
Chinas Thorium-Revolution
Im vergangenen Monat gelang chinesischen Wissenschaftlern mit dem experimentellen 2-Megawatt-Thoriumreaktor in der Wüste Gobi ein bedeutender Durchbruch, indem sie den Reaktor während des Vollbetriebs mit Brennstoff nachfüllten – eine Weltpremiere.
Der Reaktor erreichte im Oktober 2023 die Kritikalität und wurde bis Juni 2024 auf volle Leistung hochgefahren. Der chinesische Reaktor basierte auf dem 1960 im Oak Ridge National Laboratory entwickelten Molten Salt Reactor Experiment (MSRE), das von den USA freigegeben wurde, nachdem sie die Technologie aufgegeben hatten. Chinesische Wissenschaftler des Shanghai Institute of Applied Physics (SINAP) nutzten diese Entwürfe und perfektionierten sie. Sie erklärten: „Die USA haben ihre Forschungsergebnisse öffentlich zugänglich gemacht und auf den richtigen Nachfolger gewartet. Wir waren dieser Nachfolger.“
Im März gab China die Entdeckung einer riesigen Thoriumlagerstätte bekannt, die nun Brennstoff für 60.000 Jahre liefern könnte. Im Vergleich zu Uran ist Thorium ein wesentlich sichererer Brennstoff, weitaus reichhaltiger vorhanden und produziert weniger Atommüll, was es zu einem Wegbereiter für die Kernenergieproduktion machen könnte.
Die Thoriumreaktortechnologie wurde ursprünglich 1959 in den USA entwickelt, und von 1962 bis 1972 betrieb die USA ein mit Thorium betriebenes Frachtschiff ohne Zwischenfälle. Letztendlich wurde Thorium jedoch 1972 zugunsten von Plutonium aufgegeben, da das US-Verteidigungsministerium zu dem Schluss kam, dass Thorium nicht waffenfähig und daher nicht für militärische Zwecke geeignet sei.
Aus mysteriösen Gründen gab die USA um 2010 ihre geistigen Eigentumsrechte an Thorium auf, woraufhin China diese ab 2011 übernahm und massiv in die Entwicklung investierte. Thorium ist weltweit reichlich vorhanden, seine Gewinnung ist wesentlich kostengünstiger als die anderer Kernbrennstoffe und niemand kontrolliert seine Versorgung. Thoriumreaktoren können offenbar mit derselben Brennstoffmenge 200-mal mehr Energie erzeugen als herkömmliche Kernreaktoren und verbrennen zu 80 % sauber, sodass nach der Nutzung nur sehr wenige Schadstoffe zurückbleiben.
Warum haben die westlichen Nationen dieses Potenzial, das alles verändern könnte, nicht weiterentwickelt? Neben dem militärischen Nutzen könnte auch der Irrtum der versunkenen Kosten eine Rolle spielen, da die westlichen Nationen offenbar zu stark in Uranreaktoren, Uranabbau und -handel investiert sind, sodass sie den Übergang nur zögerlich vorantreiben. Ein weiteres Problem könnte sein, dass die westlichen Mächte sich auf kurzfristige Ziele konzentrieren (die USA beispielsweise auf den Verkauf von Flüssigerdgas an Europa), während China eine langfristige strategische Entwicklung anstrebt.
Der Wandel gewinnt nun an Dynamik und eröffnet völlig neue Entwicklungsmöglichkeiten: In nicht allzu ferner Zukunft könnten Thoriumreaktoren nicht nur die Stromerzeugung, sondern auch den Schiffs- und Transportsektor revolutionieren, beispielsweise durch die Ermöglichung schneller Trans-Eurasien-Reisen, was die Ausweitung des fast 30.000 Meilen langen Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes Chinas über den eurasischen Kontinent rechtfertigen würde. Diese neue Energietechnologie könnte sich auch als unverzichtbar für die Stromversorgung künstlicher Intelligenz erweisen.
Dies ist ein weiterer Bereich, in dem China eine dominierende Rolle übernommen hat, nicht durch Deregulierung der Märkte und freie Hand für privates Kapital, sondern durch Strategie und Planung. Bereits 2006 formulierte die chinesische Regierung den „Mittelfristigen Plan für die Entwicklung von Wissenschaft und Technologie“ (MLP), in dem die Strategie festgelegt wurde, China bis 2020 in eine „innovative Gesellschaft“ und bis 2050 zu einem weltweit führenden Land in Wissenschaft und Technologie zu verwandeln. Dabei half auch, dass China seinen Reichtum und sein wirtschaftliches Potenzial nicht für endlose Kriege verschwendete.
Der Artikel erschien zuerst auf Englisch in Alex Krainers TrendCompass. Mit freundlicher Genehmigung des Autors hier auf Deutsch.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Alex Krainer ist Gründer, KRAINER ANALYTICS, I-System Trend Following Autor von: „Alex Krainer’s Trend Following Bible“, „Mastering Uncertainty“, „Grand Deception“ (verboten).
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Vergessen wird bei dem ganzen Atomkraft-Revival: In Spanien MUSSTEN vor wenigen Wochen beim Blackout die AKW (ca. 22% des Stromaufkommens) ABGESCHALTET werden, da das sonst Probleme verursacht hätte. Die funktionieren bzw. fungieren nämlich im Fall des Falls nicht als „schwarze Notreserve-Kraftwerke“.
Offenbar stimmt es nicht, das Thorium nicht waffenfähig sein soll. Zwar werden Thoriumreaktoren oft als vielversprechende Alternative zur herkömmlichen Kernenergie dargestellt, aber es gibt auch erhebliche Kritikpunkte:
Proliferationsrisiko: Thoriumreaktoren können Uran-233 erbrüten, das für Atomwaffen genutzt werden kann. Die eingebaute Aufarbeitungsanlage erleichtert die Entnahme von spaltbarem Material. Es heisst: Beim Thorium-Flüssigsalzreaktor ist die Materialeinspeisung und Entnahme mittels einer eingebauten Aufarbeitungsanlage fester Bestandteil des Reaktors
Technische Herausforderungen: Flüssigsalzreaktoren, die oft mit Thorium betrieben werden, sind noch nicht ausgereift. Probleme wie Korrosion der Materialien und die sichere Handhabung des radioaktiven Salzes sind ungelöst.
Kosten: Trotz der theoretischen Vorteile sind Thoriumreaktoren wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig. Projekte in den USA und Frankreich wurden wegen hoher Kosten eingestellt.
Sicherheitsbedenken: Während Thoriumreaktoren als sicherer beworben werden, bleiben Risiken durch Naturkatastrophen, Terroranschläge oder menschliches Versagen bestehen.
Atommüll: Auch wenn Thoriumreaktoren weniger langlebigen Atommüll produzieren, bleibt die Entsorgung eine Herausforderung.
Mehr dazu (auch was die Waffenfähigkeit anbelangt) hier:
https://www.spektrum.de/kolumne/die-vergessene-gefahr-des-thoriums/1173175
In der deutschen „Spektrum der Wissenschaft“-Übersetzung des Ashley-Artikels fehlt übrigens der
absolut entscheidende letzte Teil im grauen Kasten des englischen Originals: Die Beschreibung der
„Reduktiven Extraktion“ von 99% reinem Uran 233 aus Thorium über den Zwischenschritt Protactinium.
Ein Schuft wer Böses dabei denkt? Aus 8 kg dieses Urans kann eine Atombombe gebaut werden.
Da AKW keinen Flatterstrom liefern wäre es möglicherweise erst gar nicht zu einer Abschaltung gekommen.
Die Thorium Salz Reaktoren brauchen keine extra Kühlung, deshalb können sie auch so wieder hochgefahren werden. die können auch eine ganze Weile
Man hat nach dem Blackout erstmal die Leitung nach Frankreich in Betrieb genommen. Von dort kommt bekanntlich Atomstrom. ;) Solar ist anscheinend nicht in der Lage selbst wieder hochzufahren. Das haben wir seitdem gelernt.
Die Länder können dazu auch ihre bisherigen AKW nutzen, wenn sie das wollen. China hat aber bereits Atomwaffen.
In den 1960er Jahren. Seitdem hat sich natürlich auch die Technik weiterentwickelt. China würden wohl nicht von reden, wenn sie nicht eine Lösung haben. Im Gegensatz zu Druckwasserreaktoren, gibts da keinen Druck. Da kann also nichts explodieren. Das allein mindert das Risiko erheblich. Zudem kann es auch prinzipbedingt keinen Supergau geben.
Es gibt seit Jahrzehnten große Bedenken bei Ökonomen und Militärs hinsichtlich möglicher Lieferengpässe und zu hoher Preise bei „fossilen“ Brennstoffen, das wird nur nicht öffentlich wahrgenommen, obwohl alles publiziert ist.
Man nimmt intern an, dass die meisten Menschen überfordert sind, sich Tatsachen zu stellen, die sehr erhebliche Änderungen zur Folge hätten. Wenn man anspricht, dass der erhöhte Förderaufwand von Öl zu einer Reduktion von energetischer Produktivität und damit zu Dauerrezession führen und in Folge einem Sinken ser carrying capacity müsste, wird man sofort niedergebrüllt, dass man ein Kabel zur Übertragung von Solarstrom auf die Erde bauen werde, es sei eigentlich schon fast fertig, und wenn man dann einwendet, was die Kontrolle über den Einspeisungspunkt für eine Machtverschiebung und für Erpressungspotential liefern würde, wird das Thema vertagt.
Kernkraftwerke haben eine Reihe von Problemen, wenn sie nicht nur im Strommix eine Rolle spielen sollen, sondern Mehrbedarf von Primärenergie auffangen oder diesen sogar ersetzen sollen. Einer der Probleme ist, dass der Primärenergiebedarf, also jener einschließlich Kohle und Öl, derart hoch ist, dass man eine große Anzahl davon bräuchte.
Grundsätzlich benötigt eine Wirtschaftsform, die ständiges Wachstum zur Grundlage hat, ständig mehr Bevölkerungswachstum, also Marktteilnehmer, und Wachstum des Energieverbrauchs oder der Effizienz. Es ist selbsterklärend, dass unbegrenztes Wachstum auf einer begrenzten Erde nicht möglich ist, es sei denn wir expandieren ins All – was ich für unmöglich halte.
Wenn der Thoriumreaktor einige der grundsätzlichen Probleme löst, ist das sicher eine gute Option im Energiemix. In einer Funktion als Ölersatz sollte man sich das genauer durchrechnen.
Ich habe sehr viel zum Thema gelesen und bin noch nicht auf ernsthafte Durchrechnungen zum Thoriumreaktior in dieser Hinsicht gestoßen.
Ich bin für die Expansion ins Weltall.
„Warum haben die westlichen Nationen dieses Potenzial, das alles verändern könnte, nicht weiterentwickelt?“ – Weil sich die Atomlobby dem massiv entgegengestellt hat, habe ich mal in einer Doku über Thorium gesehen.
Im Kapitalismus will man eben keine billige und preiswerte Energie anbieten – niemals!
Denn die tun nur so (1), als ob es bald für die Öffentlichkeit zur Anwendung kommt …
Energietransformation (2) aus einem künstlich generierten schwarzen Loch (SL)?
1) anti-matrix.com/2025/04/22/warum-beginnen-sie-jetzt-unterdrueckte-exotische-technologien-offenzulegen-videos/
2) Rotierendes EM-Feld als SL (tinyurl.com/yc2ap6cd, tinyurl.com/5xm2u5wh)
Alternative Infoquellen: gehtanders.de/ und novam-research.com/
Der Kapitalismus samt Anhang gehört endgültig beendet, nur die höhere Vernunft sollte weltweit praktiziert werden!
In den USA ist immer die erste Frage, wenn es um die Investition in einen technischen Fortschritt geht, die nach dem militärischen Nutzen.
“ Aus mysteriösen Gründen gab die USA um 2010 ihre geistigen Eigentumsrechte an Thorium auf “ ?
Es gibt nur zwei Möglichkeiten, sein ‚geistiges Eigentum‘ zu schützen:
Die Geheimhaltung, dann kann man aber die Nutzung durch andere nicht verhindern, wenn sie auch drauf kommen, wie’s geht
Oder das Patent, also die Offenlegung und Patente pflegen abzulaufen.
Der Kapitalismus frisst sich selber auf, weil er immer nur nach kurzfristig hohem Gewinn trachtet und nie auf Nachhaltigkeit. Da Thorium nicht waffenfähig ist und darum nicht für militärische Zwecke gewinnversprechend war, fehlte das Geld zur Entwicklung in den USA. Gier frisst eben Verstand!
Damit wird China weltweit Marktführer in der Herstellung von Konsumgütern, weil Lohn für Arbeitskräfte und Energie ins bodenlose sinken. Die USA können zum Bsp. eine Dash-Cam für Autos, die um ein mehrfaches billiger ist als die aus US-Produktion, nicht ignorieren. Auch nicht gegensteuern mit Zöllen.
Gleichwertige u. billigere Produkte sind wie eine Droge die man zum Leben braucht. Wer die sich nicht besorgt, verschwindet vom Kapital-Markt.
Oder ein anderes Bsp. Wer den chinesischen GPS- und robotergesteuerten Traktor für die Landwirtschaft ignoriert, kann in bälde seine Felder verkaufen. Der Landwirt wird alle Mittel suchen, um weiter existieren zu können. Entweder er besorgt sich die neueste kostengünstigere Technik unter Umgehung der hohen Trump-Zölle oder er ist weg vom Fenster …… oder die USA sind weg vom Fenster.
Fazit: Man kann produktivere Produkte auf dem Weltmarkt nicht verbannen. Tut Trump das, dann werden andere Länder aufsteigen.