Gasmangellage in Deutschland – Wer wird zuerst abgeschaltet?

2. Februar 2026von 5,8 Minuten Lesezeit

Die Situation der Gasvorräte in Deutschland wird langsam dramatisch. Es ist keine Frage mehr ob abgeschaltet wird, sondern lediglich wann und wem der Gashahn abgedreht wird.

In den letzten vier Jahren hat sich Europas Umstellung von russischem auf amerikanisches Gas bereits in höheren Energiepreisen niedergeschlagen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie beeinträchtigt und große Volkswirtschaften, allen voran Deutschland, in Richtung Deindustrialisierung getrieben haben. Doch gerade jetzt, wo Brüssel die endgültige Verabschiedung eines vollständigen Verbots für russisches Gas bis zum Jahresende feiert, wird sich die Lage noch erheblich verschlechtern.

Vorige Woche stiegen die Gaspreise in den USA um rund 70 % und erreichten damit den höchsten Stand seit drei Jahren. Diese Preisspitzen werden sich direkt in höheren Gas- und Stromkosten in Europa niederschlagen – und das in einem der kältesten Winter seit Jahren und zu einer Zeit, in der Millionen Europäer sich bereits keine angemessene Heizung leisten können.

Demnächst aber wird es nicht einmal mehr eine Frage des Leistens sein, sondern nur mehr des „Bekommens“. Zumindest in Deutschland, deren Energiepolitik noch radikaler idiotisch ist, als die der EU.

Energieexperte Stefan von Outdoor Chiemgau hat sich die aktuelle und potenzielle Gasmangellage in Deutschland genauer angesehen und die Auswirkungen auf den Alltag und die Industrie sowie den Notfallplan Erdgas der Bundesrepublik Deutschland analysiert:

1. Aktuelle Lage der Gasspeicher

  • Kritischer Füllstand: Die Gasspeicherfüllstände in Deutschland liegen deutlich unter den Prognosen und den ehemals als „stabil“ definierten Grenzwerten. Zum 28. Januar lagen die Speicher bei 34%, voraussichtlich bei 32% zum 31. Januar, während 40% als kritische Schwelle für den 1. Februar gelten.

  • Risiko für den nächsten Winter: Selbst wenn der aktuelle Winter überstanden wird, ist die Wiederbefüllung für den nächsten Winter eine große Herausforderung, da die Kriterien für Mindestfüllstände gesenkt wurden.

2. Der Notfallplan Erdgas für Deutschland Der Plan unterteilt sich in drei Stufen:

  • Frühwarnstufe: Ausgerufen bei langfristiger Unterdeckung der Gasversorgung, primär Fokus auf Berichtspflichten und Beratungen.

  • Alarmstufe (Stufe 2): Tritt bei einer Störung der Gasversorgung oder außergewöhnlich hoher Nachfrage ein, die zu einer erheblichen Verschlechterung der Versorgungslage führt. Der Markt kann die Situation jedoch noch eigenständig bewältigen. Indikator hierfür sind langanhaltende, sehr niedrige Gasspeicherfüllstände.

  • Notfallstufe (Ultima Ratio): Wird ausgerufen, wenn die Energieversorgung unmittelbar gefährdet oder gestört ist und normale Maßnahmen nicht ausreichen.

3. Zuständigkeiten und Maßnahmen bei Gasmangel

  • Bundesnetzagentur als Bundeslastverteiler: Hat die Aufgabe, den lebenswichtigen Gasbedarf zu decken, Gas zu beschaffen und den Verbrauch zu reduzieren.

  • Kein fester Abschaltplan: Entscheidungen sind Einzelfallentscheidungen und hängen von vielen Parametern ab (Speicherfüllstände, Wetter, europäischer Bedarf). Es gibt keine abstrakte Reihenfolge.

4. Kategorien von Gasverbrauchern und mögliche Maßnahmen

  • Nicht geschützte Letztverbraucher: Hauptsächlich die Industrie. Hier können Reduzierungen oder Abschaltungen angeordnet werden. Eine Reduzierung führt oft zur faktischen Abschaltung, da der Betrieb mit geringeren Gasmengen nicht aufrechterhalten werden kann.

  • Geschützte Letztverbraucher: Haushalte, kleinere Firmen, Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen, Krankenhäuser, Arztpraxen, Betriebe von Gas-/Stromnetzen, Stromversorger, Pflegeeinrichtungen, Altenheime, THW, Feuerwehr, Polizei, Justizvollzugsanstalten, NATO, Bundeswehr, Fernwärmeanlagen. Sie machen etwa die Hälfte des Gasverbrauchs aus.

    • Komfortkürzungen: Auch bei geschützten Verbrauchern sind Reduzierungen möglich, beispielsweise durch die Abschaltung nicht lebensnotwendiger Einrichtungen wie Schwimmbäder oder Skilifte. Dies würde auch den Stromverbrauch reduzieren, der oft mit Gas produziert wird.

    • Brownouts: Im Worst-Case-Szenario könnten Teilnetze der Stromversorgung abgeschaltet werden, um Lasten zu reduzieren (z.B. stundenweise Stromabschaltung).

5. Studie von Prognos für die Bundesnetzagentur: Priorisierung nicht geschützter Sektoren Die Studie untersucht nicht geschützte Produktionsbereiche nach deren Bedeutung für die Gesellschaft und ihre Abhängigkeit von Gas:

  • Bedeutungsgrad: Wie wichtig ist ein Sektor als Vorleistung für andere essenzielle Produkte (z.B. Verpackungsmaterial für Lebensmittel)?

  • Komplexitätsindex: Wie stark wirkt sich die Abschaltung eines Sektors auf andere Wirtschaftsbereiche aus (z.B. Kunststoffproduktion ist kritisch, da in fast allen Produkten enthalten)?

  • Lebenswichtiger Bedarf vs. nicht lebenswichtiger Bedarf: Innerhalb der „geschützten“ und „nicht geschützten“ Gruppen wird zwischen lebenswichtigen und nicht lebenswichtigen Bedarfen unterschieden (z.B. Prozessgas für eine Anlage, dessen Unterbrechung Millionenschäden verursacht, ist lebenswichtig).

  • Ausländische Bezugsquellen: Verfügbarkeit von Importen als Alternative zur heimischen Produktion.

6. Industrien, die voraussichtlich zuerst abgeschaltet werden Sektoren mit geringem Bedeutungs- und Komplexitätsgrad sowie geringem Gasverbrauch werden zuerst betroffen sein:

  • Aluminium, Büromaschinen, Computer, Immobiliendienstleistungen, Edelmetalle, Elektronische Geräte, Gießereien, Gummi-/Kunststoffprodukte (solange nicht vorleistungsrelevant), Hoch-/Tiefbau, Holz, Kork, Keramische Güter, Kokereien, Kommunikationsgeräte, Kupfer, Leder, Möbel, Natursteinförderung, Sonstige Metalle, Tabak, Textilien, Zement, Ziegel, Fliesen, Baukeramik.

7. Gesamteinschätzung und Ausblick

  • Die Einsparungen durch die Abschaltung weniger wichtiger Industrien sind oft gering. Bei einer schweren Mangellage könnten auch Sektoren mit höherer Bedeutung betroffen sein.

  • Eine Gasmangellage würde einen massiven Schlag für die deutsche Industrie bedeuten, da sie nicht nur mit teurer und instabiler Stromversorgung, sondern auch mit unsicherer Gasversorgung konfrontiert wäre. Dies könnte die Verlagerung von Industrien ins Ausland beschleunigen.

20 % Füllstand bedeutet weniger Gasfluss

Zusätzlich zu dem was Stefan im Video unten erkärt, besteht das Risiko einer geringen Speicherkapazität nicht nur darin, dass die Gasmoleküle „ausgehen“, sondern vielmehr in einem Verlust des Systemdrucks. Gasspeicheranlagen benötigen eine bestimmte Menge an „Puffergas“, um den Druck aufrechtzuerhalten, der erforderlich ist, um Gas in die Pipelines zu drücken. Wenn der Speicherstand zu niedrig wird, verlangsamt sich die Geschwindigkeit, mit der Gas entnommen werden kann. Aus diesem Grund muss die Regierung frühzeitig eingreifen, um die Nachfrage zu steuern.

In fast jedem realistischen Szenario mit einem Speicherfüllstand von 20 %, der mittlerweile unvermeidbar scheint, muss die Regierung die Industrie zur Stilllegung zwingen, um die Versorgung von Haushalten, Schulen und Notfalldiensten sicherzustellen. Die Hauptfolge eines Speicherfüllstands von 20 % ist ein schwerer wirtschaftlicher Schlag.

Dies ist zum großen Teil die Folge der ideologisch unsinnigen Einführung der radikalen Energiewende in Deutschland: der Umstellung auf unzuverlässige Energie und solche, die dann am wenigsten verfügbar ist, wenn sie am meisten gebraucht wird.

Was erschwerend hinzu kommt ist das fundamentale Unverständnis in EU und Deutschland über den Klimawandel: Es wird nicht kontinuierlich wärmer bis zum Jahr 2100, sondern das Klima gehorcht Zyklen und im Vorjahr hat der Zyklus begonnen, der sinkende Durchschnittstemperaturen bringt.

Hinter der Agenda steht aber der Klimabetrug, eingeleitet von den Oligarchen wie Rockefeller und Co, wie hier beschrieben: Der Klimabetrug: Vom Petrodollar zum Kohlenstoffdollar

Aber nun zu Stefan:

Übrigens wird zusätzlich in der EU eifrigst am Abbau der Gasverteilnetze gearbeitet:

Massiver Abbau der Gas-Verteilnetze wegen EU-Verordnungen geplant

Städte wie Mannheim wollen Gasnetz bis 2035 komplett killen

Leonhard Lenz, CC0, via Wikimedia Commons

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6 Kommentare

  1. W. Baehring 2. Februar 2026 um 14:26 Uhr - Antworten

    Der deutsche Michel wollte es nicht anders (er macht ja sogar noch aktiv mit).
    Aber das alte Sprichwort „Wer nicht hören will, muß fühlen“ greift hier leider (noch) nicht.
    Denn wenn die Versorgungsprioritäten tatsächlich zu Gunsten der Bevölkerung, und damit zu Ungunsten der Wirtschaft festgelegt werden, wird der Michel sagen. „Seht her, Ihr Schwarzmaler, wir haben doch alle weiterhin unser Gas zum Heizen und Kochen“.
    Das aber damit der Wirtschaft ein weiterer Sargnagel eingeschlagen wird, der (allerdings zeitversetzt) auch auf die private Lebensqualität der egsamten Bevölkerung durchschlagen wird, ist für den deutschen Michel auf Grund seiner sprichwörtlichen Schlafmützigkeit bzw. geistigen Beschränktheit nicht (sofort) erkennbar.

  2. Pusteblume 2. Februar 2026 um 13:14 Uhr - Antworten

    Die in der fotografischen Abbildung zu der obigen Veröffentlichung zu sehen sind, die da so herumdemonstrieren, ich möchte gern wissen, was die machen, wenn denen die Gaslieferung in ihren eigenen Haushalt vorenthalten wird. Sich so für solch‘ einen gefährlichen Humbug zum Beispiel vom BUND, der hier mitmarschiert, ideologisch vereinnahmen zu lassen. Kopfschüttel meinerseits.

  3. local.man 2. Februar 2026 um 12:18 Uhr - Antworten

    Das ist alles kein Zufall oder höhere Gewalt.
    Wir haben hausgemachte Probleme.
    Und wenn man sich die Gasbeschaffung zur Versorgung ansieht, dann steht dahinter natürlich auch wieder ein Geschäftsmodell und keine selbstverständliche Versorgungsstruktur, die völlig losgelöst ist von Profitmacherei, um den Menschen wenigstens das Grundsätzliche bereitzustellen und zwar 100% sicher.

    Die Politikdarsteller werden sich dabei wieder allemöglichen Ausreden einfallen lassen, bzw. erdacht in Think Tanks zum Ablesen bereitgestellt bekommen, damit die Lüge auch perfekt klingt…
    In Talk Shows sollten sie noch laufen und das werden sie, denn Propaganda ist das A und O in dieser Matrix, sind dann die Frage/Antwort-Spielchen schon ausgearbeitet, um den Opfern das Denken abzunehmen, oder sie vorzubereiten auf weitere Maßnahmen, denn eigentlich, und da müssen wir ehrlich sein, sind wir doch selbst das Problem. Wir leben auf zu großen Fuss, ich sehe schon die Täter-Opfer-Umkehr, wie eh und je vor meinem geistigen Auge ablaufen mittels der Gehirnwäsche-Medien der Herrschenden..

    Ich hatte vor Monaten, als das Thema aufkam, schon gesagt, dass dies bewusst orchestriert ist. Man schickt jemanden durch die Wüste mit Proviant der nur für 80% der Strecke reicht..
    Ob da nun im Sommer letztens Jahres die Preise hoch waren beim Gas und man deswegen schlecht eingekauft hat, weil der Profit den man dann im Winter damit machen will, zu gering gewesen wäre, ist nur mal wieder der Fingerzeig auf ein System, dass nicht den Menschen dient…

  4. Sting2 2. Februar 2026 um 12:14 Uhr - Antworten

    Chrupalla an Merz: Rufen Sie in Moskau an und verhandeln Sie für Frieden in Europa!

    Der AfD-Co-Chef Tino Chrupalla hat Friedrich Merz dazu aufgerufen, endlich die inländischen Interessen zu vertreten und Probleme im eigenen Land zu lösen.

    „Herr Bundeskanzler, sollte Ihnen das Amt zu schwer werden, haben Sie jederzeit die Möglichkeit, es abzugeben.“

    Einen Außenkanzler mit permanenter Kommentarfunktion für die internationalen Krisen dieser Zeit brauche Deutschland nicht.

    „Und wenn Sie es können und vor allem wollen, treten Sie als deutscher Regierungschef selbstsicher auf, rufen Sie endlich in Moskau an und verhandeln Sie für Frieden und Wohlstand auf dem Kontinent Europa!“, so Chupalla.

    Ich sage: WEG MIT ALLEN KRIEGSGEILEN LÜGNERN AUS POLITIK UND PRESSEN !!

  5. VerarmterAdel 2. Februar 2026 um 12:02 Uhr - Antworten

    So schlimm kann es nicht sein. Der Gas-Chart in Euro dümpelt so vor sich hin…

  6. triple-delta 2. Februar 2026 um 11:35 Uhr - Antworten

    Die Energiewende dient genau dem jetzt erreichten Ziel: Deutschland zu deindustrialisieren und einen Großteil der Bevölkerung per Klimareligion auch noch zum begeisterten Mitmachen anzuregen. Was bis ’45 der Jude oder der Bolschewik war, ist jetzt das CO2.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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