, der die Freiheit liebt, schuldet der Roten Armee mehr, als er im Leben bezahlen kann!“ so in etwa lautet eine überlieferte Aussage von Ernest Hemingway.

1965 wurde der 9.Mai zu einem der wichtigsten Nationalfeiertage in der UdSSR erklärt an dem der Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“ gefeiert wird. So hieß in der UdSSR der Zweite Weltkrieg von 1941-1945. Der 9. Mai wurde zum Siegestag erklärt, weil in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 der sowjetische Marschall Schukow die bedingungslose Kapitulation aller Wehrmachtsteile angenommen hat.

Man gedenkt zu diesen Feiern der Helden dieses Krieges und dankt ihnen – ganz im Sinne Hemingways. Dabei werden alle Kämpfer der Roten Armee geehrt, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Dass sich unter den gestorbenen Helden neben Russen, Weißrussen, Georgiern, Tschetschenen oder Tataren auch sehr viele Ukrainer befinden, war immer nebensächlich.

Bis 2022. In diesem Jahr scheint dieser friedliche, feierliche aber auch freudige Dank nicht mehr wirklich erwünscht. Anders kann man sich die Genehmigung von Versammlungen in einem recht engen räumlichen Bereich kaum erklären. Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick treffen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Russen und Ukrainer aufeinander. Wie die Begegnung verlaufen kann, ist absehbar.

Am Treptower Parks bzw. in der Puschkinallee, die durch den Park verläuft, wurden für den 9. Mai zwischen 09.00 und 20.00 Uhr drei Veranstaltungen zu Ehren der Roten Armee genehmigt. „Dank den sowjetischen Soldaten für die Befreiung“, „Die gefallenen Sowjetsoldaten ehren! Gegen Faschismus und Krieg! Hände weg vom Sowjetischen Ehrenmal!“ und „77 Jahre – Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus“ findet man – Stand 1.5. – auf der Webseite der Versammlungsbehörde aufgeführt.

Parallel zu den Gedenkfeiern, die traditionell bereits seit Jahrzehnten am Treptower Park in Berlin stattfinden, wurden mindestens zwei Kundgebungen aus dem pro-ukrainischen Umfeld angemeldet – und genehmigt. Eine Versammlung lautet „Kundgebung gegen den Überfall auf die Ukraine“ und findet laut Berliner Versammlungsbehörde am Treptower Park von 8.00 bis 16.00 Uhr statt. „Мир- 091; мир – Frieden der Welt! Für ein sofortiges Ende des Krieges in der Ukraine!“ wurde von 9.00 bis 22.00 Uhr ebenfalls dort angemeldet.

Und das ist nur ein Bezirk von Berlin, ähnliche Konstellationen findet man auch in anderen Teilen der Stadt. In Anbetracht der aktuellen Lage in der Ukraine, den mehrfachen Schändungen sowjetischer Ehrenmäler und der Gewalt gegen die Fahrzeuge von mehreren Teilnehmern von Autokorsos, die sich gegen die Diskriminierung von Russen in Deutschland richteten, kann man nicht von einem friedlichen Tag ausgehen, wenn Teilnehmer beider Kundgebungsseiten aufeinandertreffen.

Ich spreche mit einem der Mitorganisatoren der Feierlichkeiten – der aus Angst vor Übergriffen nicht persönlich genannt werden will – um mehr zu den Hintergründen zu erfahren.

Die Feiern im Treptower Park anlässlich des 9. Mai gibt es schon lange. Wie verliefen sie bisher?

Ich kann nur aus meiner Erfahrung berichten. Während es beim Ehrenmal beim Berliner Tiergarten bei der Kranzniederlegung immer sehr würdevoll und feierlich zuging, haben wir im Treptower Park richtig gefeiert. Es gab nicht-öffentliche Bereiche, wo vom russischen Botschafter geladene Gäste – darunter auch oft der weißrussische oder ukrainische Botschafter – ein offizielles Programm abhielten. Und es gab besinnliche Veranstaltungen wie die mit den letzten Überlebenden der KZs. Es gab viele Reden, aber auch sehr viel Musik. Der Großteil des Parkes stand für Lebensfreude, Feierlaune und Dankbarkeit, dass Deutschland vom Faschismus befreit wurde. Es wurde viel getanzt und ja, das eine oder andere Mal auch über den Durst getrunken. Es gab zahlreiche Stände von Verbänden und Vereinen darunter der VVN, die KPD, die DKP, Wesen der Zeit oder die Freidenker, der Veteranenverband und natürlich der OKV. Der Ernst-Busch-Chor war immer vertreten und die Nachtwölfe – gerne als „Putins Rockerbande“ verbrämt – boten einen Höhepunkt an diesem Tag.

Leider konnte schon 2021 vieles wegen Corona nicht mehr stattfinden und wir hatten auf 2022 gehofft.

Wie viele Menschen haben denn normalerweise mitgefeiert?

Ich schätze, es waren immer so um die 10.000. 2015 – im „Jubiläumsjahr“ waren wohl rund 30.000 Menschen dabei.

Wie werden die Feiern organisiert?

Es gibt – meines Wissens – keine übergeordnete Organisation. Jeder Verein meldet für sich an – alle agieren unabhängig voneinander. Wer das in der Vergangenheit nicht rechtzeitig gemacht hat, bekam keinen Platz. Man musste relativ schnell sein. Wir haben uns im Rahmen des OKV, dem Ostdeutschen Kuratorium von Verbänden e.V., natürlich abgestimmt, auch bei den Vorbereitungen für dieses Jahr.

Wie sind die Vorbereitungen für 2022 bisher gelaufen?

Die Vorbereitungen sind ganz schlecht gelaufen. So schlecht wie nie. Dieses Jahr wird es keinen einzigen Stand geben. Seitens des SenUMVK zu Treptow wurden diese untersagt. Hier die offizielle Begründung die wir erhalten haben:

Ihrer E-Mail entnehme ich, dass Sie beabsichtigen, am 9. Mai 2022 eine Veranstaltung auf dem Gelände des Sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow durchzuführen. Nach eingehender Prüfung der Sach- und Rechtslage teile ich aufgrund meiner Zuständigkeit nach § 6 Absatz 6 Satz 2 des Gesetzes zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung der öffentlichen Grünanlagen (Grünanlagengesetz – GrünanlG) mit, dass einer Aufstellung von Ausstattungselementen, wie Informationsständen oder -tischen, Ausstellungstafeln/Roll-Ups, Stühlen, Sonnenschirmen, Pavillons, Musikanlagen, Soundboxen usw. nicht zugestimmt wird.

Begründung Das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow ist ein Bestattungsort, auf dem mehrere Tausend Angehörige der sowjetischen Armee bestattet sind, die in den Endkämpfen um Berlin 1945 starben. Es ist ein Mahnmal dafür, welche schrecklichen Folgen Krieg und Gewaltherrschaft haben, Zeugnis der Befreiung von der NS-Diktatur und damit ein besonderer Gedenkort. Dieser besondere Kontext ist bei Nutzung des Ehrenmals zum Gedenken an die Opfer des Krieges zu berücksichtigen ebenso wie die Gewährleistung der Sicherheit der Besucherinnen und Besucher.

Ohnehin ist zu beachten, – dass die Benutzung der Ehrenmalanlage nur schonend erfolgen darf, so dass Anpflanzungen und Ausstattungen nicht beschädigt, verschmutzt oder anderweitig beeinträchtigt werden, – dass Vegetationsflächen (auch Rasen) nicht betreten werden dürfen, – dass der Besucherstrom nicht behindert wird und andere Besucherinnen und Besucher nicht unzumutbar gestört werden, – dass das Gelände nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf.

Das klingt schon recht fragwürdig, nachdem das in der Vergangenheit ja nie ein Problem war.

Genau. Nur der Aspekt „ebenso wie die Gewährleistung der Sicherheit der Besucherinnen und Besucher“ erscheint mir persönlich wirklich glaubwürdig. Der offizielle aber nicht-öffentliche Teil der Botschafter findet vermutlich unter größten Sicherheitsmaßnahmen statt. Aber wenn sich der Botschafter zurückzieht, fragen wir uns, wie der normale, öffentliche Teil der Feier verläuft. Es gibt bei uns Organisatoren viel Unsicherheit, was im Rahmen des Erlaubten passieren kann.

Was ist denn erlaubt?

Laut Senat heißt es offiziell: Das Gedenken an die Verstorbenen z.B. durch das Ablegen von Blumen oder Kränzen ist möglich, dies steht im Einklang mit der Zweckbestimmung des Ortes. Abschließend weise ich darauf hin, dass Kundgebungen und sonstige Versammlungen dem Versammlungsrecht unterliegen. Sie sind bei der Versammlungsbehörde Berlin anzuzeigen.

Mehrere Demonstrationen wurden ja angemeldet. Die Veranstaltungen der Ukrainer – wobei wir davon ausgehen, dass da deutsche Parteien und Non-Profit-Organisationen dahinterstehen, die von „den üblichen Verdächtigen“ finanziert werden – machen uns Sorge. Es ist aus meiner Erfahrung sehr ungewöhnlich, dass das auf dem gleichen Gelände zugelassen wurde.

Welche Konsequenzen kann das haben?

Wir erwarten uns nichts Gutes, befürchten, dass es einen Spießrutenlauf geben wird. Ein Spalier ukrainischer Fahnen mit entsprechenden Rufen ist noch harmlos. In verschiedenen ukrainischen Internet-Seiten und Telegram-Kanälen wird sehr aktiv aufgerufen, in Berlin für Ärger zu sorgen – das geht bis zum Aufruf, die Russen dort zu töten. Auch das Mahnmal soll durch Anschläge geschändet werden. Wir wollten das Mahnmal im Rahmen einer Mahnwache vom 8. auf den 9. Mai schützen, aber die russische Botschaft bat uns, darauf zu verzichten.

Warum das?

Die Verantwortung liegt in den Händen der Stadt Berlin. Kommt es bei der Mahnwache zur Gewalt zwischen Ukrainern und uns, würde das mit Sicherheit „dem Russen“ negativ ausgelegt. Jede Kleinigkeit diesbezüglich wird ja medial gegen Russland ausgeschlachtet. Diese Eskalation wollen wir natürlich vermeiden und haben es abgesagt, obwohl 500 Aktivisten bereit waren, sich an der Aktion zu beteiligen.

Jetzt liegt es an den Verantwortlichen Berlins. Immerhin ist seitens Berlins die sowjetische Fahne noch nicht verboten. Diese ist das Symbol für die Befreiung vom Faschismus. Während in vielen Bundesländern das Mitführen dieser Fahne bereits unter Strafe steht, hat Berlin da wohl – noch – einen Sonderstatus.

Wir hoffen auch sehr, dass die Berliner Polizei ihre Aufgaben entsprechend der Verträge auch wahrnimmt und das Gedenken dieses Tages entsprechend ermöglicht, ohne dass es zu gewalttätigen Übergriffen kommt.

Gibt es da sehr große Sorgen?

Ja. Viele der über 80ig Jährigen wollen wegen Sicherheitsbedenken nicht kommen, sehen sich einer Eskalation nicht gewachsen, können das Risiko aus gesundheitlichen Gründen nicht eingehen. Das Präsidium des OKV kommt geschlossen, aber bei der letzten OKV-Versammlung haben viele Vorsitzende der Verbände gesagt, dass ihre Redner nicht offiziell teilnehmen – ein großer Teil hat einfach Angst.

Alle, die hingehen, tun das mit Unsicherheit und einem mulmigen Gefühl. Wir wissen nicht, was an diesem Tag auf uns zu kommt. Vielleicht läuft es ja friedlich ab, aber die Ungewissheit macht viele fertig. Es lässt sich schwer abschätzen, wie viele kommen werden. Ich will auch nicht, dass meine Kinder mitgehen. Ich weiß nicht, wie die russischen Besucher das handhaben, aber aus meinem Umfeld lassen alle ihre Kinder zuhause. Die Art der Besucher wird wohl diesmal eine andere sein. Die Stimmung wird wohl weniger freudvoll als aufgeladen sein.

Und ganz offen: ich gehe von einer Provokation der Gegenseite aus. Und was dann passiert, wird – fürchte ich – zwischen Russen und Ukrainern passieren. Die Deutschen werden sich zurückziehen.

Warum zieht Ihr es trotzdem durch. Warum gehst Du hin?

Wir, also die deutschen Verbände des OKV, haben beschlossen, keine Reden zu halten, sondern nur anwesend zu sein. Wir wollen mit unserer Präsenz zeigen, dass wir weiter mit der Roten Armee von damals verbunden sind – in der ja auch viele Ukrainer gekämpft haben und für unsere Freiheit gestorben sind. Wir sind dankbar für die Befreiung und den daraus resultierenden Frieden der letzten 77 Jahre. Darin sehen wir unsere Aufgabe und Verpflichtung.

Ich persönlich gehe privat zu der Veranstaltung, trete also nicht für meinen Verband auf, treffe dort aber viele Freunde. Ich finde es enorm wichtig, den Sieg über den Faschismus zu feiern. Gerade jetzt, wo die Anfänge leider schon wieder längst hinter uns liegen. Ich möchte den Helden von damals danken, dass ich aufgrund ihrer Opferbereitschaft mein ganzes Leben in Frieden verbringen konnte. Ich denke, es ist mein Recht, das zu tun – und das lasse ich mir von niemandem nehmen.

Danke dafür. Ich wäre gerne dabei – aber es ist zu weit.

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12 Kommentare

  1. rudi & Maria fluegl 5. Mai 2022 at 13:48Antworten

    Da hat schon wieder etwas nicht funktioniert?
    ndrea Drescher@
    Im Kriegszusammenhang gibt es vor allem Opfer!
    Meine Mutter war in Mauthausen!
    Im Zusammenhang mit Befreiung, die hierzulande etwas merkwürdig angesehen wird unterstütze ich hier speziell
    farbige Menschen. Die haben den größten Anteil als eigentlich Opfer gesellschaftlicher Art den Versuch hier Demokratie zu installieren.
    Gezwungene Männer und Frauen im stalinistischen System hatten meiner Meinung nach noch viel weniger Spielraum
    „Heldentum“, die auch einer gewissen Intuition und Freiwilligkeit bedarf, zu zeigen !Wenn es nur darum geht sein Leben freiwillig zu riskieren aus welchen Gründen auch immer, wäre ich auch einer. Oder eben nur ein Adrenalin Junkie, geboren aus nicht humanitären Umständen!
    Vorbilder in Literatur und Erzählungen in Musikwerken um die Gesellschaft zu beeinflussen, zu kreiren und damit den Begriff „Helden“ ins Spiel zu bringen, vereinfacht.
    Schwarz und weiß denken zu prolongieren kann nicht Sache der Aufklärung sein!
    Wie behauptet! 2 Juden mit gleicher Meinung gibt es nicht! Allerdings bin ich Atheist und somit keiner!

    Rudi Fluegl

  2. rudi & Maria fluegl 5. Mai 2022 at 13:47Antworten

    Andrea Drescher@
    Im Kriegszusammenhang gibt es vor allem Opfer!
    Meine Mutter war in Mauthausen!
    Im Zusammenhang mit Befreiung, die hierzulande etwas merkwürdig angesehen wird unterstütze ich hier speziell
    farbige Menschen. Die haben den größten Anteil als eigentlich Opfer gesellschaftlicher Art den Versuch hier Demokratie zu installieren.
    Gezwungene Männer und Frauen im stalinistischen System hatten meiner Meinung nach noch viel weniger Spielraum
    „Heldentum“, die auch einer gewissen Intuition und Freiwilligkeit bedarf, zu zeigen !Wenn es nur darum geht sein Leben freiwillig zu riskieren aus welchen Gründen auch immer, wäre ich auch einer. Oder eben nur ein Adrenalin Junkie, geboren aus nicht humanitären Umständen!
    Vorbilder in Literatur und Erzählungen in Musikwerken um die Gesellschaft zu beeinflussen, zu kreiren und damit den Begriff „Helden“ ins Spiel zu bringen, vereinfacht.
    Schwarz und weiß denken zu prolongieren kann nicht Sache der Aufklärung sein!
    Wie behauptet! 2 Juden mit gleicher Meinung gibt es nicht! Allerdings bin ich Atheist und somit keiner!

    Rudi Fluegl

  3. Brigitte 5. Mai 2022 at 10:39Antworten

    Das Ende des 2. Weltkriegs, kann man das so sagen ? Ich meine haben sich danach alle wie gleichwertige, eigenständige Partner behandelt, ist Deutschland ohne die Feindstaatenklausel ?
    Zitat wikipedia:
    „In der heutigen internationalen Politik spielt die Feindstaatenklausel keine Rolle mehr. Nach ganz herrschender Meinung in der Völkerrechtswissenschaft ist sie (längst[4][5]) obsolet.[6][7]

    Die Artikel 53 (Kapitel „Regionale Abmachungen“), 77 (Kapitel „Das internationale Treuhandsystem“) und 107 (Kapitel „Übergangsbestimmungen betreffend die Sicherheit“) SVN entstanden im Jahr 1945 bei der Formulierung der Urfassung der Charta in der Endphase des Krieges, sind jedoch auch noch in der aktuell gültigen Fassung enthalten.“

    Also sollte die Klausel gestrichen werden, glaube ich, dass das obsolet ist. Sonst ist das ja schliesslich auch kein Problem Inhalte zu streichen oder zu ändern, oder ?

    Haben wir irgendwas aus dem 2. Weltkrieg gelernt ?

    Hatten wir nicht bei Corona Geimpfte mit mehr Rechten als Ungeimpfte. Wie wurden Menschen behandelt, die sich nicht haben testen und oder impfen lassen und wie ist die Gesellschaft damit umgegangen ? Damals gab es die ‚Bösen und die Guten ‚ und heute auch, ohne das ich das alles vergleichen oder gleich setzen möchte, das tue ich ausdrücklich nicht. Es wird polarisiert was das Zeug hält und das zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt und darum geht es mir. Zum Russland/Ukraine Thema, Propaganda ist auch immer ein Gradmesser für Krieg.

    Sehr interessant finde ich auch, wenn eine Regierung sagt, dass sie zwischen der russischen Bevölkerung und der russischen Regierung unterscheiden würde, ihre Sanktionen aber beide treffen und natürlich auch die eigene Bevölkerung. Interessant ist es ausserdem zu behaupten , man würde nicht in einen Krieg eintreten. Gleichzeitig führt man aber durch Sanktionen einen Wirtschaftskrieg und liefert Waffen und möchte Soldaten einer Kriegspartei auf dem eigenen Boden ausbilden und bedient sich einer Ausdrucksweise, die alles andere als befriedend ist.
    Ich hörte letzens im öffentlich rechtlichen Rundfunk eine Diskussion, ob man mit den Panzern Defensiv oder Offensivwaffen an die Ukraine liefere lol. Last but not least titelte das Handelsblatt kürzlich „Panzer sind jetzt auch eine defensive Waffe“ und der Stern titelte “ Warum das Gerede von Defensivwaffen einfach Unsinn ist. “
    Angesichts solcher inhaltlichen absurden Spagate und Achterbahnen neige ich dazu, mich an meinen Getränken zu verschlucken und kann mich nicht entscheiden, ob ich jetzt lachen oder heulen soll. Klar Panzer verschiessen Teddybären und Panzerfäuste und Haubitzen sind ein Feuerwerk zur Unterhaltung. Nein Scherz beiseite. Glaubt irgendwer, in einem Krieg sterben keine Menschen ? Wie gehirngewaschen sind wir denn eigentlich ?!
    Wenn eine Bevölkerung einen Krieg will, muss man ihr den nicht verkaufen oder irgendwie schön reden.
    Und wenn ich sage, Panzer wären auch Defensivwaffen, ist das für mich Schönreden.
    Fakt ist, die Bevölkerung will keinen Krieg und auch keine leeren Regale, keinen unbezahlbaren Sprit und keine abgedrehte oder runterregulierte Heizung. War die Propaganda immer so schlecht oder ist das nur ein neuer Tiefstpunkt ? Ich meine zuvor war natürlich auch unterhaltsam, gefährliche Pupse von Kühen, unerwünschte Kinder wegen Klima, Schutzmassnahmen zu Erziehungszwecken ohne Schutz, einstürzender Turm ohne Flugzeug, Massenvernichtungswaffen im Irak, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, vorbildliche Meinungsfreiheit und keine Zensur, regelbasierte schluck Ordnung, ich höre auf, sonst verschlucke ich mich wieder.
    Ich habe mich immer gefragt wie man denn vermeintliche Knappheit schaffen kann um einen Grund für Regulierung, Preiserhöhungen und andere Massnahmen zu haben als auch geopolitische Ziele zu erreichen, ohne dafür die eigentlichen Ursachen zu nennen. Ich glaube wir sind der Lösung dieser Frage vielleicht gerade einen Schritt näher gekommen. Denn Wohin führt denn dieser Wirtschaftskrieg und wer wird wohl nach offizieller Lesart der Schuldige sein ? Corona, Russland oder andere Interessen und der ausstehende Reset, der dem alten Geldsystem zu Grunde liegt ? Wenn man keinen Schuldigen vorschiebt, könnte es die Verursacher selbst treffen. Ausserdem hätte ich dann noch eine Frage an die Atomgegner in unserer Regierung, ich gehe davon aus, ihr seid dann hoffentlich auch gegen neue Atomwaffen auf deutschem Boden ? Ich bin dafür in unsere Verfassung zu schreiben, nie wieder Krieg zu führen, habe aber die Befürchtung, dass dann einfach die Definition von Krieg geändert wird oder ein Notfall die Verfassung aussetzen könnte…
    Nichtsdestotrotz gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass Teile unserer aktuellen Regierung doch etwas aus dem 2. Weltkrieg gelernt haben und sich irgendwann an diese Erkenntnisse erinnern mögen damit unsere Kinder von uns eine friedlichere , selbstständige und freiere Welt erben dürfen, in der alle Menschen gleich viel wert sind. Und ich möchte nie wieder Ausgrenzungen in unserer Gesellschaft sehen oder irgendwelche Zwänge zu körperlichen Behandlungen, egal welcher Art. Alle Menschen sind wertvoll. Im Krieg gibt es in den Bevölkerungen nur Leid. Und wenn politische Interessen meinen, dass irgendetwas Wichtiger ist , als das Leben von Menschen, dann ist diese Politik verfehlt. Das habe ich aus dem 2. Weltkrieg gelernt.

  4. rudi & Maria fluegl 4. Mai 2022 at 14:08Antworten

    Fau Drescher!
    Das Wort Helden sollte aus vielfältigsten Gründen ausgedient haben!
    Vor allem wenn diese Werkzeuge in der Hand von Mächtigen aller Couleurs waren!
    Wenns Einstein war? …zur Musik in Reih und Glied ….Gehirn aus Irrtum…Rückenmark würde genügen……Dem Sinn nach!
    Nachgoogeln!

    • Andrea Drescher 4. Mai 2022 at 14:21Antworten

      Meine Familie war im KZ. Die Menschen, die Deutschland von den Nazis befreit haben, sind für mich Helden. Und das waren mehrheitlich Russen. Auch wenn die westliche Erinnerungskultur ein anderes Lügenmärchen verbreitet.

      • I.B. 5. Mai 2022 at 11:39

        Von der Leyen gefällt sich in der Aussage, dass die Alliierten Auschwitz befreit hätten, dabei war es Russland allen.

        2015 wurde Putin nicht zur Gedenkfeier der Befreiung von Auschwitz eingeladen, wohl aber alle anderen Alliierten, obwohl nur Russland Auschwitz befreit hat.

        Angesichts solcher Tatsachen graut es mir vor den Berichterstattungen unserer Werte-Demokratie und Werte-Leitmedien.

        Dazu kommt das Verständnis der deutschen Sprache, das unter „Feier“ meist fröhliches, ausgelassenes Treiben versteht, obwohl es doch Trauerfeiern und Gedenkfeiern gibt, die durchaus ernst sind, sich aber durch feierliche Atmosphäre vom Alltag abheben. Dieses Missverständnis kann man – wenn man nur will – gerne für Propaganda missbrauchen.

        Das Wort „Held“ ist genauso gefährlich, weil es gerne für jede Propaganda missbraucht werden kann. Den Russen sollte unsere Dankbarkeit gehören für ihren Einsatz im 2. Weltkrieg, den nicht sie vom Zaun gebrochen haben. Er hat ihnen Millionen Menschenleben, vernichtete Städte und Boden gekostet. Trotzdem tut der Westen so, als ob er alles (nur) den USA zu verdanken hätte.

        Die russischen Soldaten taten das alles allerdings deshalb, weil Russland angegriffen wurde und sie in den Krieg ziehen mussten, ob sie wollten oder nicht. Genauso wie die ukrainischen Soldaten jetzt. Ich kann verstehen, dass für Sie diese russischen Soldaten große Dankbarkeit empfinden, dass sie für Sie zu „Helden“ wurden. Ich habe nur ebenfalls meine Bedenken gegen diesen Begriff.

        Die Heldenmütigkeit einer Frau Baerbock, eines Herrn Steinmeiers oder Herrn Gaucks und wie sie alle heißen, die für den „Frieden“, viel besser gesagt für den Krieg, materielle Opfer leisten wollen, obwohl sie sicherlich nicht davon betroffen sein werden, die für Deutschland Schaden herbei führen, anstatt das deutsche Volk vor Schaden zu bewahren, nur weil sie für eine verlogene Demokratie mit ihrer angeblichen Pressefreiheit (die gleich einmal eingestellt wurde), weil sie für Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte – die ihnen aber bei Saudi-Arabien, Katar , USA usw egal sind – einzutreten bereit seien, zeigt aber bereits auf, wie gefährlich die Begriffe „Held“ und „Heldentum“ sind.

  5. Andreas I. 4. Mai 2022 at 11:05Antworten

    Hallo,
    in Deutschland (in Bundesländern) ist das Tragen der sowjetischen Flagge verboten?
    Das ist interessant.

  6. L. W. 4. Mai 2022 at 10:38Antworten

    Abartig! Wer sich solche Feierlichkeiten ausdenkt oder veranstaltet, ist nicht ganz gesund da oben. Während viele unschuldige Menschen und Kindern ihr Leben lassen mussten wird hier eine Feier daraus gemacht.
    Es wird Zeit umzudenken und endlich die Realität ins Auge zu sehen.
    Was die ganze Zeit abgeht ist mehr als Abartig.

    • Andrea Drescher 4. Mai 2022 at 11:24Antworten

      Es wurde auch in den Jahren 2014-2021 gefeiert. Da starben ca. 14.000 unschuldige Menschen und Kinder im Donbass.

      Sie haben völlig recht: was die ganze Zeit abGING ist mehr als abartig.

      Der Tod von „Kartoffelkäfern“ nicht („liebevolle“ Bezeichnung der Asov-Anhänger für Russen) wurde nie medial zur Kenntnis genommen. Die wurden – lt. Asow-Aktivisten in Odessa im Gewerkschaftshaus „gegrillt“.

      JA. So was IST abartig. Aber … das stört hier halt keinen, solange man nicht medial darauf verdonnert wird, dass es einen zu stören hat.

  7. Hans Im Glück 4. Mai 2022 at 8:20Antworten

    Die Frage scheint mir weniger, ob das Ende des 2-Weltkriegs gefeiert werden darf. Mir stellt sich eher die Frage, ob ich das angesichts eines laufenden Krieges in Mitteleuropa feiern möchte. Die momentane Lage demonstriert doch eher das menschliche Unvermögen aus der Vergangenheit zu lernen. Wenn das nicht gelingt, dann macht es keinen Sinn sich zu freuen, dass der schreckliche Kriegswinter in Stalingrad vorbei ist, weil der weltweite atomare Winter weiterhin reale Bedrohung bleibt.

    • Andrea Drescher 4. Mai 2022 at 10:56Antworten

      Da haben Sie recht. Die Überschrift ist etwas unglücklich gewählt von mir. Es geht denjenigen, mit dem ich gesprochen haben um das friedliche Gedenken, GERADE wegen des aktuellen Krieges. Es geht natürlich nicht um „Party machen“ – ganz sicher nicht. Ich kenne ihn schon länger, kann das also sicher sagen.

      Der Kernpunkt meines Artikels ist die Befürchtung, dass es zu massiven Auseinandersetzungen kommt. Und das mit „Ansage“. Extrem gedacht: Stellen Sie sich vor, man genehmigt Demos von Neo-Nazis und militanter Antifa am gleichen Ort – was ist dann zu erwarten? Da sich Russen und Ukrainer im Krieg befinden – was kann man von deren Vertretern in Deutschland erwarten?

      Ich werde nie vergessen, dass man in den 80iger Jahren in Frankfurt, Iraner und Iraker im selben Flüchtlingsheim untergebracht hat. Und anschließend haben sich alle über die „gewalttätigen Flüchtlinge“ aufgeregt. Auch das war – mit Ansage.

  8. Elisabeth 4. Mai 2022 at 7:45Antworten

    Das kennen wir schon besonders von der dt. und ö. Berichterstattung. Die „Gegendemonstranten“ werden aggressiv und danach heißts, die Maßnahmen- und Systemkritiker warns und diesmal werden es halt auch noch „die Russen“ gewesen sein …

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