Psychologische Ursachen der Cancel-Kultur

30. Januar 2024von 7,5 Minuten Lesezeit

Wie ist die Psyche der Menschen verfasst, in einer Zeit, in der sich eine Cancel-Kultur ausbreiten konnte und diese sogar beklatscht wird? Das Regieren mit der Angst und protestantische Ethik erklärt nicht alles. 

Die Nachdenkseiten stellen in einem Artikel vom 28.01.2024 die These auf, dass die heutige Cancel-Kultur eine Version der christlichen, besonders der kalvinistischen Ethik sei. Dies zeige sich vor allem in der manichäischen Aufteilung der Welt in Gut und Böse, der Verzichtsethik (Fleisch, Drogen, Konsumgüter, Flugreisen etc.) und der moralischen Selbsterhöhung, die ja schon in der Prädestinationslehre vorhanden war. Der Artikel kommt zum Schluss „Das linksliberale, betont politisch korrekte Milieu, insbesondere die Grünen, sind im Grunde gläubige Protestanten mit einem strengen protestantischen Über-Ich, das alles vermeintlich Böse ausmerzen will.“

Ende der Masse

Allerdings gibt es ein grundlegendes Problem mit dieser Theorie: Sie kann nämlich nicht erklären, warum diese Cancel-Kultur, die erneuerte protestantische Ethik ausgerechnet jetzt aufkommt, nach immerhin mehreren Jahrhunderten der Aufklärung und Säkularisierung, wo solche Erscheinungen nicht vorhanden waren.

Diese Erklärung soll im Folgenden versucht werden: Bekanntlich war das alte Kleinbürgertum die Kernzielgruppe des historischen Faschismus. Es gelang der Bourgeoisie, dieses Kleinbürgertum entgegen seinen eigenen Interessen als Rammbock gegen die Arbeiterbewegung zu instrumentalisieren. Das Kleinbürgertum war durch ein starkes Überich geprägt und damit besonders autoritätshörig. Seine Angehörigen handelten häufig nach der Devise: Nach oben buckeln, nach unten treten. Deshalb waren sie besonders empfänglich für die faschistische Ideologie, die Ehre, Pflicht, Treue, Autorität und Vaterland betonte.

Diese psychische Konstellation gibt es in der heutigen gehobenen Mittelschicht nicht mehr. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass die heutige Generation besonders Ich-Stark wäre, was nach Sigmund Freud und Wilhelm Reich das wichtigste Kriterium der psychischen Gesundheit ist. Während durch die autoritäre Erziehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den ihr unterworfenen Kindern ein starkes Über-Ich aufgerichtet wird, wird heute die Ichstärke der jungen Generation möglichst gering gehalten. Dies macht sie genauso autoritätshörig und projektionsgeneigt wie ihre faschistischen Großväter, auch ohne ein strenges Über-Ich.

Im Zeitalter des klassischen Imperialismus (1890-1945) konkurrierten mehrere Nationalstaaten erbittert miteinander. Später konkurrierte die von den USA dominierte „Freie Welt“ mit der Welt des Sozialismus im Ersten Kalten Krieg (1945-1989). Das hierdurch hervorgerufene mörderische Wettrüsten mit seinen zahlreichen technologischen Wettläufen (zum Beispiel: Wettlauf ins All, Nuklearwaffen, Interkontinentalraketen und Raketenabwehr, U-Boote und U-Bootabwehr, Überschallflugzeuge, Kerntechnik, Integrierte Schaltkreise) erzwang einen hohen naturwissenschaftlichen Bildungsstandard des Bürgertums und teilweise auch des Proletariats (Facharbeiter). Diese Bildung bewirkte auch eine vergleichsweise hohe Ich-Stärke.

Um die Profite hoch, den Konsum niedrig und die Menschen trotz eines starken Ich in Gehorsam zu halten, war eine sehr autoritäre Erziehung im Interesse des Bürgertums und wurde propagiert. Sie zeichnete sich durch den exzessiven Einsatz von Körperstrafen, eine frühe Reinlichkeitserziehung und Sexualunterdrückung aus. In allen imperialistischen Ländern wurde die später so genannte Schwarze Pädagogik praktiziert. Das Über-Ich war stark ausgeprägt und das Spannungsgefälle innerhalb der Individuen war hoch.

Bereits in der Nachkriegszeit verlor diese autoritäre Erziehung im Zusammenhang mit dem aus Konkurrenzgründen zum Sozialismus gewährten Massenkonsum teilweise ihre Funktion. Die hierdurch ausgelöste Übergangskrise brachte den Kapitalismus um 1968 in einzelnen Ländern wie Frankreich an den Rand des Zusammenbruchs.

Nach 1989 waren die USA die einzige Supermacht. Die meisten der technologischen Wettläufe kamen zum Erliegen. Eine gediegene naturwissenschaftliche Bildung ist seitdem nur noch für eine kleine Elite notwendig. Seit dieser Zeit wird das Bildungsniveau im Westen bewusst heruntergefahren. Um einen weiteren Sozialismusversuch zu verhindern, werden an Schule und Hochschule Übungen im logischen und historischen Denken reduziert. Auch die Naturwissenschaften wurden zurückgefahren. Dies bewirkt, dass ein starkes Ich gar nicht mehr entstehen kann, denn Wissen und kumulatives Lernen stellen die Ichstärke ja erst her. Die zu Zeiten Freuds und Reichs sehr wichtige Sexualunterdrückung hat ihre Funktion bei der Erzeugung von Untertanen teilweise verloren. Genauso wie im Mittelalter entsteht ein starkes Ich nicht mehr massenhaft.

Angst und Propaganda

Deshalb bedarf es zur Erzeugung der nötigen Projektionsbereitschaft keiner aufwendigen und drastischen Eingriffe mehr. Das Spannungsverhältnis innerhalb der Individuen ist geringer geworden. Die Menschen lassen sich stärker als bisher durch unverstandene Wünsche, Impulse und Emotionen leiten.

30 Jahre Neoliberalismus haben auch in psychischer Hinsicht bei vielen Menschen Verwüstungen angerichtet. Der belgische Psychoanalytiker Mattias Desmet, Professor an der Universität Gent, nennt vier Vorbedingungen, für eine, wie er es nennt, totalitäre Massenformierung:

  1. Isolation und Vereinsamung der Menschen.
  2. Kein Sinn im Leben. Überforderung und Burnout im Beruf.
  3. Frei flottierende Ängste.
  4. Frei flottierende Unzufriedenheit.

Die Ängste und die Unzufriedenheit sind durch die sich verdüsternde soziale Situation der Menschen, die zunehmende soziale Unsicherheit, die Kälte im Umgang miteinander und die Befürchtung, dass es die eigenen Kinder einmal schlechter haben werden, als man selbst, hervorgerufen worden.

Die tatsächlichen Hintergründe dieser Ängste kommen den Menschen jedoch kaum zu Bewusstsein, denn sie werden von den Massenmedien nicht artikuliert, sondern auf Ersatzobjekte abgelenkt. Das waren ab 2001 die islamischen Terroristen, die radioaktive Strahlung aus Kernkraftwerken, die „uns alle vergiften“ würde, das „Ultragift“ Glyphosat, das CO2, das Coronavirus und natürlich der Gottseibeiuns Putin.

Zugleich stieg das Bedürfnis nach physischer Sicherheit. Dies zeigte sich unter anderem in der immer stärkeren Ausbreitung einer persönlichen Schutzausrüstung (Ski-, Fahrradhelme) und in der geforderten Härte gegen das Verbrechen.

Die realen, frei flottierenden Ängste sind sozusagen der Treibstoff, der nach einer entsprechenden Umformung das Regieren mit Angst ermöglicht. Seine Initiatoren aus dem Umkreis des World Economic Forums haben also gezielt und unter Nutzung psychologischer Expertise die Schwächen der neoliberalen Vergesellschaftung ausgenutzt und sie in eine Stärke verwandelt.

Regieren mit Angst ist seit 2001 die wichtigste Strategie in der ganzen westlichen Welt zur Niederhaltung der Bevölkerung geworden. Die Herrschenden verlassen sich in dem Maße immer stärker auf diese Strategie, in dem die alte noch in der Zeit des Ersten Kalten Krieges sozialisierte Generation in Rente geht und eine neue Generation, deren Ich-Funktionen in der Ausbildung bewusst niedrig gehalten wurde, in Schlüsselstellungen von Staat und Medien einrückt.

Natürlich wirkt die massive Angst-Propaganda sozial unterschiedlich. Bei den sozial gut abgesicherten „Postmateriellen“, die in Schule und Hochschule, der Politik, Politikberatung, bei NGOs, der Werbung und Medien tätig sind, hängen ihr Funktionieren und damit ihr Einkommen davon ab, dass sie die Regierungspropaganda aufnehmen und verstärken. Auch nur die leiseste Kritik an einem der Regierungsnarrative kommt hier einer Existenzvernichtung gleich.

Die im oben genannten NDS-Artikel beschriebenen Merkmale der Cancelkultur wie Manichäische Weltsicht, Verzichtsethik (für die anderen) und moralische Selbsterhöhung sind also nicht Folge eines starken Überich, sondern eines schwachen Ich. Nur damit können die spezifischen Merkmale der heutigen Postmateriellen wie hysterischer Überschwang, emotionale Überwältigung, fanatischer Mediengläubigkeit und einer krassen Divergenz zwischen hohem moralischen Anspruch und der materiellen Wirklichkeit erklärt werden.

Bei allen anderen sozialen Gruppen wie Angestellten, Arbeitern, Arbeitslosen, kleinen Selbständigen etc. steht die massive Regierungspropaganda (Putin, CO2, Corona etc.) im Widerspruch zu ihrer Lebenswirklichkeit, so dass sie dort nicht so stark wirkt. Andererseits sind diese Gruppen gerade wegen ihrer geringen Ich-Stärke kaum noch zu einem wirksamen Widerstand gegen die Zumutungen der Herrschenden fähig, der über eine Protestwahl und Unmutsbekundungen in den sozialen Medien hinausgeht. Aber auch diese letzten Artikulationsmöglichkeiten sollen ihnen genommen werden (geplantes AfD-Verbot, noch härtere Zensur der Medien etc.).

Die geringe Ich-Stärke der Massen wurde also nach dem Sieg des Westens im Ersten Kalten Krieges ab 1989 von den Herrschenden bewusst erzeugt, um einen neuen Sozialismusversuch zu verhindern. Erst auf dieser Basis funktioniert das Regieren durch Angst.

Wie schon oben dargestellt, steht die Sexualunterdrückung heute im Unterschied zur Herausbildung des klassischen autoritären Charakter nicht im Mittelpunkt. Ganz obsolet geworden ist sie aber nicht. Noch wird nicht versucht, die Sexualität direkt einzuschränken, sehr wohl aber, die sexuelle Genussfähigkeit der Menschen zu zerstören, in dem sie mit Ekel, Angst, Schuld und überbordenden Moralforderungen amalgamiert wird. Auch diese Strategie ist eher typisch für das Mittelalter und weniger für die ersten kapitalistischen Jahrhunderte.

Bild „Mouse cursor about to double-click and run ‚Project Cancel Culture‘ executable“ by Ivan Radic is licensed under CC BY 2.0.

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Jan Müller, geboren 1971, ist Soziologe und lebt in einer Stadt in Hessen. Diese Ausarbeitung basiert auf dem Artikel: Warum hat die Linke in der Corona-Krise versagt?, in der Broschüre Dark Winter von 2021. Dort finden sich auch zahlreiche Quellenangaben.


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„Cancel Culture“: Neuer Rechtsextremismus erinnert an Fahrenheit 451

Cancel Culture in der Praxis – Wenn Europarat-Sachverständige zu kritisch denken

31 Kommentare

  1. Andreas I. 31. Januar 2024 um 14:01 Uhr - Antworten

    Hallo,
    Bildung kann auch als eine Art Über-Ich fungieren (wenn man denn mit freudianischen Begriffen hantieren will).
    Mainstreammedien und/oder Politikern alles zu glauben ist auch eine Art Autoritätshörigkeit und ab 2020 glaubte die Mehrheit an eine „Pandemie“, obwohl im realen Leben nichts davon zu bemerken war..
    usw.
    Deswegen behaupte ich, die Symptome mögen andere sein, aber die psychischen Ursachen sind die gleichen.

  2. Jan 31. Januar 2024 um 10:31 Uhr - Antworten

    Die Selbstvergöttlichung und herrische Autorität erinnert mich eher an satanisches Gedankengut!

    Wenn ich zum Friseur gehe und der sagt: Was sind deine Pronomen? Dann antworte ich: Transen und Lesben waren in meinem Freundeskreis, da warst du noch gar nicht geboren, was willst du mir unterstellen? Dass ich mich kleide wie ein Mann, aber als Frau angesprochen werden möchte?

    Es geht darum, Disfunktionalität zu implementieren. Die calvinistischen Lehren haben immer einen Bezug zu Gottes Natur gehabt, dabei geht es um Ermächtigung des Einzelnen in Gottes schöner Welt. Hier geht es um Unterordnung und Gehorsam unter eine wirre und virtuelle Gedankenwelt von selbsternannten Göttern in einer dystopischen Umwelt.

  3. lbrecht torz 31. Januar 2024 um 9:51 Uhr - Antworten

    “ Sigmund Freud und Wilhelm Reich “ ein Perverser und ein Irrer als angebliche Autoritäten benannt.

    Damit kann man ja wohl aufhören, den Artikel zu lesen.

    Und was soll der Artikel überhaupt? Irgendwelche Schlussfolgerungen außer die: „Ist halt so. Kann man nichts machen.“? Die Ich-Schwäche wäre halt verbreitet. „So ein Pech aber auch!“?

    • Hasdrubal 31. Januar 2024 um 10:38 Uhr - Antworten

      Tatsächlich könnte man eher praxisbezogene Überlegungen gebrauchen, wie man das westliche Durchregieren mit Angst durchbrechen könnte? Diverse Ängste wie Klimahysterie scheint man in nichtwestlicher Welt weit weniger zu haben. Wie könnte man den Westen daran angleichen?

      • ibido 31. Januar 2024 um 22:37 Uhr

        Der westliche Mensch ist „dankbar“, dass seine frei flottierenden Ängste ein Ziel und einen Namen bekommen: Klimawandel, (tödliches) Coronavirus, Schwurbler, Leugner, etc.
        Endlich kann die eigene Angst im Außen bekämpft werden (CO2-sparen, Impfung etc).

        Den Westen kann man daher angleichen, indem jeder individuell mit seinen Ängsten umgehen lernt. Der erste Schritt dazu ist, zu erkennen, dass man Ängste hat und diese ins Außen projiziert. Familie und Freunde helfen Angst zu reduzieren (ein gutes soziales Miteinander).

        Dann zerplatzt Klimahysterie wie eine Seifenblase.

      • lbrecht torz 1. Februar 2024 um 9:37 Uhr

        Nun, die Ängste werden ja gezielt produziert. Zählen wir doch mal kurz auf, was gerade alles ganz schrecklich ist und immer noch ständig schrecklicher wird:

        _ Klima
        _ Viren
        _ Putin
        _ China
        _ Terror
        _ Islamismus
        _ Bevölkerungsexplosion
        _ Frauenunterdrückung
        _ Geschlechterdiskriminierung (trans, queer, bums und dings …)
        _ Wohlstandsverlust (provoziert tatsächlicher)
        _ Energiekrise (provoziert tatsächliche)
        _ Rääächtsschwenk/AfD/Trump
        _ „Demokratie“ in Gefahr (angeblich, und wie wenn wir sowas ernsthaft hätten)

        Ich muss sagen, bei meiner Jugend war alles so locker und unbeschwert im Vergleich zu jetzt. Die heutige Jugend tut mir so Leid angesichts der durch die Digitalisierung unentrinnbar gemachten Panikmache.

      • ibido 1. Februar 2024 um 20:23 Uhr

        @lbrecht torz
        1. Februar 2024 at 9:37
        ja die Liste ist lang und kann ohne Probleme fortgesetzt werden.

        Das Grundproblem – war zuerst die Henne oder das Ei – ist damit nicht gelöst.
        Ich tendiere eher dazu: Die Panikmache funktioniert nur, weil sie auf der frei flottierenden Angst aufsetzt. Wenn die Panikmache (Mainstream, digital) keinen fruchtbaren Boden findet, flaut sie nach einiger Zeit wieder ab. Ist zumindest meine Erfahrung in der C-Zeit.

        Jeden Ihrer Punkte könnte man argumentativ den Kopf abschlagen, aber wie bei der Hydra wachsen jedem abgeschlagenen Kopf 2 neue nach.

        Da ist mir mein Ansatz lieber. Er ermächtigt mich (jeden), selbst etwas zu tun und ich bin NICHT unentrinnbar ausgeliefert. Ich sehe es nicht so, dass die Ängste produziert werden, sondern der vorhandenen Angst nur Namen gegeben werden. Irrer Weise wird das sogar erleichternd empfunden.
        Aber man kann es natürlich auch so sehen wie Sie.

    • ibido 31. Januar 2024 um 22:17 Uhr - Antworten

      Die postulierte Ursache für die Ich-Schwäche haben Sie wohl überlesen: Der Neoliberalismus.
      Und die Schlussfolgerungen, was zur Stärkung des Ichs und zum selbständigen Denken verhelfen würde, müsste man halt selbst ziehen.

      • lbrecht torz 1. Februar 2024 um 9:44 Uhr

        Da braucht man kein solches wolkiges Wort wie „Neoliberalismus“. Halte ich sowieso für ein PR-Wort. „Neo“ für „neu“ und „Liberalismus“ für „Freiheit“ ist für die meisten Leute eher positiv konnotiert. Also was soll das?

        Raubtierkapitalismus ist das richtig Wort!

        Und solche Texte dienen einfach nicht dazu, richtige Schlussfolgerungen nahe zu legen – sondern alles zu vernebeln und undurchsichtig zu machen.

        Wo sind denn bitte diese „Neoliberalen“ damit man sie adressieren kann. Das ist doch Geschwätz. Warum nicht klar und deutlich benennen: Ausbeuter und Bedrücker und deren Hunde. Und dann gibt es Namen: Gates, Buffet, Soros, Musk, …

        Da ist überhaupt nichts „Neo“ daran: es ist die gleiche alte Klasse der viel zu viel Besitzenden und deren Schergen.

        So ein Artikel wie der hier klärt nicht auf sonder verschwätzt und labert bis zur Abschreckung und geistigen Abschaltung.

      • ibido 1. Februar 2024 um 20:30 Uhr

        @lbrecht torz
        1. Februar 2024 at 9:44

        „Raubtierkapitalismus ; Ausbeuter und Bedrücker und deren Hunde. Und dann gibt es Namen: Gates, Buffet, Soros, Musk, …“

        klar und deutlich benennen! Kann ich nur unterstreichen!

        Bei mir führen solche Artikel nicht zur geistigen Abschaltung, sondern regen mich an. Gut dass wir alle verschieden sind ;-)
        Danke auch für Ihre Anregungen und Denkanstöße!

  4. Dr. Rolf Lindner 31. Januar 2024 um 1:17 Uhr - Antworten

    Psychopathen an die Macht

    Was falsch läuft bei vielen zwischen den Ohren,
    resultiert nicht aus dem, was sie derzeit bewegt,
    nein, es ist schlicht und einfach angeboren
    oder früh in der Kindheit schon vorgeprägt.

    Was gibt man heut‘ alles dem Fötus zu kosten,
    zuviel Zucker, Stress, Pillen, Gengift und Drogen,
    schon im Mutterleib so Epigene rosten,
    sind Gefühl und Verstand vorgeburtlich verbogen.

    Wenn dem frühen Kind Liebe und Fürsorge fehlen,
    wird der Sinn fürs Soziale ihm abtrainiert,
    wird autistisch sich und viele andere quälen,
    ist oft der Idiot, der uns heute regiert.

    • joseph53 - Sepp Lienbacher 31. Januar 2024 um 5:05 Uhr - Antworten

      Wenn dem frühen Kind schon Liebe und Fürsorge fehlen …
      weil die Mutter schnell wieder arbeiten will oder muß
      und „die Ideologisierung“ der Kleinsten schon im Kindergarten beginnt und bis zum Ende der Schulpflicht oder gar der freiwilligen Weiterbildung mit Matura und vielfach im Hörsaal anhält,
      haben wir die Wähler derjenigen ausgebildet,
      die vielleicht nach einer Spezial-Kur einer Partei zum Berufspolitiker geworden und im Endeffekt im Plenarsaal gelandet sind.

      Genau dann haben wir den Salat, den wir gerade haben 😢!

  5. Sigunds Frau 30. Januar 2024 um 22:14 Uhr - Antworten

    Im Grunde ist es noch viel schlimmer:

    Sexualunterdrückung heute .. nicht im Mittelpunkt.
    Stimmt, verneinen wir das wir Menschen mit Sexualität sind.
    Dann dürfen wir verkennen was nach Desmet als die fraktale Natur de Welt bezeichnet
    dessen Teil wir sind.
    Wir dürfen den Blick davon abwenden das wir Ungerechtigkeiten im „kleine“ Leben – so wie es die Welt es fraktal gespiegelt wiederholt. Ist wirklich jeder offen mit seine Sexualität? Frage dich jetzt mal selbst.
    Darin das wir dieses verneinen ermöglichen wir viele bequeme Spielarten in Beziehungen – weil wir wie Carl Gustaf Jung sagt: „Die Menschen werden alles tun, egal wie absurd, um ihrer eigenen Seele nicht ins Angesicht sehen zu müssen.“, Wer sich nicht selbst kennt muss geradezu Angst haben von dem Aussen (Freunde/Verwante/Job) nicht mehr geliebt zu werden und wird desshalb jetzt lieber weiterblättern – für Immer.
    Es ist zu unbequem sich dem zu stellen. Sich gut zu fühlen durch lesen oder verbreiten von „Ungerechtigkeiten im Aussen“ ist billiger und Mensch kommt schneller zu dem ausgeglichen Gefühlszustand in dem er sich wohl fühlt.
    Es muss wirklich erst jeder auch von Euch hungern bis er bereit ist sich – sich selbst zu stellen.
    Allderdings zeigt ja der WK2 das es auch nichts ändern wird – Das unbewusste Gefühl-Steuert-Handeln wird sich wieder durchsetzten wenn Du jetzt nicht innehälst und zu Erkennen beginnst – Dich erkennen.
    Alles Gute Euch und Danke für die Möglichkeit hier Worte zu setzen.

  6. andi pi 30. Januar 2024 um 22:08 Uhr - Antworten

    ich kann da manchem zustimmen, manchem weniger. das mit den vier vorbedingungen sehe ich grundsätzlich ähnlich, aber jetzt mal so auf die „positive“ seite umgelegt – also: was tut den menschen gut?

    gemeinschaft
    (lebens)sinn
    angstlosigkeit

    daraus ergibt sich als konsequenz dieser drei positiven aspekte des eigenen lebens: 4. zufriedenheit.

    und was bekamen die menschen bis dato geboten?

    die prä-antike zeit: da wissen wir immer noch zu wenig bescheid. vielleicht war aus gewissen gründen manches davon auch noch nicht relevant? aber wenigstens die gemeinschaft wird grundsätzlich da gewesen sein.

    das leben in den diversen religionen: die punkte 1. und 2. wurden befriedigt – allerdings wurde der positive punkt 2. mit einem oft sehr negativen punkt 3 kombiniert (z.b. im christentum die angstmache vor der hölle).

    die aufklärung: da scheint unter den drei punkten einer klar zu fehlen, der der aufklärung zum erfolg verhalf. ich würde ihn als eine art freiheitsliebe oder selbstverwirklichungssehnsucht bezeichnen.

    die arbeiterbewegung des 19./20. jahrhunderts: da wurde eben der vorige punkt mit einem starken gemeinschaftgefühl verbunden. auch die angst vor einem materiellen nichts wurde genommen. was da (z.b. im unterschied zu den religionen) ein wenig fehlte, war der punkt der sinnsuche.

    der nationalismus, der in den irrsin der beiden weltkriege führte: von sinn oder angstbefreiung keine spur, aber auf die „gemeinschaft“ wurde wohl so viel gesetzt wie in keiner anderen ideologie jemals. das genügte, um die menschen im fall des ersten weltkriegs blind zu machen und im fall des zweiten weltkriegs in deutschland/österreich auch sonst sämtlicher sinne, menschlichkeit und intelligenz zu berauben.

    der kapitalismus/neoliberalismus: hier gibt es keine gemeinschaft. hier gibt es auch keinen sinn. selbstverwirklichung wird bestenfalls an einen sozialen aufstieg gekoppelt. aber ein mensch, dem weder gemeinschaft noch sinn geboten werden, benötigt wohl feindbilder. für die wiederum bietet der kapitalismus zu wenig raum. also sieht der mensch von heute nur zwei auswege (bzw. nicht alle menschen beide, sondern der eine mensch den einen und der andere den anderen):

    zum einen ist es der weg, den eben auch schon der nationalismus früherer zeiten verfolgt hat. so quasi nach dem motto: wenn wir mal alle, die nicht „zu uns“ gehören, „remigrieren“, wird alles wieder gut.

    zum anderen ist es der weg, der in den letzten jahren besonders gerne in pseudo“linken“ bobo-kreisen gewählt wird: wir schaffen uns eine neue gemeinschaft, deren einziger „lebenssinn“ es ist, allen, die anders als „wir“ sind, jegliches wort zu canceln (was im völligen widerspruch zu grundfreiheiten der forschung, der lehre und des wortes steht – und wer z.b. fleisch/autos/dirndln, dreadlocks tragen von „weißen“ oder das lesen von „winnetou“ bzw. eugen gomringers schönem romantischem gedicht „avenidas“ verbieten möchte, verhält sich auch nicht viel anders wie jener iranische führer, der salman rushdies „die satanischen verse“ für verboten erklärt hat).

    die sache ist nur die: beide merken nicht, dass sie einfach nur zwei seiten der selben medaille sind. zwischen z.b. „ausländer raus!“ und „ungeimpfte raus!“ besteht gar kein wesentlicher unterschied. die einen schreien dann das eine, die anderen das andere, die einen demonstrieren gegen das eine, die anderen gegen das andere, die einen hätten nichts gegen einen lockdown gegen flüchtlinge, die anderen haben einem totalitären lockdown für ungeimpfte nur zugejubelt – und merken beide einfach nicht, wie sie damit zu einem willenlosen spielball des „divide et impera“-prinzips der kapitalistischen obrigkeit wurden. denn eine gemeinschaft, die sich ernsthaft zu diesem wert bekennt, sollte nicht exkludierend, sondern inkludierend sein. ein lebenssinn wird nicht durch den glauben an eine spritze oder zensur als heiland bestimmt. und angstmache vor „DEN ausländern“ lenkt nur vor der eigentlichen problematik ab – nämlich jener, dass ein paar ganz große den übrigen 99% anderen befehlen, dass deren einziger lebenssinn jener zu sein hätte, ihre gesamte lebenskraft den 1% ganz oben zu spenden.

    aber am allerskurrilsten an dem ganzen finde ich es immer noch, wie sich so viele selbsternannte „linke“ nun ihre fünfte spritze geben – nur, um den finanziellen reichtum von pharmagroßkonzernen möglichst immer weiter zu steigern. eine ganz herrliche neudefinition von „solidarität“ (die ja bei robin hood noch eine genau umgekehrte war). dazu hat übrigens felix baumgartner vor einigen tagen ganz treffende worte gefunden :-)

  7. Jochen 30. Januar 2024 um 20:23 Uhr - Antworten

    Sehr gute Analyse! Allerdings habe ich ein Problem damit wenn der Begriff Christ benutzt wird, um lediglich das Verhalten von Menschen zu kategorisieren, welches in ihrer kulturellen Sozialisation begründet ist, und in der Art und Weise, wie sie das Evangelim vermittelt bekommen haben.
    Das Evangelium selbst würde ich anderst auslegen. Nur zwei kleine Beispiele:
    „Wer sich selbst erhöht wird ernierdrigt werden“ Also, auf Augenhöhe.
    „An den Früchten sollt Ihr sie erkennen“ Also, keine gesinnungsetisch wohlklingende Phrasen, sondern verantwortungsetisches Handeln, welches Leid minimiert und zum Frieden beiträgt. Man könnte fortfahren. Von der psychologisch-soziologischen Ausarbeitung gefällt es mir sehr gut.

  8. Pfeiffer C 30. Januar 2024 um 19:42 Uhr - Antworten

    Bei allem Respekt, Leute – es ist alles viel banaler:

    Die „Investigative Empörungswelle“ der Elaboratsschleuder Correctiv im Fall des Pseudowannseetreffens ist der Begriff „Deportation“, dazu die leitende Correctiv-Redakteurin Annett Dowideit in einem X-Posting vom 29. Jänner:

    Eine Klarstellung, weil hier wieder der nächste Desinformations-Versuch gestartet wird. In der #GeheimplanGegenDeutschland-Recherche steht nicht der Begriff „Deportation“.

    Was die leitende Correctiv-Redakteurin Annett Dowideit natürlich nicht anleiert, daß es schon in der Vergangenheit Treffen von Correctiv mit Bundesregierungsvertretern gab. „Wir führen über diese Arten von Treffen kein Buch“, sagt das „Rechercheportal“.

    Die Berliner Zeitung fragte Correctiv nach den Inhalten des Treffens an – was besprach das Recherchenetzwerk mit der Regierung? Laut David Schraven, der Correctiv 2014 gegründet hatte, hat es sich bei dem Treffen nur „um einen normalen Gesprächskreis“ gehandelt. Bei diesem sei „über die Herausforderungen, insbesondere durch Falschinformationen, im Zuge der Corona-Pandemie gesprochen“ worden. Er habe auch keine Notizen: „Es war einfach ein Gespräch.“

    „Wir sind eine journalistische Organisation, die im Austausch mit der Regierung steht“, so Schraven weiter. „Das macht jedes Medium in einer Demokratie so, das ist normal. Man redet miteinander.“ Es handle sich hierbei um „unverbindliche Gespräche“. Er erklärt: „Wie alle Medien reden wir mit allen.“

    Ob es weitere Treffen dieses Formats gegeben hat? „Es kann sein, dass es weitere Gespräche gab, warum auch nicht“, sagt Schraven. „Wir führen über diese Arten von Treffen kein Buch.“ Dass sich Mitarbeiter von Correctiv mit Ministeriumsmitarbeitern unterhalten oder zu einer Gesprächsrunde eingeladen werden, kommt laut Schraven „grundsätzlich immer mal wieder vor“.

    Die Teilnehmerliste, laut Gesundheitsministerium ist hier vollständig. Die Zivilgesellschaft, ist darin zu lesen, vertraten die Correctiv gGmbH, die Amadeu-Antonio-Stiftung und die Stiftung Neue Verantwortung. Thomas Krüger, der noch heute amtierende Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, war ebenfalls unter den Teilnehmern. Es waren auch Vertreter von YouTube und Facebook anwesend.

    Nach eigenen Angaben hat Correctiv das Faktencheck-Geschäft an eine gewerbliche Tochterfirma ausgegliedert: Die Unternehmergemeinschaft „Correctiv – Verlag und Vertrieb für die Gesellschaft UG“ verdient Geld, indem sie gewerbliche Faktenchecks und das Verlagsgeschäft betreibt. Die Muttergesellschaft „Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft gGmbH“ wird dagegen durch Spenden finanziert, ihre Mitarbeiter und Autoren sind mit investigativen Recherchen betraut.

    Quelle – Berliner Zeitung 29.1.2024 – Nathan Giwerzew – „Geheimtreffen im Innenministerium? – Ein Treffen von Correctiv mit Vertretern der früheren Bundesregierung wirft Fragen auf“.

    P.S. Die deutsche Bundesregierung bestätigt indirekt die Involvierung des Verfassungsschutzes in der Correctiv-Affäre. – Dem dahingehend investigativen Journalisten Tichy warf Correctiv vor, eine diesbezügliche Falschmeldung zu verbreiten.

    Die deutsche Bundesregierung beantwortete eine dahingehende offizielle Anfrage so:

    „Nach sorgfältiger Abwägung ist die Bundesregierung zu der Auffassung gelangt, dass eine Beantwortung der Frage nach dem Erkenntnisstand zur Veranstaltung am 25. November 2023 in Potsdam aufgrund entgegenstehender überwiegender Belange des Staatswohls nicht erfolgen kann.“

    Ich sagte ja schon eingangs: Es ist banal…

  9. Taktgefühl 30. Januar 2024 um 18:28 Uhr - Antworten

    Wenn man sich die Weltgeschichte anschaut, dann ist die Tyrannei der Normalzustand. Die Demokratie hat schon in der Antike nicht funktioniert und war immer der Steigbügel für Ochlokratien und Despotien.
    Sokrates ist von „Demokraten“ ermordet worden. Platon hat die „Demokratie“ als Gesellschaftssystem daraufhin abgelehnt.
    Die griechischen Demokratien, von denen wir uns gerne blenden lassen, waren Fassadendemokratien. Die Philosophen haben viel darüber nachgedacht und geschrieben, wie die Demokratie gesichert werden könnte, dennoch, es ist ihne nie gelungen.

    „Wenn ich nicht herrsche, verschmachte ich!“ Jason, gr. Tyrann

    „Und dies trug sich zu, während unser Staat noch demokratisch regiert wurde. Als wir dann die „Oligarchie“ bekommen hatten, zitierten die Dreißig mich und vier andere zu sich in den Rundbau; sie gaben uns den Befehl, den Salamanier Leon, der hingerichtet werden sollte, aus seiner Heimat herbeizuschaffen – wie sie auch sonst allerlei Leuten allerlei befohlen haben, um möglichst viele zu Mitschuldigen zu machen. .. Denn ich habe mich ja durch dieses „Regime“ nicht einschüchtern lassen, daß ich ..“, Apologie des Sokrates
    Sokrates machte die Demokraten für den Zusammenbruch 404 v.Chr. verantwortlich. 399 v.Chr. ist er hingerichtet worden.

    Cäsar, Sulla, Nero, Caligula, die Tyrannen gaben sich in Rom die Klinke in die Hand. Das Römische Reich war übrigens griechisch-römisch. Caligula zum Beispiel ernannte sein Pferd zum Konsul und verlangte von den Senatoren, es mit “Herr Senator” anzusprechen. Wer sich seinem Willen nicht beugen wollte, den brachte er um.
    Caligula ist sozusagen der Prophet der Genderei.
    Der Mensch ist immer ein Barbar geblieben. Willkommen im Normalzustand.

    Das mit dem Calvinismus, das halte ich für sehr weit hergeholt. Die meisten haben die Brüche wohl wahr genommen, haben sich aber Vorteile davon versprochen.
    Anfangs sind Despotien großzügig und verteilen Geschenke. Das heißt, das Volk wird gestreichelt und dann dabei legt man es an die Kette. Das war schon lange klar, daß Europa in die Diktatur abrutschen würde.
    Und die Zeit ging in Land und es beschwerte sich niemand.

    Wir werden von Psychopathen regiert. Man versucht einen Sinn zu finden, wo keiner ist.

    • ibido 1. Februar 2024 um 20:55 Uhr - Antworten

      sehr ernsthafter interessanter Kommentar.
      Aber ein ausgesprochenes Danke für den Lacher:
      Caligula ist sozusagen der Prophet der Genderei. :-))))))))))))))))))

  10. federkiel 30. Januar 2024 um 17:04 Uhr - Antworten

    Wenns die Psychologie wäre, würde es ja für andere Länder auch gelten. Nein, es ist schon der Protestantimus. Am 20.6.1991 gab es den Beschluß, Berlin wieder zur Hauptstadt zu machen, und Berlin ist protestantisch, Bonn und NRW katholisch ausgerichtet. Das ist eine völlig andere Lebenshaltung, und darin liegt auch das Verhängnis, das dann mit Merkel, Pfarrerstochter, seinen Lauf nahm, die wiederum eine AFD evoziert hat. Deutschland hat das Gutmenschentum für sich gepachtet und missioniert andere. Man will sich rein halten, frei von Sünde. Da haben die Katholiken einen Vorteil, die können sündigen so viel sie wollen, denn es gibt die Beichte, in der einem die Absolution erteilt wird. Das haben die Protestanten nicht, die müssen die Sünden vermeiden, bzw. mit sich selbst ausmachen. Kommen sie damit nicht zurecht, dann brauchen sie einen Therapeuten.

    • ibido 30. Januar 2024 um 18:27 Uhr - Antworten

      Es gilt für andere Länder auch. Z.B. für das katholische Österreich.

      Ich sehe es als ein sowohl-als auch und nicht als ein entweder-oder. Der Protestantismus ist vielleicht ein noch fruchtbarer Boden für schwache Ich-Ausbildung, als anderswo.

      • Taktgefühl 30. Januar 2024 um 18:31 Uhr

        Protestantismus kommt von „Protest“. Der Protestantismus ist eine Protestbewegung. Der hat das Gesicht der Welt verändert.

  11. peter 30. Januar 2024 um 16:36 Uhr - Antworten

    Ich fasse das mal aus meiner Welt zusammen:
    Ein riesen Haufen dummer Menschen ist in viel zu großem Wohlstand aufgewachsen. Denen ist total langweilig. Und da sie ja dumm sind, fällt ihnen nichts Besseres ein, ihre begrenzte , auf sich selbst bezogene Welt- und Menschenvorstellung, den restlichen selbstdenkenden Menschen per Zwang auf´s Auge zu drücken. Nimm denen das Geld weg, steck sie in ein versifften Plattenbau aus den 60gern und deren Probleme verschwinden wie von selbst. Da ist nichts mehr mit Sexualverwirrung und grünen Dummdenken. Dann kommen wieder die natürlichen Gene zurück. Bei einigen zumindest.

  12. A-w-n-3 30. Januar 2024 um 15:29 Uhr - Antworten

    Nachtrag und Beispiel: Sie schreiben davon, die Sexualunterdrückung stehe heute nicht mehr im Mittelpunkt.

    Ueber Pasolini hatte ich zitiert u.a.: ‚Auslöschung des Andersseins und der kulturellen Differenzen seinen Sinn finde. Seine Erscheinungsformen sind für ihn die konformistische Anpassung an das Entwicklungsmodell des neuen Kapitalismus…‘

    So, Sie verwenden den Begriff Sexualität und Sexualunterdrückung so, also sei es völlig klar was Sex sei und was nicht und es dazu nur eine Allgemeingültige Meinung geben könnte.

    Das ist aber genau das, was ‚Auslöschung des Andersseins und der kulturellen Differenzen‘ gemeint war und mit ‚konformistischer Anpassung‘.

    Weil Pasolini beschrieb z.B. er habe Sex gehabt mit Menschen, welche dieselben Handlungen nicht als Sex, sondern nur als Spass und Blödsinn gesehen haben. Auch die ‚Pick-Up-Artist‘ Szene z.B. hatte dies später festgestellt, Jill Grimes MD schreibt davon im Buch über STI’s ‚Seductive Delusions‘ etc.

    Auch, was meinte denn Reich damit eigentlich? Wie ich ihn lese, meinte er gar nicht ‚Promiskuität‘, meinte er nicht ‚Performance‘, meinte er nicht ‚1000 One-Night-Stands‘ hintereinander. Er sprach eigentlich nur von Natürlichkeit und Liebe, was nicht strengen Normen folgt, aber nicht einfach mechanische Serienerfahrungen meint oder die Wiederholung des emotionalen Kicks. Reich sprach von der ‚emotionalen Pest‘, also Liebe gehe da tiefer. Ich bezweifle, dass man recht viel weiter ist heute. Man weiss vielleicht nicht mehr, wie das früher war. Ich lese und höre, da hat es auch Sex gegeben (mal ganz abgesehen vom Berlin der 1920ger Jahre), beim Weinfest die Dame nach Hause begleitet etc., nur sei es ’schöner gewesen’…

  13. A-w-n-3 30. Januar 2024 um 15:08 Uhr - Antworten

    Also mal Danke für den Artikel. Aber hier titeln Sie ‚Cancel Culture‘, der NDS Artikel erwähnt Cancel Culture aber nur nebenher. Sie schreiben, der naturwissenschaftliche Bildungsstand 1890-1945 habe ein starkes Ich zur Folge gehabt. Merkwürdigerweise ist das aber die Periode in welcher Freud und Reich dem nicht nur kleinbürgerlichen Faschismus konstatierten. Ich bezweifle diesen Zusammenhang mit naturwissenschaftlicher Bildung. Es sind gerade ‚Techniker‘ welchen die ‚psychologische Expertise‘ (Ihre Formulierung) fehlt, um mit ‚Angst und Propaganda‘ umzugehen. Nach Reich hätte es einer Art ‚Körperpsychoterapie‘ für alle bedurft.

    Jetzt stützt sich der NDS Artikel aber hauptsächlich auf das Buch von Malte Nelles welches schon ‚Gottes Umzug ins Ich‘ betitelt ist und welcher nicht die Cancel Culture erklären wollte, sondern eine ‚Tiefenpsychologie des modernen Menschen‘ vorlegen wollte. Und er sagt im Kern nur, man kann auch religiös sein, ohne an einen Gott zu glauben oder einer Kirche anzugehören, und moderne säkulare Menschen wären in der Personlichkeitsstruktur immer noch religiös geprägt.

    Dies vergleiche man mal mit einem meiner Lieblingszzitate aus Wiki über Pasolini, welches noch viel mehr enthält, aber auch das obige, oder anstelle ‚Umzug ins Ich‘ hier ‚Verinnerlichung‘:

    ,In seinem umfangreichen publizistischen Werk analysierte und problematisierte Pier Paolo Pasolini den Niedergang der sozialen und politischen Strukturen und Institutionen, wie er ihn in der italienischen Gesellschaft der sechziger und siebziger Jahre beobachten konnte. Hauptmerkmal dieses Verfallsprozesses sei das Verschwinden der Kultur des Volkes als Grundlage des gesellschaftlichen Fortschritts und das davon induzierte Fehlen von Werten und Inhalten des menschlichen Zusammenlebens. Auslöser und tragende Kraft dieses Prozesses sei eine neue Form von Faschismus, die – anders als der Faschismus der Vorkriegszeit – von den Individuen verinnerlicht werde und in der Auslöschung des Andersseins und der kulturellen Differenzen seinen Sinn finde. Seine Erscheinungsformen sind für ihn die konformistische Anpassung an das Entwicklungsmodell des neuen Kapitalismus und das Auftreten des entsprechenden kleinbürgerlichen Menschentypus als einziges nachahmenswertes Modell. Dieser Faschismus sei ein Phänomen, das alle Teile der Gesellschaft durchdringe: davon ausgespart bleibe weder die 68er-Generation noch das Subproletariat des Landes und der Großstädte.‘

    • Jan Müller 30. Januar 2024 um 16:24 Uhr - Antworten

      In der Periode des klassischen Imperialismus und damit auch des Faschismus hatten viele Menschen ein starkes Ich, aber eben auch ein starkes Über-Ich. Damit waren nicht unbedingt freier als die heutige Generation. Aber die Konstealltion im psychischen Apparat des Menschen war anders. Sie hat Reich in seinem Buch Massenpsychologie des Faschismus ausführlich beschrieben.

      • A-w-n-3 30. Januar 2024 um 18:01 Uhr

        Habe das Buch von Reich gelesen. Wieso soll eine Masse von Menschen, die anstelle mit Guten Morgen mit Heil H gegrüsst hat und dies bei anderen überwacht und angezeigt hat bei der Polizei, die auf Massenveranstaltungen begeistert mitgemacht haben etc., warum sollen diese Menschen ein starkes Ich gehabt haben? Es ist für mich nur ein Denkmodell von Freud. Da fehlen mir Dinge wie das kollektive Unterbewusstsein (CG Jung), die Unterscheidung von Ich und Selbst, Dinge wie ‚das Verschwinden der Kultur des Volkes‘. Ggf. gilt das ganze Modell ‚Ich-Ueberich-Es‘ so nicht mehr wie in der Zeit Freuds (falls es da generell galt), wie sieht das Modell in Zeiten von ‚hive mind‘ aus? Wie spielt Ambiguitätsintoleranz mit hinein, ist das doch ein Zeichen von ‚Ueber-Ich‘?

      • A-w-n-3 30. Januar 2024 um 18:50 Uhr

        Also ich meine zu beobachten, dass das Bewusstsein der Menschen nicht isoliert ist und es einen gemeinsamen Raum auch gibt. Nennen wir es kollektives Unterbewusstsein. Dort scheinen mir blueprints/Drehbücher/Muster (wie Programme) vorhanden und Menschen, je mehr sie sich nicht spüren und je schwächer die Persönlichkeit, handeln sich diese blueprints ein. Diese enthalten Gedanken und Emotionen. Die Person durchläuft die Gedanken und Emotionen (für mich etwas anderes als Gefühle) und ist sich nicht bewusst, dass sie nur ein Programm durchlaufen. Also im Geschäft ruft Manager A an ,Sagen Sie, ich habe da eine Idee. Was wäre denn, stellen Sie sich doch mal vor, wenn wir eine Plattform würden? Wär das nicht geil?…etc‘. Dabei ist das keine originelle Idee des ,ich‘, sondern nur der gegenwärtige Trend. Dann ruft etwas später Manager B an und sagt genau dasselbe, pausiert an den selben Stellen, verändert die Lautstärke an den selben Stellen, geht durch die selben Emotionen im selben Ablauf…Jetzt scheint dies Personen mit schwacher Persönlichkeit eher zu treffen, es erklärt oder determiniert aber nicht die vorhandenen blueprints im kollektiven Bewusstsein, also auf welche Muster die Personen aufgeschaltet sind und wie sich diese ändern in zB Epochen.

  14. Veron 30. Januar 2024 um 11:53 Uhr - Antworten

    Es geht doch im Grund um Verunsicherung. Dies und das darf man nicht mehr sagen, dies oder jenes muss gegendert werden, und wie die Vergangenheit war, soll nicht mehr stimmen.
    Ich bin damit aufgewachsen, das Quarantäne als Kwarantäne ausgesprochen wurde, und war verwirrt, als eine Freundin plötzlich Karantäne sagte. Warum? fragte ich sie. Hast Du vergessen, wie es immer schon geheißen hat bei uns und dass es vom italienischen Quaranta kommt? Naja, sie habe nachgeschaut und da stand, dass man es so ausspricht .. .. aha, irgendjemand schreibt es in Wi.. so rein und deswegen heißt das jetzt so. Nix mehr mit den Italienern, die die Quarantäne erfunden haben .. und heißt es dann demnächst auch Kartier oder Kalle? Ach ja, und Audi Katro und Kasimodo .. ..

    • muzzn 30. Januar 2024 um 17:28 Uhr - Antworten

      aber: das gehört Kwasimir
      /unfug off

  15. Hasdrubal 30. Januar 2024 um 11:20 Uhr - Antworten

    @„dass die heutige Cancel-Kultur eine Version der christlichen, besonders der kalvinistischen Ethik sei. Dies zeige sich vor allem in der manichäischen Aufteilung der Welt in Gut und Böse, der Verzichtsethik (Fleisch, Drogen, Konsumgüter, Flugreisen etc.) und der moralischen Selbsterhöhung“

    Als ich zeitweise bei einer Kirche war, war es die Papst-NGO und selbst das ist seit über 30 Jahren vorbei. Auf Reisen und Fleisch musste ich im Ostblock mehr als genug verzichten.

    Zu den manchmal so hochgejubelten „Konservativen“ gehört Wilders in den Niederlanden, der sogar die letzte Wahl gewonnen haben soll. Dennoch las ich heute, dass dort eine drastische Luftverkehrssteuer-Erhöhung vorbereitet wird – kein Unterschied verglichen mit der Buntschland-Ampel.

    • therMOnukular 30. Januar 2024 um 13:58 Uhr - Antworten

      Wenn ich es mir leisten kann, „Regierungen“ zu kaufen und die „kritischen Medien“ gleich dazu, dann werde ich wohl auch noch die Groschen für die „Opposition“ irgendwo rumliegen haben…..

      Ein Gedankenspiel: alle paar Jahre wird auch das Pentagon gefragt, was denn so mit dem Budget der letzten Jahre geschehen sei, was man damit bezahlte. Und jedes Mal findet das Pentagon Belege für grob 1/3 der Gesamtsumme – der Rest, ja, hm, tja, niemand weiß wo der ist und was damit gekauft oder finanziert wurde. Letztes Mal haben da meiner Erinnerung nach über 2 BILLIONEN Dollar gefehlt, die irgendwo ohne Rechnung verschwunden sind – und das so alle 4-5 Jahre……da bleibt doch sicher auch was für die „Opposition“ übrig (siehe Kari Lake und der Versuch, sie von einer Kandidatur abzuhalten – wer es war?….“they“ sagte der GOP-Bote im geleakten Tonmitschnitt….wer kann das sein und woher haben „die“ all das Geld, sich die ganze Partei zu kaufen?) Und das ist nur ein Steuertopf mit einem großen Loch…..

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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