
Unbeendete Kriege: USA und Iran pokern, Israel eskaliert, Palästina blutet
Während in Genf die letzten Formulierungen eines instabilen Memorandums of Understanding zwischen Washington und Teheran abgestimmt werden, bombardieren dem Libanon die Kampfjets, brennen im Westjordanland die Olivenhaine, und im Gazastreifen verschiebt die israelische Armee die „Gelbe Linie“ immer weiter nach Westen.
Der Islamabad-Deal — falls er denn kommt — wird als diplomatischer Durchbruch gefeiert werden. Aber er ist eine Vereinbarung über einen Krieg zwischen zwei Staaten. Die Kriege, die Israel parallel dazu führt, folgen einer eigenen Logik. Und diese Logik heißt: Fakten schaffen, solange die Welt auf Genf schaut.
Der Islamabad Deal: Was steht im Memorandum?
Iranische und amerikanische Quellen zeichnen inzwischen ein relativ klares Bild des 14-Punkte-Memorandums, das unter gemeinsamer Vermittlung Katars und Pakistans ausgehandelt wurde und den Namen Islamabad Memorandum of Understanding trägt.
Außenminister Abbas Araghchi bestätigte im iranischen Staatsfernsehen die Kernpunkte:
- Aufhebung der US-Seeblockade — dies sei der erste Punkt des Dokuments
- Wiedereröffnung der Straße von Hormus, wobei Iran laut IRNA ausdrücklich keine Verpflichtung eingeht, „die Verwaltung der Meerenge abzutreten oder die Bedingungen wiederherzustellen, die vor der amerikanischen und israelischen Aggression herrschten“
- Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte — ein Punkt, den Mehr News Agency zufolge auch einen Wiederaufbauplan im Wert von mindestens 300 Milliarden Dollar umfasst
- Waffenstillstand auf allen Fronten, einschließlich des Libanon — Araghchi betonte: „Wir werden den Libanon niemals allein lassen“
- Zweistufiger Prozess: Das MoU ist Phase 1; 60 Tage danach beginnen Verhandlungen über das Nuklearprogramm und umfassende Sanktionserleichterungen
- Gegenseitige Anerkennung der Souveränität — laut Araghchi werde die USA „zum ersten Mal seit 47 Jahren ausdrücklich und schriftlich ihren Respekt vor der Souveränität der Islamischen Republik Iran erklären“
Die Unterzeichnung könnte laut Reuters bereits morgen, am 14. Juni, in Genf stattfinden. US-Vizepräsident JD Vance soll die amerikanische Delegation anführen. Trump selbst spricht von einem „great settlement“.
Doch zwischen Ankündigung und Unterschrift liegen noch Stolpersteine. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad-Baqer Qalibaf warnte auf X: „Eingegangene Verpflichtungen müssen eingehalten werden. Kein Wenn, kein Aber, keine Ausreden.“
Und parallel zu den diplomatischen Beteuerungen schossen US-Streitkräfte in der Straße von Hormus erneut mehrere iranische Angriffsdrohnen ab, die laut CENTCOM Handelsschiffe angreifen wollten. Die Meerenge, so das US-Militär, bleibe „offen für den Transit“.
Die Gleichzeitigkeit von Verhandlungsdurchbruch und Drohnenabschüssen zeigt: Der Krieg ist noch nicht vorbei. Er sucht nur nach seinem Ende.
Libanon: Der Krieg, den das MoU beenden soll — und Israel nicht beenden will
Während in Genf über einen Waffenstillstand auf allen Fronten verhandelt wird, führt Israel seinen Feldzug im Südlibanon mit unverminderter Härte fort.
Wie Middle East Eye dokumentiert, verzeichneten UN-Friedenstruppen am Donnerstag 531 Flugbahnen über dem Südlibanon — 526 davon von israelischen Positionen aus, fünf mutmaßlich von der Hisbollah. Die UN beschreibt „hochverdichtete gepanzerte Bewegungen, großflächige Ingenieurs- und Abbrucharbeiten sowie anhaltenden logistischen Verkehr“ in Grenznähe.
Allein zwischen dem 1. und 7. Juni flog die israelische Luftwaffe 436 Angriffswellen auf den Libanon — 230 südlich des Litani-Flusses, 197 nördlich davon. Seit dem Waffenstillstand vom 17. April summiert sich das auf 1.747 Angriffswellen, so die UN-Beobachter.
Die israelische Armee hat in den letzten Tagen eine neue Offensive gestartet. Die 36. Division drang tiefer in den Südlibanon vor und operiert nun am Stadtrand von Arnoun, wenige Kilometer vor Nabatieh — einer Hochburg der Hisbollah. Laut einem israelischen Militärvertreter errichteten Pioniere heimlich eine Brücke über den Litani, um gepanzerte Fahrzeuge unbemerkt nach Norden zu bringen. Das Wadi-Saluki-Gebiet, etwa zehn Kilometer von der Grenze entfernt, stehe nun unter „operativer Kontrolle“ der IDF.
Am Donnerstag wurden bei einem israelischen Luftangriff auf Tyros zehn Mitarbeiter des Hiram-Krankenhauses verletzt. Am Freitag traf ein israelischer Luftschlag eine Einrichtung des Zivilschutzes in Selaa und verletzte zwei Sanitäter.
Die Gesamtbilanz seit der Eskalation am 2. März: mindestens 3.711 Tote und 11.483 Verletzte, darunter 247 Kinder und 132 Gesundheitsarbeiter.
Und Netanjahus Büro stellte bereits klar: Israel sei nicht Partei irgendeines Memorandums of Understanding mit dem Iran. Israelische Quellen signalisierten zudem, dass man auf jeden Hisbollah-Angriff mit Schlägen gegen Beiruts südliche Vororte antworten werde — und dass man eine „Vereinigung der Fronten“ nicht akzeptieren werde. Sollte der Iran auf israelische Angriffe reagieren, werde Israel zurückschlagen.
Der Islamabad-Deal mag den Krieg zwischen Washington und Teheran einfrieren. Den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah wird er nicht automatisch beenden.
Gaza: Die „Gelbe Linie“ frisst sich weiter
Im Gazastreifen folgt das israelische Vorgehen einem Muster, das mit dem Wort „Waffenstillstand“ nichts mehr zu tun hat.
Netanjahu hatte vergangene Woche angekündigt, Israels Kontrolle auf „die ersten 70 Prozent Gazas“ auszuweiten. .Seitdem verschiebt die Armee systematisch die „Gelbe Linie“ — jene Linie, die ihre Truppen nominell halten sollen — immer weiter nach Westen. Erdwälle werden aufgeschüttet, Ackerland planiert, gelbe Betonmarkierungen in den Boden gerammt. Häuserblocks werden fast allnächtlich gesprengt, die Detonationen sind im gesamten zentralen Gazastreifen zu hören.
Am Donnerstag eskalierten die Angriffe erneut: Gezielte Tötungen von angeblichen Mitgliedern der Qassam-Brigaden, der Al-Quds-Brigaden und der al-Nasser-Salah-al-Deen-Brigaden. Betroffendabei auch meist deren Familienmitglieder. Luftschläge auf Wohnblöcke in Deir al-Balah und Maghazi. Dutzende Familien verloren ihre letzte Unterkunft.
Die Zahl der seit dem „Waffenstillstand“ getöteten Palästinensern liegt bei über 970. Die letzten offenen Grenzübergänge wurden nach dem jüngsten Schlagabtausch mit dem Iran vollständig versiegelt — später teilweise wieder geöffnet, aber die Botschaft war klar.
Parallel laufen in Kairo Gespräche über eine Waffenruhe, bei denen Hamas und sieben weitere palästinensische Fraktionen einer Formulierung zur Waffenfrage zugestimmt haben: Die Waffen sollen nicht abgegeben, sondern unter Aufsicht eines palästinensischen Gremiums „eingelagert und gesichert“ werden. Israel hat auf diesen Vorschlag bislang weder positiv noch negativ geantwortet. Die Wiederaufnahme der Angriffe am Donnerstag spricht eine eigene Sprache.
Westjordanland: Siedlergewalt als Staatspolitik
Während die Welt auf die Meerenge und die Raketen starrt, vollzieht sich im Westjordanland eine schleichende Annexion, die in ihrer Systematik an ethnische Säuberung erinnert.
Ein Bericht der UN-Untersuchungskommission stellte diese Woche fest, dass Siedlergewalt „das direkte Ergebnis israelischer Politik ist, die ihre Aktionen unterstützt, ermöglicht und schützt.“ Die Kommission dokumentierte einen Anstieg der Siedlerangriffe um 130 % gegenüber 2024 — mindestens sieben getötete und 832 verletzte Palästinenser allein im vergangenen Jahr.
Die israelischen Behörden, so der Bericht, seien durch finanzielle und militärische Unterstützung sowie durch Straflosigkeit direkt an den Angriffen beteiligt. Die Siedlergewalt funktioniere „als Mittel zur Umsetzung israelischer Staatspolitik, wobei sowohl der Staat als auch gewalttätige Siedlergruppen auf dieselben strategischen Ziele hinarbeiten: Verfestigung israelischer Siedlungen, Annexion palästinensischen Territoriums und Vertreibung von Palästinensern von ihrem Land.“
Al Jazeera dokumentierte die jüngste Welle: Siedler brannten Olivenhaine in Burin, Madama, Duma und al-Mughayyir nieder — Soldaten blockierten die Feuerwehr. In Hawwara filmten Zeugen, wie ein Soldat gemeinsam mit Siedlern zwei Palästinenser verprügelte. In Jiljiliya schoss ein maskierter Siedler mit einem Militärgewehr auf Arbeiter.
Am 5. Juni töteten israelische Streitkräfte den 18-jährigen Haitham Ezzedine Omar Hamida bei einer Razzia in Beitin. Vergangenen Monat hatte ein Siedler den 16-jährigen Yousef Kaabneh in Jiljiliya erschossen.
Die israelische Siedlungsplanung läuft parallel weiter: Weitere 2.100 Wohneinheiten nahe Ostjerusalem, Nablus und Hebron wurden diese Woche genehmigt.
Und die israelische Armee führte am Freitag Razzien in Bethlehem, Tuqu, Immatain, Jit und Beita durch — mit Tränengas, Schallbomben und den üblichen Zusammenstößen.
Neue US-Militärbasis in Gaza: Infrastruktur für die „Trump-Lösung“
Ein Detail, das in der Hektik der diplomatischen Durchbrüche fast untergeht, berichtet die Zeitung Israel Hayom: Das US-Militär hat mit dem Bau einer großen Basis nahe dem Grenzzaun zum Gazastreifen begonnen, in der Nähe des israelischen Militärstützpunkts Re’im.
Die Anlage solle als militärisches und ziviles Hauptquartier für internationale Organisationen dienen und könnte zur Umsetzung des sogenannten „Trump-Plans“ genutzt werden. Sie würde ein multinationales Hauptquartier ersetzen, das sich zuvor in Kiryat Gat befand.
Die Meldung ist unbestätigt. Aber sie passt ins Bild: Während in Genf Frieden verhandelt wird, wird an der Peripherie gebaut — für eine Nachkriegsordnung, die Gaza nicht als palästinensisches Territorium, sondern als Verwaltungszone unter internationaler Aufsicht betrachtet.
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Das sind keine Verhandlungen – das ist ein Katz und Maus-Spiel….
Die USA glauben, wieder einmal Zeit schinden zu können, um das Gesicht zu wahren.
Der Iran glaubt, dass er wieder Zugeständnisse machen kann, die niemals schlagend werden, weil eh die Gegenseite die Abmachung bricht.
AmS ist der Iran die Katze und die Maus USA sitzt in einer Sackgasse, während die Katze den einzigen Ausgang bewacht.
Die Jxden holen sich noch blutige Nasen, Auge um Auge, aber den Schlag verabreichen sie sich höchstselbst, den Gott ist der eingebaute Richter in jedem einzelnen Menschen.
Putin beendet seinen Krieg ja auch nicht. Manche sagen schon, er sei ein YGL wie Orban…
Jedenfalls sind die Ölpreise jetzt wieder gesunken….
Der Iran arbeitet an der Agenda 2030. Dass Isr. damit begonnen hat, die Energieanlagen des Iran zu bombardieren und der Iran in Folge die Energiegewinnung der Golfstaaten ruiniert und mit der Spxrre von Hormus den Export behindert hat, ist Faktum. Und es ist absolut unlogisch. Ich weiß, der Iran argumentiert das damit, dass die Nachbarländer die VS unterstützen, aber es ist dennoch seltsam, wenn sie sich nicht direkt beim Aggressor rächen. Zeitgleich hatte auch Schneelenski damit begonnen die Energieinfrastruktur zu zerstören, was Russland auch mit sich geschehen lässt. Gut, immerhin hat man ja nun Wagner-Söldner auf die Piraten angesetzt. Die Mullah-Anhänger und Ami-Hasser sind, wenn man solche Überlegungen anstellt, immerzu aufgescheucht wie ein Hendlstall, in den der Fuchs eindringt, was weitere Rückschlüsse zulässt…nämlich, dass sie der Great Reset Kirche angehôren…manchevielleicht unwissentlich… Sie wünschen sich die totale Zerstörung des „Westens“und dann den Great Reset…dann aber endlich mit dem noch nie dagewesenen echten S-ismus…keiner soll mehr was besitzen, damit der Kapitalismus endlich besiegt werde. Also wird mal alles ruiniert, und was bleibt, enteignet. Frägt sich nur, wer allen Besitz dann verwaltet und vermietet…Some are always more equal..the pigs :-)
https://tkp.at/2026/03/31/hormus-theater-krieg-oder-inszenierter-energie-reset/
„… Manche sagen schon, er sei ein YGL wie Orban… …“
Putin ist in der Liste der Namen derer, die YGL waren, namentlich angegeben, soweit mir bekannt.
Danke!
und wer dann noch mieten kann oder will, ist auch nicht geklärt…
„USA und Iran pokern, Israel eskaliert, Palästina blutet“ und die Welt schaut Fußball.