Wieder Tausende bei „Sonntagsspaziergang“ in Steyr

3. Januar 2022von 2.8 Minuten Lesezeit

Rund 3.000 Menschen nahmen am mittlerweile üblichen Sonntagsspaziergang in Steyr teil. Die oberösterreichische Industriestadt ist eine Hochburg der Demokratiebewegung. Auch am ersten Sonntag im neuen Jahr zeigte sich in Steyr die Demokratiebewegung weiterhin ungebrochen im Auftrieb.

Von Waldo Holz

Zwar erschienen keine 10.000 Menschen wie vor 2 Wochen, dem 50. Protestmarsch durch Steyr, doch rund 3.000 Teilnehmer bezogen in der Industriestadt erneut Position auf der Straße. Angeführt wurde der Zug von den Freiheitstrychtlern, eine Schweizer Gruppe, die seit Herbst 2020 mit ihren Kuhglocken bei Demos für Freiheit läutet und damit für Aufsehen sorgt. Auch eine lokale Trommlergruppe beteiligt sich mittlerweile an den Demos.

Hochburg Steyr

Seit Herbst sei durchaus eine Professionalisierung innerhalb der Bewegung zu erkennen, sagt ein Aktivist zu tkp. Man versuche den Protest aus der Parteipolitik rauszuhalten, was nicht ganz einfach ist: Der Vizebürgermeister von Steyr, Helmut Zöttl von der FPÖ, beteiligt sich schon lange an den Demos. Im Rathaus sind die Freiheitlichen zweitstärkste Partei (17%), die SPÖ hat über 43 Prozent. Seit der Wahl im Herbst hat auch die MFG zwei Sitze im Gemeinderat.

„Natürlich“, seien auch Mitglieder der MFG im Zug anwesend, doch der Stadtspaziergang sei „eigenständig“. Beim 50. Stadtspaziergang im November, die bisher größte Protestveranstaltung mit etwa 10.000 Menschen, hielt die MFG im Vorfeld eine Kundgebung ab. Auch Aktivisten des Spazierganges durften auf der Bühne sprechen. Die Kooperation dürfte funktionieren. Angemeldet sind die Spaziergänge übrigens nicht, „Veranstalter“ gibt es keinen.

Die Moblisierung am 19. Dezember war jedenfalls bemerkenswert: 50.000 Einwohner hat Steyr, 25 % davon waren beim 50. Stadtspaziergang auf der Straße. Das macht Steyr zweifellos zur Hochburg der Bewegung. Übrigens stand Steyr schon einmal eine solche Rolle zu: Im Februar 1934 leistete die Arbeiterhochburg Widerstand gegen den Austrofaschismus von Dollfuß.

Am gestrigen Sonntag zogen die Menschen aus dem Stadttor Richtung Steyrerdorf bis zum Wieserfeldplatz, danach ging es retour zurück zum Stadtplatz. Der 52. „Steyrer Stadtspaziergang“ fiel diesmal etwas kürzer aus, dauerte aber dennoch 2 Stunden. Den Abschluss bildet jeden Sonntag der Ausklang am Stadtplatz: „Das ist der beste Teil“.

Applaus und Hass

Im vergangenen Jahr habe man versuchte, die ganze Stadt zu erreichen. Anstatt immer dieselbe Runde zu gehen, wählt man unterschiedliche Routen und erreicht so immer neue Viertel. Am kommenden Sonntag jährt sich die Protestaktion zum ersten Mal, schildert Aktivist tkp.

Auch am Weihnachtswochenende war es in Steyr nicht ruhig geblieben. Und der Sonntag wird in Steyr auch im neuen Jahr weiterhin für Spaziergänge genutzt werden. Gegenüber tkp meinte der Aktivist, dass die Polizei diesen Sonntag „etwas unangenehm“ gewesen sei. So habe es zu Beginn auch mehr Exekutionsdruck als üblich bei der FFP2-Maskenverordnung gegeben. Bisher sei die Polizei in Steyr aber noch äußerst zurückhaltend gewesen, diesmal seien „ein paar herausgefischt“ worden.

Ein anderer Vorfall ereignete sich während des Spazierganges am Rande der Demo: 2 Teilnehmer wurden mit Kübeln voll Wasser überschüttet. Aus den Wohnungen der Stadtbewohner käme eben alles: Applaus und Wasserkübeln.

Bild Twitter: Screenshot

Waldo Holz ist ein Pseudonym, der richtige Name ist der Redaktion bekannt.


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7 Kommentare

  1. S. BK 4. Januar 2022 at 15:20Antworten

    Probleme mit Regierung, Virologen und es nimmt kein Ende. Sorgen ist das neue Leben.
    Nicht nur die Pandemie bereitet Sorgen. Belarus sorgt für mehr Sorgen. Illegale Einwanderung in der EU erreicht Rekordhöhe und mit ihnen noch mehr Virus-Mutanten. Alle sitzen dicht zusammen ohne Schutzmaske. Erstaunlich sieht man da viel mehr junge Männer darunter. Ende 2020 wurden etwa 4,2 Millionen Menschen als staatenlos gemeldet. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen. Bosnien ist seit mehreren Jahren Teil einer Transitroute für Tausende Migranten aus Asien, dem Nahen Osten und Nordafrika.

    Das war auf Grund der Merkels Einladung 2015 und ihrer Unterzeichnung des Globalen Migrationspaktes (GCM) in 2018 zu erwarten. Das ist keine Einwanderung mehr, das ist bereits eine Invasion! Was dann passiert wissen ja bereits viele. Dass aus Deutschland aber immer mehr Menschen auswandern, weil sie die politischen und wirtschaftlichen Zustände einfach nicht mehr ertragen können, davon spricht niemand. Während die Reichen sich abseilen können bleiben die Armen in ihrer Sadinenwohnungen sitzen und hoffen nicht Opfer zu werden wie viele zuvor seit 2015 geworden sind.

    Doch unsere Politiker denken zunächst an sich, weniger an die eigene Bevölkerung. Mit gesundem Menschenverstand hat das nichts mehr zu tun.

  2. Bernhard 4. Januar 2022 at 12:56Antworten

    Die Leute im Lebensraum Steyr Land denken nicht nur in Alternativen, sie handeln bereits danach. Die Regionalwährung „EnnsTaler“ wird in mehr als 75 Akzeptanzbetrieben in sieben Gemeinden akzeptiert. So wird die regionale Wirtschaft gestärkt und es entstehen sinnvolle Kreisläufe. Da können die Superreichen nur zuschauen, wenn die Bodenständigen an Boden gewinnen.

  3. Johannes Kleister 4. Januar 2022 at 11:18Antworten

    Die Proteste müssen sich gegen die Konzerne der superreichen Kriminellen hinter der „Pandemie“ richten, d. h. Amazon, Blackrock, Goldman Sachs, Google, IBM, Microsoft, Vanguard usw. Den Anfang sollte Microsoft erleben, worüber u. a. Bill Gates und sein Clan betroffen sein werden.

    Über die Konzerne trifft man die Verantwortlichen. Wenn die genannten Konzerne nicht mehr handeln können, wird ein wichtiges Kontrollinstrument der Kriminellen lahmgelegt und obendrein kostet das die kriminellen Superreichen richtig viel Geld. Wenn die etwas nicht wollen, dann sind es Kontrollverlust und Geldverlust.

    • Fritz Madersbacher 4. Januar 2022 at 12:32Antworten

      @Johannes Kleister
      4. Januar 2022 um 11:18 Uhr
      Nein, die Proteste müssen sich gegen die Fünfte Kolonne der großen Konzerne in Österreich richten, und sie tun es ja auch (zwangsläufig!). Diese Fünfte Kolonne sind die „Pandemie“- Paniker und Möchtegern – „Impf“tyrannen in der „alternativlosen Wissenschaft“ und ihren hörigen Werkzeugen in Politik und Medien bei uns. Aufgrund des immer größer werdenden Widerstandes seiner Bevölkerung wird Österreich zum schwächsten Glied der Kette der angeblich so übermächtigen großen Konzerne, in Österreich wird sie reissen. Das Beispiel macht bereits international Schule, die Folgen für die Pandemie-Profiteure werden nicht ausbleiben …

    • Ho Ho 4. Januar 2022 at 21:56Antworten

      Früher wurden Kartelle von den Regierungen zerschlagen. Heute bestimmen Konzerne die Politik – weltweit.

      Es wird Zeit, dass wir Bürger die Konzerne zerschlagen. Mit den Konzernen haben die Superkriminellen lange genug unsere Gesellschaft erpresst.

      Ausgezeichneter Vorschlag.

  4. Fritz Madersbacher 4. Januar 2022 at 11:12Antworten

    @Bernhard
    3. Januar 2022 um 23:27 Uhr
    „Widerstand und langfristiges Denken zahlen sich aus“
    Vielen Dank für diesen Bericht!

  5. Bernhard 3. Januar 2022 at 23:27Antworten

    In Steyr spielt auch das Hinterland mit seinen Gemeinden eine wichtige Rolle. Ähnlich wie bei den Wiener Demos Innerösterreich. Auch berichtet der Regionalsender RTV schon seit 30 Jahren unabhängig aus der Gegend. Der Betreiber riskiert Aufträge der Stadt, weil er den Demos eine Plattform bietet und sich nicht einschüchtern lässt.
    Das Umland von Steyr hat auch in jüngerer Zeit eine ansehnliche Widerstandsgeschichte: Die Proteste gegen den Kraftwerksbau im Reichraminger Hntergebirge anno 1984 hatten Vorbildfunktion für die Hainburger Aubesetzung im selben Jahr. Jetzt gibt es dort den Nationalpark Kalkalpen. War selber in der Nähe 1990 an einer sechswöchigen Almbesetzung gegen OMV-Erdgasbohrungen beteiligt. Und in meiner Heimatgemeinde (ca. 50 Prozent Geimpfte) hat vor über 20 Jahren der Großteil der Bauernschaft Bauernbund, Molkerei und Lagerhaus verlassen, weil diese alten Systeme für die Beteiligten nichts mehr brachten.
    Jetzt haben die Gesunden nichts mehr vom Staat. Also nehmen die Leute wieder selber das Heft in die Hand. Niemand sonst kann Veränderungen herbeiführen. Leute auf dem Land scheinen das früher und stärker zu spüren, wenn sie aktiv werden müssen. Sie können sich nicht so leicht in der Anonymität verstecken und wollen ihr eigenes Leben aktiver gestalten.
    In diesem Sinn ist zu hoffen, dass das Ergebnis der Proteste auch so schön und sinnvoll sein wird wie der Nationalpark Kalkalpen. Der Starpark Hohe Dirn ist einer der dunkelsten Standorte in Mitteleuropa und erfreut sich bei Sternenfreunden internationaler Beliebtheit. Man kann auf 1100 m Seehöhe die Milchstraße mit freiem Auge beobachten. Widerstand und langfristiges Denken zahlen sich aus.

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