Der Rolle des Krieges in der Ukraine bei der Verschärfung der weltweiten Nahrungsmittelkrise

1. Juli 2022von 8,1 Minuten Lesezeit

Mit einigen der fruchtbarsten Böden der Welt ist der Spitzname der Ukraine als Kornkammer Europas eine Untertreibung des landwirtschaftlichen Potenzials des Landes. Zusammen mit Russland entfallen auf die beiden Länder rund 14 Prozent der weltweiten Mais-, 22 Prozent der Raps-, 27 Prozent der Weizen- und 30 Prozent der Gerstenexporte sowie fast 70 Prozent der weltweiten Sonnenblumenölexporte. Russland ist auch der weltweit größte Exporteur von Düngemitteln, so dass das globale Nahrungsmittelsystem gleichzeitig mit den westlichen Sanktionen gegen Russland und den steigenden Kosten für den Anbau und den Import von Nahrungsmitteln zu kämpfen hat.

Seit Februar hat Russland einige der wichtigsten landwirtschaftlichen Regionen der Ukraine im Osten und Südosten des Landes besetzt. Das russische Militär hat der Ukraine in letzter Zeit auch den Zugang zu ihren Häfen am Schwarzen Meer verwehrt, so dass die Ukraine im Grunde genommen landumschlossen ist und ihre Lebensmittel nicht auf die internationalen Märkte exportieren kann.

Auch wenn der Krieg die weltweite Nahrungsmittelkrise zweifellos verschärft hat, so gingen ihm doch die Preissteigerungen bei Lebensmitteln in den Jahren 2007 und 2011 voraus, zusätzlich zu dem durch COVID-19 ausgelösten Anstieg, nachdem die realen Preise für Lebensmittel jahrzehntelang gesunken waren. Im Jahr 2021 zeigten die Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) einen noch massiveren Anstieg der Preise für Fleisch, Milchprodukte, Getreide, Pflanzenöle und Zucker, der den vorherigen Anstieg von 2007 und 2011 noch übertraf.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind die Preise für Lebensmittel weiter in die Höhe geschnellt. Die Situation hat deutlich gemacht, dass der Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln weltweit sinkt. Die FAO definiert ihn als „das Ausmaß, in dem ein Land seinen Nahrungsmittelbedarf aus eigener Produktion decken kann„. Der Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln ist seit den 1960er Jahren weltweit zurückgegangen, insbesondere in Afrika, aber auch in Ländern wie Japan.

Ausgehend von den derzeitigen Trends werden laut einem Artikel in der Zeitschrift Environmental Research Letters bis zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich nur 14 Prozent der Länder ihren Nahrungsmittelbedarf selbst decken können. Importe werden daher für die wachsende Zahl von Ländern, die ihren Nahrungsmittelbedarf nicht durch heimische Produktion decken können, immer wichtiger werden. Die zunehmende Volatilität der Lebensmittelpreise seit 2007 hat jedoch die Erschwinglichkeit und Kompetenz dieses Systems auf die Probe gestellt.

Auch die Ernährungssicherheit, d. h. die Fähigkeit, den Nahrungsmittelbedarf durch einheimische Produktion und Importe zu decken, ist in den letzten Jahren weltweit gesunken. Während die reicheren Länder, die sich bei der Nahrungsmittelproduktion weniger selbst versorgen können, die steigenden Kosten der Importe bisher schultern konnten, sind nun auch sie von der Nahrungsmittelknappheit betroffen.

Neben dem Krieg in der Ukraine und der Unterbrechung der globalen Versorgungsketten während der COVID-19-Pandemie haben auch andere Faktoren diese Spannungen verschärft. Im Jahr 2000 lag die Weltbevölkerung bei rund 6,1 Milliarden Menschen, während sie heute 7,9 Milliarden beträgt. Auch die globalen Ernährungsgewohnheiten haben sich geändert, wobei der Fleischkonsum pro Kopf in den letzten 20 Jahren erheblich gestiegen ist. Hohe Fettleibigkeitsraten, die früher auf Europa und Nordamerika beschränkt waren, sind heute weltweit verbreitet.

Da immer mehr Mäuler zu stopfen sind, ist die globale Ernährungssicherheit auch durch den Verlust von Anbauflächen aufgrund von Erosion, Umweltverschmutzung, Klimawandel und zunehmender Wasserknappheit in den letzten Jahrzehnten gefährdet. Diese Probleme wurden teilweise durch Effizienzsteigerungen in der Nahrungsmittelproduktion und die Globalisierung ausgeglichen, die es den Ländern ermöglichte, überschüssige Nahrungsmittel auf einem wettbewerbsfähigen Markt zu verkaufen.

Der Krieg in der Ukraine hat diese Probleme jedoch in den Vordergrund gerückt. Russland hat nicht nur die Exportmöglichkeiten der Ukraine eingeschränkt, sondern auch die Lebensmittel- und Agrarexporte in „unfreundliche Länder“ im Zuge der Sanktionen erheblich reduziert und damit die meisten Lebensmittel, die es in die westliche Welt sowie nach Japan und Südkorea exportierte, vom Markt genommen.

Die Nahrungsmittelkrise hat auch andere Länder dazu veranlasst, größere Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Positionen zur Sicherung der Lebensmittelversorgung zu festigen. Die USA haben 2021 Düngemittel im Wert von mehr als 1 Milliarde Dollar aus Russland importiert. Um die Abhängigkeit der US-Landwirtschaft von Russland auszugleichen, sagte Präsident Joe Biden am 1. Juni 2,1 Milliarden Dollar zu, um das Lebensmittelsystem des Landes zu stärken.

Im März sagte die Europäische Union bis zu 1,5 Milliarden Euro zu, um die Landwirtschaft in der EU zu unterstützen, und lockerte außerdem die Vorschriften für den europäischen Green Deal, einschließlich der Beschränkungen für landwirtschaftliche Flächen. Der Green Deal, der 2019 eingeführt wurde, um die Treibhausgasemissionen einzudämmen und zu beseitigen, hat den Ernst der Lage noch unterstrichen.

Als die Lebensmittelpreise im Jahr 2021 rasch zu steigen begannen, wurde China beschuldigt, Getreidevorräte zu horten. Im Dezember verfügte das Land über mehr als die Hälfte der weltweiten Getreidevorräte, und nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums wird China in der ersten Jahreshälfte 2022 voraussichtlich die Hälfte der weltweiten Weizenvorräte, 60 Prozent der Reisvorräte und rund 70 Prozent der Maisvorräte besitzen.

Mehr als ein Dutzend Länder haben bestimmte oder alle Lebensmittelexporte bis zum Ende dieses Jahres oder bis ins nächste Jahr hinein verboten, und diese Maßnahmen werden wahrscheinlich nicht die letzten sein. Der jüngste sprunghafte Anstieg der Weizenpreise, die seit Januar um mehr als 40 Prozent gestiegen sind, folgte auf die Ankündigung Indiens, nach einer Hitzewelle, die die Ernten im Lande zerstörte, ein Ausfuhrverbot zu verhängen. Als zweitgrößter Weizenproduzent der Welt hat die Entscheidung Indiens die Unsicherheit auf den globalen Nahrungsmittelmärkten weiter verstärkt.

Noch drastischere Auswirkungen sind in Sri Lanka zu spüren. Im Jahr 2021 erließ Präsident Gotabaya Rajapaksa ein Verbot von synthetischen Düngemitteln, Pestiziden und Unkrautvernichtungsmitteln, um den Agrarsektor des Landes bis 2030 vollständig auf ökologischen Anbau umzustellen. Obwohl behauptet wurde, das Verbot sei lediglich ein Versuch, die Importe zu verringern und die Devisenreserven Sri Lankas zu erhalten, wurde die einheimische Lebensmittelproduktion durch diesen Schritt dezimiert.

Nach einer Wirtschaftskrise im Jahr 2019, der Pandemie und steigenden Lebensmittel- und Energiekosten infolge des Krieges in der Ukraine geriet Sri Lanka im Mai zum ersten Mal in der Geschichte in Verzug mit seinen Schulden. Andere wirtschaftlich instabile Länder laufen Gefahr, ein ähnliches Schicksal zu erleiden, und auch in Sri Lanka kommt es zu gewalttätigen Protesten.

Die chaotischen Folgen der steigenden Lebensmittelpreise waren bereits vor mehr als einem Jahrzehnt sichtbar. Die Probleme bei der Erschwinglichkeit von Lebensmitteln trug maßgeblich zum Ausbruch des Arabischen Frühlings im Jahr 2010 bei, der Proteste, den Sturz von Regierungen und Bürgerkriege zur Folge hatte. Die arabische Region bezieht in der Regel zwischen 40 und 50 Prozent ihrer Lebensmittelimporte aus der Ukraine und Russland, was darauf hindeutet, dass die Region besonders anfällig für Ernährungsunsicherheit ist.

Schon vor dem Einmarsch in die Ukraine war eine wachsende Zahl von Menschen weltweit unterernährt. Laut dem Global Report on Food Crises (GRFC) erreichte die Zahl der Menschen, die in 53 Ländern und Gebieten von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand von fast 193 Millionen.

Neben den Millionen Ukrainern, die in diesem Jahr auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein werden, haben Missernten und Konflikte in anderen Teilen der Welt dazu geführt, dass Länder wie Jemen, Burkina Faso, Kenia, Nigeria, Niger, Somalia und Südsudan ebenfalls zu den Risikoländern gehören, die am stärksten von den steigenden Nahrungsmittelkosten betroffen sind.

Obwohl die Nahrungsmittelkrise die Regierungen dazu veranlasst hat, nationalistische Maßnahmen zu ergreifen, um sich selbst zu schützen, gab es auch einige Beispiele für internationale Zusammenarbeit. Indien hat Sri Lanka seit Beginn der Wirtschaftskrise Kredite in Milliardenhöhe gewährt und Nahrungsmittelsoforthilfe geleistet.

Europäische Staaten versuchen unterdessen, alternative Transitrouten für ukrainische Lebensmittel zu entwickeln, die nicht über die von Russland kontrollierten Schwarzmeerhäfen führen, während der russische Außenminister Sergej Lawrow am 8. Juni die Türkei besuchte, um unter anderem über die Schaffung eines Schwarzmeerkorridors zu sprechen, über den ukrainisches Getreide auf die Weltmärkte gelangen könnte.

Doch wie die Energie, so sind auch die Lebensmittel eine Waffe der Außenpolitik. Angesichts der Tatsache, dass die unsichere Ernährungslage eines der wichtigsten Druckmittel des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegenüber dem Westen ist, ist zu erwarten, dass er die derzeitige Nahrungsmittelkrise weiter verschärfen wird. Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew erklärte am 1. April, dass die Nahrungsmittelexporte eine „stille, aber unheilvolle“ Waffe seien, die Russland einzusetzen gedenke.

Auch das Federal Bureau of Investigation hat vor zunehmenden Cyberangriffen und potenziellen Sabotageakten auf Landwirtschafts- und Lebensmittelfabriken in den Vereinigten Staaten gewarnt. Da sich die weltweite Nahrungsmittelkrise einer neuen Phase nähert, werden die Steigerung der ukrainischen Exporte, die Förderung der internationalen Zusammenarbeit und die Entwicklung zusätzlicher landwirtschaftlicher Initiativen von entscheidender Bedeutung sein, um die Krise zu überwinden.

Dieser Artikel erschien zuerst in Counterpunch veröffentlicht  und wurde von Globetrotter erstellt.

Bild von Karl Egger auf Pixabay

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht unsere. Wir veröffentlichen sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.

John P. Ruehl ist ein australisch-amerikanischer Journalist, der in Washington, D.C., lebt. Er ist Redakteur bei Strategic Policy und schreibt für verschiedene andere außenpolitische Publikationen. Derzeit arbeitet er an einem Buch über Russland, das 2022 veröffentlicht werden soll.


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12 Kommentare

  1. clacra 1. Juli 2022 at 10:51Antworten

    Zweiter Versuch, nachdem dieser Kommentar vor ein paar Stunden nicht veröffentlicht wurde. Vielleicht weil in Link dabei war bzw. ist.

    Ja, das hier ist ein Gastbeitrag und im Nachwort wird auch darauf hingewiesen, dass „Die Leserinnen und Leser dieses Blogs … auch in der Lage [sind] sich selbst ein Bild zu machen.“

    Das mache ich gerne und eventuell kann ich dabei helfen, die Suche anderer zu verkürzen.

    Ebenfalls im Nachwort: „John P. Ruehl ist ein australisch-amerikanischer Journalist, der in Washington, D.C., lebt. Er ist Redakteur bei Strategic Policy und schreibt für verschiedene andere außenpolitische Publikationen.“

    Eine Suche nach „Strategic Policy“ führt unter anderem zu diesem Ergebnis: en[.]wikipedia[.]org/wiki/Defence_Strategic_Policy_and_Intelligence_Group

    Hmm, „Intelligence Group“? Bedeutet das etwa, dass diese Organisation nachrichtendienstliche Aufgaben erledigt oder gar im Auftrag des US/Australischen (=NATO) Militärs handelt?

    Erneut ein Zitat aus der bekanntlich US/NATO feindlichen Wikipedia:
    „The current SP&I Group was established on 8 February 2016 as a key recommendation of the First Principles Review of the Australian Defence Organisation, integrating all policy, strategy and intelligence functions of the Australian Government Department of Defence.

    The Deputy Secretary for Strategic Policy and Intelligence can be seen as the Australian combined equivalent of the Under Secretary of Defense for Intelligence and the Under Secretary of Defense for Policy of the United States Department of Defense.“

  2. Andreas I. 1. Juli 2022 at 10:43Antworten

    Hallo,
    in diesem Artikel steht:
    „Angesichts der Tatsache, dass die unsichere Ernährungslage eines der wichtigsten Druckmittel des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegenüber dem Westen ist, ist zu erwarten, dass er die derzeitige Nahrungsmittelkrise weiter verschärfen wird.“

    Mal abgesehen davon, dass in obigem die Reduzierung auf eine Person mitschwingt …
    Im benachbarten Artikel über BRICS+ steht:
    „Russland erwartet eine gute Getreideernte – und wird bis zu 50 Millionen Tonnen auf die Weltmärkte liefern.
    Russland wird die Durchfahrt von Getreideschiffen in internationale Gewässer sicherstellen“

    Nun gut, das sind zwei verschiedene Erwartungen und die nähere Zukunft wird zeigen, wie es kommt. Selbstverständlich wird Russland die Situation für sich nutzen, aber wie?
    Russland kann höhere Einnahmen als im Vorjahr aus dem Getreideexport erzielen und Auswirkungen der Sanktionen ausgleiche.
    Und / oder Russland kann an Staaten mit guten Beziehungen mit Preisnachlass liefern und trotzdem noch mindestens soviel wie im Vorjahr einnehmen.

    Langfristig wird etwas anderes zum Problem, was im Artikel auch erwähnt wird, nämlich Verlust von Anbauflächen. Aber der findet nicht nur durch externe Faktoren statt, sondern vor allem durch die industrielle Landwirtschaft selbst, die den Böden nur entnimmt. Einfach nur Gülle drüber zu spritzen ist eben doch nicht das gleiche wie die Erde, die im Kompost- bzw. Misthaufen entsteht. Die Böden müssen saniert werden und das geht auch vergleichsweise einfach, aber es ist Arbeit, die im Konzept industrieller Landwirtschaft nicht vorgesehen ist, also es sind letztendlich Mehrkosten und die finden sich dann in den Preisen wieder.

  3. Fritz Madersbacher 1. Juli 2022 at 10:33Antworten

    „Doch wie die Energie, so sind auch die Lebensmittel eine Waffe der Außenpolitik“, vor allem imperialistischer „Außenpolitik“. Imperialistisch / kolonialistische Herrschaft hat über Jahrhunderte hinweg Hungersnöte überall auf der Welt verursacht. Das ist wahrscheinlich niemandem verborgen geblieben, nur die Ursachen dafür wurden zum Hohn den „Unterentwickelten“ in die Schuhe geschoben. Wir durften dann fleißig für die Brüder und Schwestern in Not, für „Entwicklungshilfe“ usw. sammeln und spenden, wir durften / sollten uns nur ja nicht mit den politischen Zusammenhängen beschäftigen. Das klingt sarkastisch, aber ich erinnere mich noch gut an die diversen Schauermärchen, die uns über Menschen erzählt wurden, die heute in ihren Ländern als Helden im antikolonialistischen Befreiungskampf verehrt werden. Und der TKP-Blog hat übrigens darüber berichtet, wie die westlichen Sanktionen die Lieferung lebensnotwendiger Güter in viele unbeteiligte Länder der Welt behindern. Auch das trägt nicht zur Anhebung des Ansehens des „Westens“ bei, dem niemand mehr auf der Welt abnimmt, in der Ukraine eine gerechte Sache zu verfolgen …

    • Fritz Madersbacher 1. Juli 2022 at 14:04Antworten

      „The war has also created a global food crisis, sending prices soaring for grains, cooking oils, fuel and fertiliser.
      Russia and Ukraine account for nearly a third of global wheat supplies, while Russia is also a key global fertiliser exporter and Ukraine is a major exporter of corn and sunflower oil.
      Moscow says Western sanctions against it are to blame for the worsening global food situation.
      The sanctions do not directly target Russian grain and fertilisers, but Russia’s exports have been badly hit because of the difficulty of arranging shipping, insurance and finance“
      (Aljazeera, 01/07/2022, Source: News Agencies)

  4. Veron 1. Juli 2022 at 10:29Antworten

    Soso, cbsnews berichtet, das russische Militär hätte der Ukraine in letzter Zeit den Zugang zu ihren Häfen am Schwarzen Meer verwehrt. Ist cbsnews eine glaubwürdige Quelle? Anti-Spiegel berichtet, die Ukraine hätte ihre eigenen Häfen vermint, Russland würde gerne helfen .. .. sind russische Pressemeldungen eine glaubwürdige Quelle? Ich gehe davon aus, dass Herr Ruehl die russischen Angaben kennt, und ich finde, er sollte zumindest darauf hinweisen, dass es dazu unterschiedliche Aussagen gibt, und nicht so schreiben, als wäre es eine erwiesene Tatsache, dass Russland schuld ist. Und mir fällt noch was auf. Dmitri Medwedew sagt was anderes als Wladimir Putin .. .. wem soll man glauben?

    • Andreas I. 1. Juli 2022 at 11:22Antworten

      Hallo,
      „Dmitri Medwedew sagt was anderes als Wladimir Putin .. .. wem soll man glauben?“

      Folgt man dem Link, findet sich folgendes:
      „will not supply our products and agricultural products to our enemies,“
      „We will supply food and crops only to our friends,“
      „will sell both for rubles and for their national currency in agreed proportions.“
      Und
      Medvedev said that food is a „quiet weapon“ in the fight against Western sanctions.

      Demzufolge sagt Medwedew „Waffe gegen die westlichen Sanktionen“.
      Und das ergibt ja durchaus Sinn, denn mit den Getreidexporten kann Russland Wirkungen der Sanktionen ausgleichen, interessant m.E. vor allem „for rubles and for their national currency“.

  5. HelmutK 1. Juli 2022 at 9:58Antworten

    Außerdem ist es auch ziemlich absurd anzunehmen das Lebensmitteltransporte aus der Ukraine nicht möglich sein sollen. Waffen gelangen massenweise ins Land, aber Lebensmittel sollen nicht ausführbar sein? Wer glaubt solchen Schwachsinn?

  6. HelmutK 1. Juli 2022 at 9:54Antworten

    Russland blockiert keine Lebensmitteltransporte. Es ist die Ukraine selbst, die jegliche Exporte durch die Verminung ihrer Häfen im Schwarzeneerraum (Odessa etc) blockiert. Neben den Seeminen hat die Ukraine auch in ihren Häfen Schiffe absichtlich versenkt und vermint.

    Putin hatte bereits vor Monaten zugesagt, den unter russischer Kontrolle stehenden Häfen der Ukraine am Asowschen Meer Berdjansk und Mariupol eine reibungslose Ausfuhr von Getreide zu gewährleisten. Die Räumung der dortigen von den Ukraine ausgelegten Seeminen hat Russland bereits erledigt.

    Desweiteren hat Putin auch die Ausfuhr über Polen oder Weißrussland vorgeschlagen. Das geht aber nur wenn die Sanktionen gegen Weißrussland aufgehoben werden.

    Es gibt also kein Problem mit dem Export von Getreide aus der Ukraine, wenn der Westen es denn erlauben würde.

    Von den weltweit produzierten 800 Mio Tonnen Getreide entfallen nur 20 Mio (2,5%) auf die Ukraine. Wenn es Lebensmittelknappheit gibt hat das nichts mit Russland und der Ukraine zu tun, sondern mit den westlichen Sanktionen.

    Es ist der Westen selbst der völlig gewissenlos agiert und seine eigenen Verbrechen ständig Russland in die Schuhe schieben will.

  7. clacra 1. Juli 2022 at 8:49Antworten

    Ja, das hier ist ein Gastbeitrag und im Nachwort wird auch darauf hingewiesen, dass „Die Leserinnen und Leser dieses Blogs … auch in der Lage [sind] sich selbst ein Bild zu machen.“

    Das mache ich gerne und eventuell kann ich dabei helfen, die Suche anderer zu verkürzen.

    „John P. Ruehl ist ein australisch-amerikanischer Journalist, der in Washington, D.C., lebt. Er ist Redakteur bei Strategic Policy und schreibt für verschiedene andere außenpolitische Publikationen.“

    Eine Suche nach „Strategic Policy“ führt unter anderem zu diesem Ergebnis: https://en.wikipedia.org/wiki/Defence_Strategic_Policy_and_Intelligence_Group

    Hmm, „Intelligence Group“? Bedeutet das etwa, dass diese Organisation nachrichtendienstliche Aufgaben erledigt oder gar im Auftrag des US/Australischen (=NATO) Militärs handelt?

    Erneut ein Zitat aus der bekanntlich US/NATO feindlichen Wikipedia:
    „The current SP&I Group was established on 8 February 2016 as a key recommendation of the First Principles Review of the Australian Defence Organisation, integrating all policy, strategy and intelligence functions of the Australian Government Department of Defence.

    The Deputy Secretary for Strategic Policy and Intelligence can be seen as the Australian combined equivalent of the Under Secretary of Defense for Intelligence and the Under Secretary of Defense for Policy of the United States Department of Defense.“

    Nebenbei „… zusätzlich zu dem durch COVID-19 ausgelösten Anstieg …“
    Der Anstieg wurde wohl nicht durch COVID-19 ausgelöst, sondern durch die beinahe weltweit gesetzten Maßnahmen.

  8. Thomas 1. Juli 2022 at 8:37Antworten

    Wenn der Westen die Sicherheitsbedenken der Russen respektieren würde, wenn der Westen es akzeptieren könnte, das die Ukraine neutral und ohne NATO Einfluss existiert, wenn der Westen die selbstschädigenden, sinnlosen Sanktionen gegen Russland aufhebt und wenn Russland wieder im Banken – Swift ist damit man den Russen ihren Weizen auch bezahlen kann, dann , ja dann wären auf einen Schlag alle angesprochen Probleme beendet.
    Aber DAS IST NICHT DIE AGENDA! Das alles was passiert, ist genau so gewollt.

  9. Jan 1. Juli 2022 at 8:28Antworten

    Fettleibigkeit entsteht NICHT durch Fleisch- und Fettkonsum, sondern durch zuviel Kohlenhydrate und Zucker. Wir sitzen hier wieder einmal einem falschen Narrativ auf. Die Leute meinen, sie müssen fleisch- und fettlos essen und den Zuckerkonsum erhöhen – was durchaus den Interessen der Nahrungsmittelindustrie entspricht.

    Außerdem wird Gemüse gegen Fleisch ausgespielt, Gemüse, Pilze, Kräuter und Salate gehören jedoch IMMER zu einer Kost wegen der sekundären Pflanzenwirkstoffe und der Ballaststoffe.

    Eiweiss und Fett zu essen und Kohlenhydrate fast gänzlich zu meiden, ist eine bewährte Schlankheitsdiät (Keto).

    • Veron 1. Juli 2022 at 10:07Antworten

      Das ist mir auch aufgefallen. Der Satz mit dem erhöhten Fleischkonsum und dann der Satz mit den Fettleibigkeitsraten, sodass der Eindruck entsteht, das eine würde das andere verursachen, ohne dass dies tatsächlich gesagt wird. Finde ich nicht gut.

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