
Putins Staatsbesuch in China: Was nur Tage nach Trump zu erwarten ist
Russlands Präsident Wladimir Putin ist am 19. und 20. Mai 2026 zu einem Staatsbesuch in China eingetroffen – nur wenige Tage nachdem US-Präsident Donald Trump Peking verlassen hatte. Beijing erweist sich damit als Drehscheibe, in der Ost und West um Einfluss ringen.
Der Besuch fällt bewusst mit dem 25. Jahrestag des Vertrags über gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Russland und China zusammen, der 2001 unterzeichnet wurde und die Grundlage der heutigen strategischen Partnerschaft bildet. Beide Seiten sprechen von einer „umfassenden strategischen Partnerschaft der Koordination“, die ein „beispielloses Niveau“ erreicht habe.
Präsident Putin hat vor der Abreise in einer Videobotschaft klare Worte gefunden. Die russisch-chinesischen Beziehungen hätten ein „wirklich beispielloses Niveau“ erreicht, so der Kremlchef. Sie seien eine „stabilisierende Kraft“ in der Welt. Die Partnerschaft beruhe auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und strategischer Zusammenarbeit – ohne sich gegen Dritte zu richten, sondern für Frieden und allgemeinen Wohlstand. Die russische Nachrichtenagentur TASS berichtet detailliert darüber und zitiert Kremlsprecher Dmitri Peskow: Das bilaterale Verhältnis stehe im Vordergrund, der Handel liege konstant über 200 Milliarden Dollar jährlich.
Bilaterale Agenda und globale Themen
Laut Kreml und chinesischen Angaben stehen auf der Agenda:
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Weiterer Ausbau der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen (Handelsvolumen stabil über 200 Milliarden US-Dollar jährlich)
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Energiekooperation
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Technologie- und Bildungsaustausch (u. a. Eröffnung der „Russland-China Jahre der Bildung 2026–2027“)
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Abstimmung zu internationalen und regionalen Fragen
Die semi-offiziöse Global Times hebt hervor, dass immer mehr Länder die Zusammenarbeit mit China als Chance für Stabilität und Wachstum sehen – im Kontrast zur westlichen Konfrontationspolitik.
Symbolik nach Trumps Besuch
Die enge zeitliche Abfolge der Besuche von Trump und Putin in Peking ist bemerkenswert. Während Washington versucht, China wirtschaftlich und technologisch unter Druck zu setzen, zeigt Moskau demonstrativ die Tiefe der russisch-chinesischen Achse.
Für Peking ist das eine perfekte Position: Es kann mit beiden Seiten verhandeln und seine eigene Agenda vorantreiben, ohne sich einseitig zu binden.
TASS und Xinhua berichten einhellig von einer herzlichen Atmosphäre und der Erwartung konkreter Ergebnisse. Eine gemeinsame Erklärung wird erwartet.
Trotz aller westlichen Sanktionen und Versuche, Russland zu isolieren, hat sich die Partnerschaft zwischen Moskau und Peking als robust und wachstumsstark erwiesen. Sie basiert auf handfesten gemeinsamen Interessen: Souveränität, wirtschaftliche Entwicklung jenseits westlicher Vormundschaft und Ablehnung einer unipolaren Weltordnung.
Russland-China-Energiekooperation
Während Europa sich weiter von Energiequellen und Märkten abschneidet, bauen Russland und China ihre Zusammenarbeit konsequent aus – zum Vorteil beider Völker und als stabilisierender Faktor in einer turbulenten Welt.
Die Energiekooperation steht ganz oben auf der Agenda. Sie ist längst nicht mehr nur ein Handelsgeschäft, sondern das Rückgrat der strategischen Partnerschaft zwischen Moskau und Peking – und ein Lehrstück dafür, wie schnell sich globale Energieflüsse neu ausrichten, wenn der Westen auf
Russland hat sich nach dem europäischen Energieboykott erfolgreich nach Osten gedreht. China ist heute der mit Abstand wichtigste Abnehmer russischer Energieträger:
- Rohöl: China importiert regelmäßig über 1,9–2,1 Millionen Barrel pro Tag aus Russland (2026 Rekordwerte im Februar). Russland deckt zeitweise rund 17 % der chinesischen Rohölimporte.
- Pipeline-Gas (Power of Siberia 1): 2025 lieferte Gazprom bereits 38,8 Milliarden Kubikmeter – über dem Vertragssoll. Die Pipeline läuft auf Volllast.
- Weitere Pipelines: Die Far Eastern Route soll auf 12 Milliarden Kubikmeter steigen. Power of Siberia 2 (über die Mongolei, bis zu 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr) wurde 2025 mit einem rechtlich bindenden Memorandum vorangetrieben. In den frühen 2030er Jahren könnten über 100 Milliarden Kubikmeter russisches Gas jährlich nach China fließen – vergleichbar mit den früheren Liefermengen nach Europa.
Zusätzlich wächst der LNG-Handel. Russland beliefert China auch mit Kohle, Ölprodukten und Helium. Die Abrechnungen erfolgen zunehmend in Rubel und Yuan – der Dollar wird bewusst umgangen.
Für China bedeutet die Kooperation:
- Diversifikation weg von unsicheren Seewegen (Straße von Hormus) und westlichen LNG-Lieferanten.
- Günstige Preise durch langfristige Verträge und Russlands Verhandlungsdruck.
- Versorgungssicherheit in Zeiten geopolitischer Turbulenzen (Iran-Konflikt, Spannungen mit den USA).
Peking bleibt jedoch pragmatisch: Es will keine einseitige Abhängigkeit von Russland und nutzt seine starke Verhandlungsposition bei Preisen und Konditionen aus. Dennoch vertieft sich die Zusammenarbeit kontinuierlich – von Pipelines über Arktis-Routen bis hin zu gemeinsamen Infrastrukturprojekten.
Die Energiekooperation zwischen Russland und China ist ein Musterbeispiel dafür, wie reale Interessen und Geographie Ideologie und Sanktionen aushebeln. Während der Westen moralisiert, sichern sich Moskau und Peking langfristig Versorgung und Einnahmen. Putins Besuch in Peking wird diese Achse weiter zementieren – zum Nachteil jener, die glauben, sie könnten die Welt mit Embargos neu ordnen.
Die Energieflüsse sprechen eine klare Sprache: Der Osten organisiert sich neu. Die EU und die von ihr beherrschten Nationen schauen wieder einmal zu.
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