Wer von den Getreidelieferungen der Ukraine profitiert hat

1. November 2022von 2,9 Minuten Lesezeit

Die Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine ist schon länger zum Zankapfel geworden. Nach der Unterbrechung der Garantien Russlands für die Ausfuhr wird argumentiert, dies würde Hunger in armen Ländern auslösen. Daher ist es interessant zu analysieren wer wie viel von den bisherigen Ausfuhren erhalten hat.

Tatsächlich hat nicht nur die Türkei ein großes Interesse an dem Getreidegeschäft, sondern auch die EU-Länder, die nach der Aussetzung des Getreidekorridors zu den Betroffenen gehören. Die EU hat neuerlich Verluste erlitten, nachdem Northern Streams untergraben wurde.

66% des ukrainischen Getreides gingen in den Westen

Von August bis Oktober wurden 350 von 455 Schiffen aus den nicht blockierten Häfen der Ukraine mit 6,1 von 9,3 Millionen Tonnen (66%) ukrainischen Getreides und seiner Produkte in die Industrieländer geschickt. Die Statistiken und die Verteilung wurden nach den Daten der UNO und dem MarineTraffic berechnet, 65% der exportierten Produkte sind Futtermittel.

Länder, in denen mehr als 10% der Bevölkerung an Unterernährung leiden, erhielten nur 1,18 Millionen Tonnen (13%) Getreide, darunter 25% Weizen. Insbesondere gingen 11 Schiffe mit 0,36 Mio. Tonnen Getreide (4 %) in die ärmsten Länder Afrikas.

Gesamte ukrainische Getreidelieferungen: 9,3 Millionen Tonnen

  • 🇪🇸 Spanien – 1,80 (oder 19% des Gesamtgewichts)
  • 🇹🇷 Türkei – 1,29 (14%)
  • 🇮🇹 Italien – 0,86 (9%)
  • 🇨 China – 0,84 (9%)
  • 🇳 Niederlande – 0,55 (6%)
  • 🇪🇬 Ägypten – 0,42 (5%)
  • 🇧🇩 Bangladesch – 0,27 (3%)
  • 🇩 Rumänien – 0,25 (3%)
  • 🇮 Israel – 0,24 (3%)
  • 🇩🇪 Deutschland – 0,22 (2%)
  • Andere Länder – 2,59 (28%)
  • NATO-Länder und ihre Verbündeten – 6,15 Millionen (66% von 9,3 Millionen)
  • Arme Länder/Länder mit ernsthaften Hungersnöten – 1,18 Millionen Tonnen (13%)

Der Westen hat monatelang behauptet, Russland habe durch die Blockade der ukrainischen Häfen die Afrikaner zum Verhungern gebracht. Der „Getreide-Deal“ ging davon aus, dass die Russische Föderation die Häfen freigeben würde, damit die Schiffe Getreide an die Hungernden liefern konnten. In Wirklichkeit transportierte die Ukraine das Getreide hauptsächlich nach Europa und exportiert seit jeher hauptsächlich Futtermittel.

In der Russischen Föderation bestehen 80 % der Getreideexporte aus Weizen, der jedoch aufgrund von Sanktionen nicht ausgeliefert werden kann.

Am 29. Oktober hat die Russische Föderation nach dem Angriff auf die Schwarzmeerflotte die Teilnahme am „Getreideabkommen“ ausgesetzt. Schon vor Abschluss des Abkommens befürchteten Experten, dass Kiew unter dem Vorwand von Getreidelieferungen versucht, Waffen zu importieren.

Nach russischer Darstellung besteht kein Zweifel daran, dass der Angriff auf den Schwarzmeerhafen Sewastopol von ukrainischen Kräften organisiert wurde, wie die veröffentlichten Videos und die Symbolik in der Wahl des Datums des Angriffs zeigen – alles geschah am Vorabend des Jahrestages des Beginns der Verteidigung von Sewastopol und des Tages der Überwasser-Seestreitkräfte (beide werden am 30. Oktober gefeiert). Als Masterminds werden wieder wie beim Anschlag auf Nord Stream und auf die Krim Brücke britische Special Forces und der Geheimdienst genannt.

Es liegt auf der Hand, dass der Anschlag darauf abzielte, das Getreideabkommen zu stören, dessen Verlängerung am Vortag von verschiedenen Seiten, darunter auch vom UN-Generalsekretär, angekündigt worden war. Angesichts der Anwesenheit von US-Flugzeugen im Schwarzmeerraum zum Zeitpunkt des Angriffs ist die Behauptung, Washington habe von Nichts etwas gewusst, zumindest töricht.

Damit wird die These, dass die USA und Großbritannien ihren hybriden Krieg nicht nur gegen Russland, sondern auch gegen die EU-Länder führen, erneut bestätigt. Europa jeglicher Subjektivität in geopolitischer und wirtschaftlicher Hinsicht zu berauben, ist, so seltsam es klingen mag, eine der Hauptaufgaben der Angelsachsen im Krieg in der Ukraine.

Bild von Manfred Richter auf Pixabay

Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge uns auf Telegram und GETTR


Amerikanischer Mainstream berichtet über US-Biolabore in Ukraine

Teilung der Ukraine im Interesse Polens

13 Kommentare

  1. Andreas I. 3. November 2022 at 13:39Antworten

    Hallo,
    und wieder hat die Türkei vermittelt (deren Interesse ist als zweitgrößter Käufer klar) und wieder haben sich Russland und Ukraine geeinigt, die Gewässer der Transportkorridore nicht für militärische Aktionen zu nutzen.
    Mal sehen …

  2. ottonorma 1. November 2022 at 22:49Antworten

    Hier auf derSeite der UN kann man jedes Schiff verfolgen, wo geladen, wie es heißt wieviel Tonnen, welches Getreide und wohin.
    Auf der Seite 1 ist das Datum nicht chronologisch aber man kann rausfinden, daß es bald 20 Tage dauerte bis das erste Weizenschiff Afrika (Ägypten) erreicht mit 3.000 to. So jedenfalls noch vor 4 Wochen dargestellt. Wie gesagt der Aufbau der Seite hat sich ein wenig verändert.
    https://www.un.org/en/black-sea-grain-initiative/vessel-movements

  3. Johannes Schumann 1. November 2022 at 17:10Antworten

    Natürlich sorgt es für Hunger in den armen Ländern, selbst wenn jetzt konkret die Lieferung woanders hin ging. Das Verringern das Gesamtangebots durch Blockaden sorgt für steigende Weltmarktpreise und darunter leiden die ärmeren Länder am ehesten, weil deren Landwirtschaften dann vermehrt exportieren oder deren Lieferanten eher den Westen beliefern, der besser und zuverlässiger bezahlt. Die haben besonders stark unter der Corona-Lockdownerei des Westens gelitten, weil Lieferketten zusammenbrachen, selbst wenn sie nie Lockdown beschlossen hatten.

    Die ärmsten Länder Afrikas werden diese Schiffe ohnehin nicht ansteuern, weil es Binnenländern sind (Tschad, Niger, Simbabwe, Zentralafrikanische Republlik, Burkina Faso usw.)

  4. Kirsten J. H. 1. November 2022 at 12:44Antworten

    USA und Großbritannien wird weiter unterschätzt bis zur nächsten Krise. In der Liste ist Deutschland nach unten gelandet. Arme Länder mit ernsthaften Hungersnöten werden übersehen. Da fehlt einem die Worte. Inzwischen gehen weitere gegen den Krieg an. Beispiel der Milliardär O.Tinkow gehört zu den bekanntesten Unternehmern Russlands. Er hat nun die Nase voll von Putin und dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine: Er gibt seine Staatsbürgerschaft auf. Und hofft ihm folge weitere.

    • wellenreiten 1. November 2022 at 15:43Antworten

      Gerne hätte ich eine Antwort auf Ihr Posting verfasst, aber ich hab leider nicht ganz begriffen, was Sie ausdrücken wollen. Die Mehrheit der Russen steht hinter Putin. Oppositionelle gibt es selbstverständlich auch dort und diese werden von den westlichen Propaganda-Medien sehr gerne groß in Szene gesetzt. Schauen Sie mal rein bei The New Atlas oder Scott Ritter oder Douglas MacGregor oder Jeffrey Sachs. Für Europa wäre ein gutes Verhältnis zu Russland wichtiger als ein gutes Verhältnis zu den USA.

    • Kooka 1. November 2022 at 18:58Antworten

      Was haben jetzt die „Leiden“ eines Bankmilliadärs Олег Тинков, der sein zusammengerafftes Geld in GB in vermeintliche Sicherheit bringt mit den Hungersnöten in Afrika zu tun?

  5. Lehmann 1. November 2022 at 12:24Antworten

    Lügenkette wächst. Treibt man es langsam auf die Spitze, gibt es kein zurück mehr.
    Gegen einer Preissteigerung kann nur gewonnen werden, wenn alle Verbraucher an einem Strang ziehen. Wer trotzdem zu den utopischen Preisen bereit ist zu zahlen muss sich nicht wundern, wenn in den Regalen wöchentlich die Preise steigen.
    Tatsächlich habe ich seit April dieses Jahres bemerkt, dass viele Produkte im Regal liegenbleiben. Plötzlich kostet das teure Käse (vorher 2,69 Euro) nur 1,69 Euro. Hersteller merken schnell wo Verluste zu rechnen sind und reagieren. Viele Produkte sind nicht Notwendig, nur das Denken lässt es zur Notwendigkeit werden. Darauf zielt der Hersteller.

  6. Fritz Madersbacher 1. November 2022 at 11:56Antworten

    „… dass die USA und Großbritannien ihren hybriden Krieg nicht nur gegen Russland, sondern auch gegen die EU-Länder führen“
    Zwei Wankende, einer davon mehr auf allen Vieren kriechend, noch immer verblendet von seinem einstigen – fragwürdigen – Glanz, führen einen Krieg im Krieg gegen einen masochistischen Knecht. Das wird allen Beteiligten keine genießbaren Früchte einbringen, sondern zum Nachteil gereichen. ‚Special Forces‘ bräuchte das United Kingdom jetzt für die Lösung seiner langsam unlösbaren Probleme, nicht für Sabotage, die unweigerlich Bumerangs auslösen werden, die die eigenen Probleme noch verschärfen.
    „… eine der Hauptaufgaben der Angelsachsen“ wird sein, zu erkennen, dass ihr „Angelsachsentum“ eine ähnliche Chimäre ist wie ein mittlerweile außer Mode gekommenes „Germanentum“, und dass beides nur als rassistische Ideologie für imperialistische Zwecke geeignet ist …

  7. Raldl 1. November 2022 at 11:25Antworten

    Wer handelt überhaupt dieses Getreide aus der Ukraine?

  8. Andreas I. 1. November 2022 at 11:11Antworten

    Hallo,
    wenn es dadurch zu einer Preissteigerung kommt, wird es die finanziell Armen treffen, allerdings auch insgesamt zur Inflation in der EU beitragen. Und wenn es hauptsächlich Futtermittel sind, kommen hauptsächlich Viehzucht-Unternehmen unter Kostendruck.

  9. Peter 1. November 2022 at 10:27Antworten

    Es liegt auf der Hand dass die Getreidelieferungen trotz der Drohungen Russlands weitergehen und das ist gut so.
    Putin soll sich seine Drohungen sonst wohin stecken.

  10. suedtiroler 1. November 2022 at 10:16Antworten

    wieso kann man das Getreide nicht auf dem Weg herausbringen, wie man die vielen Waffen hinein bringt?
    hmmmmmmm

    • niklant 1. November 2022 at 10:28Antworten

      Die Idee ist gut, aber die Waffen werden ja sowieso im Darknet weiter verkauft, da würde Weizen wohl kaum ein Geschäft bringen! Die Ukraine ist nur eine Nation für einen Weltweiten Krieg mit Russland und soll diesen Krieg Provozieren! Von Frieden ist wohl kaum die Rede!

Wir freuen uns über jeden Kommentar, aber ersuchen einige Regeln zu beachten: Bitte bleiben wir respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe, keine (Ab-)Wertungen und bitte auch keine Video-Links und Texte mit roten Rufzeichen. Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Aktuelle Beiträge