Irland führt digitale ID-Wallet ein – EU-Zwang unter dem Deckmantel der Bequemlichkeit

3. Juli 2026von 4,1 Minuten Lesezeit

Irland macht ernst mit der digitalen Identität. Das Land rollt derzeit eine staatliche Digital-ID-Wallet aus, die auf dem bestehenden MyGovID-System aufbaut und künftig als nationales Identitätsinstrument dienen soll. Die Maßnahme ist Teil der EU-weiten eIDAS-2-Verordnung und damit kein irischer Wunsch, sondern eine verpflichtende Vorgabe aus Brüssel.

Ab sofort können Bürger eine App-Version der Wallet herunterladen. Darin lassen sich digitale Versionen amtlicher Dokumente wie Führerschein, Geburtsurkunde oder die Europäische Krankenversicherungskarte speichern. Diese können dann bei Behörden oder Dienstleistern vorgezeigt und verifiziert werden. Der Minister für öffentliche Ausgaben Jack Chambers preist die Wallet als Erleichterung: Sie soll die Identitätsprüfung vereinfachen, den Zugang zu Leistungen beschleunigen und den Bürgern die Kontrolle über ihre Daten lassen. Nur die jeweils benötigten Informationen sollen weitergegeben werden.

EU-weiter Zwang bis Ende 2026

Hinter der irischen Initiative steht die EU-Verordnung eIDAS 2 (EU Regulation 2024/1183). Alle Mitgliedstaaten müssen bis Ende 2026 eine EU-weite Digital Identity Wallet anbieten. Öffentliche Stellen sind dann verpflichtet, sie anzunehmen. Ab Ende 2027 sollen auch große private Plattformen die Wallet für Alters- und Identitätsprüfungen nutzen können – ein Schritt, der den Zugang zu sozialen Netzwerken und anderen Online-Diensten künftig an eine staatlich verifizierte digitale Identität koppeln könnte.

Irland nutzt dafür das bereits weit verbreitete MyGovID-System. Laut Zentralem Statistischen Amt nutzen bereits etwa acht von zehn Iren digitale Identitätsdienste. Die neue Wallet soll zudem die Umsetzung des irischen Online Safety Code und der Digital-Ireland-Strategie unterstützen, insbesondere bei der Altersverifikation.

Datenschutz-Versprechen und reale Risiken

Offiziell wird betont, dass die Nutzer die volle Kontrolle behalten und die Wallet „privacy by design“ umsetze. Die Europäische Kommission wirbt mit dem Argument, die Wallet schütze vor Profiling und Überwachung. In der Praxis zentralisiert sie jedoch die Identitätsprüfung beim Staat. Statt anonymer Nutzerkonten bei Online-Diensten wird künftig eine staatlich ausgestellte und verifizierte Identität zur Voraussetzung für viele Interaktionen.

Kritiker sehen darin einen weiteren Schritt hin zur Abschaffung von Anonymität im digitalen Raum. Wer sich mit der Wallet ausweist, hinterlässt nachvollziehbare Spuren, die mit staatlichen Registern verknüpft sind. Besonders brisant ist das in einem Land, das 2021 einen schweren Ransomware-Angriff auf den staatlichen Gesundheitsdienst HSE erlitten hat – damals wurden sensible Patientendaten in großem Umfang kompromittiert.

Die Wallet ist derzeit noch freiwillig in der Testphase. Aufgrund der EU-Verordnung wird sie jedoch schrittweise zur Pflicht für staatliche und später auch private Dienste. Was heute als „Bequemlichkeit“ und „Nutzerkontrolle“ verkauft wird, entwickelt sich damit zu einem zentralen Infrastrukturelement für die digitale Überwachung und Steuerung des Alltags.

Ein europaweites Muster

Irland ist kein Einzelfall. Mit eIDAS 2 treibt die EU in allen Mitgliedstaaten die Einführung digitaler Identitätswallets voran. Das Ziel ist eine einheitliche, staatlich kontrollierte digitale Identität, die von Behörden bis in die sozialen Medien reicht. Die Versprechen klingen stets gleich: mehr Sicherheit, mehr Komfort, mehr Datenschutz. Die Realität zeigt jedoch meist das Gegenteil – eine weitere Zentralisierung sensibler Daten und den schleichenden Verlust von Anonymität und Selbstbestimmung.

Die irische Umsetzung macht einmal mehr deutlich, wie EU-Verordnungen nationale Politik überrollen und unter dem Deckmantel technischer Modernisierung tief in die Grundrechte eingreifen. Wer sich heute noch freiwillig mit der Wallet anmeldet, sollte sich bewusst sein, dass morgen schon der Zwang folgen kann – nicht weil die Bürger es wollen, sondern weil Brüssel es so beschlossen hat.

Andere EU-Länder, die die Direktive umgesetzt haben sind Österreich, Frankreich, Italien, Polen, Dänemark und Spanien. In Deutschland ist es für Januar 2027 angekündigt.

Das Ziel: Digitale Zwillinge von jedem Bürger

Schließlich wird eher über kurz als über lang jede online Transaktion eine Spur hinterlassen, die eindeutig einem Individuum zugeordnet ist. Mit den in ständig steigendem Umfang an gesammelten Daten werden sogenannte digitale Zwillinge von jedem Menschen erzeugt.

Digitale Zwillinge (Digital Twins) sind virtuelle Echtzeit-Abbilder von physischen Objekten, Prozessen oder Menschen. Sie werden bereits heute in der Industrie eingesetzt:

  • Produkte und Maschinen (Predictive Maintenance, Simulation)

  • Fabriken und ganze Lieferketten

  • Städte (Smart Cities)

  • Energie- und Verkehrsnetze

Das ist technisch anspruchsvoll, aber noch überschaubar. Wenn man jedoch den nächsten logischen Schritt geht – digitale Zwillinge von jedem einzelnen Menschen – wird der Rechenbedarf exponentiell ansteigen. In den jetzt gebauten immer größeren Rechenzentren werden dann verarbeitet:

  • Permanente Echtzeit-Datenströme (Gesundheit, Verhalten, Standort, Kommunikation, Biometrie)

  • Hochkomplexe Simulationen und KI-gestützte Vorhersagemodelle

  • Speicherung und Verarbeitung enormer Datenmengen pro Person

Möglich wird dadurch kontinuierliche, personalisierte Simulationen und Steuerung.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Energieproteste in Irland: Bauern, Spediteure und Transportbranche legen das Land lahm

EU plant flächendeckenden Digitalen Produktpass – Verbindung zu Digital Twins, Digitale ID und Digitalem Euro

Digitale Identität: Apples schleichende Einführung des „digitalen Ausweises“ als Kontrollinstrument

Wofür die EU-Kommission die digitale ID wirklich will

6 Kommentare

  1. Gabriele 3. Juli 2026 um 13:27 Uhr - Antworten

    Bei den Kreuzzügen hieß es: Gott will es so! Zu diesem Thema kann man ruhig sagen: Auch das dumme Volk will es so – jedenfalls der überwiegende Teil der Smombies, Coach-Potatoes und Dauerschläfer.
    Diese Bequemlichkeit und Ignoranz wird unser Untergang sein. Die meisten glauben ja sogar, Drohnen werden einen eventuellen Krieg für uns führen – kann gar nichts passieren. Also weiter schlafen…
    Es gibt vermutlich keine Rettung mehr, als eine riesige globale Katastrophe.
    Und dann sagen manche, Offline wäre das neue Bio…. wirklich? Sehe nichts davon…

  2. Frank59 3. Juli 2026 um 10:36 Uhr - Antworten

    Nun, so einfach das auch klingen mag, aber nur mal angenommen, 2/3 würden sich diese „APP“ nicht herunterladen, dann würde sich dieser sogenannte „Zwang“ niemals durchsetzen können – denn wie wir unter Punkt 3) lesen können, ist das ja freiwillig: „The Digital Decade Policy Programme 2030, established by Decision (EU) 2022/2481 of the European Parliament and of the Council (5), sets the objectives and digital targets of a Union framework which, by 2030, are intended to lead to wide deployment of a trusted, !!VOLUNTARY!!, user-controlled digital identity that is recognised throughout the Union and allows every user to control their data in online interactions.“ – Das große Problem ist, wie Sie richtig schreiben, dass die Menschen heute größtenteils unter einer mittlerweile mMn schon krankhaften Bequemlichkeit „leiden“ und von der Annahme ausgehen, dass das alles „notwendig“ ist, ist es aber nicht – leider wird das ständig durch Medien verschiedener Art und Weise suggeriert und mit weißwaschenden Phrasen unterspickt, natürlich auch von der EU. Meine Familie und ich z. Bsp. haben bis dato noch nie irgendeine APP heruntergeladen und ich selbst verwende zum telefonieren noch immer ein altes NOKIA – ich lehne jegliche sogenannten Smart-Angebote ab, keine Smartphones, keine Smartmeter, keine Smart-Cities etc., denn jeder Mensch hat das Potential, selbst smart zu sein, ohne diesen ganzen Schnick-Schnack – Technologie kann durchaus etwas Gutes sein, aber sie sollte niemals zur absoluten Überwachung(Versklavung) der Menschheit missbraucht werden, und betreffend dieser so massiv angepriesenen Optionen, haben es die Menschen selbst in der Hand, das zu vermeiden, denn wenn der digitale Gulag einmal komplett installiert ist, wird es kein zurück geben!

    • Waldgaengerin 3. Juli 2026 um 15:50 Uhr - Antworten

      Dann sind Sie eine Ausnahme und ich ebenfalls.
      Im Artikel steht, 8 von 10 Iren nutzen diese Technik. Wenn ich hier in den Supermarkt gehe, zahlen 99 vib 100 Personen mit Karte.
      Denen ist Überwachung völlig egal.

      Klar, die Menschen haben es in der Hand, sie bräuchten bloß Nein zu sagen zu dem ganzen Kram. Werden sie aber nicht tun.

      • Frank59 3. Juli 2026 um 16:31 Uhr

        Ja, das kann man leider überall beobachten – und ich bin erfreut, dass es noch smarte Menschen gibt – alles erdenklich Gute für Sie und ihre Familie!

  3. VerarmterAdel 3. Juli 2026 um 10:16 Uhr - Antworten

    Hoffentlich wird dieses System möglichst schnell gehackt, und alle Daten von allen landen für die ganze Welt sichtbar im Internet um zu zeigen, wie sicher das System ist.

    • Christine 3. Juli 2026 um 18:57 Uhr - Antworten

      Das System ist bestimmt bereits gehackt. Wir werden es nie erfahren, das wird unter den Teppich gekehrt, wie auch die Schadensfälle in anderen Bereichen. Da wird gar nichts für die ganze Welt sichtbar.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Aktuelle Beiträge