Ungarn: Neue Regierung setzt Staatspräsidenten ab – Demokratie per Verfassungsänderung entsorgt?

19. Juli 2026von 4,3 Minuten Lesezeit

Balázs Orbán, enger Vertrauter von Viktor Orbán und Mitglied des ungarischen Parlaments, hat in einem Beitrag auf X scharfe Kritik an den jüngsten Entwicklungen in Ungarn geübt. Er bezieht sich auf eine Video-Botschaft des bisherigen Staatspräsidenten Tamás Sulyok, in der dieser die rechtsstaatliche Demokratie in Ungarn für beendet erklärt. Sulyok sieht sich unrechtmäßig aus dem Amt entfernt und warnt vor der Einsetzung einer Marionette.

Laut Balázs Orbán hat das neue Regierungslager – nach dem Wahlsieg von Péter Magyars Tisza-Partei im April 2026 – nicht nur den Präsidenten abgesetzt, sondern auch politische Gegner von künftigen Wahlen ausgeschlossen. Er wirft Brüssel vor, diese Schritte aktiv unterstützt und gelenkt zu haben. Die EU verhalte sich zunehmend wie ein „liberales autoritäres Imperium“, das den Völkern vorschreibe, was sie sagen, tun und wählen dürften.

Hier das Posting von auf X:

Heute veröffentlichte der ungarische Präsident eine dramatische Videobotschaft, in der er verkündete, dass die demokratische Rechtsstaatlichkeit in Ungarn ein Ende gefunden habe, da er rechtswidrig seines Amtes enthoben worden sei. So etwas hat es in der modernen europäischen Geschichte noch nie gegeben.

An seiner Stelle wird nun eine Marionette eingesetzt, doch das Mandat dieser Person wird von Anfang an illegitim sein. Gleichzeitig haben die Regierungsparteien ihre politischen Gegner von der Teilnahme an künftigen Wahlen ausgeschlossen.

Das sind genau jene Leute, die Viktor Orbán jahrzehntelang als Diktator bezeichnet haben. Doch in dem Moment, als sie eine demokratische Wahl gewannen, wandten sie sich sowohl gegen ihn als auch gegen die Demokratie selbst. Sie handelten nicht aus eigenem Antrieb. Sie taten dies mit der Unterstützung und auf Anweisung aus Brüssel.

Die Europäische Union verhält sich zunehmend wie ein liberal-autoritäres Imperium, das entschlossen ist, den Menschen vorzuschreiben, was sie sagen dürfen, was sie tun müssen und sogar, wen sie wählen dürfen.

Niemand, der Freiheit wirklich schätzt, kann dies akzeptieren.

Die Ereignisse im Überblick

Nach dem deutlichen Wahlsieg der Tisza-Partei im April 2026 hat die neue Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar eine Reihe von Verfassungsänderungen auf den Weg gebracht. Dazu gehört die vorzeitige Beendigung der Amtszeit von Staatspräsident Tamás Sulyok, der von der vorherigen Orbán-Regierung ernannt worden war. Das Parlament verabschiedete die entsprechende 17. Verfassungsänderung mit großer Mehrheit. Sulyok unterzeichnete das Gesetz schließlich am 18. Juli 2026, nachdem er zuvor scharfe Kritik geübt hatte.

Zusätzlich sieht die Reform Amtszeitbegrenzungen für Abgeordnete, die Pensionierung älterer Verfassungsrichter und die Einrichtung einer Anti-Korruptionsbehörde vor. Kritiker aus dem Orbán-Lager sehen darin gezielte Maßnahmen, um einflussreiche Persönlichkeiten der früheren Regierung dauerhaft aus der Politik zu drängen.

Die Perspektive von Balázs Orbán

In seinem Beitrag betont Balázs Orbán, dass nichts Vergleichbares in der modernen europäischen Geschichte vorgekommen sei. Die neuen Machthaber hätten genau das getan, was sie Viktor Orbán jahrzehntelang vorgeworfen hätten: Sie hätten sich gegen die Demokratie gewandt, sobald sie selbst an der Macht waren. Er sieht darin eine klare Einmischung von Brüssel.

Die EU habe die neuen Kräfte in Ungarn dabei unterstützt, die bisherige politische Ordnung zu demontieren. Orbán warnt davor, dass solche Entwicklungen Freiheit und Demokratie in Europa gefährden.

Ein Muster europäischer Einflussnahme?

Die Vorgänge in Ungarn werfen ein Schlaglicht auf die zunehmende Einmischung der EU in die inneren Angelegenheiten ihrer Mitgliedstaaten, wenn die dortigen Wahlergebnisse nicht den Vorstellungen in Brüssel entsprechen. Nach dem von Brüssel massiv unterstützten Machtwechsel in Budapest wird nun mit Verfassungsänderungen und personellen Säuberungen in Schlüsselpositionen eine grundlegende Umgestaltung des politischen Systems vorangetrieben.

Während die neue Regierung diese Schritte als notwendige Reformen zur Stärkung von Rechtsstaat und Unabhängigkeit der Justiz darstellt, sehen Kritiker darin einen Machtmissbrauch mit EU-Rückendeckung. Die schnelle Umsetzung tiefgreifender Veränderungen kurz nach dem Wahlsieg erinnert an ähnliche Muster in anderen Ländern, in denen Brüssel auf politische Kurswechsel drängt.

Die Debatte um die ungarische Präsidentschaft und die begleitenden Verfassungsreformen zeigt einmal mehr die Spannungen zwischen nationaler Souveränität und illegitimer Zentralmacht EU.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Péter Magyar plant Verfassungsumbau: Ungarns Präsident soll entfernt werden

Ungarn: Wie man mit Verfassungsänderungen die Opposition demontiert

Die westliche Übernahme Ungarns durch BlackRock, Vanguard und Shell

Alarmierendes Signal aus Ungarn: mRNA-Zarin Katalin Karikó als Gesundheitsberaterin für die neue Regierung berufen

Ungarn kippt um: US-Lobbyistin Anita Orbán als Vize-Premierministerin und Außenministerin

5 Kommentare

  1. local.man 19. Juli 2026 um 13:23 Uhr - Antworten

    Thema EU:

    EU-Politik der letzten 25 Jahre (2000–2025) – Für wen wird hier eigentlich regiert?

    Offiziell steht die EU für „Frieden, Wohlstand und Demokratie“. Schaut man jedoch auf die realen Ergebnisse der großen Entscheidungen, entsteht ein deutlich unangenehmeres Bild. Die Politik der letzten zweieinhalb Jahrzehnte hat systematisch Machtstrukturen, Großkonzerne und eine Brüsseler Verwaltungselite begünstigt, während die breite Bevölkerung oft die Zeche zahlt.
    Beispiele für diese Schieflage:

    Die Griechenland-Krise und die Euro-Rettungen: Offiziell „Stabilisierung Europas“. Real: Verluste der Banken wurden sozialisiert, die griechische Bevölkerung musste jahrelang brutale Austerity ertragen (Massenerwerbslosigkeit, Rentenkürzungen, Wirtschaftseinbruch).

    Die DSGVO: Wird als Bürgerschutz verkauft. In der Praxis erschwert sie kritischen und alternativen Medien die Arbeit, während große Konzerne und öffentlich-rechtliche Medien mit Ausnahmen gut leben können.

    Der gesetzliche Mindestlohn: Soll Arbeiter schützen. Tatsächlich wirkt er oft als Lohnanker nach unten und erleichtert Konzernen, echte Tariflöhne zu drücken.

    Der Green Deal und die Energiepolitik: Angeblich Klimarettung. Real: Explodierende Strom- und Heizkosten für Normalbürger, Deindustrialisierung, massive Subventionen für Großkonzerne und absurde Effekte wie Negativstrompreise – während die globale CO₂-Bilanz kaum beeinflusst wird.

    Migrations- und Erweiterungspolitik: Schafft billige Arbeitskräfte für Konzerne und erhöht den Druck auf Sozialsysteme und Löhne unten.

    Wenn man versucht, die reale Wirkung auf einer Skala von 0–100 % zu gewichten (wobei 50 % eine neutrale, bürgernahe Politik wäre), ergibt sich ungefähr folgendes Bild:

    Großkonzerne, Finanzsektor, Big Tech, große Energie- und Agrarunternehmen: 75–85 %
    EU-Bürokratie, Lobbyisten und das Brüsseler Netzwerk: 70–80 %
    Etablierte politische Klasse: 65–75 %
    Breite Bevölkerung (Normalbürger, untere und mittlere Schichten): 25–35 %
    Kleine und mittlere Unternehmen: 20–30 %

    Das sind natürlich keine Laborwerte, sondern eine Einschätzung auf Basis der beobachtbaren Effekte. Die Kluft ist offensichtlich.
    Das eigentliche Systemproblem dahinter: Die repräsentative Demokratie auf EU-Ebene wirkt immer mehr wie ein moderner Schutzzaun für neue Eliten. Nach dem Ende der alten Könige und Fürsten wurde uns erzählt, das Volk herrsche nun durch seine gewählten Vertreter. Stattdessen haben wir ein hochkomplexes System bekommen, in dem Bürger alle paar Jahre ein Kreuz machen dürfen, während die wirklich wichtigen Entscheidungen fernab der Öffentlichkeit, von nicht direkt gewählten Kommissaren, Beamten und Lobbyisten getroffen werden.
    Viele „pro Bürger“-Maßnahmen sind letztlich Symbolpolitik: An einer Stelle wird etwas abgefedert, an anderer Stelle doppelt abkassiert. Das Ganze vermittelt den Eindruck, dass die EU weniger für die breite Masse der Menschen arbeitet, sondern für ein Netzwerk aus Geld, Besitz und Macht – verpackt in der schönen Hülle von Demokratie und Fortschritt.

    Kurz gesagt: Es sieht immer mehr danach aus, als hätte man die alten Fürsten einfach durch ein komplexes, undurchschaubares Netzwerk aus Bürokratie und Großkapital ersetzt – nur mit besserer PR.

    Meine Zusammenarbeit mit Grok-KI zur Klärung was die EU ist

    • local.man 19. Juli 2026 um 13:31 Uhr - Antworten

      Das fehlt natürlich noch:

      Die EU und die Kriege seit 2014 – Ukraine & Iran

      Seit 2014 spielt die EU eine zentrale Rolle bei der Eskalation und Unterstützung des Ukraine-Konflikts: Assoziierungsabkommen, massive Finanz- und Waffenhilfen, umfassende Sanktionen gegen Russland und enge Abstimmung mit den USA/NATO. Offiziell geht es um „Solidarität“ und „Verteidigung der Demokratie“. Real trägt die EU maßgeblich zu einer Konfrontationspolitik bei, deren wirtschaftliche Folgen (Energiekrise, Inflation, Deindustrialisierung) vor allem die europäischen Bürger treffen – während Rüstungskonzerne und bestimmte Energielobbys profitieren.

      Beim aktuellen Konflikt mit Iran ist die EU zwar militärisch noch kaum direkt involviert, aber diplomatisch und sanktionspolitisch eng an der Seite der USA positioniert. Auch hier gilt: Hinter der offiziellen Fassade laufen enge transatlantische Absprachen und Pläne, deren langfristige Kosten (Energiepreise, Wirtschaftsschäden, mögliche Flüchtlingswellen) wieder primär bei den europäischen Bürgern landen.

      Fazit zu den Kriegen: Auch hier zeigt sich das bekannte Muster – die EU-Politik dient geopolitischen und transatlantischen Machtinteressen, während die Bevölkerung die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen trägt. Frieden und Wohlstand für die Bürger stehen nicht im Vordergrund, sondern die Einbindung in eine größere westliche Konfrontationsstrategie.

  2. Jakob 19. Juli 2026 um 12:06 Uhr - Antworten

    Es ist in der Vergangenheit passiert und es passiert gerade wieder:
    Mittels demokratischer Werkzeuge dank demokratischer Gesetze wird die Demokratie Stück für Stück entsorgt.
    Und der demokratisch bestens geschulte und geübte Bürger kriegt nix mit.
    Eine Diktatur wird langsam aber unaufhaltsam aufgebaut.
    Dafür brauchts natürlich die ganzen rechtschaffenen Mitläufer und Duckmäuser.
    Der brave Untertan wird auch in Zukunft so wie in der Vergangenheit von all dem nichts gewusst haben und völlig unschuldig sein.

    • D-Emigrant 20. Juli 2026 um 11:08 Uhr - Antworten

      In Ungarn wird die Diktatur alles andere als langsam aufgebaut! Magyar arbeitet eine Prioritätenliste ab, wie sie dafür seit Jahrhunderten bekannt ist. Meine Hoffnung für das Land beruht darauf, dass ich die Ungarn überwiegend als weniger feige kennengelernt habe als die Deutschen und immer wieder bewiesen haben, dass sie sich nicht alles dauerhaft gefallen lassen. Wenn sie erst merken, dass die meisten seiner Wahlversprechen unhaltbar sind, dürfte dem Regenten kräftiger Wind entgegenpusten. Auch Viktor Orbáns Vorgänger, der ihn nach seiner ersten Amtszeit hatte verdrängen können, war nur eine einzige Wahlperiode lang im Amt.

  3. Glass Steagall Act 19. Juli 2026 um 11:24 Uhr - Antworten

    Die drei Stufen zur Antidemokratie der EU:

    Über die Massenpsychologie wird erreicht, dass die Bevölkerung die „richtigen“ politischen Vertreter nach dem Geschmack der EU wählt und dann hebelt man die Demokratie mit den neuen Wasserträgern einfach aus! Das läuft mehr oder weniger in allen europäischen Ländern die letzten 20 Jahre so ab.
    Wenn sich aber die Bevölkerung nicht mehr manipulieren lässt, wird direkt in die Demokratie eingegriffen und man nutzt gekaufte Gerichte, um die passenden Gesetzesänderungen vorzunehmen!
    Sollte auch das nicht mehr ausreichen, wird man den Spannungsfall oder Kriegsrecht ausrufen! Die letzte Stufe sieht man in der Ukraine, dem Experimentierfeld der EU. Die anderen Vorstufen sieht man derzeit in West-Europa bzw. in den EU-Ländern.

    Wir können gespannt sein, wann die Stufe drei in einem westeuropäischen Land eingesetzt wird! Wahrscheinlich dann, wenn sich Wahlen oder Bürger nicht mehr ausreichend manipulieren lassen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Aktuelle Beiträge