
Krieg, Blockade und Diplomatie am Abgrund: der Stand im Angriffskrieg gegen den Iran
Der Angriffskrieg Israels und der USA begann im Februar. Seitdem blockiert die US-Marine die wichtigste Schiffahrtsroute für den Transport von Öl, Gas und Grundstoffen für die Industrie, während der Iran selektiv die Schiffe aus Staaten, die sich neutral verhalten hatten, gegen eine „Umweltgebühr“ durch die eigenen Hoheitsgewässer geleiten, befreundete Länder auch ohne Gebühr passieren lassen, und nur Schiffe von Länder die sich aktiv an dem Angriffskrieg beteiligt hatten, blockiert.
Um die aktuellen Ereignisse zu verstehen, muss man also zurückblicken. Ende Februar 2026 führten die USA und Israel gemeinsam massive Luftangriffe auf den Iran durch — unter dem israelischen Codenamen Roaring Lion und dem US-amerikanischen Operation Epic Fury. Die Operation richtete sich gegen Politiker, Militärkommandeure und strategische Einrichtungen, zu denen anscheinend auch eine Mädchenschule gehörte. Dazu gehörte die Ermordung des Staatschefs Ali Chamenei. Dutzende von politischen Führungspersönlichkeiten wurden, oft mit der Familie und manchmal mit der ganzen Nachbarschaft ausgelöscht.-Das angebliche Kriegsziel: den Iran davon abzuhalten, Atombomben zu entwickeln. Während Israel seit über 35 Jahren behauptet, der Iran sei nur Wochen von „der Bombe“ entfernt, hatte die religiöse Führung des Landes ein Verbot ausgesprochen, das nach Erkenntnis der westlichen Geheimdienste auch befolgt worden war.
Die Straße von Hormus: Achillesferse der Angreifer
Der Iran reagierte auf den Angriffskrieg mit einem Schritt, der die Weltwirtschaft erschütterte: Teheran brachte die Schifffahrt in der Straße von Hormus mit Angriffen und Drohungen praktisch zum Erliegen. Die Iraner sollen angeblich die Meerenge auch vermint haben. Die Passage ist entscheidend für den Export von Dünger, Öl und Flüssiggas aus den Staaten des Persischen Golfs. Infolge der Blockade stiegen die Weltmarktpreise rasant an, kurz darauf wurde das „Mautsystem“ eingeführt, das inzwischen in einem Gesetz des Parlaments zementiert ist.
Die Straße von Hormus ist in diesem Krieg zum militärischen und wirtschaftlichen Schlüsselschauplatz geworden. Das US-Militär verstärkte seine Blockade iranischer Häfen — vor allem, um den Iran am Export von Öl zu hindern. Die US-Regierung fordert in den Verhandlungen mit dem Iran eine bedingungslose Öffnung der Meerenge für die Schifffahrt. Der Iran hingegen beansprucht die Kontrolle über die Passage für sich und will für die Durchfahrt künftig Gebühren erheben, behauptet, bereits mit dem anderen Land, dem Oman, kurz vor der Verabschiedung eines Vertrages zu sein, indem sich die beiden Staaten, deren Hoheitsgebiete die Meerenge definieren, auf die zukünftige Mautregel einigen.
Die Eskalation im Mai
Anfang Mai attackierte der Iran US-Militärschiffe in der Meerenge mit Raketen und Schnellbooten, die USA griffen auch Ziele auf dem iranischen Festland an. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) bestätigte die Gefechte knapp: „US-Streitkräfte wehrten unprovozierte iranische Angriffe ab und reagierten mit Schlägen zur Selbstverteidigung.“ Das iranische Militär bestätigte Angriffe auf US-Kriegsschiffe und machte dafür US-Attacken auf einen iranischen Öltanker verantwortlich.
Die Entwicklung eskalierte in dieser Woche weiter: Trotz Waffenruhe und laufender Verhandlungen zur Beilegung des Kriegs hat das US-Militär Ziele im Iran angegriffen. Im Süden des Landes wurden Raketenstellungen getroffen, und im Bereich der Straße von Hormus wurden Boote attackiert, die angeblich Minen in der Meerenge verlegen sollten. Iranische Medien meldeten dabei mehrere Tote nahe der Insel Larak. Die Revolutionsgarden reagierten umgehend und behielten sich das Recht auf Vergeltung für jegliche Verletzungen der Waffenruhe durch die USA vor.
Die Auswirkungen dieser Eskalation sind unmittelbar spürbar: US-Militärschläge gegen Iran haben die Hoffnung auf ein Abkommen zur Öffnung der Straße von Hormus gedämpft. Der Preis für ein Barrel der globalen Referenzsorte Brent stieg um zwei Prozent auf 98,44 US-Dollar.
Die gescheiterten Verhandlungen: Pakistan, Katar — und immer wieder das Uran
Parallel zur militärischen Eskalation laufen seit Wochen Verhandlungen, die bislang keine dauerhafte Einigung gebracht haben. Der Beginn von Verhandlungen über ein Friedensabkommen in Pakistan wurde für den 11. April 2026 festgelegt. Als Mitglieder des Verhandlungsteams der USA agierten Vizepräsident JD Vance, der Sonderbeauftragte Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner. Für den Iran wurde über Außenminister Abbas Araghchi und Parlamentspräsident Bagher Ghalibaf als Verhandler berichtet. Die Gespräche endeten zunächst ergebnislos und die Delegationen beider Länder verließen Pakistan wieder.
Für den Iran ist es inakzeptabel, auf eigene Anreicherung für ein ziviles Atomprogramm zu verzichten, was auch durch den Atomwaffensperrvertrag garantiert wird. Die Erfahrung lehrte das Land, dass die USA durch Sanktionen die Lieferung an den Iran auch durch andere Länder verhindern können und will autark bleiben.
Trump selbst formulierte seine Kernforderung auf Truth Social in ungewohnt drastischer Sprache: „Das angereicherte Uran wird entweder unverzüglich an die Vereinigten Staaten übergeben, um dorthin zurückgebracht und vernichtet zu werden, oder — vorzugsweise in Abstimmung und Koordination mit der Islamischen Republik Iran — an Ort und Stelle oder an einem anderen akzeptablen Ort vernichtet.“
Zuletzt reiste die iranische Delegation nach Katar, um neue Gespräche zu führen. Dass gleichzeitig der Parlamentspräsident und der Zentralbankchef anreisten, wurde von mehreren Beobachtern als Signal gewertet, dass es nicht nur um Diplomatie, sondern konkret um Sicherheitsfragen, Sanktionen, eingefrorene Milliardenvermögen und mögliche Grundsatzvereinbarungen geht.
Netanjahu, Trump und das brisante Telefonat
Mitten in diese fragile Verhandlungssituation platzte eine diplomatische Sprengladung: Berichte über ein hitziges Telefonat zwischen Donald Trump und Benjamin Netanjahu, das die mühsam errungenen Annäherungen wieder in Frage stellt.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu behauptete in vertraulichen Gesprächen, dass Tel Aviv derzeit angeblich kaum Einfluss auf die Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump in Bezug auf den Iran nehmen könne. Diese Information kam zu einem Zeitpunkt, an dem Washington auf ein Abkommen zur Beendigung des fast dreimonatigen Konflikts drängte.
Netanjahu steht den Verhandlungen laut Medienberichten skeptisch gegenüber und möchte den Ende Februar gemeinsam begonnenen Krieg wieder aufnehmen, um die militärischen Fähigkeiten des Irans weiter zu schwächen.
Trump selbst zeigte sich öffentlich angeblich unbeeindruckt von israelischen Einwänden und machte eine bemerkenswerte Aussage gegenüber Journalisten: „Er wird tun, was immer ich von ihm verlange.“ Gleichzeitig warnte er: „Entweder kommen wir zu einer Einigung, oder wir werden einige Dinge tun, die etwas unangenehm sind.“
Die beiden Staatschefs setzten dann ihre Telefongespräche am Abend des 23. Mai fort. Am 24. Mai, im Anschluss an ein gemeinsames Telefonat zwischen Trump und den Staatschefs der Golfregion, der Türkei und Pakistans zur Information über den Stand der Verhandlungen, führten Trump und Netanjahu ein drittes Gespräch. Im Anschluss an dieses Telefonat erwähnte Netanjahu zum ersten Mal öffentlich das laufende Abkommen und erklärte, dass beide Seiten über „ein Memorandum zur Wiedereröffnung der Straße von Hormuz und bevorstehende Gespräche über ein endgültiges Abkommen zum iranischen Atomprogramm“ gesprochen hätten.
Netanjahu sagte, er und Trump seien sich einig, dass jedes endgültige Abkommen die „Demontage der iranischen Urananreicherungsanlagen und die Entfernung des angereicherten Urans aus iranischem Gebiet“ beinhalten müsse.
Diese Forderungen gelten in diplomatischen Kreisen als weit über das hinausgehend, was der Iran je akzeptieren würde — und wurden von Teheran erwartungsgemäß abgelehnt.
Trumps letzter Zug, die Verhandlungen platzen zu lassen
Während die militärischen und atomaren Verhandlungen stocken, schlägt Trump auf einer völlig anderen Ebene aus. Am 25. Mai verknüpfte er einen möglichen Iran-Deal mit einer weitreichenden geopolitischen Forderung: US-Präsident Donald Trump hat mehrere Länder der muslimischen Welt aufgerufen, im Zuge einer möglichen Friedensvereinbarung mit dem Iran den sogenannten Abraham-Abkommen über eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel beizutreten.
Die Liste der Länder, die Trump dabei im Blick hat, ist lang: Für die Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien, Katar, Jordanien und Pakistan sollte es laut Trump „verpflichtend“ sein, gleichzeitig die Abraham-Abkommen zu unterzeichnen.
Trump verband diese Forderung mit einem historischen Versprechen und einer impliziten Drohung: „Großer Deal oder kein Deal! Der Iran muss den Abraham-Abkommen beitreten — Historischer Frieden und Macht im Nahen Osten!“ Trump ging sogar so weit, dass er sich vorstellen könne, den Iran einzubinden. Falls Iran ein Abkommen mit den USA unterzeichne, wäre es eine „Ehre„, auch Iran Teil einer „beispiellosen Weltkoalition“ werden zu lassen.
Die Reaktion der angesprochenen arabischen Staatschefs fiel ernüchternd aus: Die arabischen Staatschefs reagierten laut Insider-Berichten mit „wortwörtlichem Schweigen“ auf die Forderung. Aber auch explizite Ablehnung.
Dies hat politische Gründe, die tief in der arabischen Innenpolitik verwurzelt sind: Saudi-Arabien betont seit Beginn des Gaza-Krieges immer wieder, dass ein glaubwürdiger Weg zu einem palästinensischen Staat Voraussetzung für jede Normalisierung mit Israel sei. Eine Normalisierung ohne palästinensische Staatlichkeit ist in der arabischen Öffentlichkeit politisch kaum verkäuflich — und das wissen Riad, Ankara und Doha genau.
Das größere Bild: Ein Kongress, der aufbegehrt
Nicht nur international gerät Trump unter Druck. Die republikanische Führung im US-Repräsentantenhaus hat eine geplante Abstimmung zum Iran-Krieg im letzten Moment abgesagt, weil zu viele Abgeordnete der Partei fehlten und eine Niederlage für Präsident Donald Trump drohte. Der Schritt folgt auf ein Patt in der Vorwoche bei einer Resolution, die US-Militäreinsätze gegen Iran stoppen sollte. Laut Bloomberg wollen die Republikaner die Resolution nach der Memorial-Day-Pause erneut zur Abstimmung stellen.
Der Krieg ist also auch innenpolitisch längst nicht abgesichert — und je länger er dauert, desto größer wird der Druck auf Trump, Ergebnisse vorzuweisen.
Quo vadis, Westasien?
Die Lage am 26. Mai 2026 ist paradox: Es gibt eine Waffenruhe, die täglich gebrochen wird. Es gibt Verhandlungen, deren Ergebnisse immer wieder durch neue Maximalforderungen torpediert werden. Und es gibt einen US-Präsidenten, der gleichzeitig Frieden verspricht, mit Vernichtung droht und die gesamte arabische Welt zur diplomatischen Unterwerfung auffordert.
Während angeblich vereinbart worden war, dass der Libanon Teil des Abkommens sein soll, wird die Vernichtungsstrategie Israels gegenüber dem Land immer deutlicher. Systematische Vernichtung von Infrastruktur und Wohneinheiten im Süden nehmen kein Ende, der „Sicherheitspuffer„, der eigentlich bis zum Fluss Litani gehen sollte, befindet sich inzwischen auf der nördlichen Seite des Flusses, und erst kürzlich forderte Ben Gvir, einer der einflussreichsten Minister in der Regierung Netanjahu, man möge dem Libanon „den Strom abstellen„.
Trumps Kunst des Deals
Die Situation, wiederholt während Verhandlungen Überraschungsangriffe zu starten, immer wenn sich eine Einigung abzeichnet, neue Forderungen aufzustellen, lässt einige Analysten inzwischen zu der Meinung kommen, dass Trump die dauerhafte Krise will. Zur Schwächung Chinas, dessen Energielieferungen stocken, und längerfristig, wenn die von der NATO unterstützen Zerstörungen durch die Ukraine von russischen Ölanlagen weiter gehen, auch Russland, während die Gaspreise so hoch bleiben, dass die teure Frackingtechnologie trotzdem Profite bringt.
Bild: Screenshot eines Videos der Zeitschrift „Die Zeit“
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US-Militär gibt Bombardierung des südlichen Irans zu
Neue Hormus-Autorität gestartet: Iran kassiert Transit-Maut von Schiffen
Die atomwaffenfreie Zone, die nie entstand: Westasien, Iran und die Ohnmacht der Zivilgesellschaft
……. unprovozierte iranische angriffe …..
klingt wie:
seit 05h45 wird zurückgeschossen ……
Wie der letzte Angriff der USA gestern gegen den Iran ausging:https://x.com/Lukyluke311/status/2059047166673289340
Gestern, als Reaktion auf den Angriff der Vereinigten Staaten auf Schnellboote der Revolutionsgarden in der Straße von Hormus, hat die iranische Luftverteidigung in weniger als 20 Minuten 3 Aufklärungsdrohnen abgeschossen, darunter eine MQ-9A Reaper. (Mehr im Thread)