„Der Erreger“ – Das klandestine Heft der Gegenöffentlichkeit

18. Oktober 2022von 3,9 Minuten Lesezeit

In einer desinfizierten Welt lebt der Mensch – schon fast verdurstet, weil man Desinfektionsmittel nicht trinken kann – in einer denkfeindlichen Wüste. „Der Erreger“ setzt Viren in diese Welt, wohl in der Hoffnung, dass sie sich vermehren.

Als der erste „Erreger“ im Juni 2021 erschienen war, hörte man hauptsächlich ohrenbetäubendes Schweigen. Es hatte den Anschein, als würde sich keiner für die Publikation interessieren. Doch der Schein, der trügt oft. „Klandestin“ werde das Heft „Der Erreger. Texte gegen die Sterilisierung der Gesellschaft“ unter der Hand weitergegeben, ist einer der wenigen Rezensionen zu lesen gewesen. Lektüre für Dissidenten, für solche, die, weil sie beim Covid-Manöver aus der Maschine gesprungen sind, ihr altes Umfeld verloren haben; für solche, die sich angesichts der hygienischen Dystopie und einer geistigen Leere nach echten Gedanken sehnten; für solche war der „Erreger“ damals erschienen. Und solche gibt es gar nicht so wenige.

Risse in der Totalität

Der zweite „Erreger“, nun im Juni 2022 erschienen, kommt mit 180 Seiten etwas umfangreicher daher. Doch in seiner Schärfe, in seiner notwendig rücksichtlosen Kritik am Bestehenden hat er an Kraft nichts verloren. Ganz so „klandestin“ wie 2021 – als jegliche Kritik an Maske, Spritze, Lockdown dem Ruf des digitalen Scheiterhaufens sich gezogen hatte – zirkuliert das Heft auch nicht mehr. Ganz so ohrenbetäubend ist das Schweigen diesmal nicht mehr. „Unter der Hand“, wird es noch immer weitergegeben: Die fast 40 Texte, die im „Erreger“ gesammelt sind, und in dieser Form digitalisiert nicht zu finden sind, werden breiter diskutiert, die hygienische Totalität hat doch ihre Risse bekommen. Man muss es analog lesen. Achtung! Es könnte kontaminiert sein.

Die sozialen Risse zeigten sich auch innerhalb der Redaktion des Erregers, die bei der zweiten Ausgabe nicht in gleicher Konstellation zusammengearbeitet hat. Und auch am Inhalt des Hefts: Autoren sind dort zu finden, die wohl 2020 niemals nebeneinander hätten stehen können.

Der Inhalt? Nun, davon soll nicht zu viel verraten werden, ist TKP doch besonders beliebt bei Personen, die der geistigen Leere unserer Zeit nicht mit einer unterwürfigen Maskierung begegnen können. Man empfiehlt also zu lesen. Aber auch diesen Blog stört es nicht zu erregen, also soll schon ein kleiner Einblick gegeben werden.

Es ist ein Heft, dass irgendwie aus einem „linken“ Umfeld kommt, auch wenn man seit 2020 nicht mehr genau weiß, was das heißen mag. Der Erreger geht dieser Frage nach, im Text „Corona als Moment des Neuen“ spürt der Autor auf, wie hässlich und gar nicht so überraschend manche Linken geworden sind und doch gar nicht so wenige des Manöver durchschauen konnten.

Theorie und Konkretion

Elena Louisa Lange, die TKP bereits in Video-Interview gegeben hat, schreibt über die „Rückkehr des Doublethink (aber nicht als Fiktion)“. Orwells „Doppeldenk“ ist wieder da, und zwar in echt. Thomas Maul setzt aphoristisch zum „Corona Revue“ an und hält fest, „dass es im Spätherbst 2021 möglich gewesen wäre, ‚Ungeimpfte‘ zu deportieren.“

Manche schreiben unter Pseudonym. Dietrich Brüggemann oder andere wiederum nicht. Manche setzen zur abstrakten Reflexion über „Staatsfaschisierung“, „postideologischem Totalitarismus“, den „Corona-Doppelstaat“ oder den „durchtriebenen Staat“. Es fehlt auch nicht an der Kritik der Medizin an-sich, – ob nun theoretisch zur „Dialektik der medizinischen Aufklärung“ oder konkret, wenn die Erfahrungen einer Psychoanalyse während einer kollektiven Psychose in Berlin im Jahr 2021 verarbeitet werden. Und der Krieg, der ist auch Thema. Es ging ja weiter seit dem ersten Heft.

Dass sich manche Texte zu anderen wohl recht fundamental widersprechen, ist der Redaktion des „Erregers“ schon bewusst. Es dürfte sie auch gar nicht stören, ist doch die Welt  – unter Desinfektionsmittel und Waffenlieferungen – ohnehin viel zu eindeutig geworden. Widerspruch, der erregt und der kann für blühende, unreine Oasen in der desinfizierten Wüste der neuen Normalität sorgen.

Hinten am Umschlag steht ein Zitat von Robert Musil: „… aber sie hatten doch auch den Eindruck wie alle anderen, daß etwas Allgemeines und Ungewisses vor sich gehe, das sich der Prüfung augenblicklich noch entziehe.“ Darüber kann man nachdenken. Oder man schaut in das Heft rein und liest es auch. Oder vielleicht noch besser, gibt man das Heft „klandestin unter der Hand“ einem Geist weiter, der sich in der Wüste verirrt hat und eine erregende Oase dringend brauchen könnte.

Das Heft (auch Heft #1) kann unter dererreger@mailbox.org oder über den link http://magazinredaktion.tk/erreger2.php um 6 Euro bestellt werden. Außerdem gibt es den Erreger im Wiener Buchladen „Analog“ zu kaufen. 

Bild TKP

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3 Kommentare

  1. Mammalina 19. Oktober 2022 at 9:33Antworten

    Es gibt viele Publikationen, die sich gegen die aktuellen und zurückliegenden Entwicklungen stellen, man liest da auch von Empörung, von Tumult (-Journal) usw. Die geistige Auseinandersetzung mit den Themen ist in vollem Gange, aber das kann auch deprimieren, weil kein Ausweg in Sicht ist.
    Wenn ich – aktuell – lese, dass ein Bio(waffen)labor in Boston es als Erfolg feiert, dass sie ein Virus konstruiert haben, das um ein Vielfaches gefährlicher ist als Covid-19, dass alle Versuchsratten tot sind, dann frage ich mich wieder einmal, ob das noch Menschen sind, die das tun, oder Teufel…
    Wozu konstruiert man solche Biowaffen??? Diese Labore sollten sämtlich in die Luft gesprengt, dem Feuer übergeben werden.
    Den Glauben an das Gute im Menschen habe ich längst verloren….

  2. federkiel 18. Oktober 2022 at 17:31Antworten

    „Hatte die erste Ausgabe dieser unregelmäßig erscheinenden Buchzeitschrift noch „gegen die Sterilisierung des Lebens“ Stellung bezogen und entsprechend im Zentrum die Kritik des Corona-Regimes, so ist in dieser zweiten Ausgabe das inhaltliche Spektrum weiter gefasst. Zwar ist der Schwerpunkt weiterhin die Corona-Politik – und das Ausloten von Möglichkeiten des Widerstandes dagegen -, doch wird der Bogen von der „Barbarisierung des Sozialen“ und dem „autoritären Seuchenstaat“ bis zu Putin und dem Krieg in der Ukraine geschlagen. Das ist folgerichtig, wird die medial-politische Darstellung des Krieges von den Herausgebenden doch recht zutreffend als weitere „Realinszenierung“ begriffen. So folgt dem „Viruswahn“ nun ein Kriegswahn. Im Sinne eines – durchaus provokant gemeinten – Strebens nach einer „linken Querfront“ sind die Beiträge inhaltlich und formal sehr unterschiedlich und teils widersprüchlich. Konstantiert wird die Schockstarre, zu der nicht zuletzt die „Linken“ beitrugen, weshalb dieser Begriff in Gänsefüßchen zu setzen ist. Diese Ent-Täuschung wird von den befreienden allerdings als befreiende Erfahrung begriffen. „Wir sind nicht harmoniebedürftig, wir suchen den Streit“, heißt es selbstbewusst. So soll dieses Heft einen Neubeginn vorzubereiten helfen, nicht zuletzt mittels der Befreiung aus einem bloßen Zuschauer-Sein: „Man muss heute nicht mehr danach streben, Kritik zu üben, sondern sie zu leben“. Beiträge von Thomas Maul, Elena Louisa Lange, Leo Krovich, Bert Papenfuß, Michel Bounan, Hanna Mittelstädt, Mirko Große-Bardowick, Dietrich Brüggemann, Achim Szepanski, Hendrik Wallat, Gerald Grüneklee u.a.“

    Das läßt sich beim www „Ziegelbrenner“ finden. Das fände ich das Mindeste zu verlinken, so man so eine Broschüre anpreist.

    • Toni 19. Oktober 2022 at 9:47Antworten

      Vielen Dank für Ihre Ergänzungen.

      Ein Hinweis auf das „Konspirationistisches Manifest“ ist gleichfalls angebracht: In diesem Buch werden die letzten beiden Corona-Jahre aus anarchistischer Sicht analysiert und aufgearbeitet. Unbedingt lesen, ist Nahrung für das Gehirn. Mehr Information sowie eine Online-Version findet sich auf magazinredaktion dot tk.

      Aus der Buchbesprechung der Magazinredaktion:
      Im Konspirationistischen Manifest wird die objektive und in allen Sphären der Gesellschaft schon länger waltende Konspiration (lat.: Conspiratio, „Miteinander-Atmen“) auf Seiten der Herrschaft ausgesprochen und materialreich illustriert. Aber nicht, um „sich eine Welt nach Art der Gnostiker vorzustellen. Eine Welt, die von einem bösen Demiurgen erschaffen wurde, der Finsternis geweiht und in den Händen allmächtiger Kosmokraten“. Das wäre zwar „nicht notwendigerweise falsch“, aber „gegenstandslos“. Vielmehr dient die Darlegung der Konspiration der Herrschaft nur dem Ziel, unsere eigene Konspiration zu fördern, da – nach allem – wir es sind, die „Geschichte machen müssen“. Wenn sich auch am Ende der Versuch einiger strategischer Anmerkungen findet, erfährt man – darin der eigenen Ohnmacht angemessen – nicht, wie wir unsererseits in die Offensive kommen könnten. „Zu keinem Zeitpunkt erlauben wir uns“, steht schon in der Vorbemerkung, „darüber zu urteilen, wie man in diesen Zeiten von seiner Freiheit Gebrauch machen sollte.“ Eher hält sich das Buch an den Grundsatz von Sunzi: Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.

      Eine weitere wertvolle Info-Quelle ist der Substack von ayavela. Für alle, die unter die politische Daunendecke gucken möchten.

      Glück auf, Toni

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