Fragwürdige Ergebnisse der Antikörper Studie des RKI in Bad Feilnbach

Das deutsche Robert Koch Institut (RKI) hat heute die Ergebnisse der vom 23. Juni bis 4. Juli durchgeführten Antikörperstudie im früheren Hotspot Bad Feilnbach veröffentlicht. Der Ort im oberbayerischen Landkreis Rosenheim war zu Beginn der Pandemie einer der Hotspots gewesen. Trotzdem wurden nur bei 6 Prozent der untersuchten 2153 Erwachsenen Antikörper festgestellt. Jedoch wurden bei immerhin 40 Prozent der Personen, die einen positiven SARS-Cov-2 Test gehabt hatten, keine Antikörper gefunden.

Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass insbesondere bei Infizierten mit keinen oder nur leichten Symptomen sich entweder gar keine Antikörper bilden, oder nur sehr wenige, die relativ rasch binnen weniger Wochen wieder verschwinden. Da der Abstand der Studie zu den Infektionen relativ groß ist, sind auch die Ergebnisse sehr zu hinterfragen.

Aber zunächst die vom RKI veröffentlichten Fakten:

  • Im Verlauf der Studie wurden in Bad Feilnbach keine akuten Infektionen festgestellt.
  • 6,0 Prozent der erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohner Bad Feilnbachs hatten positive Antikörper-Nachweise gegen SARS-CoV-2 und haben demnach die Infektion durchgemacht.
  • Bei Frauen (6,0 Prozent) und Männern (6,1 Prozent) wurden etwa gleich häufig Antikörper nachgewiesen.
  • Asymptomatische Fälle: 14,5 Prozent der Seropositiven (Personen mit positivem Antikörper-Nachweis) waren ohne typische Krankheitssymptome, 85,5 Prozent hatten mindestens eins der Symptome (Fieber über 38° C, Atemnot / Kurzatmigkeit, Lungenentzündung, Schnupfen, Husten, Schmerzen beim Atmen, Halsschmerzen, Geruchs-/ Geschmacksstörung).
  • Dunkelziffer: Durch die Studie wurden 2,6-mal mehr Infektionen nachgewiesen als bislang in Bad Feilnbach bekannt.
  • Antikörper: Bei 39,9 Prozent der Erwachsenen mit positiven SARS-CoV-2-Test (Eigenangaben im Fragebogen) konnten keine Antikörper nachgewiesen werden; dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine Immunität besteht.

Schwedische Studie mit 3 mal so vielen T-Zellen wie Antikörpern

Eine umfangreiche Studie des Karolinska Institutet und der Karolinska Universitätsklinik zeigt, dass viele Menschen mit leichtem oder asymptomatischem COVID-19 eine so genannte T-Zell-vermittelte Immunität gegen das neue Coronavirus zeigen, auch wenn sie nicht positiv auf Antikörper getestet wurden.

Marcus Buggert, Assistenzprofessor am Zentrum für Infektionsmedizin, einer der Hauptautoren der mittlerweile auch per Peer-Review bestätigten Studie: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass etwa doppelt so viele Menschen eine T-Zell-Immunität entwickelt haben wie diejenigen, bei denen wir Antikörper nachweisen können.“

Legt man das um, so kommt Bad Feilnbach auf 18 Prozent mit SARS-CoV-2 infizierte und nun immune Personen.

Studie der Universität Zürich vermutet fünffache Exposition

Die Teilnehmer der einer der beiden untersuchten Gruppen waren Angehörige der Gesundheitsberufe und dem Coronavirus ausgesetzt. Die Forscher suchten nicht nur wie bei den üblichen Antikörpertests nach Antikörpern im Blut, sondern auch in Augen, Nase und Mund.

Die Immunologen konnten erstmals für Covid-19 nachweisen, dass infizierte Menschen auch Antikörper in den Schleimhäuten haben. Vor allem bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens fanden die Wissenschaftler IgA in den Nasenschleimhäuten, auch wenn keine Symptome vorhanden waren. Damit konnten die Immunologen erstmals für Covid-19 nachweisen, dass infizierte Personen – wie aus anderen Erkrankungen bekannt – auch Antikörper in den Schleimhäuten haben. „Die aktuellen Antikörpertests decken bei weitem nicht alle Fälle ab“, sagt Studienleiter Boyman. Daher kann davon ausgegangen werden, dass fünfmal mehr Personen als in breit angelegten Antikörpertests nachgewiesen wurden, bereits Kontakt mit dem neuen Coronavirus hatten.

In Ischgl Antikörper bei 85 Prozent der Perosnen ohne Symptome

In Ischgl wurden die Tests auf Antikörper schon Anfang April, also kurz nach der Hauptwelle der Infektionen durchgeführt und nicht erst zwei bis drei Monate später wie in Bad Feilnbach.

Antikörper gefunden wurden in Ischgl bei 42 Prozent der Bevölkerung, wovon allerdings 85 Prozent erklärten sich an keine Symptome erinnern zu können.

Fragwürdige Ergebnisse in Bad Feilnbach

Wegen des großen zeitlichen Abstands zur Hauptwelle der Infektionen sind die Ergebnisse des RKI nur mehr wenig zuverlässig und würden einer Interpretation im Lichter der anderen Studienergebnisse erfordern. Überraschend ist, dass das RKI in seiner heute veröffentlichten Dokumentation nicht selbst darauf hinweist.

Immunität gegen Coronaviren auch bei asymptomatischen Personen

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