Investitionsboom in den USA, Deindustrialisierung in Europa

27. Mai 2026von 5,1 Minuten Lesezeit

Es gibt einen großen Unterschied zwischen EU, insbesondere Deutschland, und USA. Deutschland und Europa sind in einem Strudel der Deindustrialisierung, in den USA boomen die Großinvestitionen.

Im US-Magazin ZeroHedge erschien ein frischer Artikel des deutschen Wirtschaftsjournalist Thomas Kolbe. Darin wird ein dramatischer Gegensatz zwischen der europäischen – insbesondere der deutschen – Wirtschaftsentwicklung und dem amerikanischen Aufschwung gezeichnet. Durch den Fokus auf Trumps Außenpolitik übersieht man schnell: Die USA haben eine Re-Industrialisierung gestartet, während Europa weiter seine Industrie verliert.

Kolbe schreibt, dass Merz vielleicht spürt, „dass das Projekt seiner politischen Generation in die Endphase eintritt. Ist er sich bewusst, dass der Aufbau des Öko-Sozialismus gescheitert ist? Dass sowohl seine rücksichtslose Schuldenpolitik als auch Deutschlands rasante Deindustrialisierung Folgen dieses ideologischen Wahnsinns sind?“ Dennoch habe Merz trotz der katastrophalen Lage im Inland die Dreistigkeit besessen, US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt Strategielosigkeit vorzuwerfen – ein Zeichen für „ein fast unermessliches Maß an starrsinniger Arroganz und Selbsttäuschung“.

Da war er wieder, so Kolbe: „der deutsche Besserwisser. Der Typus Politiker, der einst Europas Nachbarn wegen ihrer Schuldenprobleme belehrte, während er seine eigenen Handlungen mit dem gegenwärtigen Zustand seines eigenen Landes nicht vergleichen konnte.“

Merz hätte gut daran getan, einen Blick auf die amerikanische Wirtschaft und den US-Arbeitsmarkt zu werfen. Im April schuf der private Sektor in den USA 115.000 neue Jobs. In den ersten Monaten des Vorjahres waren bereits rund 180.000 hinzugekommen. „Die US-Wirtschaft hat nun vier starke Monate in Folge hingelegt“, so Kolbe, „und signalisiert, dass Amerika rasch an Fahrt gewinnt – und im Gegensatz zur europäischen Wirtschaft nicht von der Iran-Krise aus der Bahn geworfen wird.“ Starke Zahlen in einer Welt das um  Kapital, Know-how und Zugang zu günstigen Energieressourcen ringt.

Der Kontrast zu Deutschland könnte größer kaum sein. Im ersten Jahr der Merz-Regierung wurde der deutsche öffentliche Sektor um weitere 205.000 mehr oder weniger nutzlose Stellen aufgebläht, während die Trump-Administration 300.000 Positionen aus dem überdehnten Staatsapparat strich. Im selben Zeitraum schuf der amerikanische Privatsektor netto mehr als 750.000 Jobs seit Trumps Rückkehr ins Amt, während die deutsche Wirtschaft rund 200.000 Stellen abbaut.

Deregulierung, Steuersenkungen und ein grundlegendes Vertrauen in die Kraft privaten Unternehmertums jenseits des Atlantiks stehen, wie Kolbe betont, „in scharfem Kontrast zu den schleppenden, apathisch-sozialistischen Politiken Deutschlands und der Europäischen Union – und nicht zu Europas Vorteil.“

Amerikas Wirtschaft ist im Aufwind. Das zeigt auch ein Medienphänomen. Am 29. April 2026 – einem Mittwoch – trat der scheidende Fed-Chef Jerome Powell zum letzten Mal vor die Presse, um die jüngste Zinsentscheidung bekanntzugeben. Die Fed ließ die Leitzinsen unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Auffällig war jedoch die ohrenbetäubende Stille in den Finanznachrichtenredaktionen, die solche Entscheidungen sonst zu Mega-Events aufbauschen. Kolbe erklärt dies mit zwei Entwicklungen: Zum einen die Politik von US-Finanzminister Scott Bessent, der mit Gesetzen wie dem Genius Act und dem Clarity Act den Rahmen für US-Dollar-basierte Stablecoins schuf und damit einen erheblichen Teil der Geldschöpfung zurück in private Hände legte. Zum anderen signalisieren die im Vergleich zur Eurozone höheren Leitzinsen eine deutlich robustere US-Wirtschaft. „Die Haltung lautet nun: Am besten nicht zu viel darüber reden. Sonst könnte jemandem auffallen, dass die Eurozone-Wirtschaft selbst mit positiven Realzinsen nicht überlebensfähig ist.“

In Europa konzentriert man sich auf Trumps Außenpolitik, doch seine Amtszeit bringt auch eine konsequente Deregulierung und eine spürbare Befreiung des Energiesektors von der strangulierenden Regulierungswut der Klimafanatiker. Die USA habe sich von der EU ideologisch wieder emanzipiert.

Bis zu Trumps Wahlsieg war Washington ideologisch Europa untergeordnet. 2009 gelang es den Europäern, Barack Obama dazu zu bringen, Europas Klimapolitik weitgehend zu übernehmen. Die Hoffnung, Amerikas Zusammenbruch würde Europas eigenen Niedergang verdecken, hat sich zerschlagen. Hinter der Stärke des US-Arbeitsmarkts stehen massive Kräfte privater Investitionen.

Hier liegt, wie Kolbe schreibt, „die wahre ideologische Kluft zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union“. Während die EU – maßgeblich unter deutschem politischem Druck – eine grüne Umverteilungsmaschine errichtet hat, die als Staat im Staate funktioniert und Ressourcen aus produktiven Sektoren in die politische Ökonomie und die grüne Transformationsbürokratie absaugt, gehen die Amerikaner nun wieder den Weg des entfesselten Kapitalismus. Man fördert private Investitionen indem man Märkte dereguliert, „gestützt auf einen funktionierenden Preismechanismus, der relative Knappheiten widerspiegelt.“

Die Wirkung der Deregulierungswelle unter Trump lässt sich nur grob beziffern. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Brutto-Privatinvestitionen in den USA um 8,7 Prozent im Jahresvergleich, die Investitionen in Ausrüstungen und industrielle Anlagen sogar um 10,4 Prozent. In Deutschland hingegen ist nach Jahren öko-sozialistischer (Kolbe spricht von sozialistisch, vielleicht wäre keynesianistisch treffender) Degrowth-Politik, Überregulierung und energiepolitischem Selbstmord die Netto-Investitionsquote in den negativen Bereich gerutscht. „Auf gut Deutsch: Die deutsche Wirtschaft verzehrt sich selbst“, konstatiert Kolbe. Was an industrieller Substanz noch übrig ist, wird vom Staat nach Kräften ausgehöhlt und finanziell gehebelt. Während die deutsche Industrie ihre Zelte abbaut, versuchen sich die USA an einer Re-Industrialisierung.

Derzeit werden in den Vereinigten Staaten mehr als 400 große Industrieprojekte entwickelt – darunter neue Kernkraftwerke, gigantische Datenzentren, traditionelle Automobilwerke und sogar Aluminiumschmelzen. Finanziert durch Investitionen aus arabischen Staaten, Japan und anderen Ländern, die Präsident Trump bei seinen Auslandsreisen zurückgeholt hat, aber auch getrieben von der inländischen Nachfrage und Amerikas internem Investitionsmotor. „In den USA braut sich etwas zusammen – vielleicht sogar eine kleine wirtschaftliche Revolution.“

Aus europäischer Sicht wird dadurch der ideologische Misserfolg der globalistischen Politik umso deutlicher. Kolbe warnt eindringlich: „Bleiben ideologische Hardliner, überzeugte Etatisten und Zentralplaner in Brüssel, Berlin und Paris an der Macht, droht dem alten Kontinent ein anhaltendes wirtschaftliches Koma – müde, alternd und zunehmend schwach.“ Hoffnung auf die Zukunft, unternehmerische Innovation und wirtschaftliche Dynamik werden erst zurückkehren, wenn eine jüngere Generation europäischer Freigeister aus diesem komatösen Winter erwacht.


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Ein Kommentar

  1. triple-delta 27. Mai 2026 um 16:28 Uhr - Antworten

    Ich darf an die Studie der RAND Corporation erinnern, oder sollte ich besser den Plan schreiben, nachdem die USA Wirtschaftsleistungen von 8 Billionen Dollar auf Westeuropa abziehen könnten.
    Aber die deutschen alternativen Medien arbeiten sich an der scheinbaren Dummheit der Politiker inkl. Kanzler ab. Warum diese Menschen aber ihre Posten haben, verrät dem erstaunten Publikum niemand.

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